Haarspaltereien

Eigentlich wollte ich statt Haarspaltereien Spielereien schreiben, aber leider hat das Ausmaß der Blödheiten, mit denen manche Politiker um sich werfen, die Kategorie Spiel längst hinter sich gelassen.

Ehe hier jemand Schnappatmung bekommt: Grundsätzlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass Deutschland recht solide regiert wird. Vor allem, wenn man sich in der Welt sonst so umschaut. Solange sich die Kabinette aus dem Spektrum zusammensetzen, das wir „politische Mitte“ nennen und das einen bunten Strauß an Parteien umfasst, die nicht ausschließlich an den undemokratischen Rändern der Gesellschaft (oder bei eng gefassten Interessengruppen) fischen, kann ich mit ganz unterschiedlichen Konstellationen leben. Mal ganz davon abgesehen, dass es in (fast) allen politischen Lagern Menschen gibt, denen ich mit Hochachtung begegnen kann und solche, die den Bad-Ass-Award ohne Mühe gewinnen würden.
Luft nach oben ist immer und eigentlich ist das auch gut so, denn wo käme sonst die Motivation her?

Gestern gab es bei den Montagsmotzenden einige bemerkenswerte Statements. Zum Beispiel macht sich Enttäuschung breit. Ich schätze, es gibt eine Menge Leute, die es ähnlich sehen: Man hatte der Ampel-Koalition mit der Hoffnung, es könne sich im politischen Alltagsbetrieb ein neuer Stil etablieren, entgegengesehen. 16 Jahre Alternativlosigkeit und Bemutterung hatten zu einer Aufbruchstimmung geführt. Wobei: Da gehören ja auch immer zwei dazu: Eine, die bemuttert, und die anderen, die sich teilweise nur zu gern bemuttern lassen, weil man dann so herrlich die Verantwortung an der Garderobe abgeben kann.

Derr Herr aus Süddeutschland, dessen Name inzwischen als Verb existiert (Übrigens bemerkenswert, dass die katholischen Oberbayern schon so lange einem evangelischen Franken folgen, oder?), hat offensichtlich kein Problem damit, situationsabhängig zu dem Schluss zu kommen: „Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil“. Und das nicht nur einmal. Nur mal so als Gedankenspiel: Wenn der Herr sein eigenes AKW betreiben dürfte (aber dann müsste er natürlich auch den bayerischen Strahlenmüll in Berchtesgaden in den alten Salzstock tun), dann gäbe es ja wieder keinen Veränderungsdruck, in alternative Energiekonzepte zu investieren, denn der Strom käme weiterhin komfortabel aus der Steckdose. Und Ende der 2020er Jahre käme er mit genau derselben Argumentation um die Ecke wie jetzt:

Quelle: MT vom 18.4.2023

Ein Schelm, wer übles dabei denkt, nicht wahr?

Damit bin ich auch schon bei meiner nächsten Überlegung: gut gesetzte Rahmenbedingungen brauchen wir von der Politik. Ein Regelwerk wie ein Treppengeländer statt einen Versandhauskatalog an erlaubten und verbotenen Einzelmaßnahmen. Aufgabe der Politik ist es, Zielvorgaben zu machen: Da will Deutschland hin, und zwar bis zum Zeitpunkt X. Für die Umsetzung gibt es wiederum überprüfbare Vorgaben: Nachhaltigkeitsziele, Gerechtigkeitsziele, Inklusionsziele, … Und die müssen unterwegs in Abständen überprüft werden, denn inzwischen sollte jeder gemerkt haben, dass alles, nicht nur das Klima, sich schneller wandelt als vor 50 Jahren.
Der Weg zu den Zielen muss sich an den Vorgaben orientieren, aber jetzt übernimmt eine andere Gruppe: für die Umsetzung gibt es dann viele Menschen, die sich in ihren jeweiligen Fachgebieten auskennen und mit anderen vernetzt sind. Die können dann auf Augenhöhe ausdiskutieren, wie der bestmögliche Erfolg erzielt werden kann. Und auf jeden Fall müssen auch Praktiker dabei sein, die den Überblick über Lieferzeiten, Verfügbarkeit von unverzichtbaren Materialien etc. haben. Auch Visionäre brauchen wir. Man mag von Leuten wie Elon Musk halten, was man will, aber wo stünden wir heute mit der E-Mobilität, wenn er nicht „einfach mal gemacht“ hätte? Und letztlich ist es dann wieder die Aufgabe der Legislative, solchen Menschen Grenzen aufzuzeigen: Prima Konzept, was du hast, aber es geht nur soweit, dass den Menschen in den Regionen nicht das Wasser abgegraben wird. (Oder etwas anderes lebenswichtiges)

Natürlich habe ich das jetzt verkürzt und vereinfacht dargestellt, aber es ist schließlich ein Blogbeitrag, keine Dissertation. Ich traue euch zu, zu ahnen, was ich meine.
Im Kern geht es mir darum, dass nicht in jede Fernsehkamera ein Minister oder ein Fraktionsvorsitzender ernsthaft bis arrogant hineinerzählt, was jetzt getan werden muss und wie gefälligst wissenschaftliche Gutachten zu deuten sind, selbst wenn er davon so viel Ahnung hat wie mein Hund vom Strümpfestricken.

Und weil dieser Beitrag sonst zu lang wird, geht es Morgen weiter. Oder in den nächsten Tagen. Demnächst auf diesem Kanal sozusagen.

„Die ziehen kleine Verbrecher groß“

Hast du den Spruch schon mal gehört? Vor längerer Zeit, also ungefähr vor 30 Jahren, wurde dieser blöde Satz des Öfteren benutzt, wenn man der Meinung war, Eltern würden ihre Kinder nicht gut und angemessen erziehen. Es bleibt festzustellen: Kein Mensch wird als Verbrecher geboren und auch die beste Erziehung schützt später nicht zuverlässig davor, als solcher zu enden.

Wenn ich also im Jahr 2023 mit Entsetzen in der Zeitung lesen muss, dass in einer benachbarten Stadt eine Bande ihr Unwesen treibt, deren Mitglieder zwischen 12 und 17 Jahren jung sind (und die Jüngsten ganz bewusst vorgeschickt werden bei Straftaten), wenn ich daran denke, dass schon in den letzten zwei Jahren in einem angrenzenden Landkreis zwei jugendliche Brüder in Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen so etwas wie Terror verbreitet haben, wenn ich dann auch noch erschüttert zur Kenntnis nehmen muss, dass zwei strafunmündige Mädchen eine Gleichaltrige mit zahlreichen Messerstichen getötet haben, dann bleibt mir das Motzen gewissermaßen im Hals stecken.
Deswegen heute ein ungewöhnlicher Montagsmotz der etwas anderen Art.

Wenn ich darüber nachdenke, dass vor einigen Jahren bereits in Großbritannien ein ähnlicher Fall mit ein paar kleinen Jungs als Tätern große Wellen schlug, wenn die Schlagzeile auf Seite 1 der Tageszeitung lautet „Mehr kriminelle Kinder im Kreis“ mit dem Untertitel, dass Ostwestfalen stärker von Kinderkriminalität betroffen sei als Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt, dann läuft es mir kalt den Rücken runter. OWL als Heimat derer, die zum Lachen in den Keller gehen, die so dröge sind, dass sie jeden Sturzregen trocken überstehen, das ist der Ruf, der uns hier im äußersten Nordosten NRWs vorauseilt. Aber Hochburg der Kinderkriminalität? No way.

Und während manch ein vorschnelles Urteil gefällt wird, je nach politischem Blickwinkel die „Masseneinwanderung“ oder die „Pandemie mit ihren unausgegorenen Einschränkungen“ als Grund und Schuldiger an diesem Problem ausgemacht wird (beides spielt bestimmt eine Rolle – unter vielen anderen Aspekten), frage ich mich, ob die eigentlichen Gründe nicht eher gesamtgesellschaftlicher Art sein könnten. Ob der Krimi nicht eher ein Trauerspiel ist. Denn ein einzelner offensichtlicher Grund für eine gesellschaftlich bedenkliche Entwicklung hat noch immer zu kurz gegriffen.
So gibt es trotz Egoshootern und anderen menschenverachtenden Videogames zu Beginn der 2000er Jahre doch deutlich mehr Menschen, die zu ganz normalen und anständigen Erwachsenen geworden sind als potenzielle Amokläufer. Auch damals war den Jugendlichen, die solche Spiele cool fanden, eine fast schon zwingende Karriere als Berufskriminelle prophezeit worden. Selbst das Aufwachsen in sogenannten „Ghettos“ lässt sich nicht zuverlässig als Vorhersage eines Erwachsenenlebens heranziehen.

Was aber mit ziemlicher Sicherheit Spuren hinterlässt, das ist ein ganz allgemeiner schleichender Trend: Während Eltern zunehmend gezwungen sind, beide arbeiten zu gehen, um ein Familienleben überhaupt finanzieren zu können, brechen familienfördernde Strukturen weg. Wer keine Familie in der Nähe wohnen hat (oder wo die Großeltern selbst keine Zeit / kein Interesse haben), ist auf Fremdbetreuung angewiesen. Und der Rest der Gesellschaft und auch die Politik haben lange Zeit was gemacht?
Richtig: Eltern und vor allem Müttern ein Gefühl der Minderwertigkeit vermittelt, wenn sie ihre Kinder „weggaben“. (Ganz davon abgesehen, dass man in der alten Bundesrepublik dazu neigte, damit der kompletten ehemaligen DDR-Bevölkerung eine ordentliche Erziehung ihrer Kinder in der Fremdbetreuung abzusprechen.) Das Bild der idyllischen Familie als Ideal hochgehalten. Und im Gegenzug Kindertagesstätten nicht angemessen mit Personal und Mitteln ausgestattet, schulische Infrastruktur kaputtgespart (in meinem ehemaligen Gymnasium, das ich vor über 35 Jahren verlassen habe, sehen die Toilettenanlagen immer noch genauso aus wie Ende der 1980er Jahre, nur älter, kaputter und abgewrackter, wobei sie noch im oberen Level angesiedelt sind), Jugendsozialarbeit und -einrichtungen mit immer weniger Geld versorgt (ohne viele Ehrenamtliche ginge da meist gar nichts, und das liegt nicht daran, dass deren Leitungen nicht mit den knapper werdenden Gelder umgehen können).

Spielplätze wurden geschlossen statt renoviert, wenn die Geräte nicht mehr standsicher waren, weil es ja angeblich immer weniger Kinder in den Siedlungen gab. (Also: Für 15 Kinder „lohnt sich“ ein Spielplatz vielleicht noch, aber für fünf ist er rausgeschmissenes Geld?) Lange Zeit war es kaum sanktioniert, wenn Hundebesitzer ihren Hunden gestatteten, die Sandkästen als Hundeklo zu missbrauchen, stattdessen ärgerte man sich öffentlichkeitswirksam, wenn Jugendliche abends die Spielplätze als Ersatztreffpunkte nutzten (siehe oben) und dort Kippen und Scherben hinterließen.
Später dann wurde es gehypt, wenn Eltern ihre Kinder von vorn bis hinten pamperten, denn die „Zukunft der Gesellschaft“ war Mangelware, man hatte Angst, dass die zukünftigen Rentenzahler ausgehen könnten.
Aber eine vernünftige Infrastruktur und Strategie, wie man gesellschaftlich den Familien ein Leben mit Perspektive bieten kann, egal aus welchem „Milieu“ sie stammen, eine kontinuierliche, zukunftssichernde und wertschätzende Investition in Kitas und Schulen, Jugendzentren, Spiel- und Sportplätze, in die zeitgemäße Ausbildung von Erziehern und Lehrern, das wurde viel zu lange verpennt, auf allen möglichen Ebenen.

