„Kommet und schmecket wie freundlich der Herr ist“ -aber wer ist damit eigentlich gemeint?

Gestern Abend während der Passionsandacht wurde das Abendmahl gefeiert. Soweit, so unspektakulär. Nicht unbedingt einen Blogeintrag wert, oder?

Aber dieses Abendmahl, genauer gesagt die Ausschlusskriterien, die in unserer Gemeinde gelten, hat mich gestern in einen Konflikt gestürzt, der mich immer noch beschäftigt. Als Gläubige, der das Abendmahl wichtig ist, als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Gemeinde und: als Mutter.

In unserer Gemeinde sind Jugendliche zum Abendmahl zugelassen, die im Konfi-Unterricht das Thema Abendmahl besprochen haben (was erst recht spät dran ist). Vorher haben sie die Möglichkeit, sich segnen zu lassen. (Welche/r 12jährige möchte gern vor versammelter Gemeinde die Hand aufgelegt bekommen?)

Gestern war die Situation, dass Brot und Wein durch die Reihen gereicht und von einer Person an die nächste weitergegeben wurden mit den bekannten Worten „Christi Leib, für dich gegeben“ und „Christi Blut, für dich vergossen“. Ich bekam beides von meinem Mann gereicht, und eigentlich hätte ich es an meine 12jährige Tochter weitergereicht. Die aber, ihr ahnt es vielleicht, noch nicht zugelassen ist zum Abendmahl. Von meinem persönlichen Verständnis her, aber vor allem auch als Mutter, widerstrebte es mir total, aber ich habe über ihren Schoß hinweg Brot und Wein an ihren linken Nachbarn weitergegeben. Gegen meine Überzeugung habe ich die Gepflogenheiten unserer Gemeinde befolgt – und es fühlte sich falsch an!

Unsere Tochter hat mit sieben(!) Jahren zum ersten Mal und ganz selbstverständlich, in einer kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern am Karfreitag das Abendmahl genommen, durchaus mit dem nötigen Ernst und Verständnis. In ihrer Heimatgemeinde hingegen fühlt sie sich von dieser Gemeinschaft ausgeschlossen. Da muss sie erst, abgesehen von ihrer Taufe, Bedingungen erfüllen. Ich habe mir schon einiges an Begründungen anhören müssen in den letzten Jahren, warum es so ist. Begonnen von „Kinder verstehen das noch nicht“ (Ähm. Wie viele Erwachsene gibt es wohl, die das Abendmahl nehmen, weil es halt dazugehört?) bis hin zu „In der Bibel sind auch keine Kinder dabei“ (Frauen auch nicht. Jedenfalls nicht bei dem letzten Abendmahl, auf das wir uns berufen.)

Jesus selbst erwähnt die Kinder als „Hauptpersonen“ nur an einer Stelle ganz explizit, aber dort sagt er: „Lasst die Kinder zu mir kommen! Wehrt ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen.“   (Der folgende Satz „Und er nahm sie in seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie“ ist dann das Argument für die Kindersegnung. Aber in dem ganzen Abschnitt ist nicht vom Essen die Rede, es sind also zwei ganz unterschiedliche Sachen, die da miteinander in Beziehung gebracht werden. Nachzulesen ist das bei Markus im 10. Kapitel)

Wissen wir, was zwischen einem Kind und Gott passiert, wenn das Kind das Abendmahl nimmt? Wissen wir, was überhaupt zwischen einem anderen Menschen und Gott passiert? Passiert bei uns selbst jedes Mal das Gleiche? Haben wir nicht auch von Ma(h)l zu Mal eine andere Empfindung, je nachdem, aus welcher Alltagssituation wir zum Tisch des Herrn kommen?

Und trauen wir unserem Gott da nicht herzlich wenig zu, wenn wir anscheinend viel besser beurteilen können, wer eingeladen ist und wer nicht?

Gestern Abend hat sich für mich falsch angefühlt. Ich habe mein Kind bewusst von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Und ich weiß, das wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Ratlos, traurig, unzulänglich.

„Die“ Kirche und „die“ Politik

  • Tempo 130
  • Bienensterben
  • Pränataldiagnostik
  • Migration

Soll / muss / darf sich Kirche in die Tagespolitik einmischen? Oft hören wir „die sollen sich um ihre Schäfchen kümmern. Anständig Seelsorge betreiben (…und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen…). Aber aus der Politik sollen sie sich gefälligst heraushalten!“ Oder man wird gleich als „links-grün-versifft“ abgestempelt.

