Frühlingsmorgen

Samstag früh um viertel nach Acht. Seit zwei Stunden sitze ich in der Küche und habe ganz gemütlich die Zeitung gelesen. Draußen ist es saukalt, aber ein wunderbarer Frühlingsmorgen. Die Amseln zwitschern, Tau glitzert auf allen Pflanzen, Möwen fliegen übermütig über unser Haus und die Krähen krächzen wie immer, sind nach wie vor auf der Suche nach übriggebliebenen Nüssen vom Herbst. Alles wie jeden Samstag?

Jein. Meine Samstagmorgenroutine sieht eigentlich immer so aus. Viel Zeit für frischen Kaffee und die Zeitung, Mann und Kind schlafen lassen, bis die Hunde anfangen zu motzen, dass es jetzt doch endlich mal Frühstück geben müsse.

Und trotzdem ist es anders, gefühlt. Es ist der Tag, nachdem Deutschland sich einen teilweisen Stillstand verordnet hat. Schulen und Kitas schließen (nur MeckPomm hat sich noch nicht entschlossen, aber dort geht ja auch die Welt 50 Jahre später unter), die Bundesliga ist gestoppt!!! Das öffentliche Leben, Theater, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, alles ausgesetzt. Viele Eltern müssen sich jetzt reiflich überlegen, wie sie die Anforderungen von Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen. Nicht alle haben es so gut wie Edgar und ich, denn wir arbeiten beide schon seit langen Jahren von zu Hause. Für uns ist es Alltag, aber das liegt an unserem Arbeitsfeld. Fabrikation, Pflege, Sicherheit, Handel, das geht nicht ohne aus-dem-Haus-gehen.

Wir alle sind zurückgeworfen auf uns selbst, müssen uns mit einer Situation auseinandersetzen, die uns einschränkt, die Egoismus eigentlich verbietet, die geeignet ist, das Beste aus jedem von uns herauszukitzeln. Ja, ich habe meine Zweifel, ob es jedem gelingt, aber ich habe die Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es gut nur miteinander geht. Und ja, vielleicht bin ich eine hoffnungslose Sozialromantikerin, aber ich habe mich bewusst entschieden, dass ich keine miesepetrige Zynikerin sein möchte. Das würde die Lage ja nicht verbessern, sondern mir am Ende nur Magengeschwüre bescheren.

Was uns diese Situation bringt, werden wir erst später erkennen, bis dahin gilt: Leben kann man das Leben nur vorwärts. Aber bitte achtsam.

In diesem Sinne: lest gute Bücher. Und wenn eure Bücherstapel abgearbeitet sind, tauscht sie untereinander. Ruft die Buchhändler eures Vertrauens an, die beraten auch telefonisch und schicken euch die Lektüre ins Haus. Zumindest, solange die Geschäfte noch geöffnet sind. Singt! Singen gegen die Angst ist etwas wunderbares. Den Beitrag aus Italien gestern Abend mit den singenden Menschen in den Hochhaussiedlungen fand ich sehr berührend. Und wenn ihr allein in eurem Zimmer hockt, ist es auch egal, wie schief 😉

Schaut aus dem Fenster, hört den Vögeln zu, entdeckt eure Gärten neu, als Orte des Lebens, nicht der stummen Steine. Schreibt euren Lieben Briefe. Oder Mails. Egal. Und bleibt gesund, vor allem in Kopf und Seele.

Meine kleine Presseschau

Meine Beine brauchen noch Zeit, daher hat sich meine Morgenroutine etwas geändert. In der Zeit, wenn ich in der Frühe meine Beine im Bett sortiere, so gut es geht dehne und versuche, die Kraft zum Aufstehen zu sammeln, schau ich aufs Smartphone nach den Nachrichten. Überfliege sie kurz und stelle mich darauf ein, nach Frühstück und Tageszeitung (ohne geht gar nicht) nochmal genauer hinzulesen.

Dann, am Frühstückstisch, der Blick in die Zeitung. Corona beherrscht gefühlt alles, den Lokalteil, den Politikteil, die Börsennachrichten. „Gefühlt“ ist das wichtige Wort. Denn natürlich geht das restliche Leben weiter, und im Endeffekt drehen sich die meisten Artikel um ganz andere Themen, aber die Konditionierung auf „Corona“ bei uns Menschen funktioniert so zuverlässig wie die unserer Hunde auf „Leckerlecker“. Also bearbeite ich auch an dieser Stelle dieses Thema als erstes, dann habe ich es hinter mir und kann mich anderen Dingen zuwenden. Mein Highlight der Tageszeitung kommt am Schluss, aus psychologischen Gründen 😉

Erstmal etwas bemerkenswertes: Unsere Bundeskanzlerin hat gestern eine umfassende und gut durchdachte Erklärung zum Umgang von Bundesregierung und EU mit der Thematik abgegeben. Sachlich und auch empathisch. Ist dir auch aufgefallen, dass sie immer noch ein ziemliches Vertrauen in die Gesamtgesellschaft hegt, obwohl es nicht wenige Leute gibt, die ihr dieses Vertrauen, etwas gut und ordentlich anzupacken, längst entzogen haben? Sie vertraut darauf, dass es Verständnis, Mitgefühl und Vernunft in der deutschen Gesellschaft gibt, dass es eine Bereitschaft gibt, zusammenzuhalten, wenn es um Themen geht, die jeden einzelnen mittelbar oder unmittelbar betreffen können. Wer immer noch mit pauschaler Medienschelte über „Panik, geschürt von den Zwangsgebührenmedien“ spricht, will es vermutlich nicht verstehen. Denn das stimmt einfach nicht. Für Panikmache gibt es ganz andere Medien, die nicht so sehr auf sachliche Berichterstattung achten.

In den Kommentarspalten von Facebook, Instagram und Co. liest man inzwischen zwar erfrischend viele ermutigende Kommentare, die für unser Zusammenleben hoffen lassen, aber auch solche Sprüche: „Irgendwann ist halt jeder mal dran. So what?“ oder „Mir doch alles egal. Nicht mein Problem. Ich mach weiter wie bisher“. Ganz besonders schockierte mich eine Kommentatorin, die schrieb: „Wenn man schon 75 oder 80 Jahre gelebt hat, dann ist es doch egal, ob man heute stirbt oder in 5 Jahren“. Ich unterstelle der Frau, dass auch sie Verwandtschaft hat, Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel… Ob sie diesen Post wohl denen einfach so unter die Nase halten würde? Oder sind solche Leute einfach nur geil auf Klicks und Likes?

Es ist doch nicht zu viel verlangt, sich so zu verhalten, dass man nicht wissentlich seinem Umfeld schadet. Zwischendurch kommt mir immer wieder der Gedanke, dass Gott vielleicht einen besonders schrägen Humor hat. Oder dass dieses Virus das Potenzial hat, unsere Lebensweise, unsere Hybris, unser Wirtschaftsmodell mal auf ein Normalmaß zurück zu stutzen.