Es ist eben nicht genug, ab und zu mit der Gießkanne und im Hauruckverfahren irgendwas anzustoßen. Es ist und bleibt mühsam und kleinteilig, mit „hier eine Sanktion und dort ein Fördertopf“ ist es nicht getan.
Der Spruch „Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen“ kann heute durchaus auf ein Land erweitert werden. Es braucht unter anderem:
– Die Bereitschaft unterschiedlicher Akteure, über den eigenen Tellerrand und das eigene Portemonnaie hinwegzusehen.
– Die Erkenntnis mancher Eltern, dass nicht jeder Tadel eines familienfremden (und öfter mal älteren) Menschen in der Öffentlichkeit übergriffig und gegen ihre kostbaren Kinder gewandt ist (es gibt beides, Wohlwollen und Übergriffigkeit). Sondern dass diese den Kindern vermitteln, dass Freiheiten auch begrenzt sind. Was in manchen Familien leider nicht genügend passiert.
– Senioren, die Familien als Paten unterstützen und ihre Lebenserfahrung empathisch und ohne erhobenen Zeigefinger weitergeben.
– Politik und Institutionen, die nicht nur kurz vor Wahlen auf die Wähler von Morgen schielen. Und damit verbunden kontinuierliche Evaluation der Familienpolitik auf Zeitgemäßheit und Wirksamkeit.
– Mehr „wir“ und weniger „ich“. – Aber trotzdem die Bereitschaft, individuelle Familienentwürfe als gleichwertig zu den gesellschaftlich anerkannten Modellen anzuerkennen.
– Und noch viel mehr, auch Voraussetzungen, die auf den ersten Blick vielleicht widersprüchlich sind. Ausgewogen statt die üblichen Pendelbewegungen. Vor allem brauchen wir alle einen langen Geduldsfaden: Mit uns selbst, miteinander, mit Menschen, die alles ganz anders sehen als wir.

Was wir dagegen eindeutig nicht brauchen, ist eine hetzerische Meute, die in sozialen Medien in solchen Fällen fast schon geifernd nach Details zu Taten lechzt, um einen kranken Voyeurismus zu befriedigen. (Edit im Lauf des Montags: und drakonische Strafforderungen und/oder Selbstjustizdrohungen für die Täterinnen auch nicht! Dass weder Details noch Konsequenzen öffentlich kommuniziert werden, hat auch wichtige Gründe.)

Zum Schluss: Es gibt sicher noch viele weitere Facetten und Puzzleteile, die eine Rolle spielen. Was ich oben geschrieben habe, entspricht meiner persönlichen Wahrnehmung, es muss nicht alles richtig und vollständig sein. Aber was wir wirklich immer und zu jeder Zeit brauchen, ist ein Reflektieren unseres Lebensstiles und der Ziele, die wir persönlich und gesellschaftlich verfolgen. Ehrlich, empathisch und mit der Bereitschaft, Fehlentwicklungen anzugehen. Und das ist eben mühsam und die Erkenntnisse sind nicht immer schmeichelhaft.

Eine gute Sache, die bei uns hier von den Jugendämtern angeleiert wurde, sind da übrigens die „Frühen Hilfen“. Aus dem Budget der Jugendhilfe werden schon frischgebackenen Familien unterschiedliche Maßnahmen finanziert, das kann je nach Einzelfall Hebammenbetreuung oder eine Kinderkrankenschwester sein, die Familien mit kranken Kindern regelmäßig betreut, oder auch vorausschauende sozialpädagogische und sozialpädiatrische Begleitung von Familien, bei denen ein klassisches Familienleben schwierig sein könnte.

Passend zum Thema ist auch der letzte Woche stattgefundene Bildungsgipfel. Es gab mal einen Film mit dem Titel Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam.
Analog dazu könnte man die Veranstaltung nennen:
Die Bildungsministerin, die auf einen Bildungsgipfel stieg und von einem Hügel herunterkam.

Demokratie als Zumutung

|Werbung, unbezahlt|

Es ist Freitag, der 24. Februar 2023. Ein Jahr ist vergangen, seit das passierte, was sich jahrzehntelang, spätestens nach dem Fall der Mauer, kaum jemand vorstellen konnte: Krieg auf europäischem Boden. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, zumindest nicht direkt. Das Thema wird an allen möglichen und unmöglichen Stellen von allen nur erdenklichen Seiten dargestellt, dazu braucht es mich nicht.
Trotzdem gibt es vermutlich kaum ein passenderes Datum, um mich nun endlich zu dem Buch zu äußern, dessen Lektüre mich meinen Notizen zufolge seit dem 22. November bereits beschäftigt und sehr zum Nachdenken angeregt hat.

Ich habe rund um Thesen und Schlagwörter aus dem Buch schon zwei Posts erstellt (am Ende des Beitrages verlinke ich die nochmal), weil das Thema Demokratie sowieso schon sehr komplex ist und weil es auch sehr viele unterschiedliche Auffassungen gibt, was Demokratie eigentlich ist, wie sie funktioniert – oder eben nicht – und was sie leisten kann.
Zunächst mal: Im Gegensatz zu einem autoritären Regime, in dem der einzelne Bürger sich zurücklehnen kann, die Verantwortung für Tun und Denken fast schon komplett abgegeben hat und sich auf den engen Rahmen dessen beschränken kann, was überhaupt noch erlaubt ist, ist das Leben in einer Demokratie anstrengend. Es erfordert 1.) Haltung und 2.) das Überdenken der eigenen Haltung im Verhältnis zu anderen Bürgern und deren Haltungen.
Es verlangt Einsatz, und das möglichst nicht nur am Wahltag. Es schreit förmlich nach (Selbst-)Reflexion, nach Kompromissen, nicht nur nach dem Erhalt von und dem Pochen auf Rechten, sondern auch nach dem Anerkennen und Erfüllen von Pflichten. Auch unser Grundgesetz kennt nicht nur die Rechte, sondern auch die Verpflichtungen der gesellschaftlichen Gruppen und des Einzelnen, aber das wird mitunter gern übersehen.

Als das Grundgesetz, die deutsche Verfassung, geschrieben wurde, hatte Deutschland einen Krieg verloren und war von einer mörderischen und menschenverachtenden Diktatur befreit. Man konnte aufatmen, einen Neuanfang wagen, wieder optimistisch in die Zukunft sehen. Man hatte sich für ein demokratisches Modell mit sozialer Marktwirtschaft entschieden, was in den kommenden Jahrzehnten ein unglaubliches Erfolgsmodell darstellte. Allerdings zeigt sich inzwischen auch, dass selbst ein solches Modell fast schon pervertiert, aber zumindest wie ein Gummiband gedehnt werden kann.

Eine zentrale These in dem Buch ist es, dass wir unsere Demokratie heutzutage wie ein Konsumgut sehen, und dafür sprechen gute Gründe. Allein schon rhetorisch: Die demokratischen Parteien sollen den Bürgern „Angebote machen“. Hat mit dem Wahlergebnis die Bevölkerung eines der Angebote (oder eine Mischkalkulation) angenommen, ist es Aufgabe der Politik, „zu liefern“. Oder betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Wer hat eigentlich berechtigte Ansprüche, der Shareholder oder der Stakeholder? Ja, beide gehören zum Humankapital, aber wer ist eigentlich wer in diesem Spiel?
Dazu kommt aus dem Marketing das Storytelling. Alles ist nur so gut oder so schlecht wie die Geschichte, die man dazu erzählen oder ersinnen kann. Alles ist emotional, Bauchgefühl statt Hirnschmalz. Das eigene Land wahlweise als Abenteuerspielplatz oder heimelige gute Stube?

Sehr interessant wird es auch in dem Kapitel, in dem der Autor ein wenig tiefer in das politische System der Schweiz eintaucht, das so gern mit der direkten Demokratie als Musterlösung dargestellt wird. Unterschlagen wird dabei aber sehr oft, dass das Verhältnis von Rechten und Pflichten in der Schweiz viel feiner austariert wird als bei uns. Hauptberufliche Politiker gibt es eigentlich nur auf der obersten Ebene. Aufgaben, die in Deutschland von Schulämtern erledigt werden, werden in der Schweiz von Ehrenamtlern übernommen. Es gibt sogar einen Amtszwang, dessen Verweigerung disziplinarische Folgen haben kann. Feuerwehr, Katastrophenschutz, Schulaufsicht und vieles mehr sind viel tiefer in der Zivilgesellschaft verwurzelt als in Deutschland. Wer also nach mehr direkter Demokratie ruft, muss sich auch bewusst sein, dass sie nicht nur mehr Rechte, sondern auch mehr Pflichten beinhaltet.

Das Buch ist ein reichhaltiger Fundus für noch einige andere bedenkenswerte Facetten des demokratischen Systems, über die wir alle (oder zumindest die allermeisten) uns sehr selten nur Gedanken machen, die von manchen Gruppierungen und Parteien auch ganz gern unter den Teppich gekehrt werden. Lange hat mir ein politisches Sachbuch nicht so viele Denkanregungen gegeben, auch wenn ich nicht mit jeder Aussage konform gehe (muss ich ja auch nicht, auch das ist Demokratie). Politik- und SozialwissenschaftslehrerInnen kann ich das Buch (auch zur Unterrichtsvorbereitung) nur sehr ans Herz legen und dazu eigentlich jedem Menschen, dem die Demokratie als Allgemeingut wichtig ist.

Und am meisten empfehle ich es den Leuten, die sich selbst für unpolitisch halten.

Bibliographische Angaben: Felix Heidenreich, Demokratie als Zumutung, Verlag Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-98079-0, € 25,-

Meine bisherigen Gedanken zu den Themen aus dem Buch:

https://annuschkasnorthernstar.blog/2023/02/05/zumutung/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2023/02/09/freiheit-2/

Warum?

Im Augenblick dreht sich bei mir ein ganzes Knäuel von Fragen im Kopf. Und alle beginnen mit „Warum…?“

Begonnen hat das vor ein paar Tagen, als ein Artikel in der Zeitung stand über Greta Thunberg und ihr Buch, das demnächst erscheint. Zugegeben, ich fand die Headline des Artikels etwas unglücklich, sie lautete: „Thunberg: Asperger half mir, «Bullshit» zu durchschauen“. Wobei es ja nicht mal grundfalsch ist, haben doch viele Menschen, die im Spektrum angesiedelt sind, sehr gute analytische Fähigkeiten, weil sie Themen von allen Seiten gründlichst durchleuchten und sehr detailversessen sind. (Möglicherweise ist es aber auch genau das, was andere wiederum auf die Palme bringt, wer weiß.)
Und darunter ein Leserkommentar, der in dem bekannten Tenor verfasst war, sie habe zwar nichts gelernt und nichts erreicht, aber heutzutage könne man ja auch so eine Menge Geld verdienen (Ja, das gibt es tatsächlich, ich weiß. Wann wurde Influencer eigentlich zum Beruf?) Inzwischen habe ich geradezu körperliches Unbehagen, wenn ich solche Dinge lese oder höre.

