Challenge Woche 1 – bisher klappt es!

  1. Januar: eine Obstschale. Vor 27 1/2 Jahren zur Hochzeit bekommen. Über die Schale habe ich schon geschrieben.
  2.  Januar: Die Adventskranzgläser von Bofrost. Die gab es vor zig Jahren mal mit irgendeiner Eissorte gefüllt. Was denkt man sich dann so als Mama mit altersbedingt eher grobmotorischen Kindern? Prima, da packe ich Teelichter rein, und dann kann auch nix abfackeln. Ich glaube im Rückblick, mehr als eine Saison kamen sie nicht zum praktischen Einsatz. Seitdem wandern sie vor Weihnachten raus aus der Kiste mit dem Weihnachtsgeschirr und nach Weihnachten wieder hinein, ohne zwischendurch etwas anderes zu tun als Staub zu fangen. Resümeé: Die Firmen wissen schon, wie sie uns mit Marketinggags einfangen…
  3.  Januar: Mamas Fondue vom Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrtausendshunderts. Geschmackvoll, ohne Frage, wenn man auf diesen unverfälschten Retrochic steht. Ich denn doch nicht so sehr. Aber es hängen doch glatt ein paar schöne Kindheitserinnerungen daran. Zum Beispiel, dass es früher immer nur Fettfondue gab. Und die Wohnung eine Woche danach „duftete“. Das restliche Fett hat meine Mutter die nächsten Wochen noch für den Sonntagsbraten genutzt, für was anderes taugte es nicht mehr… (Und alles schmeckte irgendwie nach Fondue 😉 )
  4.  Januar: Drei DIY-Bücher meiner Schwiegermutter, ebenfalls vom Anfang der 70er. Einige Bücher aus der Reihe konnte ich sogar bei Momox loswerden, aber diese drei eben nicht. Obwohl in einem der Bücher gezeigt wird, wie man (auch ohne Joghurtbereiter) Joghurt, Quark und anderen Käse selber herstellen kann. Total im Trend wieder. Aber den Fotos (schwarzweiß, pixelig und mit riesigen Kragenecken an der Bluse der Hausfrau) sieht man ihr Alter halt an.
  5.  Januar: Ich habe zwei breite Stehsammler voll Patchworkzeitschriften dermaßen dezimiert, dass insgesamt 16 Anleitungen übrig blieben, die ich demnächst gezielt projektieren werde. Und weil das so eine schwere Arbeit war und außerdem Sonntag, dachte ich, ich tu‘ mir was gutes und lade „Thor“ ein, mir mit Marvel-Superheldenkräften dabei zu helfen. Ob es an ihm lag oder an der Erkenntnis, dass 8 oder 9 Jahre alte Patchworkanleitungen zum großen Teil einfach überaltert sind, es ging mir ganz leicht von der Hand.
  6.  Januar: 6 Flaschen Rotkäppchen-Sekt. Auch ein Erbstück von SchwieMu. Die ist aber vor 3 Jahren hingeschieden und ich weiß auch nicht, wie lange sie die Pullen schon vorher gehortet hatte. Bisher waren alle Versuche, sie an potentielle Hochzeitspaare oder andere nette Mitmenschen loszuwerden, vergeblich. Da ich aber auch nicht weiß, wie lange sich so ein Fusel hält, werde ich sie wohl wegkippen.
  7.  Januar: eine vor zig Jahren mal angefangene Flasche Southern Comfort. Da kommen auch Erinnerungen: Als unsere großen Töchter noch kleine Töchter waren, habe ich traditionell am späten Abend des 23. Dezember die Weihnachtsgeschenke verpackt und mir dabei jedes Jahr ein Gläschen Southern gegönnt. Bis ich den Pflaumen-Zimt-Likör für mich entdeckte. Und dann kam auch noch meine Rheuma-Karriere, seither gar kein Alk mehr. Wenn der Southern seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr angefasst wurde, wird er das auch in Zukunft nicht mehr, außerdem: Haltbarkeit und so (obwohl, Alkohol konserviert…)

Meine Mitstreiterinnen waren in derselben Zeit teilweise deutlich produktiver beim Aussortieren, Chapeau. Bei mir wird da auch noch einiges folgen, wo ich jetzt schon weiß, das wird mehr als ein Teil pro Tag. Aber für den Anfang wollte ich schon erstmal bei dem Prinzip bleiben, um mir bei jedem Teil in Erinnerung zu rufen, wie dieses bestimmte Teil zu uns gefunden hat, ob es eine Geschichte hat oder einfach nur ein Fehlkauf war. Oder ob es eher zufällig den Weg in unser Haus gefunden hat. Wenn ich das beim größeren Entrümpeln machen wollte, würde ich ja nie fertig.