Was gesellschaftlich bei manchen nicht richtig läuft, lässt auch die Überschrift „Eine Menge illegalen Mülls erfasst“ ahnen. Vermutlich sieht es in anderen Regionen nicht anders aus, aber in unserem Landkreis ist es zunehmend ein Problem, dass irgendwelche Asozialen (Definition: die Gemeinschaft / Gesellschaft schädigenden) ihren Sperrmüll, Hausmüll, Sondermüll oder auch gelbe Säcke einfach in der Landschaft oder in abgelegenen Ecken der Städte abladen. Dabei gibt es genügend Möglichkeiten, dieses alles legal und umweltverträglich zu entsorgen. Mich macht so etwas einfach fassungslos. Im Endeffekt müssen die Entsorgungen dann von allen Bürgern der jeweiligen Kommune bezahlt werden. Geld, das an anderen wichtigen Stellen dann nicht zur Verfügung steht.

Zum Beispiel hier: „Ministerin räumt Sanierungsstau an Schulen ein“. Um dann im nächsten Satz aber zu betonen, dass dieser Stau ja nicht erst seit Schwarz/Gelb in NRW bestehe. Okay, NRW hat viele SPD-Regierungen gehabt. Aber zumindest von 2005 bis 2010 gab es allein in diesem Jahrhundert bereits eine CDU/FDP-Regierung. Da ist aber offensichtlich auch nicht viel gemacht worden. Ich denke ja, der Fehler liegt im System. Merkt man bei jeglicher Art der öffentlichen Infrastruktur: Erst wird etwas gebaut, und wenn das dann fertig ist, vergisst man es lange Jahre. Ein privater Bauherr, der ein Haus baut, wird von der Fertigstellung an normalerweise laufend etwas Geld an die Seite legen, um für spätere Reparaturen vorzusorgen. Ein Beispiel: Als die öffentliche Kanalisation hier Ende der 50er Jahre errichtet wurde, erhoben die Städte Gebühren für den Erhalt. Da in den ersten Jahren alles in Ordnung war und noch kein Bedarf für Sanierungen, wurde das zurückgelegte Geld zweckentfremdet verwendet. Als die ersten Reparaturen notwendig wurden, war dieses Geld nicht mehr vorhanden, musste also wieder irgendwo anders abgegraben werden. Neverending Story…

So. Ehe es hier zu meckerig wird, kommt mein Highlight des Zeitungstages:

„Mit Gesang und Gitarre“ Ein Integrationsangebot der anderen Art. Es geht darum, Senioren und Kinder zusammenzubringen durch Musik. Diese beiden so weit voneinander entfernten Bevölkerungsgruppen zählen zu denen, die am meisten singen, schätze ich mal. Und so gibt es ein Projekt der Hiller Musikschule, diese in Kontakt zu bringen. Eine Win-Win-Situation, denn vielen Kindern fehlt der regelmäßige Kontakt mit der Großelterngeneration, weil die eigenen Großeltern nicht mehr zwingend in täglicher „Besuchsentfernung“ wohnen. Und viele alleinstehende Senioren kennen es nicht, sich mit Kindern zu beschäftigen. Sie verstehen deren Sichtweisen einfach nicht. Deswegen mag ich solche Angebote sehr gern. Wie ich es übrigens auch begrüßen würde, wenn den Konfirmanden erfahrene Gemeindeglieder als „Paten“ oder „Mentoren“ zur Seite gestellt werden, um einen Generationenaustausch und auch Perspektivtausch als selbstverständlich zu etablieren.

PS: So ein Gemeinschaftsgefühl wie auf dem Beitragsbild kann meiner Meinung nach nicht nur entstehen, wenn man wie die Sardinen in der Büchse in einem Fußballstadion sitzt oder steht. Auch mit etwas Distanz voneinander, lächelnd oder gute Wünsche austauschend, ist das möglich.

PPS: Ich lese gerade „Kain und Abel“ von Jeffrey Archer. Und da komme ich gerade bei der Weltwirtschaftskrise an. Erschreckend aktuell…

Das richtige Buch zur richtigen Zeit

Auf meinem SUB lag das Buch schon irgendwann im Advent. Allerdings gab es so viel unterschiedliche Dinge zu lesen, dass es in der Warteschleife gefangen war.

Anfang Februar, drei Tage vor der denkwürdigen Thüringer MP-Wahl-Posse, beschloss ich das zu ändern. Und wie wir es gern machen, begann ich, jeden Morgen nach dem Frühstück und manchmal auch mittags nach dem Essen, meinem Mann daraus vorzulesen. Anschließend gab es ein kleines Gespräch über den Abschnitt.

An dem besagten Wahltag dachte ich mir, es habe doch wohl einen besonderen Grund, weshalb ich das Buch ausgerechnet jetzt zur Hand genommen habe. Als am vergangenen Wochenende die rechtsextreme Terrorzelle aufflog, dabei auch drei Männer aus meiner und der Nachbarstadt verhaftet wurden, dachte ich das immer noch. Als ich gestern früh um 5:30 Uhr mit den Nachrichten geweckt wurde, den Nachrichten vom Anschlag in Hanau, da hatten wir es einen Tag vorher durchgelesen. Und ich fühlte neben dumpfer Trauer eine Erleichterung, da ich wusste, dass dieses Buch viele Menschen begeistert hat, vor allem auch bei den Lesungen. Ich wusste, da draußen gibt es nicht nur Hass und Gewalt, sondern auch viele, die das nicht wollen. Es gibt Menschen, die differenzieren können. Und die sich jetzt gerade vielleicht ebenso wie ich bewegten zwischen einer ohnmächtigen Sprachlosigkeit und dem Aufbegehren, so nicht bleiben zu wollen.

Aber der Reihe nach:

Zu Beginn des Buches stellt Frau Hayali sich vor, familiärer Hintergrund, wo sie aufgewachsen ist und so. Sie ist ein paar Jahre jünger als ich, aber ich war überrascht, dass es in ihrer und meiner Kindheit einige Parallelen gibt, unter anderem war sie wie ich auch ein spätes Kind schon etwas erfahrenerer Eltern. Verbunden ist das mit vielleicht ganz typischen Erziehungsgrundsätzen in den 70er Jahren, wer weiß?

Bei mir waren das die Merksätze meines Vaters, der mir beibrachte „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz“ oder „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu“. So etwas prägt. Immer mal wieder ein Perspektivwechsel. Auch wenn mir das damals natürlich überhaupt noch nicht bewusst war.