Nicht nur als Mutter einer Betroffenen schmerzt mich ein solches pauschales Abkanzeln einer Person, von der man nichts weiß als das, was in den Medien berichtet wird. Es ist vielmehr die um sich greifende Bereitschaft, Tatsachen, Meinungen, Haltungen oder Erkenntnisse, die man für sich selbst als unwichtig abgelegt hat, in Bausch und Bogen runterzumachen.

Ich halte es für menschlich und normal, dass sich nicht jeder Mensch auf der Erde für die Einzelheiten der Klimakrise so interessiert. Es gibt ja auch eine Menge andere Themen, die ebenfalls wichtig sind. Natürlich wäre es wünschenswert, dass sich möglichst viele für einen Umgang mit der Umwelt einsetzen, der auch zukünftigen Generationen noch eine lebenswerte Welt ermöglicht. Aber erzwingen kann man das eher nicht. Das ist auch nicht so sehr mein Problem.

Es ist vielmehr dieses diffuse Gefühl, dass Menschen nicht zur Differenzierung bereit sind. Nach dem Motto „Und wenn du nicht mein Freund bist, kannst du nur mein Feind sein“.
Mal ganz ernsthaft, wer lobt denn immer alles in den Himmel, was der eigene Lebenspartner, die Mutter oder das Kind, die beste Freundin, der Kumpel mit der absoluten Ahnung von Motoren oder sonst jemand im eigenen Umfeld von sich gibt? Wie langweilig wäre es denn, wenn wir immer alle derselben Meinung wären und dieselbe Sichtweise auf bestimmte Dinge hätten?

Es gäbe dann keinen Versöhnungssex, keine Erziehung, keine Kompromisse, vor allem keinen wissenschaftlichen, technologischen oder gesellschaftlichen Fortschritt. Alle diese Sachen sind auf konstruktiv geäußerte und angehörte Meinungsunterschiede angewiesen.

Ich kann jemanden von ganzem Herzen lieben und trotzdem sagen: „Was du da sagst, ist aus meiner Sicht und Erfahrung Käse“ und ich kann auch Menschen (zum Beispiel Politiker oder Journalisten), die absolut nicht für das einstehen, was mir gut und wichtig erscheint, anerkennend zugestehen, wenn sie zu einem umstrittenen Thema etwas zu sagen haben, was ich auch so unterschreiben würde. Dabei fällt niemandem ein Zacken aus der Krone. Ebenso wenig, wenn ich Menschen ausreden lasse und mir anhöre, was sie zu sagen haben und warum sie zu bestimmten Schlüssen kommen. Aber in solchen Situationen kommt das „Warum“ häufig viel zu kurz. Weil manche schlicht nicht an Hintergrundinformationen oder anderen Lebenserfahrungen interessiert sind.

Selbst bei ganz einfachen Themen schießen die Überreaktionen ins Kraut: mehrere Leute hatten bei der Lokalzeitung angerufen, weil eine A400 im Tiefflug über Minden gesichtet wurde. Man stelle sich vor: Es gibt sie noch, die Menschen, die der Meinung sind, Lokalredakteure könnten über solche Vorgänge Bescheid wissen. Die Redakteure haben recherchiert (also „ihren Job gemacht“) und das Ergebnis in einem kurzen Hintergrundartikel veröffentlicht (Es ist im Grunde ganz einfach: Die Maschine war im Anflug auf den Fliegerhorst Wunstorf. Der ist nicht so weit weg von uns hier, die Teile sind dort stationiert und wer hier schon länger wohnt, kennt die Transalls, die lange Jahre nördlich der Gebirgskette entlangflogen. Aber: nicht alle wohnen schon seit Generationen hier.) Leserkommentar: „Und am Samstag fuhr ein blauer LKW über die Weserbrücke. Das war aufregend!“ Haha. Ist eventuell ein klitzekleiner Unterschied zwischen einem LKW und einem Transportflugzeug der Bundeswehr. Zumal in der aktuellen Zeit, wo sich die Leute auch bei den jährlichen BW-Übungen an der Weser stets bange fragen, ob man sich da schon auf Krieg vorbereitet.
Ja. Genau dafür üben die das. Immer wieder. Aber nicht für den Ukrainekrieg. Sondern grundsätzlich. Profi-Fußballer trainieren auch jeden Tag, ebenso Starpianisten. Nur üben Soldaten etwas, wovon sich niemand wünscht oder gar erhofft, einmal teilzunehmen. Von einigen gut bezahlten Söldnertruppen mal abgesehen.

Während ich dieses hier schreibe, kommt mir ein Zitat aus dem Buch „Wir können auch anders“ in den Sinn, wo Maja Göpel einen Sozialwissenschaftler zitiert, ungefähr so: Wir leben in der besten und (gleichzeitig) schlimmsten Zeit. Ich bekomme das nicht wörtlich auf die Reihe, habe es auch leider nicht notiert, aber jetzt gerade kommt mir dieser Ausspruch so logisch vor.

Anscheinend leben wir in der Matrix und es gibt einen schwerwiegenden Ausnahmefehler in der Software. Hoffen wir, dass der oberste Programmierer bald ein Hotfix sendet. Oder gibt es am Ende gar keine Matrix und erst recht keinen obersten Programmierer?

Mit dieser herausfordernden Fragestellung wünsche ich allerseits ein schönes Herbstwochenende.

Wir können auch anders – Maja Göpel

|Werbung, unbezahlt|

Unser Fenster zur Zukunft steht weit offen. Die Menschheit befindet sich in einem gewaltigen Transformationsprozess. Unser Umgang mit Umwelt, Wirtschaft, Politik und Technologie muss von Grund auf neu gestaltet werden. Die Menge dessen, was anzupacken, zu reparieren und neu auszurichten ist, scheint übergroß. Wie finden wir Kompass, Kreativität und Courage, um diese Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen? Und: Wer ist eigentlich wir? In der Geschichte hat es mehrere große Transformationen gegeben. Dieses Buch zeigt, wie wir daraus lernen können. Es ist Zeit, dass jeder Einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes groß denkt – und dass wir eine radikale Frage stellen: Wer wollen wir sein?

Maja Göpel, Wir können auch anders

Heute lüfte ich das „Geheimnis“ um meine aktuelle Lektüre, obwohl ich das Buch erst ungefähr zur Hälfte durchgelesen habe. Ein ganzes Bündel von Gründen ist ausschlaggebend dafür:
– Ich bin überzeugt, dass dieses Thema wichtig ist, so wichtig, dass möglichst viele sich damit beschäftigen sollten. Seit am Montag in der Ostsee munter das Gas vor sich hinsprudelt und damit massenhaft Ressourcen als ein äußerst perfides Mittel der Kriegsführung (von wem auch immer) verschwendet sowie der Umwelt immenser Schaden zugefügt werden, umso dringlicher.
– Gespräche über das Buch am Frühstückstisch
– Keiner sollte sich herausreden können mit einem „was kann ich allein denn tun?“
– ich kenne zurzeit niemanden sonst, der solche Themen so allgemeinverständlich erklären kann wie Frau Prof. Dr. Göpel
– ich möchte, dass sehr viele Leute dieses Buch lesen!
– und andere
– ein ganz anderes Thema, aber inhaltlich sehr gut dazu passend, was ich heute früh gelesen habe, liefert heute der Podcast von Markus Lanz und Richard David Precht, die sich mit Reinhold Messner unterhalten. Der erzählt unter anderem, wie heutzutage Besteigungen des Mount Everest von einer regelrechten „Bergsteigerindustrie“ angeboten werden, die mit Abenteurertum so überhaupt nichts mehr gemein haben, sondern eher Massentourismus darstellen.

Was haben Monopoly mit Goldman Sachs, Amazon mit einer Zentralheizung oder Facebook mit politischer und gesellschaftlicher Meinungsbildung zu tun? Eine ganze Menge – und das meiste davon nehmen wir in unserem Leben ganz selbstverständlich hin, ohne es zu hinterfragen.
Maja Göpel zeigt auf, wie allumfassend wir von den angeblich so altruistischen, in Wahrheit aber zutiefst monetären Zielen der großen Tech-Anbieter am Nasenring herumgeführt werden. Und zwar alle, durch die Bank. Außer vielleicht denjenigen, die sich den unendlich vielfältigen Möglichkeiten des www komplett verweigern.
Fast schon ein Treppenwitz ist es, was daraus folgt: dass häufig gerade die Menschen, die sehr viel Wert darauf legen, sich von angeblichen „Staatsmedien“, „linker Meinungshoheit“ oder ähnlich verwerflichen Strukturen nicht beeinflussen zu lassen, stattdessen aber auf „alternative“ Informationskanäle wie das Gesichtsbuch, den Messenger mit dem stilisierten Papierflieger oder den sehr beliebten Videokanal eines großen, allumspannenden Datenkraken zählen, um sich angeblich „unabhängig“ zu informieren, am allermeisten von den Algorithmen eben dieser Anbieter manipuliert werden.
(Mir kommt gerade der Gedanke, was mir wohl in die Timeline gespült wird, wenn ich sowohl links- wie auch rechtsextreme Beiträge like, Beiträge von veganen Angeboten ebenso wie die von Massentierhaltern, Industrieunternehmen mit fossiler ebenso wie regenerativer Ausrichtung etc pp. Ob ich dann wohl Verwirrung hervorrufe?)

Was ist eigentlich notwendig, damit wir wieder Freude daran haben, positive Emotionen miteinander zu teilen statt Shitstorms oder Fake News zu verbreiten? Ist es absolut alternativlos, mit guten Absichten immer wieder falsche Ergebnisse zu erzielen? Können wir es schaffen, mit optimistischen Geschichten die Welt zum Positiven zu verändern?

Diese Art Fragen an unser Denken und Handeln sind es, die Frau Göpel vorantreibt. Positiv, aber nicht toxisch positiv. Anschaulich und beispielhaft, aber nicht belehrend. Grenzen erkennen, aber nicht überschreiten. Utopie statt Dystopie. Eigentlich ist es einfach. Aber immer wieder kommt uns eine Eigenart in den Weg, die eher sieht, was nicht möglich zu sein scheint als auszuprobieren, was wir alles auf die Beine stellen können.

Die anschauliche und selbstverständliche Art, auf die Maja Göpel uns einzelnen Menschen, aber auch ganzen Gesellschaften etwas zutraut, die mag ich sehr gern. Sie ist ein Mut machender Gegenentwurf zu so manchem, der oberlehrerhaft in der Politik etwas zu sagen hat.

Absoluter Augenöffner: Die Geschichte von Tanaland

Bibliographische Angaben: Maja Göpel, Wir können auch anders, Ullstein Verlag, ISBN 978-3-550-20161-5, € 19,99

Bisherige Beiträge, die mit diesem Buch in Zusammenhang stehen:

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/09/19/renaissance/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/09/20/was-ware-wenn-2/

Und hier noch der Link zur Besprechung ihres ersten Buches: https://annuschkasnorthernstar.blog/2020/05/01/passt-wie-ar-auf-eimer/

Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten…

… sagte eine frühere Mitarbeiterin von mir immer, wenn sie mit Leuten zu tun hatte, deren Verhalten sie nicht nachvollziehen konnte. Recht hatte sie.