Deswegen werden die alten Weinvorräte meiner Eltern, die ebenfalls in den 70er Jahren auf einem rheinhessischen Weingut eingekauft wurden und in Teilen immer noch im Keller liegen, dann demnächst in einer konzertierten Aktion, aber ohne große Publicity, ins Außenspülbecken gekippt, damit wir in der Küche nicht vom Geruch besoffen werden. Ebenso die ganzen Sektflaschen mit Werbeetiketten von Auto- und Caravanhändlern, die man bis vor einigen Jahren immer beim Kauf eines Vehikels dazubekam. Da Edgar in den Zeiten vor TeamViewer und Co. viel unterwegs war und deswegen alle zwei Jahre einen neuen Firmenwagen bekam, hat sich einiges angesammelt.

Was mir bisher aufgefallen ist: Wenn ich nicht ganz gezielt sage: „Heute nehme ich mir den Vorratskeller vor“ oder ähnlich, schleiche ich jeden Tag irgendwie durchs Haus und denke „Hm, was könntest du denn heute mal…“. Für mich ein Zeichen dafür, dass viel zu viele Dinge überhaupt nicht in meinem Bewusstsein existieren. Sie halten sich in Schränken, Regalen, Räumen irgendwo versteckt und üben keine Funktion aus, sie sind so sehr austauschbar, dass ich sie vergessen habe. Traurig eigentlich.

Die zweite Woche hat heute schon begonnen. Mal sehen, wie es weitergeht. Ich melde mich…

 

 

Challenge 2020

Am 29. Dezember des vergangenen Jahres (wie sich das anhört…) saß ich am Schreibtisch und versuchte ihn aufzuräumen. Weil ich das immer um die Jahreswende mache. Wie ziemlich oft in letzter Zeit machte sich mein Hirn selbständig und suchte nach einer Herausforderung neben diesem stupiden Zeug wie „alte Quittungen wegschmeißen“ und so weiter. Und so entstand diese Idee, die ich dann in einer WhatsApp an einige Frauen aus meinem Freundeskreis schickte:

Hallo Mädels. Weil ich heute so ganz zwischen zwei Jahren feststecke, ist mir eben eine verrückte Idee gekommen. Das nächste Jahr hat 366 Tage. 366 Gelegenheiten, sich von Sachen zu trennen. Und zwar täglich genau von einem Teil. Geht schnell, fällt nicht so auf und schafft Platz in den Schränken und im Kopf. Seid kreativ und karitativ beim Loswerden und postet gern eure Erfolge (und auch die Misserfolge). Muss ja nicht zwingend täglich sein 🙂 . Wer von euch keine Lust hat, entfernt sich einfach aus der Gruppe. Los geht’s am 1. Januar!

Ich war total verblüfft, dass sich zumindest fünf von ihnen direkt gemeldet haben, weil sie die Idee interessant fanden. Gemeinsam ist uns die Wahrnehmung, dass es aber vermutlich bei der täglichen Umsetzung Probleme geben könnte, aber hey, es heißt ja nicht umsonst „Challenge“. Außerdem hängt bei keiner von uns das Leben und das Glück davon ab, es durchzuziehen.

Gestern fragte Daniela mich, wie ich denn darauf gekommen bin.

Sitzt du bequem? Hast du Essen und Trinken in der Reichweite und eine gute Blase? Wenn ich jetzt in epischer Breite erzähle, wie es dazu kam, könnte es dauern… 😉

Mir ist in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, dass sich meine Prioritäten zunehmend ändern. Als junge Frau dachte ich oft, dieses müsste ich noch haben und jenes würde das Leben angenehmer und bequemer machen. Es gab diverse „Must haves“ (ich sag nur „Tupperparty“!!!) und außerdem haben Edgar und ich zu einer Zeit geheiratet, als man noch „Hochzeitstische“ im örtlichen Kaufhaus zusammenstellte (naja, der Vorteil war immerhin, dass man dann nicht unbedingt zig Garnituren potthässlicher Bettwäsche bekam wie mein Bruder und meine Schwägerin einige Jahre zuvor).

Jedenfalls, ich sitze heutzutage hier mit einem Berg von selbst angeschafften und geschenkten Dingen, die mir irgendwann unabdingbar schienen, die ich aber inzwischen teilweise als Ballast, als Belastung empfinde. Ich bin keineswegs undankbar für diese Geschenke und auch nicht dafür, dass wir die Mittel hatten, uns vieles anzuschaffen. Ich habe nur festgestellt, dass viele dieser Dinge ihre Zeit hatten, die aber abgelaufen ist.