Zurück zum Buch. Ich empfinde es als wohltuend unaufgeregt, aber sehr bestimmt in Stil und Aussage. Keine Herumeierei wie oft bei Politikern, an einigen Stellen auch selbstkritisch, die Verantwortung der Medien betreffend.  Kein pauschales Bashing irgendwelcher Gruppierungen, aber die klare Forderung nach Respekt – zunächst einmal für alle, ob im analogen oder im digitalen Raum, ob Normalo, Linker oder Pegidabesucher. Denn auch das stellt sie klar: Respekt ist erstens keine Einbahnstraße, und zweitens ist es legitim, bestimmten Menschen den Respekt zu verweigern, wenn sie sich dessen unwürdig erweisen. (Das ist jetzt meine Formulierung)

Großen Respekt habe ich vor der Leistung, sich ständig wieder in den sozialen Medien durch den großen Wust an Kommentaren zu ackern, sich dabei mit sehr viel geistiger Gülle auseinanderzusetzen und immer wieder neu zu überlegen, wie damit umgegangen werden muss. Wann ist etwas nur Blödsinn, wann werden Grenzen zur Strafbarkeit überschritten, wann dient eine Reaktion dazu, etwas zu gewichten, das der Gewichtung nicht wert ist.

Eigentlich würde ich das Buch gern direkt noch einmal lesen, da ich jetzt weiß, wie es endet (keine Bange, das verrate ich nicht, ich möchte ja erreichen, dass DU das Buch auch noch liest 😉 ) und es von daher noch anders aufmerksam aufrollen. Allerdings liegen schon die nächsten Bücher vor meiner Nase…

Nur so viel: am Ende stellt Frau Hayali vier Szenarien der zukünftigen Entwicklung auf. Ich wünsche mir ganz unbedingt die vierte. Alles andere wäre nicht wünschenswert für meine Heimat. Davor gruselt mir.

Das Buch kann ich nur empfehlen, vor allem, weil es differenziert. Weil es so geschrieben ist, wie ich mir unsere Gesellschaft wünsche: Ich muss nicht mit allem deckungsgleich oder einverstanden sein, aber ich bemühe mich, jedem Respekt entgegenzubringen und seine Sichtweise nachzuvollziehen. Ach, du siehst vermutlich wie ich, das gelingt nicht bei jedem gleich gut.

Übrigens ist es auch die Differenzierung, was die Lektüre von Sachbüchern oder Romanen unterscheidet: Im Roman fühle ich mich vor allem wohl, wenn ich mich da hineingleiten lassen kann wie in ein Schaumbad (oder bei manchen Krimis in einen Eiswasserbottich). Ich versinke in der Handlung und sehe und empfinde die Handlung in mir und rundum. Gelingt mir das nicht, stehe ich quasi daneben, dann fremdele ich mich durch das Buch.

Beim Sachbuch suche ich je nach Situation mal den Wissenszuwachs, mal die Bestätigung, mal die Auseinandersetzung. Ich kann mich auf die Seite des Autors stellen oder auf die „andere“ Seite, ich darf auch die Position wechseln, wenn mir ein Erkenntnisgewinn kommt (einen eigenen Standpunkt haben heißt auch, ihn von Zeit zu Zeit zu überdenken). Ich muss nicht mit allem „D’accord gehen“, wie es so schön heißt, aber ich erwarte von einem guten Sachbuch eine ordentliche Argumentation.

Die nächsten Bücher in Arbeit sind „Freischwimmer“ von Torsten Hebel und „Die Angstprediger“ von Liane Bednarz. Die sind beide sicher aufwühlend, obwohl es sich um Sachtitel handelt. Zur Erholung lese ich aber abends vor dem einschlafen gerade „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec. Und jetzt lach nicht, weil ich damit so spät dran bin. Auch eine Buchhändlerin kann nicht alles gleichzeitig lesen 😉

Herbstanfang

Heute ist Herbstanfang, und ich denke mir: Gestern hat der Sommer sich würdig verabschiedet, und heute kommt der Herbst, aber noch ganz sachte und auf leisen Sohlen. Und ich stelle gerade fest, dass bei mir fast drei Wochen Sendepause war.

Und das liegt nicht daran, dass in diesen Wochen nichts passiert ist, eigentlich eher im Gegenteil, und dieses viele hat in mir eine kleine Blockade ausgelöst.

Eigentlich hatte ich einen schönen Artikel schreiben wollen über unseren Ausflug am 14. September zum Frauentag in Krelingen. Vier Frauen, ein Baby und ein Gemeinschaftspicknick. Wir hatten einen sehr berührenden, inspirierenden und gesegneten Tag mit Singen, Beten, sehr gut gemachten Vorträgen von Sefora Nelson (kannste googeln), die sich so gar nicht nach Vorträgen anhörten. Und mit unserem grandiosen Picknick:

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Aus der Erfahrung von 2018 hatten wir keine Lust auf Gemeinschaftsverpflegung und so bereitete jede von uns etwas liebevoll vor. Hier konnte dann auch Julias englische Picknickdecke ihren Einstand feiern. Und als hätten die Krelinger Organisatorinnen geahnt, was wir vorhaben, waren auf der Wiese vor der Halle überall verschiedene Sitzgelegenheiten wie Hängematte und Hängesessel, Sofas, Deckchairs und anderes aufgebaut. Ich habe leider nur ein Foto von diesem DIY-Tischchen:

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Von der Pause auf der Heimfahrt stammt das Beitragsfoto ganz oben. Denn es symbolisiert aus meinem heutigen Blickwinkel sehr schön nicht nur die aktuelle Jahreszeit, sondern auch eine diffuse Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ ohne viel Hektik und mit rudimentärer Technik.

Und vielleicht sogar den „Herbst der Menschheit“?

So, Schluss mit lustig,  jetzt geht es ans Eingemachte, an das, was mich in den letzten Tagen so umtreibt.

Weltweit sind am vergangenen Freitag Millionen Menschen auf die Straße gegangen, teilweise Menschen, denen das Wasser heute schon nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret fast bis zum Hals steht. Menschen in Kriegsgebieten, die sich nicht nur um ihr Überleben im Krieg sorgen, sondern um das Überleben der Menschheit.

Aber auch unendlich viele junge und alte Menschen in den Industrieländern, die einsehen, dass ein „Schneller, höher, weiter“ zwar das olympische Motto sein mag, aber uns kaputt macht, uns die Lebensgrundlage entzieht. Zeitgleich wollte das „Klimakabinett“ der deutschen Bundesregierung den großen Wurf in Sachen Klimapolitik machen. Was soll ich sagen – der Berg kreißte und gebar eine Maus!

Wenn jetzt einfach „nur“ die einschlägigen NGO’s und Parteien, deren tägliches Brot das Mahnen ist, sich hier entsetzt geäußert hätten, dann könnte man noch sagen: „Naja, das ist eben ihr Geschäft“. Aber wenn anerkannte Wissenschaftler so drastische Aussagen treffen wie: „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen müsste!“, wenn die Bundesregierung sich Expertise vom Wissenschaftsrat einholt und sich daran nicht hält, wenn die Damen und Herren, die im Klimakabinett sitzen, mit dem Schwung und der Begeisterung von Schlaftabletten vortragen, was sie denn jetzt gerade für die Rettung des Planeten getan haben, da kann ich nicht umhin, daraus zu schließen: Da läuft etwas ganz gewaltig nicht so, wie es sein müsste.