Foto: Pixabay

Mäßigung scheint mir ein wichtiges Stichwort zu sein. Mäßigung klingt ja nicht gerade sexy, aber warum muss denn immer alles sexy, gehypt oder sonstwie besonders sein? Warum soll alles irgendwie polarisieren, wenn wir auf der anderen Seite über Polarisierung oder Spaltung lamentieren? Warum heftet dem Durchschnitt so viel Durchschnittlichkeit an? Es ist doch auch mal ganz entspannend, einfach nur gemäßigter Durchschnitt zu sein.
Ich sehe und bemerke an mir selbst, dass ich in den letzten Monaten bei einigen Themen auch zur Polarisierung neige, was ich eigentlich überhaupt nicht mag. Differenziert betrachten, ja, eindeutig. Aber spalten, nein, nach Möglichkeit nicht.

Andererseits ist es, gerade bei Umwelt Mitwelt-Themen wichtig, einen gewissen Aktivismus an den Tag zu legen, 150 % zu verlangen, damit man zumindest annäherungsweise erreicht, was sinnvoll ist. Aber die tatsächliche Machbarkeit liegt eher nicht im aktivistischen Bereich. Das ist übrigens eine Erkenntnis, die auch bekannte Klima-Aktivisten durchaus kennen, wenn man ihre Beiträge mal wirklich genau liest oder hört.
Und damit bin ich schon angekommen bei dem, was mir auf der Seele brennt: Auf dem Herumhacken. Herumhacken auf allem, was man für sich persönlich nicht als wichtig erachtet.

Heute früh ging mir durch den Kopf, warum zum Beispiel auf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk herumgehackt wird. Warum er als staatlich gelenkter Regierungsapparat verunglimpft wird. Natürlich in erster Linie von Menschen, die sich gegängelt fühlen. Von denen, die nicht hören oder sehen wollen, wenn differenziert berichtet wird.
Heute früh ging es in einem Gespräch um Biogasanlagen, um ihre Leistungsfähigkeit, den Spagat der Landwirte zwischen den großen E’s Ernährung und Energieerzeugung. Die Debatte kennt vermutlich jeder. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, dass der erste Impuls ist, zu sagen: In erster Linie sollen Landwirte Nahrung erzeugen. Ich schätze mal, das sieht auch jede Person so, die in der Landwirtschaft arbeitet und lebt. Aber nicht jeder Boden, der bewirtschaftet wird, kann zum Beispiel Getreide in Backqualität hervorbringen. Manche Böden sind auch so mager, dass sie nur als Grünland taugen, also entweder Vieh darauf grasen kann oder das Gras zu Heu gemacht wird. Der (zugegeben etwas abgenudelte) Satz „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus“ (oder wahlweise „… frag nach Tequila und Salz“) gilt also auch hier. Wenn das Beste nicht möglich ist, dann mach das Zweitbeste und so weiter. Das nennt man auch Pragmatismus. Der ist natürlich auch bei Manchen in derselben Liga angesiedelt wie eingeschlafene Füße.
(Wo dann aber wieder die Aktivistin in mir durchkommt: Warum zum Henker wird dann immer wieder bestes, fettestes Ackerland zur Bebauung freigegeben? Was einmal versiegelt ist, fällt für die Nahrungsmittelerzeugung weg. Auf sehr lange Zeit.)

Zurück zum ÖRR: Solche differenzierten Themen werden dort bearbeitet. Und natürlich wird allen Bevölkerungsgruppen etwas geboten: Den CDU-Wählern ebenso wie den Grünen-AnhängerInnen (naja, die Ultrarechten können für sich reklamieren, nicht besonders gut dabei wegzukommen, das gebe ich ja zu😉), den Seifenopernliebhabern, Krimifetischisten, Dokujüngerinnen, Arztserien-Selbstdiagnostikern, Newsjunkies, Börsenkursinteressierten, Rosamunde-Pilcher-Leserinnen, Hobbyphilosophen, sämtlichen 80 Millionen Fußballbundestrainern und anderen Sofasportlern, den Pfefferkörnern, Bibi & Tina, Meerjungfrauen und was sich sonst noch so in TV-Deutschland tummelt. Streckenweise komplett ohne ausufernde Werbeblöcke (🤔Da fehlen dann vielleicht auch die Pinkelpausen? Ach, naja, dafür gibt es bestimmt ein Kürbispräparat…), die uns weismachen wollen, dass wir ohne das Produkt XYZ und die Dienstleistung ABC abgehängt und lebensunfähig werden. Und dazu die Mainzelmännchen.

Und es wird niemand dazu gezwungen, sämtliche Angebote des ÖRR ständig zu gucken, zu hören, zu lesen. Man darf und soll Rosinenpickerei betreiben und sich heraussuchen, was man mag. Den Rest darf man getrost ignorieren. Ich frage mich sowieso, wann so mancher die Zeit dafür findet, alles mögliche anzusehen, nur um es hinterher genüsslich in Grund und Boden zu kommentieren; deswegen beschleicht mich der (berechtigte?) Verdacht, dass nur der zweite Teil verlässlich stattfindet und man sich das Ansehen vorher locker spart. Es macht auch viel mehr Spaß, etwas niederzumachen, mit dem man sich vorsichtshalber gar nicht so richtig auseinandergesetzt hat, denn man könnte ja sonst im schlimmsten Fall seine Meinung revidieren.

Ach Leute, ich höre an dieser Stelle mal lieber auf. Ich steigere mich sonst in einen misanthropischen Anfall hinein und das möchte ich nun wirklich nicht. Denn ich weiß auf der anderen Seite ganz genau, dass es mindestens genauso viele Menschen gibt, die nicht so agieren, die sich verschiedene Standpunkte anhören, abwägen, zu Schlüssen kommen, diese auch mal nach Kenntnis neuer Aspekte ändern.
Es gibt so viele Menschen, die empathisch und wertschätzend mit ihren Mitmenschen umgehen, nicht immer alles nur dunkelst schwarz sehen, die schlicht und ergreifend an ihrem Platz stehen, sitzen oder laufen, um den Laden namens „Welt“ am Laufen zu halten. Und die das ganz still und selbstverständlich tun. Oder auch mal an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, ohne es anschließend allen anderen anzukreiden.
Das ist unter anderem einer der Gründe, warum ich lieber in diesem relativ kleinen und recht überschaubaren Umfeld schreibe als bei den großen „sozialen“ Netzwerken.

Danke an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Meine Gedankengänge sind mal wieder verworren wie Spaghetti, aber sie wollten alle unbedingt raus, sonst wäre mein Kopf geplatzt.

Mal was anderes

Toll, einer arbeitet mehr?

Gerade geht mir beim Zeitunglesen mal wieder die Hutschnur hoch. Ist es nur gefühlt oder bekommt der Personalmangel an den Flughäfen wirklich mehr Aufmerksamkeit als die Streiks an den Unikliniken? Warum ist es so wichtig, dass Flughafenpersonal aus dem Ausland herangeholt wird? Wenn als Begründung dafür wenigstens die Entlastung des Stammpersonals herangezogen würde, könnte ich es ja noch verstehen. Denn die haben beileibe keinen einfachen Job (wie im Übrigen sehr viele im Dienstleistungssektor…). Es ist auch nicht so, dass ich den Menschen keinen stressfreien Start in einen unbeschwerten Urlaub gönne, ganz bestimmt nicht. Trotzdem empfinde ich es zumindest als großes Spannungsfeld.
Ehrlich gesagt, manchmal traue ich meinem Urteilsvermögen nicht mehr so ganz. Ich halte es auch durchaus für möglich, dass ich inzwischen irgendwas zwischen dünnhäutig und regelrecht getriggert bin, wenn es um die Diskrepanz geht zwischen dem, was wirklich notwendig ist und dem, was in erster Linie unserem Komfort dient.

Neben diesen überregionalen Themen ist es aber heute auch ein Artikel über die Weiterbeschäftigung der AlltagshelferInnen in den Kindergärten, der mich aufhorchen lässt. Immer noch besteht hier akuter Bedarf, zum Beispiel durch erhöhte Hygieneanforderungen. Aber auch in „ganz normalen“ Zeiten frage ich mich, warum um alles in der Welt die ErzieherInnen sich mit dem Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Waschen der Bettwäsche oder anderen hauswirtschaftlichen Arbeiten beschäftigen müssen. Nicht, weil sie „überqualifiziert“ dafür wären, sondern weil sie sowieso schon viel Dokumentation und anderes nebenher erledigen müssen, was von der reinen Arbeit mit den Kindern abgeht. Die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sind natürlich sehr wichtig für den Tagesablauf in Kindertagesstätten, aber es gibt ja schließlich ausgebildete Hauswirtschaftskräfte und manches könnte auch von Menschen erledigt werden, die noch auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Die in der Pandemie geschaffenen Finanzierungsmodelle der Bundesländer werden (mal wieder) auslaufen, aber der Bedarf bleibt. Auf der Strecke bleiben Kommunen, die sich eine eigene Finanzierung nicht leisten können und natürlich ErzieherInnen, Familien und Kinder.

Warum schreibe ich das überhaupt? Nicht, weil ich bei irgendjemandem Empörung auslösen möchte oder eine gesellschaftliche Gruppe gegen eine andere ausspielen will, sondern weil es verdeutlicht, dass die verschiedenen und berechtigten Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen sehr vielfältig sind und dass es meiner Meinung nach im Endeffekt immer darauf ankommt, dass sie gesehen und ausbalanciert werden. Dass es nicht immer dieselben Gruppen sind, die zurückstecken müssen und andere bekommen mehr Unterstützung, weil sie lauter, wirtschaftlich stärker oder angesehener sind. Weil unsere Zeit eine wahnsinnige Herausforderung ist, für Politikerinnen und Journalisten, die das alles kommunizieren müssen, aber auch für jeden einzelnen von uns Wahlvolk und Medienkonsumenten, weil wir nicht über jedes hingehaltene Stöckchen hinüberspringen sollten.
Und auch als eine Selbstvergewisserung, weil ich das auch mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.

PS: Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Die Gedanken rasen wie ein ICE durch meinen Kopf, während ich sinnbildlich mit dem 9-Euro-Ticket versuche, mitzuschreiben…🙈

Pflicht bewusst

Symbolfoto: Pixabay

Kein Tippfehler. Ich schreibe heute nicht zuallererst über Pflichtbewusstsein, sondern darüber, sich seiner Pflicht(en) bewusst zu sein.
Klar, diese Diskussionen über Pflichtjahr, Gesellschaftsjahr, allgemeine Dienstpflicht oder wie auch immer es genannt wird, die poppten immer wieder auf. Und ebenso klar, manch einem hängt es zum Hals heraus. Deswegen wird es aber nicht unwichtiger, diese Dimension des menschlichen Zusammenlebens immer wieder zu thematisieren, finde ich.

Elf Jahre ist es her, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Ausgesetzt, nicht abgeschafft. Aber wenn ich darüber nachdenke, kannte ich schon weit vorher nur wenige junge Männer, die tatsächlich zur Bundeswehr gingen, nachdem sie ihren Musterungsbescheid bekommen hatten. Nicht mal Zivildienst mussten sie teilweise ableisten, ich weiß gar nicht so recht, warum das anscheinend mehr oder weniger stillschweigend „ausgeschlichen“ wurde (ebenso wie die Dauer des Dienstes, die immer kürzer wurde), denn damals beschäftigte ich mich nicht wirklich mit diesen Themen, es war nicht erheblich zu der Zeit.