Zu diesen Dingen kommen noch die vielen Nippessachen, Geschirr, Kristallvasen, Karaffen etc. von unseren Müttern (und teilweise sogar von Großeltern), die den Keller und den Dachboden verstopfen. Ja, es fühlt sich tatsächlich wie Verstopfung an, es ist unbequem und schmerzhaft… Vieles ist aufbewahrt worden, weil eine Familientradition daran hängt.

Aber warum habe ich zum Beispiel immer noch die Urkunde zur 50jährigen Gewerkschaftszugehörigkeit meines Opas? Klar, weil ich immer noch stolz auf das bin, was mein Opa dargestellt und geleistet hat, obwohl er starb, als ich zwei Jahre alt war. Aber meine älteste Kindheitserinnerung hängt halt auch mit diesem Opa zusammen.

Die Dinge, welche die Wohnzimmerschränke unserer Mütter bevölkerten, konnten wir zum Teil nach deren Versterben nicht entsorgen. Zum einen hingen Erinnerungen daran, zum Teil wollten wir unseren Töchtern später die Gelegenheit einräumen, sich aus diesen Erbstücken etwas herauszusuchen. Und ein Gefühl der Pietätlosigkeit, wenn man sich zu früh von Sachen trennt, spielte auch eine Rolle.

O je, und ich muss auch von dem reden, was vermutlich jede stolze Mutter kennt: Die Kunstwerke sämtlicher Kinder, anfangs noch auf der Rückseite liebevoll mit Jahreszahl und Geschenkgelegenheit beschriftet, irgendwann angesichts der Massenproduktion kapituliert… Also Kinder, wenn ihr dieses hier lest, müsst ihr ganz stark sein: Ehe die eine oder andere von euch uns eventuell mit Enkelkindern beglückt, muss ich mal aussortieren. Einiges werde ich dann auch ganz bestimmt liebevoll aufbewahren, aber die 59 Bilder der blauen Kringelserie oder so müssen dann einfach mal den Weg alles Irdischen gehen. Qualität (z.B. Erinnerungswert) vor Quantität!

Natürlich will ich hier nicht nur andere durch den Kakao ziehen. Wenn ich an die Kisten mit Fotos denke aus der analogen Zeit, kommt mir das Gruseln. Aber auch da habe ich viele Leichen im Keller. Die immer wieder ähnlichen Fotos von kleinen Mädchen, die irgendwas veranstalten, was man als junge Eltern „sooo süß“ findet, das bei schonungslos ehrlicher Betrachtung für die inzwischen herangewachsenen Damen aber nur noch peinlich ist, die müssen auch dringend mal entrümpelt werden. Digital sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Eine Terabyte-Festplatte verleitet zu noch mehr Horterei.

Wie sieht das denn nun konkret aus? Sandra schrieb heute von der Philosophie Marie Kondos: Frage dich bei jedem Teil, ob es dich glücklich macht. Auch wenn ich persönlich so weit nicht unbedingt gehe, es hat was. Wenn du einmal hochscrollst zum Beitragsbild, siehst du links die Obstschale. Die haben wir zur Hochzeit bekommen, es sind auch sehr viele Generation von Äpfeln darin schrumpelig geworden (nein im Ernst, ich habe sie viele Jahre gut genutzt), aber jetzt passt sie leider nicht mehr in mein Leben. Zu bunt. Das mindert nicht die Wertschätzung für die Schale, denn ich suche jetzt einen lieben neuen Besitzer dafür, der auch weiterhin gut zu ihr ist.

Rechts oben der Krug, da denkst du bestimmt: Okay, der ist ein klarer Fall für die Tonne. Weit gefehlt. Wenn es im Winter mal so richtig kalt ist und man möglicherweise eine Schneeballschlacht hinter sich hat, dann muss es aus dieser und keiner anderen Kanne Kakao geben. Richtigen Kakao, keinen Instant. Das ist eine Institution und hängt mit dem wohligen Gefühl aus meiner Kindheit zusammen. Das ist Lebensqualität. Auch wenn solche Winter wahrscheinlich zunehmend seltener werden.

Darunter ist eine Tasse mit Garfield drauf. Die hat Kerstin mir geschenkt, als ich so 12-14 Jahre alt wurde, es ist so lange her, dass ich es nicht mehr genau weiß. Aber bis heute trinke ich immer noch gern aus der Tasse, weil sie mich an unsere Freundschaft erinnert. Das ist mir sehr wichtig, es ist ein Meilenstein meines Lebens.

In loser Reihenfolge werde ich mal versuchen, von meinen Fortschritten und Rückschlägen (ich weiß, es wird sie geben!) zu berichten. Oder wird uns die Challenge zu ganz ungeplanten, ungeahnten Ufern führen? Wer weiß…