Zeiten ändern sich

Es wäre mal wieder Zeit für das jährliche Abwaschen der ungenutzten Dinge…

Vor etwas mehr als 29 Jahren sagten wir „Ja“ zueinander. In diesem Jahr war unsere Jüngste die Einzige, die tatsächlich daran dachte, vielleicht, weil unsere Sterntaler-Crew an diesem Tag losfuhr.

Heute früh saß ich draußen und mir ging so durch den Kopf, dass wir vor fast dreißig Jahren in gewisser Hinsicht bürgerlicher waren als heute. Warum? Naja, zunächst einmal beschlossen wir, zu heiraten, weil Julia unterwegs war. Ein bisschen, damit namenstechnisch alles seine Ordnung hatte, ein bisschen pragmatisch, damit Edgar Entscheidungen treffen durfte, falls ich mal nicht in der Lage wäre….

Und bevor irgendjemand Schnappatmung bekommt: zum größten Teil, weil wir uns sicher waren, dass wir unser Leben zusammen verbringen wollten😄. Tatsächlich machten wir auch damals schon einiges anders als es üblich war. Er suchte mein Brautkleid aus, ich den Brautstrauß… Unsere Hochzeit „stand“ innerhalb von drei Monaten, eine ausgefallene Location war nicht unsere Priorität. Wir trommelten die Leute zusammen, die wir dabei haben wollten, buchten ein Restaurant, bestellten das Aufgebot und den Pfarrer und das wars.

Absolut im Rahmen des damals Üblichen war allerdings der sogenannte „Hochzeitstisch“ im Kaufhaus. Wir suchten uns im ganzen Laden Dinge zusammen, von denen wir dachten, dass wir sie für eine erfolgreiche Ehe brauchen könnten: Vasen, ein Kaffee- und Essgeschirr von Hutschenreuther, weiteres Besteck zu meinem „Aussteuerbesteck“ von der Konfirmation, Serviettenringe(!!!😳) und Gläser für alle möglichen Getränke, die aus der heutigen Sicht nerven, da sie meist nur einmal im Jahr zum Abwaschen aus der Vitrine genommen werden, weil sie zwar gut aussehen und auch ganz schlicht und ohne irgendwelchen Schliff sind, aber lange dünne Stiele haben.

Wer konnte auch ahnen, dass ich ein Vierteljahrhundert später eigentlich am liebsten Recycling-Gläser hätte oder für ein schönes Abendessen mit einem leckeren Wein bevorzugt die uralten Gläser meiner Oma benutzen würde (obwohl es dabei keine Unterscheidung von Rotwein- und Weißweingläsern gibt)? Dass ich weiße Tischdecken meide, nicht ganz so wie der Teufel das Weihwasser, aber eben fast (schließlich sind wir eine Sippschaft, die fast zwangsläufig zu kleckern anfängt, sobald Rotkohl, Tomatensoße oder Rotwein im Spiel ist). Dass das Hochzeitsgeschenk, das bis heute am häufigsten bei uns im Einsatz ist, ein Satz Geschirrtücher mit Waffelmuster ist, die sich optisch so sehr von den anderen unterscheiden, dass jeder in der Küche weiß: die sind zum Abtrocknen von Obst und Gemüse (nach fast 30 Jahren werden sie nun langsam leider etwas fadenscheinig).

Heute ist unser Haus voll von unserem eigenen Krempel, von dem wir einmal dachten, dass wir ohne ihn nicht leben können, aber auch von den unzähligen Sammelgedecken, Cognac-Karaffen, Tortenhebern, Kerzenleuchtern, Kristallrömern in allen Farben und was man noch so sammelte, als man es sich nach dem Krieg mal wieder leisten konnte. Von meinen Großeltern, meinen Eltern, meinen Schwiegereltern.

Wenn bei uns jemals ein Umzug ansteht, egal ob in ein normales oder erst recht in ein Tiny House, dann gnade uns Gott. Es hilft nichts, ich muss bald dringend mit einer Befreiungsaktion loslegen. Aber jetzt, wo ich dieses hier schreibe, bin ich gerade erst seit einigen Stunden das Abduktionskissen los. Ich darf mit rechts nichts heben, das schwerer ist als eine Kaffeetasse, und selbst die zittert unkontrolliert, weil nach vier Wochen Zwangspause der Arm so schwabbelig ist wie Wackelpudding…

Ach übrigens: Klar, es hätte auch alles ganz anders kommen können. Aber wir sind auch heute noch ausgesprochen gern miteinander verheiratet (auch wenn wir beide öfter mal unseren Hochzeitstag vergessen) und sehr dankbar dafür. Wir haben Höhen, wir haben auch mal Tiefen, wir arbeiten sogar seit vielen Jahren erfolgreich zusammen, und wenn einer von uns mal nicht so kann, übernimmt der andere Partner. Wir haben keine Reichtümer angehäuft, aber unser Auskommen und wir haben drei tolle Töchter sowie zwei klasse Schwiegersöhne. Was wollen wir mehr?

Ohne Humor geht es nicht

Zunächst mal bitte ich um Entschuldigung für zwei Tage Pause beim Talk-Boxing. Am Sonntag haben die Vorbereitungen für unseren DIY-FAQ-Baukastengottesdienst mich auf Trab gehalten:

Oben die Zutaten für das „Bistro“ nach dem Gottesdienst, unten alle Zutaten für Fürbitte, Klage und Freude…

Gestern hat mich das Wetter geflasht sowie die Erlaubnis der Orthopädin, mit Spaziergängen das Zeitalter der Bewegung wieder einzuläuten. Und deswegen bin ich mit Kathrin, die für die Gemeinde Ostergrüße verteilt hat, mitgetöltert. Ungefähr einen ganzen Kilometer! Danach war ich fertig. Aber auch glücklich.

Nun zum heutigen Bild: Unsere Ehe hält jetzt schon 28 Jahre. Einige Geschirrtücher, die wir zur Hochzeit bekommen haben, sind auch noch in Ordnung. Andere haben deutliche Löcher. Auf jeden Fall ist dieser Werbespruch ziemlich humorvoll und bietet nebenbei auch noch Stoff (nicht nur zum Abtrocknen, sondern auch) zum Nachdenken. Ist es vielleicht so, dass wir an Geschirrtücher ziemlich begrenzte Erwartungen haben, an unsere Ehe aber sozusagen die Erwartung knüpfen, sie müsse ziemlich universell einsetzbar sein? Ach, ich weiß nicht und es wird mir auch zu philosophisch. Danach ist mir heute nicht.

Deswegen wende ich mich der Textkarte zu. Vor Lachen gebogen setze ich jetzt mal mit Lachkrampf gleich. Vor ein paar Tagen war das erst. Edgar, Kathrin und ich saßen nach dem Essen noch gemeinsam am Tisch und Kathrin imitierte jemanden. Ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr, wen. Es kann sich genauso um einen Lehrer oder eine Lehrerin ihrer Schule gehandelt habe wie es sein kann, dass sie mich nachgemacht hat. Aber es war in jedem Fall total gut getroffen und sehr witzig.

Davor habe ich mich tatsächlich vor Lachen ausgeschüttet, als mir klar wurde, dass ich nicht einfach nur Zerrungen in den Oberschenkeln hatte und dass es langwieriger und auch einschneidender sein würde, wieder einigermaßen hergestellt zu werden. In dem Moment war Lachen das Einzige, was mich vom Heulen abgehalten hat.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

PS: Die Limonade oben im Bild habe ich privat gekauft. Mit der Firma habe ich keinerlei Verträge und bekomme keine Provision.