Mein Anliegen ist es auch heute nicht, ein Plädoyer dafür oder dagegen zu halten. Denn es gibt Gründe für beides, durchaus auch stichhaltige Gründe. Ich wünsche mir vor allem, dass solche Diskussionen nicht immer nur vor einem zu erwartenden Sommerloch oder in konkreten schwierigen Situationen geführt werden, sondern dass es ein ständiges Bewusstsein dafür gibt, dass unser Leben in einer Demokratie nicht nur aus Ansprüchen, sondern auch aus Verpflichtungen besteht. Woraus entsteht denn zum Beispiel die Anspruchshaltung, dass jede Ungewissheit des Lebens am besten durch ein Programm des Staates aufgefangen werden muss? Und sei es gesamtgesellschaftlich gesehen noch so unsinnig?

Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen aller Altersstufen, die sich auch heute schon – ohne jede Verpflichtung von außen – in Sportvereinen, Kirchengemeinden, lokalpolitischen Gremien, an den Tafeln, im Tier- und Naturschutz oder im Kinderschutzbund, dem weißen Ring, im DRK, den freiwilligen Feuerwehren … engagieren. Oft sogar ganz ohne Übungsleiterpauschale, Einsatzgeld oder so, nur für ein „Dankeschön“ oder einen feuchten Händedruck, einen Grillabend im Sommer und ein Weihnachtspräsent. Und ohne die vieles einfach nicht möglich wäre.

Warum muss denn ein Dienst für die Allgemeinheit an eine bestimmte Lebensphase gebunden sein? Als Grund wird häufig genannt, dass dann noch keine Familie da ist, um die man sich kümmern muss. Ich kenne aber auch Eltern, die mental in ein Loch fallen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, Neurentner, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, wenn sie bei der Arbeit nicht mehr gebraucht werden, und Menschen, die in der Mitte ihres Lebens merken, dass sie so wie bisher nicht mehr weitermachen wollen oder können. Arbeitslose, die nicht das x-te Bewerbungstraining mitmachen wollen, um weiterhin Unterstützung zu bekommen. Also Menschen in ganz unterschiedlichen Phasen ihres Lebens, die unter Umständen sogar dankbar wären für einen Spin, der ihrem Dasein eine neue Perspektive gibt.
Und eventuell ist es sogar möglich, für ein solches Angebot eine Bezeichnung zu finden, die nicht so verpönt und vom Begriff her verbrannt ist, sondern die impliziert, dass es wertvoll und sinnstiftend ist, was man tut.

Vor allem aber, ich glaube, ich schrieb es schon mal: Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen darüber im Gespräch miteinander (statt gegeneinander) bleiben.

Aber was weiß ich schon…

Den Mangel verwalten – Gedanken zur ErzieherInnenausbildung

„Im Bundesland Nordrhein-Westfalen ist das Ministerium für Schule und Weiterbildung für die Richtlinien der Erzieherausbildung zuständig.
Zugangsvorraussetzungen
Die Zugangsvoraussetzungen sind abhängig von der vorangegangenen beruflichen und schulischen Ausbildung. Es wird mindestens die Fachoberschulreife vorausgesetzt, also der Realschulabschluss. Bei der Bewerbung mit diesem Schulabschluss muss vorher eine einschlägige Berufsausbildung erfolgt sein, z. B. als staatlich geprüfte Kinderpfleger, Sozialhelfer oder Heilerziehungshelferin. Keine berufliche Ausbildung wird benötigt, wenn bereits ein Abschluss der höheren Berufsfachschule des Sozialwesens oder der Fachschule des Sozialwesens erlangt wurde. Beim Besitz des Abiturs wird nur der Nachweis von Erfahrungen in diesem Tätigkeitsfeld verlangt, z. B. in Form eines Praktikums. Zusätzlich muss die persönliche Eignung mit einem Führungszeugnis nachgewiesen werden.
Die Ausbildung
Die Ausbildung zur Erzieherin erfolgt in Nordrhein-Westfalen an einer Fachschule für Sozialwesen im Fachgebiet Sozialpädagogik. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Davon sind zwei Jahre fachtheoretisch und werden mit einer theoretischen Prüfung beendet und einem Jahr Berufspraktikum, welches mit einem praktischen Prüfungsteil endet. Dabei muss der Auszubildende in zwei verschiedenen Tätigkeitsfeldern während der praktischen Phase gearbeitet haben.  Der praktische Teil kann um bis zu einem halben Jahr verkürzt werden, wenn der Betreffende vorher drei Jahre in sozialpädagogischen Einrichtungen oder in Einrichtungen der Behindertenhilfe gearbeitet hat und im theoretischen Teil mit befriedigenden Leistungen abgeschlossen hat.
Die Ausbildungsinhalte während des theoretischen Teils, teilen sich in zwei Kategorien auf, der fachübergreifende und der fachrichtungsbezogene Lernbereich. Der fachübergreifende Bereich besteht aus muttersprachlicher Kommunikation, eine gehobene Kommunikationsfähigkeit in einer Fremdsprache, Fach- und Methodenkompetenz in der Mathematik und den Naturwissenschaften und der Gesellschaftslehre. Der fachrichtungsbezogene Lernbereich besteht aus sozialpädagogische Theorie und Praxis, Kinder- und Jugendarbeit und der Religionspädagogik, entweder evangelisch oder katholisch. Nach einem erfolgreichen Berufsabschluss darf die Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte/r Erzieher/in“ getragen werden.“

https://www.erzieherin-ausbildung.de/content/erzieherschulen-nrw

Soweit die Theorie. Das hört sich dann so schön an.
Zugangsvoraussetzung: Mittlere Reife. Ja, ABER: dann ist auch eine bereits abgeschlossene Ausbildung im kinderpflegerischen Bereich obligatorisch. Berufsausbildung: Meist schulisch, seit einiger Zeit gibt es auch die sogenannte „Praxisintegrierte Ausbildung“. Klassisch ist aber nach wie vor die schulische Ausbildung, zwei Jahre Fachschule, ein „Anerkennungsjahr“. Es gibt staatliche Berufskollegs, aber auch eine Menge Privatschulen, die den Ausbildungsgang anbieten. Privatschulen sind meist unter kirchlicher oder unter der Trägerschaft der paritätischen Wohlfahrtsverbände. Allen gemeinsam: Es gibt keinen Verdienst innerhalb der Ausbildungszeit. Bei Privatschulen wird sogar Schulgeld fällig oder auch Gebühren für Internatsunterbringung.
Ausbildungsinhalte: Sehr vielfältig. Natürlich wird ein recht gutes Bildungsniveau vorausgesetzt, geht es doch um frühkindliche Bildung, nicht um ein reines Bespaßen. Die Bereitschaft für weitere Fortbildung im Laufe des Berufslebens muss vorhanden sein (okay, das sollte grundsätzlich überall der Fall sein…): Kulturtechniken, musische, künstlerische und sportliche Ansprüche, Empathie und Durchsetzungsvermögen, körperliche und psychische Belastbarkeit sind gleichermaßen wichtig. Da sind wir schon fast bei der eierlegenden Wollmilchsau angekommen.

Warum breite ich das hier so episch aus? Nicht nur, weil meine Nichte und unsere älteste Tochter Erzieherinnen sind. Weil sie sich durch diese Ausbildung gefuttert haben, um dann bei der Arbeit nicht nur den Kindern Geborgenheit und Bildung zu vermitteln, sondern auch umfangreiche Bürokratie-Anforderungen zu erfüllen und sich teilweise mit … ich sag‘ mal sehr merkwürdigen Vorstellungen von manchen Eltern herumplagen müssen.

Sondern auch, weil alle Welt diesen Beruf als essentiell ansieht, weil die Einrichtungen in den letzten zwei Pandemiejahren mehr als auf dem Zahnfleisch gekrochen sind und Spagat machen mussten zwischen Hygienekonzepten, Personalmangel, Bildungsauftrag und zig anderen Hindernissen.
Weil ich alle Eltern verstehen kann, die auf die Barrikaden gehen, wenn sie für ausgefallene Betreuung und unter Selbstausbeutung organisierten Eigeneinsatz trotzdem Gebühren zahlen sollen, weil ich aber andererseits auch weiß, dass die Kosten auch bei geschlossenen Kitas weiterlaufen und das irgendwie bezahlt werden muss.

Nicht zuletzt, weil ich gestern in der Tageszeitung lesen musste, dass die NRW-Bildungsministerin den angehenden ErzieherInnen allen Ernstes vorgeschlagen hat, sie könnten ja Hartz IV beantragen, weil es in ganz NRW nur eine Bearbeitungsstelle für BAFÖG gibt und die Bearbeitung der Anträge zeitweise mehr als ein halbes Jahr dauert!
(Btw, gerade in Ballungsgebieten dauert auch die Bearbeitung eines solchen Antrages teilweise bis zu drei Monate, und bei negativem Bescheid kann man erst nach sechs Monaten Einspruch erheben, habe ich eben gelesen https://hartziv.info/antrag-und-formulare/hartz-iv-antrag.)

Erst die Soloselbständigen, jetzt die Erzieher. Ich bin fassungslos.

Übrigens, wer eine Ausbildung zur Hebamme oder zum Physiotherapeuten macht, kann sich schon mal gedanklich einreihen. Es würde mich nicht wundern, wenn diese (ebenfalls schulischen und damit selbstfinanzierten Ausbildungen) die Nächsten sind. Irgendein ominöser „Markt“ regelt das jedenfalls nicht. Danke für gar nichts.

(Ich mein‘ ja nur. Aber was weiß ich schon?)

Guten Tag, ich heiße Anja und ich habe…

… Bluthochdruck (und wegen familiärer Vorbelastung damit einhergehend ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall)

… Asthma (zwar „nur“ allergisches, aber auch das raubt mir manchmal die Puste)

… Psoriasis Arthritis („Bitte WAS? Hast du nun Schuppenflechte oder Rheuma???“)

Reicht, oder? Mir auch. Vorweg, mit allem komme ich die meiste Zeit gut klar. Wenn ich zum Arzt gehe (außerhalb von akuten Anlässen) und gefragt werde, wie es mir geht, sage ich meist aus vollem Herzen „Gut geht’s!“
Komme ich zu einer neuen Ärztin und bekomme die obligatorische Frage nach den Vorerkrankungen gestellt, muss ich mir ganz bewusst in Erinnerung rufen, dass ich drei chronische „Erkrankungen“ im Gepäck habe. Denn meistens schränken sie mich ja überhaupt nicht ein.
Das ist so ungefähr, wie ich mir auch in vielen Situationen bewusst machen muss, dass ich 54 Jahre alt bin und schon lange nicht mehr 25. Ich denke im Alltag so wenig an diese Dinge, die zu mir gehören wie meine straßenköterblonden Haare, ein paar Kilo Marschgepäck auf den Hüften und Schuhgröße 39. – Außer, wenn an einer Stelle gerade etwas hakt.

Denn dann beginnt es: Ich bekomme schlecht Luft. Und irgendjemand fragt „Wie kommt das? Du bist doch eigentlich recht fit (an dieser Stelle schwingt manchmal ein sehr charmantes ‚für dein Alter‘ mit)?“
Oder ich hinke, kann die Arme nicht über 90 Grad heben, mir fallen Gläser aus den Händen. Es folgt entweder dieselbe Frage wie bei der Luft oder „Du siehst aber doch so gesund aus.“ Auch Herzklabastern sieht man einer Person nicht unbedingt an.