Storytelling, das A und O einer positiven Verkaufsstrategie, beherrschen die nicht. Da könnten sie noch gewaltig lernen.

Liebe Politiker, schaut euch doch mal in der Zeitgeschichte um: da gab es Menschen wie John F. Kennedy („Frage nicht, was dein Land für dich tun kann; frage, was du für dein Land tun kannst“), Nelson Mandela (der aus dem Knast heraus gegen die Apartheid kämpfte), Martin Luther King („I have a Dream!“) Diese Menschen hatten Visionen (nicht Phantastereien durch Drogengenuss, sondern positive Visionen für die menschliche Gemeinschaft), die sie mit der entsprechenden Be-Geist-erung vorantrieben.

Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung genau: da gibt es dann gleich wieder abwertende Urteile: Der Kennedy nahm es mit der ehelichen Treue nicht genau, der Mandela hat angeblich seine Frau geschlagen, und zu Dr. King fällt den Leuten garantiert auch was ein.

Pure Ironie: diese Art von Whataboutism funktioniert auch anders herum: Hitler hat ganz bestimmt unglaubliche Gräueltaten veranlasst, aber, hey, immerhin hat er die Autobahnen gebaut und die Arbeitslosen von der Straße geholt! (Ernsthaft, solche Argumente hört man immer noch. Da fällt mir nix zu ein!!!)

Ah, da fällt mir doch ein, solche „Whataboutism“ sind gar nicht neu, das gab es schon vor 2000 Jahren.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Das steht in der Bergpredigt, Matthäus 7,3-5. Erinnert ein bisschen an „Wenn die Chinesen keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen, dann fange ich vielleicht an, mir Gedanken über meinen CO2-Verbrauch zu machen (aber auch nur vielleicht…)“.

Nein. Fang an, dich um deinen persönlichen Scheiß zu kümmern, ehe du den der anderen anprangerst, sagt Jesus!

Auch an anderer Stelle sagt Jesus ganz klar, was er von Selbstgerechtigkeit hält:

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. (Lukas 18, 10-14)

Wir haben keinen Grund, uns besser zu fühlen als die Regierung Brasiliens, denn wir alle haben unsere persönlichen Leichen im Keller, vielleicht in Form von viel zu vielen unnötigen Dingen, die wir horten, vielleicht durch zwei bis drei Kurztrips im Jahr mit dem Flugzeug, wo es auch die Bahn getan hätte, es ist ganz egal, wie groß oder wie klein unsere Umweltsünden sind. Und sollte jemand hier die Frau kennen, die im Fernsehinterview ganz frech sagte: „Ich knalle jeden Morgen mit 600 PS in die City, und jetzt erst recht!“: Schönen Gruß, Kindergartentrotz ist ja wohl auch nicht die Lösung.

Jeder kleine Schritt hilft. Das sollten wir nicht vergessen. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und wenn der erste Schritt ist, sich über das eigene Handeln klar zu werden, dann ist das so. Ich schätze mal, bei vielen Leuten ist Angst ein großer Antreiber, Angst, etwas zu verlieren (vordergründig Verlust von Lebensqualität durch weniger Konsum oder so). Und dann gibt es eben die, die mit Trotz reagieren. Weil man Angst und Ratlosigkeit nicht zugibt.

Erzählen wir doch lieber die Geschichte von dem, was wir gewinnen, wenn wir uns „einschränken“: Achtung vor dem Mitgeschöpf, ob Mensch oder Tier. Nicht das einkaufen, was der Discounterprospekt billig anpreist (in zu großen Mengen, was zum Wegschmeißen führt); sondern genau das kaufen, was wir gerade tatsächlich brauchen, was gerade hier wächst, weil es schmeckt (reif geerntet), weil es die Vielfalt an Lebensmitteln in unserer Region widerspiegelt. Selber kochen, weil es nicht nur Plastikverpackungen spart (ich sag nur: gekochtes und gepelltes Ei eingeblistert 😦 ), sondern weil es uns den Wert von LEBENsmitteln nahebringt. Überschüsse einwecken (ist oft besser als Tiefkühler, denn ich brauche nur einmal Strom, aber ich weiß selbst, bei manchen Sachen ist der Tiefkühler praktischer.) Wir gewinnen gute Luft, das Zwitschern der Vögel, wenn sie sich in unseren unaufgeräumten Gärten wohl fühlen (und wer Meisen hat, braucht nebenher auch kein Mittel gegen Blattläuse). Wir werden geerdet, indem wir uns auf Wesentliches besinnen. Wir lernen hoffentlich, das zu schätzen, was wir haben, und nicht dem nachzujammern, was wir nicht besitzen.

Und wir sollten uns den Druck nehmen, alles auf einmal ändern zu wollen (ich meine jetzt im ganz persönlichen Leben jedes Menschen), denn es dauert mindestens DREI WOCHEN, um eine Gewohnheit zu ändern. Je länger wir etwas auf eine bestimmte Art und Weise getan haben, desto länger dauert auch das abgewöhnen. Wenn eine neue, bessere Gewohnheit daraus entstanden ist, kommt die nächste Baustelle dran.

Von daher betrachtet, ist das Vorgehen der Bundesregierung zwar immer noch quälend langsam und unzureichend, aber möglicherweise auch nicht ganz der schlechteste Weg. Hätte jedenfalls noch schlimmer kommen können.

Und noch mal zum Storytelling: Bitte helft mit, dass wir die mitreißenden Geschichten nicht denen überlassen, die für gigantische Probleme einfache Lösungen parat haben!

Zum Schluss komme ich einer Bitte nach, denn dieses Video ist wirklich super verständlich. Danke, Julia!

Weiterlesen „Herbstanfang“

Deutschland – Land der (Selber-) Macher

Baumärkte gibt es (nicht nur in Deutschland…) wie Sand am Meer. Heimwerker-Zeitschriften und Renovierungsbücher sind auch ein Dauerbrenner, seit ich in der Buchhändlerausbildung war (in den 80ern des 20. Jahrhunderts). Ganze Verlage haben darauf ihr Geschäftsmodell gegründet.
Heute haben wir YouTube-Tutorials, Dawanda, Etsy, Pinterest….

Einerseits finde ich das gut, da macht man doch etwas Sinnvolles in seiner Freizeit. Ich selbst bin ja auch gern kreativ, es macht Spaß, spart Geld, man verwertet im besten Fall alte Dinge. Andererseits wundere ich mich, dass durch die „Selbermacheritis“ im Großen und Ganzen anscheinend nicht die Wertschätzung für das Handwerk wächst:

Kochen und Essen ist ein totaler Trend, aber niemand will Koch werden. Alle schwärmen von wunderbarem Brotgenuss, aber keiner will zu den Zeiten einer Backstube arbeiten. Bäder als Wellnesstempel werden regelrecht gehypt, aber was gilt der Sanitärinstallateur? Von Dachdeckern will ich erst gar nicht anfangen, ihr ahnt es sicher: kein Nachwuchs in der Branche. Alle nicht schwindelfrei?

