Gerettet?

Ein Schiffbrüchiger trieb auf einer Rettungsinsel seit Tagen auf dem Meer. Er war ein frommer Mensch, mit der festen Überzeugung, dass Gott ihn aus seiner Situation erretten werde. Die Notration an Lebensmitteln war bereits verbraucht, nur ein wenig Trinkwasser hatte er noch.

Da kam ein Kreuzfahrtschiff vorbei, man machte Anstalten, ihn an Bord zu nehmen. Aber der Schiffbrüchige winkte ab: „Nein danke, nicht notwendig. Ich bin sicher, Gott rettet mich.“

Und so dümpelte er weiter auf dem Meer, und bald war auch das Wasser verbraucht. Ein Bananendampfer kreuzte seinen Weg und wieder wollte die Besatzung ihn an Bord holen. Schon deutlich schwächer, sagte der Mann wieder: “ Nein danke, ich bin ganz sicher, Gott wird mich retten.“ Und so fuhr auch der Dampfer weiter.

Der Mann wurde immer schwächer und starb schließlich an Entkräftung und Wassermangel. Als er dann vor Gott stand, fragt er ihn vorwurfsvoll: „Gott, ich habe immer in meinem Leben an dich geglaubt und bis zuletzt auf deine Hilfe vertraut. Warum hast du mich nicht gerettet?“

Gott schaute den Mann betrübt an und sagte: „Zweimal habe ich ein Schiff auf dieser weit abgelegenen Route vorbeigeschickt – aber du hast dich jedes Mal geweigert, an Bord zu gehen…“

Warum erzähle ich diese Geschichte gerade jetzt?

Auf der einen Seite: Es ist gut und richtig, wenn wir Gott vertrauen, wenn wir davon ausgehen, dass er es gut mit uns meint. Die ganze Bibel ist voller Geschichten, aus denen genau das zu lesen ist. Aber: Die Bibel ist ebenso voll von Erlebnissen, wo dieses „gut meinen“ auf eine ganz andere Art gezeigt wird, als es die Menschen erwarten. Wo ganz unvermutet Menschen oder Ereignisse dazu beitragen.

Wir haben oft ganz konkrete Vorstellungen davon, wie Gottes Hilfe auszusehen habe. Und leider erwarten wir immer noch zu häufig, dass diese Hilfe dann mit Paukenschlag und Wunderheilung kommt.

Viel häufiger kommt Gottes ganz praktische Hilfe auf leisen Sohlen daher, zum Beispiel durch Menschen, die in einer Krisensituation Ruhe bewahren, alles gut durchdenken und ihren Kopf hinhalten, um Entscheidungen zu treffen. Nicht immer sind es populäre Entscheidungen, sie können und müssen oft Einzelinteressen beschneiden, zugunsten der gesamten Gesellschaft.

83 Millionen „Expertenmeinungen“ bringen uns nicht weiter. Wenn wir eine empathische und auch erfolgreiche Gesellschaft sein wollen, müssen wir auch die Grenzen der persönlichen Freiheit kennen und akzeptieren lernen.

Danken wir, ob nun Gott oder ganz allgemein den Menschen, die aktuell ihr Bestes geben, an dem Platz wo sie ihre Aufgaben erfüllen. Ganz egal, wo dieser Platz ist. Denn wenn es gut läuft, wenn alle mitmachen, können wir uns alle gegenseitig danken.

Und erwarten wir Gottes Liebe nicht nur im Wunder, sondern in den Menschen, die er uns in den Weg stellt.

7. Dezember

Heute ist Jeremia dran: (Kap. 29, 11-14a)

Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Wenn ihr dann zu mir ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, will ich euch erhören. Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch.

Du siehst, mit den Prophetien ist das so eine Sache: Es gefällt uns nicht immer, was sie uns auf die Nase binden. Gott sagt durch Jeremia ganz klar, dass er es ist, der uns den Frieden schenkt. Nicht die Nato, keine multilateralen Verhandlungen, kein Abschreckungsszenario mit Atomwaffenarsenalen. Solange wir uns allein auf solche Ideen und Dinge verlassen, wird es den wahren großen Frieden nicht geben. Denn diese menschlichen Werkzeuge arbeiten nicht mit dem , was sich Gott für uns wünscht: Hoffnung und Zukunft. Sie arbeiten mit dem Recht des Stärkeren, mit Drohung und Abschreckung.

Gott wünscht sich so sehr, dass wir ihn suchen, dass wir uns ihm anvertrauen und bei ihm eine Heimat finden. Deswegen wiederholt Jesus die Zusage, dass Gebet erhört wird, dass die Tür uns offen steht, dass wir ihn finden können, auch zum Ende seiner „Bergpredigt“ noch einmal sehr eindringlich.