In solchen Situationen fühle ich mich wie in einer Verteidigungshaltung. Ich muss mich (ob eingebildet oder tatsächlich) dafür rechtfertigen, dass ich offensichtlich gerade nicht so leistungsfähig bin wie ich optisch wirke. Das finde ich dann sehr unangenehm. Und zwar sowohl für mich als auch für meinen Gesprächspartner.
Deswegen habe ich mich vor einigen Jahren entschieden, offen über meine gesundheitlichen Einschränkungen zu reden. Und damit komme ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrages. Ich bringe mal ein paar Beispiele:

Meine Mutter hatte Osteoporose, ihre Wirbel sackten immer mehr in sich zusammen, sie erlitt einen Beckenbruch, konnte immer schlechter laufen. Sie bekam einen Rollator verschrieben, den sie aber nicht benutzte („die Leute“ hätten ja denken können, bei ihr stimme etwas nicht. Bingo!) Stattdessen lief sie jahrelang mit (nur einer) Unterarmgehstütze und wurde dabei immer schiefer, nur eben nicht nach vorne, sondern seitwärts. Und in der Stadt hielt sie vor jedem Schaufenster an und „bewunderte“ die Auslagen.  

Mein Mann hat MS. Seit einigen Jahren ist sie diagnostiziert, nicht schubweise, sondern fortschreitend. Sein Problem ist die Kommunikation des Hirns mit dem rechten Knie, da ist die Telefonleitung unterbrochen. Recht moderat also bisher, aber es reicht, um konzentriert gehen zu müssen, damit er nicht über den eigenen Fuß stolpert, weil er das Bein nicht komplett anhebt (und das dann nicht merkt). Als diese Problematik ihn nervte, machte er sich schlau über verschiedene Rollatoren, mit denen man Einkäufe transportieren und auch mal ins Gelände gehen konnte. Nicht nur das, er kaufte sich auch einen, ganz ohne Beteiligung der Krankenkasse. Damit er auch weiterhin mit uns in der Natur unterwegs sein kann. Und er freut sich, dass er mit dem Rollator sogar mal schneller ist als ich.

Die eine war immer bemüht, ihre Zipperlein ausschließlich mit sich selbst auszumachen, der andere hat seine Einschränkung akzeptiert und geht ganz selbstverständlich damit um.

Das dritte Beispiel liegt bei Menschen, die ihre Krankheiten vor sich hertragen, mal wie ein Schutzschild, damit niemand es wagt, Ansprüche an sie zu stellen (und das kann ja auch manchmal reiner Selbstschutz aus schlechter Erfahrung sein) und auch mal, um Mitleid einzusammeln. Ja, auch diese Menschen gibt es, oft sind sie auch in anderer Hinsicht regelrechte Energiesauger, unabhängig davon, wie sehr man sie ansonsten schätzt; sie schaffen es immer wieder, alles aus ihren Mitmenschen herauszuholen, ohne etwas zurückzugeben.

Das Bedürfnis, scheinbare Makel und Hemmnisse zu verbergen, kann ich nachvollziehen. Zu einem großen Teil sind wir so erzogen worden, dass solche Dinge niemanden etwas angehen. Dass es eine ganz ureigene Verantwortung ist, mit Einschränkungen so umzugehen, dass niemand etwas merkt. (Das gilt übrigens ja nicht nur für gesundheitliche Probleme…)
Wenn ein Punkt erreicht ist, an dem wir ganz offensichtlich „behindert“ sind, egal ob körperlich, geistig oder seelisch, beginnt dann häufig zunächst die Phase der Scham. Ich selbst habe das vor zwei Jahren so empfunden, als ich auf einmal nicht mehr laufen konnte. Dabei war ich doch nicht aus eigenem Verschulden kurzfristig im Rollstuhl besser aufgehoben. Und selbst wenn, sollte ich nicht eigentlich eher dankbar sein, dass es solche Hilfsmittel gibt, die mir Teilhabe ermöglichen?

Aber in der Situation zeigte sich für mich, dass mir eine Mixtur aus Erziehung und mangelnden Erfahrungswerten im Weg stand. Mangelnde Erfahrungswerte deswegen, weil unsere Gesellschaft noch längst nicht barrierefrei ist, weder im Lebenslauf über Kindergarten und Schule, Uni und Beruf noch im alltäglichen Leben, wo „Behinderung“ immer noch zu häufig bedeutet, dass Menschen mit Einschränkungen behindert werden. Durch bauliche Hürden, durch Geräuschkulissen, reizüberflutende Umgebung, durch empathiearme oder schlicht gedankenlose Mitmenschen. Durch das Recht des Stärkeren. Durch bürokratische Vorgaben, die sich an Paragraphen statt an menschlichen Bedürfnissen orientieren; durch Gutachter, die keine Ahnung haben von den Auswirkungen, die Krankheitsbilder auf die Betroffenen haben. Durch das insistierende Anbieten von alkoholischen Getränken („ach komm, einer ist keiner…“), wenn jemand entweder aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer Suchterkrankung darauf verzichten möchte/muss oder auch einfach mal keinen Alkohol trinken will. Und, und, und …

Ganz persönlich finde ich es wichtig, dass wir voneinander wissen. Auf einer sachlichen Ebene, um unser Gegenüber nicht mit Anfragen und Aufgaben in Verlegenheit bringen, die sie oder er nicht erfüllen kann.
Auf einer persönlichen Ebene, weil wir uns gegenseitig unterstützen können, weil wir lernen, dass unsere Persönlichkeit vielschichtig ist, dass niemand makellos ist. Weil es ermöglicht, uns gegenseitig zu coachen, wenn es um die Bewältigung von Problemen geht.

Die Rheumaliga bringt es ganz gut auf den Punkt in ihrem Konzept des Selbstmanagements: Ich selbst bin im besten Fall Expertin in allem, was meinen Körper und meine Verfasstheit angeht. Das kann nicht meine Ärzteschaft leisten, weil die im Studium ganz bestimmte Symptome und Schemata lernen, die in der Praxis aber nicht unbedingt zutreffen müssen.
„Das Rheuma“ hat mit Sicherheit noch nie in einem Lehrbuch für innere Medizin gelesen, wie es sich verhalten muss, es pfeift darauf und macht, was es will.
Das können auch noch so wohlmeinende Mitmenschen nicht leisten, die immer noch vorgefertigte Bilder von alten Ömchen mit verformten Gelenken als das typische Erscheinungsmuster von Rheuma vor dem inneren Auge haben.
Die Expertise für mich selbst habe ich. Dabei ist es vollkommen wurscht, welchen Namen mein Handicap hat.

Aber weshalb schreibe ich hier in epischer Länge und Breite darüber? Ganz einfach, hier in unserer kleinen Community weiß ich, dass relativ viele von uns recht offen über diverse Baustellen schreiben.

Was mich nun wirklich interessiert, das ist die Frage: wie geht ihr im „Real Life“ mit bewegungseinschränkenden Erkrankungen, mit psychischen Belastungen, Suchterfahrungen, Fatigue, Autismus-Spektrum-Störungen, Krebs, Depression, kreisrundem Haarausfall und allem anderen um, das zu euch gehört wie ein bestens eingetragenes Paar Schuhe (oder auch mit dem, was noch eingelaufen werden muss, um im Bild zu bleiben)? Vor allem dann, wenn euch Unverständnis oder allzu viele „gute Ratschläge“ entgegengebracht werden? Wenn ihr vor Hürden steht, die eigentlich keine sein müssten? Wenn ihr für euch zustehende Rechte kämpfen müsst und euch vorkommt wie Don Quichote?

Denn ich finde es total wichtig, sich in solchen Belangen immer noch weiter zu vernetzen, Aufmerksamkeit (im positiven Sinn) zu erzielen, kurz und knapp „normal“ zu werden in seiner persönlichen Andersartigkeit. Weil unsere Gesellschaft nicht aus uniformierten Lebensläufen besteht. Weil jede/r von uns einzeln wichtig ist und trotzdem ein Herdenwesen bleibt.

Danke euch fürs Lesen und bestenfalls für eine rege Diskussion.

Verantwortung

Symbolbild: Pixabay

Aus aktuellem Anlass frage ich mich, was wir eigentlich meinen, wenn wir fordern, jemand müsse „Verantwortung übernehmen“. Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe 2021 mussten jetzt (nach langem und unwürdigen Winden) zwei Ministerinnen zurücktreten.

So flott, wie das nach Agenturmeldungen klingt, mag ich das Thema nicht abhaken. Vorab: Ja, ich denke auch, dass beide Rücktritte sein mussten. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass auch Ministerinnen ein Recht auf Familienleben, Urlaub oder Erholung haben. Ich gestehe auch beiden zu, dass sie, wie übrigens ein großer Teil der Bevölkerung, schwierige private Situationen zu bewältigen hatten. Und dass es in beiden Fällen noch dazu so gelagert war, dass diese Frauen trotz ihrer Ämter auch noch einen großen Teil des „Mental Load“ tragen mussten, den Familienleben mit sich bringt. Es geht mir auch nicht darum, dass es eine bittere Erkenntnis ist: Frauen werden an dieser Stelle immer noch anders behandelt als Männer. Denn, Hand aufs Herz: es liegt nicht am Geschlecht, ob jemand aus familiären Gründen von beruflichen Karriereschritten absieht, da gibt es genügend Beispiele. Aber es ist immer noch für Männer einfacher, sich neu in ihren Businessplan einzuklinken, wenn die private Situation es wieder zulässt. Frauen haben dann deutlich öfter „den Anschluss verloren“.

Katastrophal war bei beiden Frauen die Kommunikationsstrategie, die spätestens bei Christian Wulff nicht mehr funktioniert hat: Verdecken, leugnen, lügen, sich winden, scheibchenweise mit dem herausrücken, was sich nicht mehr unter dem Teppich halten lässt. Das ist es, was ich beiden (und ihren PR-Beratern natürlich) ankreide. Dazu das desaströse Bild, dass beide quasi das vermeintliche Ass aus dem Ärmel gezogen haben, gegen das tausende von Frauen sich zur Wehr setzen („Wenn es Spitz auf Knopf kommt, geht Familie vor Amt“), so dass Merz und Konsorten sich die Hände reiben können (mit derselben Begründung übrigens…).

Als Gesamtgesellschaft müssen wir uns daher immer wieder fragen, was wir eigentlich unter „Verantwortung“ verstehen und warum wir Frauen und Männer immer noch mit unterschiedlichen Maßstäben beurteilen. Letzteres dürfte auch heute noch viel mit unserer Sozialisation zu tun haben, es dauert eben mehr als eine Generation, solche gesellschaftlichen Traditionen aus den Köpfen und Herzen zu bekommen.

Was die politische oder auch wirtschaftliche Verantwortung angeht, so frage ich mich schon seit vielen Jahren, warum das meist bedeutet, dass jemand geschasst wird und jemand anderes den Schlamassel des Vorgängers ausbaden muss. Erstens kollidiert das mit meiner Überzeugung, dass man für einen angerichteten Schaden verantwortlich und damit zur Wiedergutmachung oder zumindest zur Schadensbegrenzung verpflichtet ist. Zum anderen ist das doch eine Art Persilschein, wenn ich weiß: „Egal, ob ich Mist baue, ausbügeln muss ich das nicht mehr. Ich bekomme trotzdem eine Pension und kann sicher sein, dass irgendwann keiner mehr dran denkt.“ Mir sträubt sich das Nackenfell, wenn ich an „Managerversicherungen“ und andere nette Annehmlichkeiten denke, die ich als Normalbürger nicht in Anspruch nehmen kann. Es ist auch kein gutes Vorbild für künftige Generationen.

