Arbeitsplätze …

Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Presseschau. Unsere lokale Tageszeitung legt heute einen kleinen Schwerpunkt auf die Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Wirtschaftsbereiche.

Ein Aspekt, den ich heute zum ersten Mal lese: Die Weltläden. Denen fehlen nicht nur hier in Deutschland die Ehrenamtlichen, die hinter dem Verkaufstresen stehen (weil diese oft schon durch ihre Lebenserfahrung zu Risikogruppen zählen). Ihre Produzenten sind meist kleine Familienbetriebe oder Kooperativen, die in den sogenannten 3. Welt-Ländern ihre Waren herstellen. Diese sind durch Corona sehr häufig gleich mehrfach gefährdet: Durch mangelhafte Gesundheitsversorgung, fehlende Sozialsysteme und Produktionsausfälle. Gar nicht erst zu reden von den üblichen Wirtschaftswegen der Weltwirtschaft, welche diese kleinen, nachhaltig arbeitenden Betriebe sowieso schon seit Jahrzehnten von der allgemeinen Wertschöpfung ausschließt.

Die Befürchtung liegt nicht ganz fern, dass das Modell der Weltläden zu den Verlierern der Krise zählen dürfte.

Auf der Wirtschaftsseite der Zeitung stehen direkt nebeneinander zwei Artikel mit den folgenden Schlagzeilen, die mich aufhorchen lassen:

„Tourismus beklagt Milliarden-Verluste. Gefahr für Hunderttausende Arbeitsplätze“

und

„>Autoländer< fordern Kaufprämie. Ministerpräsidenten wollen schwache Nachfrage ankurbeln“

Ich muss jetzt einfach mal ganz provokant nachfragen: Sind Autoindustrie-Arbeitsplätze mehr wert als Gastronomie-Arbeitsplätze? (Auf jeden Fall meistens besser bezahlt)

Auch die >Autoländer< Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen haben aber auch große Tourismus-Hochburgen. Gibt es innerhalb dieser Länder mehr oder weniger förderungswürdige Berufs- und Wirtschaftsfelder?

Was machen gar Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein, die überproportional auf den Tourismus als Einnahmequelle angewiesen sind? Wenn es tatsächlich irgendwie geartete „Kaufprämien“ für Autos gibt, sollte es dann nicht auch Urlaubsgutscheine für Touristen geben, wenn sie ihren Urlaub an Nord- und Ostsee, im Harz, dem Elbsandsteingebirge, Teutoburger Wald, Eifel, Sauerland, Schwarzwald, Oberbayern … verbringen?

Ich würde es gern verstehen. Und es kann nicht nur daran liegen, dass Deutschland halt ein „Autoland“ ist. Die Deutschen sind auch als äußerst reiselustig bekannt.

Dieses kleine Schlaglicht betrifft auch nur einen kleinen Teil des Gesamten. Es ist vermutlich überhaupt nicht möglich, die Folgen der Pandemie komplett sozial und wirtschaftlich gerecht abzufedern, aber in vielen Bereichen schreit die Ungerechtigkeit jetzt schon zum Himmel. Und auch die Klimaziele dürfen nicht hinten runterfallen. Meiner Meinung nach sollte dem Lobbyismus einzelner Großspieler ganz schnell ein Riegel vorgeschoben werden, denn die „kleinen“ Marktteilnehmer haben leider nicht so einen guten Stand. Die Regierung, die in den Augen vieler (auch in meinen) bisher in dieser Lage einen guten Job macht (vor allem aus dem Ausland gelten wir mal wieder als Vorbild und Musterknabe), verspielt sonst ruckzuck wieder das Vertrauen. Man merkt es ja jetzt schon, dass es an den Rändern ausfranst.

Und das wäre schade, nicht (nur) wegen der Regierung, sondern wegen der Solidarität vieler Menschen, die dann auch wieder flöten geht.

Aber was weiß ich denn schon, bin ja auch nur so ein einzelner kleiner Gutmensch …

3. Dezember

Es kommt der Tag, an dem ich einen Nachkommen Davids zum König mache, den man wirklich als gerecht bezeichnen kann. Er wird weise regieren und in seinem Land für Recht und Gerechtigkeit sorgen.

So hat es Gott dem Propheten Jeremia (Kap. 23,5) diktiert. Jeremia wirkte zu einer Zeit, als die meisten Israeliten sich von Gott abgewandt hatten. Als Folge davon hatte Gott das Land in die Hände Nebukadnezars fallen lassen. Der babylonische König hatte Jerusalem und das gesamte Land erobert, die wichtigsten Menschen des Volkes waren nach Babylonien verschleppt worden (ca 600-530 v. Chr., das sogenannte „babylonische Exil“)

Auch wenn es für die Menschen, die unter Besatzung litten oder im fremden Land leben mussten, sicher eine sehr schwere Situation war: Im Nachhinein war es eine fruchtbare Erfahrung, denn im Exil durften die Israeliten ihrem Glaubensleben nachgehen. Dort war die Besinnung auf den Glauben dann ganz wichtig, denn alles andere, der Kontakt zu Heimat und Familie/Freunden war abgeschnitten. Ganz nach dem Motto „Not lehrt Beten“ sorgte die Exilsituation dafür, dass die Menschen sich auf den „Marken“-Kern ihres Glaubens besannen und ihn dabei auch von allerlei schmückendem Beiwerk trennten. Es war die Keimzelle des Judentums, wie es heute noch besteht, die Hauptglaubenssätze wurden in dieser Zeit geprägt.

Aber hat das denn für uns heute eine Relevanz? Ich denke schon. Unsere Diskussionen rund um den Themenkomplex Christentum – Glauben – Kirche sind in der letzten Zeit sehr dogmatisch aufgeladen. Beispiele kennt wohl jeder. Müssen wir unser Bild vom Glauben, von der Kirche, eventuell auch (mal wieder) entrümpeln?

Sollten wir nicht wieder eher aus dem Blickwinkel von Christus die Menschen ansehen? Nicht in Schubladen sortieren, sondern so wie er es tat, den einzelnen Menschen ansehen, mit seinen Nöten, Ängsten, Bedürfnissen und mit seinem Scheitern? Und dann voller Liebe (=Respekt) auch dem Einzelnen antworten. Jedem so begegnen, wie auch wir selbst uns Begegnung wünschen?