P10 Themenwort W#09: Vergänglichkeit

Nachdem ich einmal ausgesetzt habe, weil mir in Woche 8 einfach mal nichts einfiel, bin ich heute ganz schnell fündig geworden und kann Wortmans Neugierde bezüglich unserer Ideen prompt befriedigen.

Sinnigerweise flogen mir die Motive nur so zu, bei meiner sonntäglichen Gartenbuddelei, und so kann ich nun in einem Abwasch kreativ sein und Pause machen. Praktisch.

Mein selbstgebauter Rosenbogen, sturmzerzaust und von den Resten der letztjährigen Brennnessel“plantage“ umwuchert…

Wenn du in meinem Blog etwas nach unten scrollst, siehst du an der rechten Seite ein Foto von vor einigen Jahren, als ich den Rosenbogen aufbaute. Die Rosen wuchsen erst ganz wunderbar und umrankten den Bogen malerisch, aber entweder waren die Trockensommer 2018 und 2019 nicht gut für sie oder wir hatten eine ganz besonders hungrige Wühlmausbande, die von unten alles abgeknabbert hat. Letztes Jahr waren sie einfach weg. Außerdem haben die beiden letzten Jahre, als ich aus gesundheitlichen Gründen das Grundstück sehr vernachlässigt habe, auch deutlich sichtbare Spuren hinterlassen… Mal sehen, ob ich den Bogen wieder in Schuss bekomme.

Die Schilfmatten müssen dieses Jahr auch ersetzt werden…

Kalle ist ein kleiner Houdini. Er entfesselt sich zwar nicht, aber sein Freiheitsdrang lässt ihn Maschendrahtzäune aufbördeln. Und dann entwischt er mir durch das beharrlich vergrößerte Loch und geht in der Nachbarschaft spazieren. Um das zu verhindern, habe ich vor einigen Jahren Weidenmatten vor dem Zaun befestigt. Aber der Zahn der Zeit nagt ganz kräftig und erinnert mich an die Vergänglichkeit dieses Materials. Dieses Jahr habe ich reichlich Schnittgut von jungen, wild wuchernden Ahörnern, daraus flechte ich jetzt peu à peu neue Zäune, die ich dann im Sommer mit Wicken beranken lassen will.

Vergehen heißt auch: da kommt Neues

Und zuletzt werde ich doch noch ein bisschen sentimental philosophisch. Seit meiner frühen Kindheit stand seitlich vom Haus eine kleine Fliederhecke, die alljährlich im Frühjahr herrlich lila blühte. Seit ungefähr 10 Jahren musste ich in jedem Jahr etwas von dieser Hecke ausbuddeln, weil der Flieder immer weiter kaputtging. Aber zumindest an einer Stelle trieben neue Stämmchen aus den alten Wurzeln, so dass ich mich in ein paar Wochen wenigstens ein kleines bisschen über den duftenden Flieder freuen kann. Die abgeschnittenen Stämme des alten Flieders hatte ich in längeren Stücken dekorativ zwischen die Stauden rundum gelegt, die sind inzwischen zu begehrten Lebensräume für Asseln und andere Krabbeltiere geworden.

So. Pause beendet, Herausforderung angenommen und beantwortet, jetzt geht es weiter. Von den Brennnessel- und Gierschwurzeln, die ich heute ausgrabe, könnte ich glatt heute Abend meine Familie durchfüttern…

Schlagschrauber

Etwas verhalten, der Sonntagmorgen, es ist kalt (Kalle trinkt früh am Tag immer gern eine Portion Regenwasser aus einem Eimer, musste aber heute mal wieder mit Wassereis vorlieb nehmen😅) und die Sonne hat sich offensichtlich auch gedacht „Heute ist Sonntag, ich schlafe mal ein, zwei Stündchen länger“. Im alten Nussbaum, der schon ziemlich morsch ist, aber durch die windgeschützte Lage hinter dem Haus immer noch recht rüstig, ist der Specht aktiv.