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen (ja, auch ich mitunter) stolz ihre selbstgemachten Werke und Produkte im Netz präsentieren, will aber kaum jemand ein Handwerk lernen.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich freue mich auch, wenn ich ein „Projekt“ in Angriff genommen und zu einem ansehnlichen Abschluss gebracht habe. Ich nähe und koche gern, und ich liebe es, mit meinen Eigenkreationen anderen eine Freude zu machen (oder auch mal nur mir selbst 😉).
Ich bin zum Beispiel auch neugierig, wie man gutes, richtig leckeres handwerkliches Brot backt, wie man Frischkäse oder sogar Gouda herstellen kann ohne Nahrungsmittelindustrie. Weil es eine Kunst ist, weil dabei Menschen mit Hochachtung vor den Lebensmitteln und mit viel Zeit und Liebe zum Detail arbeiten. Aber ganz ehrlich, ich vermute mal stark, ich werde deswegen höchstwahrscheinlich nicht zur passionierten Brotbäckerin werden, die morgens vor Tau und Tag den Teig knetet, damit es um 7 Uhr frische Brötchen gibt…

Und nun kommt das „ABER“: Ich frage mich auch, was passiert, wenn wir als gründliche deutsche Macher diese Kultur des Selbermachens übertreiben. Graben wir nicht eventuell so manchem kleinen Handwerksbetrieb, mancher liebevoll geführten Manufaktur das Wasser ab?
OK. Im großen Stil vermutlich nicht. Es gibt ja auch die große „schweigende Masse“ derer, die keine Zeit zum Tapezieren haben, kein Talent zum Teppichverlegen, keine Lust zum Gardinennähen und bei denen sogar das Nudelwasser anbrennt, ehe die Nudeln auch nur drin sind…. (Diese Menschen haben dann halt andere Begabungen, sie können vielleicht unsere Steuererklärungen machen, Brüche schienen, Blinddärme entfernen oder andere wichtige Dinge, die überhaupt nicht in DIY möglich sind.)
Ich wünsche mir einfach, dass beim Selbermachen nicht nur die Freude über das zustande gebrachte wächst, sondern parallel dazu auch gesamtgesellschaftlich die Wertschätzung für bestimmte Berufe wächst.

Wenn wir es honorieren, dass in einem Restaurant alles etwas länger dauert, ein wenig teurer ist und auch mal gesagt wird „Forelle ist leider schon aus, tut mir leid“ – nämlich dann, wenn in diesem Restaurant echte Menschen frische Kartoffeln schälen (vielleicht sogar Menschen, die sonst keine Arbeit bekommen), weil nicht auf Convenience-Produkte aus dem Großmarkt zurückgegriffen wird, weil der Küchenchef bei der kleinen Forellenzucht bewusst nicht zu viel einkauft, um am Ende des Abends nichts wegschmeißen zu müssen.
Wenn wir uns nicht darüber ärgern, dass eine bestimmte Brotsorte eine halbe Stunde vor Ladenschluss ausverkauft ist – denn es bedeutet, dass dieses Brot nicht nur uns, sondern auch anderen vorzüglich schmeckt und einfach gut gemacht ist.
Wenn wir unseren Handwerkern Kaffee und Kuchen hinstellen, weil wir es zu schätzen wissen, dass sie unser Badezimmer renovieren (und dabei viel unappetitliches zu sehen bekommen, worüber wir froh sind, dass wir es nicht selbst beseitigen müssen) oder weil wir uns freuen, dass es Männer gibt, die auf unseren Dächern herumkraxeln, um den letzten Sturmschaden zu reparieren.

Ich erinnere mich an einen Maurer, der bei unserem Haus einige Fachwerkgefache neu gemauert hat, mit den alten Steinen, die herausgenommen worden waren. Es musste ein Schwellbalken ersetzt werden (das ist beim Fachwerk der bodenebene Balken, auf dem der Rest des Fachwerks steht), Edgar und ich hatten nur noch Fragezeichen im Gesicht und konnten uns das gar nicht vorstellen. Die Fachhandwerker aber wussten genau, was sie taten. Die Zimmerleute bauten Stützen (die das ganze Haus stützten), entfernten den maroden Balken, bauten einen neuen ein, und dann kam der Maurer.
Stein für Stein nahm er sich die 200 Jahre alten Ziegel vor, klopfte den alten Mörtel ab und baute sie wieder ein. Da das Haus vor Jahrzehnten mal mit Kupfervitriol gestrichen wurde, drehte er die Steine um, die Innenseiten kamen nach außen. Und er beschwerte sich nicht einmal über diese Handarbeit, im Gegenteil, er freute sich total über die Möglichkeit, mit diesem alten Material ganz liebevoll etwas Schönes zu schaffen. Wenn ich das Geld dafür hätte, würde ich diesen Maurer ein ganzes Jahr beschäftigen, unser gesamtes Fachwerk auf diese Weise zu restaurieren…. (Auf dem Beitragsbild seht ihr die „schöne“ untere Fachwerkreihe und die darüber mit dem ollen Anstrich)

Wie wäre es, wenn wir zu den Vertreterinnen und Vertretern des Handwerks und auch der ungeliebten Dienstleistungsberufe (Müllabfuhr, Stadtreinigung…) mal öfter raufschauen statt auf sie herabzublicken?

Im Endeffekt geht es doch um gegenseitige Wertschätzung, darum, dass jeder Mensch eine Aufgabe erfüllt, mit mehr oder weniger Talent, mit mehr oder weniger Leidenschaft oder auch einfach nur, um über die Runden zu kommen.
Wenn ich mich beispielsweise freue, dass ich einen großen Bettüberwurf fertiggenäht habe, mit vielen Stunden, in denen ich zugeschnitten, genäht, gebügelt, manchmal auch schiefe Nähte grummelnd wieder aufgetrennt habe – dann kann ich doch nicht guten Gewissens meine T-Shirts beim Textildiscounter kaufen.
Und nein, ich lasse das Totschlagargument nicht zu, dass alles das nur möglich ist, wenn man relativ wohlhabend ist.
Den Satz „Ich habe zu wenig Geld, um mir billige Sachen zu kaufen“ habe ich auch nicht von Anfang an verstanden. Aber ich habe lieber 3 Lieblingsshirts, die ich waschen, anziehen, waschen…. kann und das zwei Jahre lang, als dass ich mich bei 6 Shirts ärgere, dass die Nähte nach ein paar Wäschen statt an meinen Seiten über Bauch und Rücken verlaufen und dann ganz den Geist aufgeben.