Wo sich aber jeder einzelne von uns immer wieder Gedanken machen und auch an die eigene Nase fassen muss (ich auch):
Welche Erwartungshaltungen haben wir an unsere Repräsentanten? Sind die vielleicht mitunter drastisch zu hoch, könnte das ein Grund sein, warum es zum Beispiel immer weniger Menschen gibt, die sich lokalpolitisch engagieren? Weil wir dort keine Bürger, sondern Übermenschen sehen wollen?
Wie gehen wir mit Wahrhaftigkeit um? Sehen wir sie als Stärke oder doch eher als Schwachpunkt, weil jemand nicht gewieft genug ist, sich am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen?
Wie steht es um unsere Fehlertoleranz? Gestehen wir anderen zu, was wir uns für uns selbst auch wünschen? Einen offenen, ehrlichen und respektvollen Umgang mit Fehlleistungen?
Und vor allem: Sind wir bereit, alles das auch jemandem zuzugestehen, der nicht unseren eigenen Standpunkt vertritt?

In den letzten Jahren zweifele ich zunehmend an Konzepten wie „Political Correctness“ oder auch „Identitätspolitik“, weil wir vor lauter Eifer auf der anderen Seite vom Pferd runterzufallen drohen. Ich verstehe die Intentionen, aber ich empfinde ein großes Unbehagen damit, weil wir dazu neigen, dem Konzept mehr zu vertrauen als den Menschen dahinter. Weil wir vor lauter Bemühen, inklusiv zu werden, schon wieder exkludieren.
Oder, wie meine Mutter früher immer sagte: „Was wir mit den Händen aufbauen, reißen wir mit dem Hintern wieder ein.“

Was wir nach meinem Empfinden deutlich mehr brauchen, für uns selbst und vor allem für andere: Demut und Respekt. Und Vergebung.

Windkraft – Ein Symptom

(Symbolfoto: Pixabay)

„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu. (Ödön von Horvath)

Heute in unserer Tageszeitung: Ein Windrad soll gebaut werden.

Der Standort ist exponiert: Relativ weit entfernt von Ortskernen, auf einer Anhöhe, über die ziemlich regelmäßig der Wind pfeift, rundum vor allem Felder. Die Genehmigung wurde 2018 beantragt.

(Übrigens fällt mir immer wieder auf: Wir planen und regulieren uns halb tot! Daher gehen regelmäßig Kosten durch die Decke, nicht nur bei den heißgeliebten Großprojekten, sondern auch und gerade bei Schulsanierungen und anderen wichtigen Aufgaben. Bis etwas entschieden ist, passen die Zahlen aus den Angeboten nicht mehr zur aktuellen Preisentwicklung und am Ende wundern sich die Entscheider und die Nutzer sind frustriert. Aber auch da könnte man lange Aufsätze drüber schreiben…)

Es wurde von der Stadtverwaltung und der Lokalpolitik das „gemeindliche Einvernehmen“ verweigert. Weil da „mindestens ein Gebäude im zweifachen Abstand der Anlage“(!) „optisch bedrängt“ wird, erfordert es das Gebot der Rücksichtnahme, dort kein Windrad zu bauen. Ja, vielleicht ist das wirklich für die dort Wohnenden stundenweise blöd. Aber was ist mit dem Rest der Stadtgesellschaft? Gibt es für die kein Gebot der Rücksichtnahme, Rücksicht auf den Anspruch, regional und regenerativ erzeugten, günstigen Strom geliefert zu bekommen? Und, wen wundert es: für den Fall, dass der Landkreis als Genehmigungsbehörde sich nicht beirren lässt, steht auch schon eine Bürgerinitiative parat. Und wetzt verbal die Säbel.
Inzwischen ist 2022, der erste ins Auge gefasste Windradhersteller ist inzwischen pleite gegangen (wundert mich nicht…), ein anderes Windrad müsste her. Also das ganze Spiel nochmal von vorne. Als ob du jetzt anfängst, diesen Beitrag nochmal von Anfang an zu lesen.

Das eigentliche Trauerspiel dabei ist für mich, dass wir Deutschen (ich kann nicht wirklich beurteilen, wie das in anderen Ländern ist) zwar immer ganz genau wissen, was wir NICHT wollen, jedenfalls nicht vor unserer eigenen Haustür, aber wie wir einerseits nachhaltiger werden wollen, wenn wir andererseits unseren persönlichen Komfort um jeden Preis wahren wollen, das denken wir nie konsequent zu Ende.

Wir schützen jede Fledermaus und jeden Rotmilan (versagen aber schon beim Feldhamster, der fliegt vermutlich einfach zu wenig publikumswirksam durch die Gegend😉). Wir wollen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung möglichst schnell von A nach B fahren (oder im Stau stehen), aber fordern Lärmschutz vor der eigenen Wohnung. Wir wollen billig und im Überfluss verfügbar Strom, Benzin, Mehl, Sonnenblumenöl und Klopapier; wir schwören auf Superfoods aus Südamerika, wo die dann in Monokultur angebaut werden, um uns zu versorgen (statt die dort lebende Bevölkerung); wir kaufen sauteure Grillgeräte mit allem Schnickschnack und legen dann das Billigsteak aus dem Discounter darauf; wir trinken Edel-Mineralwasser aus dem Himalaya oder aus der Arktis, obwohl wir das weltweit am besten überwachte Trinkwasser aus dem Küchenwasserhahn bekommen; wir machen uns ins Hemd, wenn es an irgendeiner Ecke mal nicht so voran geht; wir haben Angst um unseren Wohlstand, wenn in Urlaubszielentfernung ein Krieg vom Zaun gebrochen wird (natürlich haben wir Angst, aber warum nicht bei Kriegen in Somalia, Nigeria, Afghanistan oder Syrien?)

Und jetzt machen sich nicht wenige darüber lustig, dass ausgerechnet Frau Baerbock und Herr Habeck unglaublich schwierige Aufgaben zu erfüllen haben, bei denen es ihnen so richtig wehtun dürfte, dass sie anscheinend ihre Ideale verraten müssen. Und weißt du was? Ich bin sehr froh darüber, dass genau diese beiden auf ihren Positionen sitzen. Denn gerade, weil es ihnen sehr schwerfallen muss, ihre Entscheidungen zu treffen, werden sie sicher sehr gründlich sein, genau abwägen und niemals leichtfertig etwas aufs Spiel setzen. Solche Haudrauf-Figuren wie die „etablierte“ FDP-Herrenriege möchte ich aktuell nicht auf diesen Posten sehen.

So! Ja, ich weiß, es sind nicht alle so in Deutschland. Ich weiß natürlich, dass es eine ganze Menge Leute und Verbände gibt, die anders sind, die differenzieren, nachdenken, abwägen. Auch und gerade hier bei denen, die bei mir mitlesen. Bitte zieht euch den Schuh nicht an, wenn er euch nicht passt.

Ich bin nur gerade fürchterlich angenervt von dem Anspruchsdenken, das viele einfach immer noch haben und von der Bequemlichkeit des Einzelnen, die zu häufig wichtiger ist als die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Obwohl wir ganz genau sehen können, in welche Richtung wir steuern, nämlich auf den Abgrund zu. Danke fürs durchhalten an alle, die bis hierher gelesen haben.

Und habt trotz allem einen möglichst schönen Tag.

Ich kann es einfach nicht lassen

Rom – Glasgow – Kleinkleckersdorf

Das erste, was ich mich in dem Zusammenhang gefragt habe: Warum war eigentlich zeitlich zuerst das G20-Treffen und die Klimakonferenz erst danach? Andersherum wäre möglicherweise beim G20 ein etwas besseres Ergebnis herausgekommen. Mehr Druck auf die Möchtegern-Bosse der Welt.

Außerdem habe ich mir den Podcast „Mal angenommen“ der ARD https://www.ardaudiothek.de/episode/der-tagesschau-zukunfts-podcast-mal-angenommen/kohleausstieg-2030-was-dann-oder-gedankenexperiment/tagesschau/94547176/ angehört. Und fand ihn interessant und bedenkenswert.

Vorweg: Ich kann jeden einzelnen Menschen verstehen, der vor dem Aus seiner beruflichen Existenz steht, wenn sein Arbeitsplatz in den „alten“ Industrien wegfallen wird. Ich kann aber auch jeden verstehen, der heute die Hoffnung hat, dass „sein“ Dorf nicht mehr abgebaggert werden muss. Denn auch, wenn diese beiden Menschen anscheinend auf gegenüberliegenden Seiten stehen, so ist doch beiden übel mitgespielt worden, von Teilen von Politik und Wirtschaft, die mit Sicherheit selbst die Zeichen der Zeit zwar erkannt haben, aber sich hartnäckig weigern, danach zu handeln. Aus Angst vor Wählern und Aktionären. Aus Angst vor uns. Ist ihnen nicht klar, dass sie durch Prokrastination irgendwann noch viel mehr zu verlieren haben? Was nützt es der Wirtschaft, wenn (Atom-/Gas-/Kohle-)Kraftwerke an Flüssen immer wieder abgeschaltet werden müssen, weil entweder zu wenig und zu warmes Wasser zum Kühlen vorhanden ist oder im Gegenteil eine Überschwemmung der Anlagen droht? Wenn die großen Konzerne nicht mehr beliefert werden können, weil die Lieferketten zusammenbrechen aufgrund von Extremwetterereignissen? Für alle diese Szenarien hatten wir seit 2018 schon Beispiele.

Seit 1965 warnen Wissenschaftler:Innen verschiedenster Fachrichtungen immer lauter werdend unermüdlich vor dem, was uns bevorsteht. Aber die Meisten ziehen es vor, lieber auf die zu hören, die jegliche Verantwortung immer weiter auf künftige Generationen abschieben. Es ist frustrierend, sich vorzustellen, wo wir stehen könnten, wenn von Anfang an gehandelt worden wäre. Es wäre im Vergleich zu heute fast paradiesisch.

Wer heute noch der Meinung ist, den menschengemachten Klimawandel (der ja auf den natürlichen noch on top kommt) gäbe es nicht, der wohnt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf Sylt, Wangerooge, einer Hallig oder in anderen küstennahen Regionen. Wenn die Malediven absaufen, wen kümmert es? Okay, eine Tauch-Destination weniger, aber tote Korallen wegen der Korallenbleiche im immer wärmeren Meerwasser will ja sowieso keiner sehen! Wenn in küstennahen Gebieten Afrikas, aber auch beispielsweise in Spanien, das Grundwasser versalzt und nichts mehr angebaut geschweige denn getrunken werden kann, wer nimmt dann die Klimaflüchtlinge auf?

Solche Fragen gibt es zuhauf. Die jungen Leute von FFF stellen sie, viele NGOs stellen sie, Wissenschaftler aller Disziplinen stellen sie. Aber wer gibt die Antworten? Und wer will die Antworten hören? Lassen wir uns nicht viel lieber weiter Sand in die Augen streuen? Vor der BTW2021 habe ich in einer Dokumentation gesehen, dass von Seiten der CDU in den deutschen Hochwassergebieten gegen den Umweltschutz gehetzt wurde. Den Menschen, die ihr Hab und Gut verloren hatten, wurde erzählt, die Brücken seien durch Totholz aus flussnahen Naturschutzgebieten verstopft und zerstört worden. Durch morsche, vermodernde Baumstämme sei das Hochwasser so zerstörerisch gewesen. Sicher ist auch das abgeflossen, aber seit Jahren morsches Holz dürfte längst nicht so viel Zerstörungspotenzial bieten wie LKWs, Wohnwagen, Autos oder halbe Häuser, die man auf den Fernsehbildschirmen entlangschwimmen sah. Und viele haben es geglaubt. Irgendwie sogar verständlich, denn wer möchte in einer solchen Situation denn eingestehen, dass auch der eigene Lebensstil mit zu der Katastrophe beigetragen hat? Vielleicht wäre es mir sogar ähnlich ergangen?