Ich hatte ihn im Visier, leider nur mit der Handykamera, zu sehen in der Mitte des Fotos:

Ich hatte Bammel, dass er nicht so lange sitzen bleibt, bis ich den Fotoapparat geholt habe, der im Büro liegt. Also ist er zwar leider etwas unscharf, aber zumindest dokumentiert. Noch interessanter als das Bild, das er abgibt, finde ich die Geräuschkulisse, denn wenn er hämmert, hört er sich an wie ein Schlagschrauber, mit dem man Radmuttern anzieht. Und so schnell, wie er auf den Baum einkloppt, kann ich überhaupt nicht gucken. Auch so ein Wunderwerk der Schöpfung: Wir Menschen hätten bei solcher Essensbeschaffung ständig eine Gehirnerschütterung, wenn nicht mehr.

Und sonst so? Lese ich mal wieder zwei interessante Sachbücher gleichzeitig abwechselnd (und einen englischen Krimi abends zum Einschlafen), die auf den ersten Blick total gegensätzlich sind, sich aber tatsächlich unheimlich gut ergänzen:

Nicht nur, weil das eine ein ganz normales, raschelndes, anfass- und riechbares Buch und das andere ein eBook ist, sondern weil es um die so ziemlich gegensätzlichsten Fortbewegungsarten geht. Ich werde demnächst ausführlich berichten, möglicherweise auch wieder als Lesetagebuch. Mal sehen.

Einen schönen Sonntag euch allen.

Gar schön ist’s, übers Moor zu gehen

Auch wenn noch alles etwas nach Winterschlaf aussah, als wir den Weg ins Hiller Moor nahmen, der Frühling steckte schon dann und wann seine Vorboten in die Luft. Und glücklicherweise war der Weg auch nicht so überlaufen, wie es nach der Anzahl der Autos auf dem Wanderparkplatz aussah, es verläuft sich denn doch ziemlich in der Fläche. Obwohl es Naturschutzgebiet ist und man sich nur auf den Wanderwegen aufhalten darf. Mit lieben Freunden, deren und unserer Tochter und insgesamt drei Hunden zogen wir gut gelaunt los. Immer schön Corona-konform: Vorweg die beiden Mädels, in einigen Metern Abstand wir Frauen, die Männer bummelten hinterher. Endlich hatten wir so einmal wieder ausgiebig Zeit zum Unterhalten.

Bei den Fotos oben bekommt man eine Ahnung, warum Menschen Moore früher als gefährliche und unheimliche Orte wahrgenommen haben. Gestern war es teils sonnig, teils bedeckt und relativ windstill. Stelle ich mir dieselbe Landschaft bei Regen, Sturm oder Gewitter vor, und dann noch auf dem normalen Bildungsniveau von vor 200 Jahren, dann sieht es ganz anders aus. Dazu kommt, dass das Hiller Moor in den letzten Jahrzehnten erstmal renaturiert werden musste, ein Vorgang, der noch nicht abgeschlossen ist. Die Wiedervernässung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, schätze ich mal.

Meist ein wenig zögerlich, aber an manchen Stellen auch schon recht grün, macht sich der Frühling dieses Jahr spät bemerkbar. Das Entenpärchen begegnete uns an verschiedenen Stellen. Der Rundweg, den wir nahmen, ist nur drei Kilometer lang, aber an verschiedenen Stellen machten wir halt, damit Kalle sich etwas hinlegen und ausruhen konnte, um seine Beine zu schonen. An einer Schutzhütte gibt es einen Schlickpfuhl mit Geländer, da kann man barfuß drin herumstapfen. Um hinterher die Füße wieder sauber zu bekommen, gibt es diese Pumpe (aus der bräunliches Moorwasser kommt):

Naja, vielleicht im Sommer mit kurzen Hosen…

So eine schöne Landschaft haben wir fast vor der Haustür. Im Hintergrund zieht sich das Wiehengebirge entlang.

Ich nehme mir fest vor, diese wunderschöne Landschaft dieses Jahr öfter zu erleben, in verschiedenen Jahreszeiten, zum Beispiel zur Wollgrasblüte, später auch, wenn die Heide blüht, und natürlich auch im grauen November. Vielleicht lerne ich dann doch noch den Schauder kennen?

Frühling

Zu den abc.Etüden von Christiane kommst du hier. Danke für die Schreibeinladung. Es juckt mich in den Fingern, die Wörter von Sabine der Jahreszeit entsprechend umzusetzen:

„Mama, ich gehe ins Feld. Ein bisschen Spazierengehen kann nicht schaden. Es ist so tolles Wetter heute. Kaum zu glauben, dass letzte Woche noch Schnee lag.“ Ich freue mich, dass sie raus will. Nicht immer nur im Zimmer sitzen, vor dem Tablet, in Videokonferenzen. Oder Aufgaben bearbeiten. Freizeit und frische Luft muss auch sein. Die erwachende Natur neu entdecken. Und es ist ja auch tatsächlich so: Innerhalb einer Woche sind die Temperaturen um 30 Grad gestiegen.