Wenn ich jetzt nochmal so über das Geschriebene lese, dann ist für mich das Wesentliche, dass es, selbst gemacht oder nicht, doch einfach schöner und auch produktiver ist für eine Gesellschaft, wenn sie die Fähigkeiten, Talent und Begabungen und das Erreichte Lebenswerk der anderen achtet und wertschätzt. Wenn nicht der Blick voller Neid zum Nachbarn geht, was der (vermeintlich oder real) mehr hat.

Was natürlich auch bedeutet, dass nicht andere Teile der Gesellschaft herablassend auf diejenigen sehen, die (vermeintlich oder real) nicht so erfolgreich, begabt und begütert sind, die nichts auf die Reihe kriegen, die ihr Leben nicht im Griff haben.

Sozialromantik oder Vision?

„Was bringt mir Kirche/Gottesdienst?“

(…und was hat das Mondfoto damit zu tun? Aber dazu später.)

Die Frage in der Überschrift stellen sich viele Menschen. Immer mehr betrachten Kirche als Dienstleistungsunternehmen und den Gottesdienst als überflüssig. Es gibt schon Überlegungen (bei denen ich mich frage, ob so etwas ernst gemeint sein kann…) den Gottesdienst sozusagen auf Abruf stattfinden zu lassen. Meiner Meinung nach kann das nicht die Lösung sein, denn damit ist ja noch weniger Verlässlichkeit im Terminkalender, und an verlässlichen Verabredungen, an Verbindlichkeit mangelt es der Gesellschaft zunehmend.

Aber: Ich gestehe, dass ich auch nicht sicher bin vor dieser Frage. Am vergangenen Samstag, mitten beim Staubsaugen (worüber man so bei Hausarbeit nachdenkt…) überfiel mich die Frage: Warum gehst du eigentlich so stur sonntags in den Gottesdienst? Was könntest du in der Zeit alles machen? Du könntest doch auch still vor dich hin in der Bibel lesen, ein bisschen journalen (bible art journaling, kannst du auch im Netz finden), ein paar schöne Worship-Songs anhören und deine Zeit mit Gott ist perfekt. Oder du liest einfach mal den dicken Schmöker zuende oder bügelst oder… oder… oder…

Am Sonntag bin ich mit Edgar trotzdem zum Gottesdienst gegangen. Teils aus Gewohnheit, teils aus Bedürfnis. Irgendetwas sagte mir ganz eindeutig: Geh hin!

Der Gottesdienst war, abgesehen davon, dass Ferienzeit ist und alles etwas kleiner, ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl. In der Predigt ging es um einen Text aus Jesaja 2. Jesaja lebte 700 vor Christus. Und es sah offensichtlich ähnlich aus wie heute bei uns in der Glaubenslandschaft: Viele Israeliten hatten den Glauben verloren, er hatte keine Relevanz für ihr Leben oder war zur Gewohnheit verkommen, weil „man das eben tat“. Die Menschen erwarteten aber nicht Gottes Eingreifen in das eigene Leben. So nehmen auch heute viele die Kirche wahr: Tradition ohne Realitätsbezug, leere Rituale, die nix bringen, verstaubte Musik….

Das brachte mich ins Grübeln: denn 700 Jahre nach Jesaja schickte Gott seinen Sohn zu diesen geistlich müden Menschen, um seine Geschichte mit ihnen weiterzuschreiben. Und weitere 2000 Jahre später schenkte er mir, in einem ganz normalen Gottesdienst, mit unserem Gemeindepfarrer, eine Predigt, die zu mir persönlich sprach und die ich an diesem Tag unbedingt brauchte. Und das so ganz ohne Bombast, nicht auf einem großen Kirchenevent, einer Pro-Christ-Massenveranstaltung, auf einem mitreißenden Lobpreis-Konzert. Schlichter Gottesdienst, schlichte Worte und als Symbole zur Verdeutlichung ein „Katzenauge“ (Reflektor) und der Hinweis, dass der schöne Sommer-Mond auch nicht mehr scheint, wenn die Sonne ihn nicht anscheint.

So ist es auch mit uns: Wenn Gottes Licht uns anscheint, dann scheinen wir zurück. Und wir scheinen auch, wie der Mond, in das Leben vieler hinein.

PS: Das ist jetzt kein Plädoyer komplett gegen Großveranstaltungen, auch die haben oft ihre Berechtigung, sie ermutigen zum Beispiel dadurch, dass wir sehen: wir sind doch viel mehr, als es sonntags den Eindruck macht. Aber wir brauchen auch das normale, das Kleinformat. Manchmal sicher etwas langweilig, aber dabei können wir „runterkommen“. Auch das hat seinen Platz im Leben, nein: es IST Leben! Und manchmal, um überrascht zu werden an Stellen, wo wir es nicht unbedingt vermuten….

Auf das Wesentliche besinnen

Stell dir einen Springbrunnen vor. Eigentlich hat er eine kraftvolle Fontäne. Aber die Düse, durch die das Wasser in die Höhe katapultiert wird, ist verstopft. Es brodelt, sprotzelt und zischt, aber der Druck, der sich im Inneren aufbaut, kann nicht weg. Aus der Düse tröpfelt es nur noch ein wenig. Irgendwann werden die Leitungen platzen, es gibt einen Wasserrohrbruch und eine riesige Pfütze ergießt sich.

So fühle ich mich momentan. Das hat verschiedene Gründe, einer davon ist medialer Overflow. Ich habe so viele Gedanken im Kopf. Noch dazu leider sehr viele ungebetene destruktive Gedanken. Über Missstände allerorten. Über das, was nicht so läuft. Über Dinge, die dringend geändert werden müssten…

Facebook, Instagram, Nachrichten, Tageszeitung, Change.org, Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten… Von überall her fluten übelriechende Gedankenströme wie Lava auf mich zu. Ich schätze, ein Buddhist würde mir jetzt sagen, dass ich gerade schlechtes Karma ansammle.

Es brodelt, sprotzelt und zischt in mir, es droht zu platzen und trotzdem raubt es mir die Energie, die gute, positive Energie, die ich zum erfolgreichen Sprudeln der Gedankenfontäne brauche.

Ich hatte mal ein T-Shirt, das hatte vorne den Spruch drauf: „Today I choose joy!“

So etwas brauche ich jetzt, und so etwas liegt zum Glück vor mir. Am Samstag starten wir zur Kinderfreizeit. Mit den Kindern fahren eine Jugendreferentin, 10 junge MitarbeiterInnen und zwei Köchinnen. Unser aller Ziel ist es, den Kids eine tolle Woche zu schenken. In dieser Woche bekommt all das doofe von außen einen ganz klaren Zaungastplatz. Wichtig sind ganz elementare Dinge. Gemeinschaft, Erlebnisse, Zeit mit Gott, Zeit mit den uns anvertrauten jungen Menschen. Klar, es wird eine Woche mit wenig Schlaf, viel Kochlöffelgerühre, es wird die eine oder andere Unstimmigkeit geben, hoffentlich keine größeren Verletzungen, aber kleinere Wunden (in der Küche ist frau auch gern mal für Pflaster, Kühlpack und Trost zuständig). Aber diese Woche im Jahr zeigt mir immer wieder, wofür es sich wirklich lohnt, Energie zu investieren, sie sprudeln zu lassen. Der Sommer kann kommen!