Ich könnte vermutlich stundenlang weiterschreiben und Beispiele finden, warum wir als gesamte Menschheit so träge sind, vor allem als westliche, gesättigte Industrienationen, die nicht in erster Linie an der Front stehen (ich mag diese militärischen Ausdrücke nicht, aber für die Menschen in den Südseestaaten zum Beispiel ist es Kampf und Krieg! Endgame!)

Ich könnte auch die Schultern zucken, den nächsten Roman von meinem Stapel nehmen und den Sonntag genießen. Was geht mich das an?

Aber das kann ich nicht, und so lese ich mich weiter wie die Raupe Nimmersatt durch die Bücher, die mir Erklärungen bieten, mir Argumente liefern und mir hoffentlich helfen können, das mir mögliche zu tun, um doch noch eine große Vollbremsung hinzubekommen. Eins ist sicher: Die Erde kann ohne uns Menschen gut klarkommen. Umgekehrt funktioniert das nicht. Das ändern auch die Herren Bezos, Branson und Musk mit ihren Weltraumeroberungsfantasien nicht.

Nochmal Klimawandel…

Ich muss euch das einfach noch einmal zumuten. Inzwischen bin ich beim Kapitel über die Landwirtschaft angekommen, das heißt, die Stromversorgung, den Tourismus und die Sicherheit habe ich noch nicht einmal erreicht. Aber gerade bei den Themen Verkehr und Wirtschaft wurde es mir so richtig mulmig. Denn das sind die klassischen Themen, an die wir Deutschen (und wahrscheinlich sind wir damit nicht allein) nicht so wirklich ran wollen. Und vor allem ein großer Teil der Politik wehrt sich hier gegen regulierende Eingriffe. Könnte ja Wählerstimmen oder Arbeitsplätze kosten. Nur nicht zu viel auf einmal zumuten…

Nun, das Gegenteil wird dann zwangsläufig eintreten und uns noch mehr zumuten. Und dabei ist es auch vollkommen wurscht, ob jemand „daran glaubt“, dass der Klimawandel menschengemacht ist oder ob das alles natürlich ist. Das ist dem Klimawandel aber auch sowas von egal, er steht nämlich nicht vor der Tür und klopft höflich an, er hat sich bereits ungebeten ins Wohnzimmer gedrängelt und wird bleiben. Schlimmer als die schlimmste Schwiegermutter! (Sorry an alle Schwiegermütter)

Reagieren müssen wir also, so oder so. Entweder wir lassen alles weiterlaufen, weil wir zu viel Angst vor Veränderung haben. Dann hat sich die Zivilisation, wie wir sie heute noch kennen, in spätestens einem halben Jahrhundert erledigt. Es wird gekämpft, um immer knapper werdenden Lebensraum, weniger Lebensmittel und sauberes Wasser zu immer höheren Preisen, weniger Ressourcen für Bau, Handel und alles andere Lebensnotwendige. Es wird Massenfluchten geben und bürgerkriegsartige Zustände. Ausbaden werden es vor allem diejenigen, die auch jetzt schon wenig haben, während sich bis dahin Milliardäre vielleicht schon endgültig in den Weltraum absetzen können. Vielleicht werden wir auch die modernen Dinosaurier und rotten uns einfach aus.

Oder wir erkennen an, was seit Jahren bekannt ist, dass sich vieles ändern muss, dass große Industrieanlagen an Flüssen vielleicht nicht mehr die beste Idee sind, weil das Risiko, entweder zu wenig Wasser (keine Kühlung, aufgeheiztes Flusswasser, Schiffsverkehr unmöglich, Fischsterben) oder aber viel zu viel Wasser (Überflutung von kritischer Infrastruktur oder Chemikalientanks, beides unkalkulierbare Risiken und verseuchen zudem das Grund-/Trinkwasser!) unberechenbar wird. Wer bedenkt im Alltag, dass viele Arbeiten (Bau, Straßenbau…) in heißen Sommern nicht mehr möglich sein werden? Wer bedenkt, dass sich mit dem veränderten Wetter und Klima die Palette der landwirtschaftlichen Produkte verringern und verändern wird? Wer denkt darüber nach, dass auch unsere Transportwege angreifbar sind? Diese ganzen Facetten müssen immer und überall mit bedacht werden, ob bei Stadtplanungen, Infrastrukturprojekten, ökonomischen Prognosen, Umbau der Landwirtschaft oder der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Diese Bereiche können nicht unabhängig voneinander oder nach Partikularinteressen sortiert betrachtet werden, sie sind Puzzleteile des Großen und Ganzen.

Deshalb an dieser Stelle nochmal eine deutliche Leseempfehlung für das Buch aus dem vorherigen Beitrag.

Unter Druck – Eindringliche Leseempfehlung

|Werbung, unbezahlt|

Ein kleines, aber wichtiges Detail vorweg: Das Buch ist Corona-frei, da die gebundene Ausgabe bereits 2019 erschienen ist, aktuell ist die Taschenbuchausgabe herausgekommen.

Die Autorin Jana Simon, in der DDR geboren und aufgewachsen, Enkeltochter des Schriftsteller-Ehepaares Christa und Gerhard Wolf, arbeitet als Journalistin und Schriftstellerin. Für dieses Buch hat sie einige Menschen in Deutschland über einen Zeitraum von fünf (!) Jahren immer wieder getroffen und ein Stück begleitet, Interviews geführt, Beobachtungen angestellt. Ganz unterschiedliche Menschen wie Alexander Gauland (der eine Schlüsselfigur darstellt, denn sein Weg in der AfD in die zunehmende Radikalisierung, die ihm anscheinend manchmal im Vorübergehen passiert, berührt irgendwann jeden der anderen Menschen) oder Jörg Asmussen, im Laufe seiner Karriere war er Finanzstaatssekretär, Vorstandsmitglied bei der EZB, Staatssekretär im Bundessozialministerium und schließlich nach dem Wechsel in die Privatwirtschaft bei der Investmentbank Lazard für internationale Fusionen und Käufe als Berater tätig. Diese beiden Herren dürften einem breiten Publikum bekannt sein.

Vielleicht auch noch die Modebloggerin Lisa Banholzer, aber dann wird es privater. Eine engagierte gelernte Krankenschwester aus München, gebürtige Polin, alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, kämpft vor allem mit viel zu hohen Mieten und fehlender Anerkennung des Pflegeberufes. Ein Polizist aus Thüringen, der beim Staatsschutz arbeitet und unter anderem mit den NSU-Durchsuchungen zu tun hatte und immer wieder auf AfD und Rechtsextreme stößt, der bei seiner Arbeit oft mehr Fragen als Antworten hat und immer wieder über seine Grenzen hinausgehen muss. Sowie ein Ehepaar aus Norddeutschland, das für den Bosch-Job des Mannes nach Stuttgart gezogen ist und sich nach Jahren in einem ganz eigenen Hamsterrad wiederfindet, aus dem es kaum einen Ausweg zu geben scheint. Samt Burnout und Zweifeln am eigenen Lebensstil.

Auf den ersten Blick haben diese Menschen nicht sehr viel miteinander zu tun, aber alle offenbaren einen Blick hinter die Kulissen Deutschlands. In ihrem jeweiligen Metier erkennen sie bereits recht früh, dass vieles falsch läuft, dass die großen Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar und auch nicht wirksam sind. Das Gefühl von immens wachsendem Druck, dem wir nicht ausweichen können, der uns vor sich her treibt und uns immer schneller, immer höher, immer weiter peitscht, den kennen vermutlich die Meisten von uns. Das Leben nimmt, mal abgesehen vom vergangenen Jahr, nur noch an Geschwindigkeit zu. Und die Menschen, die von der Autorin begleitet werden, verkörpern alle eine wichtige Facette des Lebens im Deutschland der letzten acht Jahre.

Warum gerade 2013 der Startpunkt ist? Da zitiere ich die Autorin:

„Als ich im Sommer 2011 nach Deutschland zurückkehrte, wirkte das Leben in Berlin im Vergleich zu Los Angeles geradezu harmonisch entspannt. Ich dachte, wenn es stimmt, dass Entwicklungen aus den Vereinigten Staaten mit ein wenig Zeitverzögerung nach Europa kommen, kann man sich nur fürchten.Und sie kamen. Sichtbar wurden die Verschiebungen in Deutschland aber erst nach und nach. Ein Jahr ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben – 2013, das Ausgangsjahr dieses Buches, dem die Griechenlandrettung, die Eurokrise, der Kriegsausbruch in Syrien und die Entdeckung des rechtsextremen NSU-Terror-Trios vorausgegangen waren. Das Jahr, in dem der Ukraine-Konflikt eskaliert, der NSU-Prozess anfängt und sich die AfD gründet. In diesem Jahr treffe ich den fast achtzigjährigen Horst Wilde in seiner Berliner Wohnung, aus der er nach 41 Jahren ausziehen muss, weil die Miete nach einer »energetischen Sanierung« und den Modernisierungsmaßnahmen das Fünffache kostet. Ich spreche mit den Angehörigen eines NSU-Opfers, die jahrelang als Täter verdächtigt wurden. Polizeibeamte hatten sich bei den Befragungen der Familien als Journalisten und Privatdetektive ausgegeben. Erstmals ziehen deutsche Islamisten in den Syrienkrieg.“ (aus dem Vorwort, bei meinem eBook ist es die Seite 6)

Ach, ich könnte euch an dieser Stelle zig berührende Stellen aus dem Buch zitieren, so wie ich sie meinem Mann am Esstisch vorgelesen habe, aber stattdessen empfehle ich euch dringend, das Buch zu lesen. Manchem kann ich zustimmen, anderes sehe ich naturgemäß ganz anders, aber viele Strömungen und manche Meinungsbildungsprozesse macht das Buch sichtbar, wo ansonsten alles im Verborgenen geschieht, unter der Decke der Privatsphäre.

Jana Simon hält sich selbst dabei meist zurück, sie ist die Chronistin im Hintergrund, die mit einfühlsamen Fragen ihren Gesprächspartnern auf den Zahn fühlt. Bei Alexander Gauland wertet sie hin und wieder sparsam, was ich bei einer so kontroversen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens aber auch ok finde, da kann man kaum anders, als sich dazu zu äußern. Ihr unaufdringlicher, sachlicher Stil und immer von außen distanzierter Blick auf die Personen ist für mich wohltuend und beruhigend gewesen, denn: Manche Abschnitte im Buch ließen mich ratlos zurück, vor allem mit der Frage, ob wir als Gesellschaft „die Kurve kriegen“, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Lebens mit Anstand und Würde zu begegnen. Und ich bin auch ehrlich gesagt noch nicht sicher, wie ich mit meinen Erkenntnissen umgehen und sie in mein alltägliches Leben intergrieren soll.

Bibliographische Angaben: Jana Simon, Unter Druck, Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3-596-70326-5, 12 €

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