Doch dann sehe ich, was sie für Klamotten anhat und das Muttertier kommt mit Macht durch: „Kind, nimm wenigstens deine Strickjacke mit. Die Sonne ist trügerisch. Wo sie noch nicht so hinkommt, ist die Luft noch ganz schön kalt. Du bekommst es noch an den Nieren!“ „Ach Mama. Du immer…!“

125 Wörter. (Auto-)biografisch. Das ist tatsächlich der Punkt, an dem ich mich original anhöre wie meine eigene Mutter. Und das schon drei Töchter lang😅. Sie leben alle noch. Ich ja auch.

Frühlingsmorgen

Samstag früh um viertel nach Acht. Seit zwei Stunden sitze ich in der Küche und habe ganz gemütlich die Zeitung gelesen. Draußen ist es saukalt, aber ein wunderbarer Frühlingsmorgen. Die Amseln zwitschern, Tau glitzert auf allen Pflanzen, Möwen fliegen übermütig über unser Haus und die Krähen krächzen wie immer, sind nach wie vor auf der Suche nach übriggebliebenen Nüssen vom Herbst. Alles wie jeden Samstag?

Jein. Meine Samstagmorgenroutine sieht eigentlich immer so aus. Viel Zeit für frischen Kaffee und die Zeitung, Mann und Kind schlafen lassen, bis die Hunde anfangen zu motzen, dass es jetzt doch endlich mal Frühstück geben müsse.

Und trotzdem ist es anders, gefühlt. Es ist der Tag, nachdem Deutschland sich einen teilweisen Stillstand verordnet hat. Schulen und Kitas schließen (nur MeckPomm hat sich noch nicht entschlossen, aber dort geht ja auch die Welt 50 Jahre später unter), die Bundesliga ist gestoppt!!! Das öffentliche Leben, Theater, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, alles ausgesetzt. Viele Eltern müssen sich jetzt reiflich überlegen, wie sie die Anforderungen von Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen. Nicht alle haben es so gut wie Edgar und ich, denn wir arbeiten beide schon seit langen Jahren von zu Hause. Für uns ist es Alltag, aber das liegt an unserem Arbeitsfeld. Fabrikation, Pflege, Sicherheit, Handel, das geht nicht ohne aus-dem-Haus-gehen.

Wir alle sind zurückgeworfen auf uns selbst, müssen uns mit einer Situation auseinandersetzen, die uns einschränkt, die Egoismus eigentlich verbietet, die geeignet ist, das Beste aus jedem von uns herauszukitzeln. Ja, ich habe meine Zweifel, ob es jedem gelingt, aber ich habe die Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es gut nur miteinander geht. Und ja, vielleicht bin ich eine hoffnungslose Sozialromantikerin, aber ich habe mich bewusst entschieden, dass ich keine miesepetrige Zynikerin sein möchte. Das würde die Lage ja nicht verbessern, sondern mir am Ende nur Magengeschwüre bescheren.

Was uns diese Situation bringt, werden wir erst später erkennen, bis dahin gilt: Leben kann man das Leben nur vorwärts. Aber bitte achtsam.

In diesem Sinne: lest gute Bücher. Und wenn eure Bücherstapel abgearbeitet sind, tauscht sie untereinander. Ruft die Buchhändler eures Vertrauens an, die beraten auch telefonisch und schicken euch die Lektüre ins Haus. Zumindest, solange die Geschäfte noch geöffnet sind. Singt! Singen gegen die Angst ist etwas wunderbares. Den Beitrag aus Italien gestern Abend mit den singenden Menschen in den Hochhaussiedlungen fand ich sehr berührend. Und wenn ihr allein in eurem Zimmer hockt, ist es auch egal, wie schief 😉

Schaut aus dem Fenster, hört den Vögeln zu, entdeckt eure Gärten neu, als Orte des Lebens, nicht der stummen Steine. Schreibt euren Lieben Briefe. Oder Mails. Egal. Und bleibt gesund, vor allem in Kopf und Seele.

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