Die Welt bekommt uns früh genug zurück…

Übrigens: wenn du dich wunderst, was das Foto mit einem Springbrunnen gemeinsam hat: nüscht!!! Aber es zeigt den Beginn eines Tages auf der Freizeit, es ist eine Momentaufnahme vom Aufbau des Frühstücksbüffets. Ruhe und positive Energie gehen für mich davon aus.

Fake News?

Heute mache ich mich daran, vom Kirchentag zu berichten, genauer gesagt von einer sehr interessanten Podiumsdiskussion.

Der Titel lautete: Fake News. Die Wahrheit in Politik, Wissenschaft und Bibel

Diskutanten waren: Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, Petra Pau, MdB der Linken und Bundestagsvizepräsidentin sowie der Ägyptologe Antonio Loprieno. Das spirituell-musikalisch-kabarettistische Rahmenprogramm steuerte Duo Camillo bei. Wenn du dieses noch nicht kennst, schau mal bei YouTube:

Ganz am Anfang machte Moderatorin Annette Behnken (ev. Akademie Loccum) eine Bemerkung, die ich mir notierte, weil sie so schön rhetorisch zugespitzt klang. Nachgedacht habe ich aber erst im Nachhinein über die eigentliche Aussage, die dahintersteckt:

„Wer in der Flasche drinsteckt, kann das Etikett nicht lesen.“

Klingt zunächst einfach mal ganz logisch. Aber wenn man genauer hinschaut, heißt das auch: Jede/r einzelne von uns hat mindestens eine Flasche, wo er/sie drinsteckt. Ein Thema oder mehrere, die uns dermaßen antriggern, dass wir nicht mehr kühl und verstandesgemäß an dieses Thema herangehen, sondern eher dazu neigen, uns die Köpfe heißzureden, keine andere als die eigene Meinung zuzulassen, mit anderen Worten: fürchterlich intolerant zu sein. Zwei Themen kennt mit Sicherheit jeder von uns, die solche Trigger sind: Klima und Flüchtlinge (bzw. Seenotrettung)

Aber weil sie so triggern, gehe ich an dieser Stelle nicht darauf ein. Sondern bleibe bei der Veranstaltung. Und zwar bei den Statements, die für mich nachdenkenswerte Kernaussagen darstellten.

Zu Beginn legte Frau Kurschus dazu einen einzelnen kurzen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium aus, der das Dilemma eigentlich schon auf den Punkt bringt:

Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? (Joh. 18,37f)

Nun muss man dazu sagen, dass einen Vers vorher Jesus sagt „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Für Pilatus nur schwer zu verstehen und erst gar nicht nachvollziehbar. Aber es offenbart sich, dass er zumindest versteht: Gottes Wahrheit ist nicht die Wahrheit der Menschen. Wahrheit beruht auf Wahrnehmung.

(Und da beginnt das Problem bereits: Wir nehmen nicht alles gleich wahr. Ein Mann, der in prekären Verhältnissen lebt und alles versucht, seiner Familie trotzdem ein ordentliches Leben zu ermöglichen, dabei aber von einem Hindernis zum nächsten stolpert, hat ganz logisch eine vollkommen andere Wahrnehmung als der Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens, der zusätzlich zu seiner Villa im Speckgürtel von München auch noch ein Chalet in St. Moritz und eine Finca auf Ibiza sein eigen nennt. Die Lebensrealitäten dieser beiden Beispielmenschen sind einfach so unterschiedlich, dass vermutlich kaum bis keine Berührungspunkte vorhanden sind. So habe ich versucht, mir unterschiedliche Wahrnehmung von Wahrheit zu erklären. Und dabei festgestellt: Keiner von uns Menschen ist im Besitz der absoluten, unerschütterlichen Wahrheit!)

Für Frau Pau stand im Mittelpunkt, dass es möglich und notwendig ist, wenn Menschen in bestimmten Dingen unterschiedlicher Meinung sind, diese aber gegenseitig zu respektieren, und wenn es Themen gibt, bei denen diese Menschen einig sind, dafür auch Seite an Seite gemeinsam einzustehen.

Als eindrucksvolles Beispiel für die verheerende Wirkung von Fake News (eine gute Definition, die auch die finanziellen Interessen an der Verbreitung darstellt, findest du auf der Seite: https://www.bpb.de/252386/was-sind-fake-news) stellte Frau Pau die Diskussion um den globalen Migrationspakt heraus. Die Entwicklung ist bei Wikipedia ganz ordentlich und differenziert dargestellt.

Antonio Loprieno, der sich in seiner Forschung unter anderem mit Ikonografie beschäftigt (z.B. der ägyptischen Bilderschrift, die sehr anschaulich wirkt), ist der Meinung, heute sei wahr, was vom sprachlichen Diskurs bestimmt wird, zum Beispiel ein Narrativ (Erzählung). Damit hat er garantiert nicht unrecht, funktioniert doch derzeit nicht nur die Werbung vor allem über Storytelling (TV-Spots von VW oder Coca Cola genauso wie Instagram-Accounts von Buchhandlungen, also im Großen wie im Kleinen). Wenn sich ein Präsident einer großen westlichen Macht mit dem Diktator eines asiatischen Staates an der Grenze trifft, dann erzählt er vorher genauso eine Geschichte (ein Märchen?), wie die Einladung zustande gekommen ist.

Wie erkenne ich denn eigentlich Fake News? Die Teilnehmer der Diskussion waren sich einig, dass man sie unter anderem daran erkennen kann:

  • Jemand verbreitet seine Meinung mit dem Anspruch, im „Besitz“ der einzigen, unabdingbaren Wahrheit zu sein.
  • Das Ziel ist, einzelne Menschen oder Menschengruppen mit der Meldung zu diffamieren, zu beschämen, auszugrenzen.
  • Ich ergänze: Ein Blick über den Tellerrand, eine Bewertung aus der jeweils anderen Perspektive findet nicht statt und ist auch nicht erwünscht.

In dem Zusammenhang fand ich eine Bemerkung von Frau Kurschus sehr ausschlussreich: Im griechischen Text des Neuen Testaments wird für das Verb „Weitergeben“ an zwei ganz unterschiedlichen Stellen derselbe Ausdruck verwendet: Bei der Abendmahlsliturgie des Paulus und beim Verrat des Judas im Garten Gethsemane. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Weitergabe kann sowohl positiv als auch negativ besetzt sein.

Ebenfalls nicht neu ist das Phänomen „Fake News“. Allerdings kann es sich durch die digitale Kommunikation viel schneller und effektiver fortpflanzen, „viral gehen“. Denn in weiten Teilen fehlt der Kontrollmechanismus, da kein direkter Gesprächspartner direkt eingreifen kann. Wenn mir der Mensch mit einer anderen Meinung gegenüber steht, sage ich nicht so einfach „Du A….loch“ wie ich es am PC, Tablet oder Smartphone schreibe, ohne meinem Gegenüber ins Gesicht sehen zu müssen. Und wurde vor 200 Jahren ein Brief geschrieben, dann dauerte es zwar auch unter Umständen Wochen bis zur Antwort und eventuellen Richtigstellung, aber den Briefwechsel bekamen nicht Millionen Menschen zu sehen. Wird heute etwas in den sozialen (?) Medien gepostet, dann ist die Reichweite wesentlich höher als bei einem Leserbrief in der Tageszeitung. Und es ist nicht ausradierbar….

Wichtig ist daher: Komplexe Themen können nicht mit 140 Twitterzeichen behandelt werden. Denn bei vielem kommt es auf Vertrauen an, und das ist nach wie vor analog!

PS: Mir gefällt der etwas altertümliche Ausdruck „Wahrhaftigkeit“.

Wahrhaftigkeit ist eine Denkhaltung, die das Streben nach Wahrheit beinhaltet. Wahrhaftigkeit ist keine Eigenschaft von Aussagen, sondern bringt das Verhältnis eines Menschen zur Wahrheit oder Falschheit von Aussagen zum Ausdruck. Die Wahrhaftigkeit kann falsche Aussagen nur durch einen Irrtum hervorbringen. Zur Wahrhaftigkeit gehört die Bereitschaft für wahr Gehaltenes zu überprüfen.

[Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 11. Aufl., Leipzig 1975]

Auf zu neuen Ufern: Folge 3

Manche Dinge brauchen Zeit. Nun ist es aber schon fast einen Monat her, dass unsere Exkursion zu den Weltreligionen stattgefunden hat. Wenn ich jetzt nichts schreibe, dann wird das nichts mehr.

Das Schriftzeichen, welches den Hinduismus symbolisiert ist das „Om“, ein Mantra in der heiligen Sprache Sanskrit. Da es sowohl bei der Yoga-Meditation als auch in manchen amerikanischen Komödien (dort allerdings meist in skurrilen Zusammenhängen) vorkommt, hat vermutlich schon mal jeder Berührung mit dem Om gehabt…

Für uns, die gerade die Ausbildung zum Gemeindepädagogen beendet hatten, war nach meinem Empfinden kollektiv der Hinduismus die fremdeste Religion, die wir besucht haben. Immerhin gibt es so etwas wie eine „Dreieinigkeit“ (Brahma, Vishnu, Shiva), zumindest das kennen wir als Christen. Das war’s aber auch schon. Ich breite die Dimensionen dieser Dreieinigkeit jetzt nicht einzeln aus, aber es geht um den ewigen Kreislauf von Schöpfung, Bewahrung und Zerstörung… Bei Interesse kann man dazu einiges im Netz finden.

Als Fan von Indiana-Jones-Filmen hatte ich irgendwie die Göttin Kali im Hinterkopf, die Zerstörung und Unheil bringt (dazu spukte mir noch so diffus Menschenopfer und Witwenverbrennung durch den Kopf. Spielfilme bilden eben nur so mittelmäßig 😛 …)

Ein Gott, den von Abbildungen her auch viele kennen dürften, ist Ganesha, der Glücksgott mit dem Elefantenkopf. Für ihn gab es im Hindutempel von Hannover auch einen Schrein. Allerdings nicht der Hauptschrein, der ist einer Göttin, deren Namen ich leider nicht behalten habe, geweiht. Insgesamt gab es vier Schreine für Gottheiten und einen kleineren für die 9 Planeten. Der Priester muss an „normalen“ Tagen (das sind die, die keine hinduistischen Feiertage sind) mittags und abends eine Zeremonie durchführen, in der die Götter gefüttert werden. Gefüttert werden sie mit Obst, Blüten und Blättern. Dabei werden Gebete gesprochen und Glöckchen geläutet. An manchen Tagen müssen die Götter auch gewaschen werden, weshalb die Schreine innen wie Badezimmer gekachelt sind. In einer feststehenden Reihenfolge werden die Götterschreine alle mit (für mein Empfinden) derselben Prozedur besucht. Am Ende besteht für die Gläubigen die Möglichkeit, sich eine Art Segen spenden zu lassen, durch einen Punkt aus roter Erde zwischen die Augen oder Streifen aus grauer Erde auf die Stirn.

Unterstützt wurde die Fremdartigkeit noch durch den intensiven Duft verschiedener Räucherstäbchen, in Verbindung mit über 30 Grad Temperatur an diesem Tag und dem schon absolvierten Pensum war das mehr, als manch eine/r von uns ertragen konnte.

Eins ist aber auch hervorzuheben: Die Gastfreundlichkeit der Frau, die uns empfing und mit Informationen versorgte. Am Ende gab es für uns alle Saft und Wasser zu trinken, weil sie sich nicht sicher war, ob wir Deutschen bei der Wärme mit dem sonst jederzeit üblichen heißen Tee klarkämen. Und es gab einen mit Koriander und Zimt gewürzten süßen Milchreisbrei sowie Mungobohnenbratlinge (ähnlich wie Falafel). Beides war total lecker.

Vor allem war dieser Besuch für uns ein kurzes Tauchbad in einer total fremden, exotischen und für uns auch nicht nachvollziehbaren Welt.

Abschließend, auch wegen aktueller sagen wir mal… lebhafter Diskussionen (positiv ausgedrückt) um die „Wertigkeit“ von Angehörigen bestimmter Weltanschauungen, Nationalitäten, Orientierungen, denke ich: ja, es ist absolut notwendig, dass möglichst viele Menschen sich auf den Weg machen, das Fremde, das Ungewohnte, vielleicht sogar das Abstoßende kennenzulernen. Denn wo wir über den Tellerrand blicken, da bleibt das Fremde nicht (ganz so doll) fremd. Da erkennen wir, dass es nicht nur unseren Blickwinkel, unsere Filterblase gibt.

Der schrägste Gedanke, der mir dazu kommt, ist: dann gilt das ja auch für mich. Dann bin ich auch gefordert, mal gedanklich in so einen „besorgten Bürger“ zu schlüpfen. Denn das ist für mich persönlich das Fremde, Ungewohnte, vor allem das Abstoßende. Solange ich merke, da sind Ängste im Spiel, die jemandem vorgaukeln, nur mit Seinesgleichen könne man eine gelingende Gesellschaft bilden, mag das ja noch funktionieren, aber sobald verbale, psychische und körperliche Gewalt im Raum stehen, da muss ich eingestehen: das geht mir denn doch zu weit!

Bemerkenswerte Quintessenz aus einem Streifzug durch die Weltreligionen, ein unerwartetes Finale!