Ist das denn tatsächlich so? Was ist Auftrag der Kirche? Okay, sicher nicht, den Menschen von der Kanzel zu predigen, wen sie wählen sollen. Das ist genauso persönlich wie die Wahl, zu welcher Konfession man sich bekennt.

Das meine ich auch nicht.

Wir sollen Menschen vom Evangelium erzählen, sie für ein Leben mit Jesus begeistern, ja. Unbedingt.

Aber: Wenn wir die Aussagen der Bibel ernst nehmen, dann steht da nicht nur „Macht euch die Erde untertan“ (ich ergänze mal frei: auch um den Preis einer kaputten Umwelt, der Zerstörung jahrtausendealter Lebensräume, der Ausrottung von ganzen Lebensformen). Da steht auch der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. („Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten, ihn zu bebauen und zu bewahren.“ Gen 2,15).

Da steht nicht nur „Du sollst Gott lieben“, es geht ohne Abstriche weiter mit „und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn ich davon ausgehe, mich selbst zu lieben bedeutet: Daseinsfürsorge, ein auskömmliches Leben anstreben, eine friedliche Lebensumgebung, gelingende Beziehungen… dann bin ich aufgefordert, alles dieses auch meinen Mitmenschen zu gönnen. Egal woher sie kommen, wo sie leben, was sie glauben oder wen sie lieben. Oder ob sie ein Gen dreimal haben. Wie auch immer. Selbst dann, wenn mir selbst gerade das Eine oder Andere fehlt, das mein Leben gelingen lässt.

Jesus selbst war da ganz radikal – und politisch! „Liebe deine Feinde, segne, die dich fluchen.“ (Ganz bewusst von mir benutzt in der 2. Person Einzahl, denn es ist eine persönliche Aufforderung an jeden Einzelnen von uns!) Alles andere ist einfach. Das bekommt sogar ein aktueller amerikanischer Präsident hin, denke ich.

Aber Liebe – mit anderen Worten Respekt, sogar Verständnis vielleicht – für diejenigen aufbringen, die beispielsweise ganz außen am Rand des politischen Spektrums stehen, egal auf welcher Seite? Das ist schon eine Riesenherausforderung, natürlich. Und dabei versagen wir auch alle regelmäßig. Das finde ich auch menschlich. Trotzdem möchte ich deswegen nicht, dass wir uns zumindest von dem Versuch verabschieden, nach dem Motto: „Hab ich versucht, hat nicht geklappt, hat sowieso keinen Zweck, lasse ich lieber sein.“

Wenn dir jemand sagt: „Hey, glaub an Jesus, bekehre dich und werde Christ, dann wird dein Leben einfach, du weißt immer, was du tun musst, du wirst gesund und wohlhabend, du wirst keine Zweifel mehr haben“, dann macht diese Person es sich zu einfach und dir höchstwahrscheinlich ein leeres Versprechen.

Aber du hast dann immer den Einen an der Seite, an den du abgeben kannst, du wirst deine (auch die falschen) Entscheidungen nicht allein treffen und nicht allein vor dir verantworten müssen. Du beginnst, die Welt mit anderen Augen zu sehen, und du hast auch eine zuverlässige Adresse, wenn du etwas zu beklagen hast. Du bist nicht allein.

Und du wirst politisch. Du beziehst Stellung.

Wikipedia: „Politik bezeichnet die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen.“

 

 

 

Nur mal so ein Gedanke….

Am Frühstückstisch, ehe der Tag so richtig losgeht, führen wir manchmal die besten Gespräche. Vorgestern war so ein Gespräch.

Warum fällt uns Glauben oft so schwer? Ich meine jetzt den Glauben an einen liebenden Gott, an Jesus Christus, der schon alles getan hat, damit wir nicht verloren sind. Wir sind so aufgeklärt, wir lassen nur zu, was der Verstand uns als schlüssig freigibt. Glauben ist irrational, er kann nicht mit wissenschaftlichen Methoden vermessen, qualifiziert und eingeordnet werden. Glauben unter Laborbedingungen ist nicht möglich.

Aber wenn wir uns verlieben, ist es genau umgekehrt. Wenn uns dann ein misanthropischer Zeitgenosse sagt, ach das ist alles nur Chemie, das sind die Hormone, Testosteron und Östrogen, da sind Adrenalin und Oxytocin und wie die Stoffe alle heißen in einem wilden Cocktail am wirken, sonst nix, dann ist uns das ganz egal. Was wir spüren, sind Schmetterlinge, ein wunderschönes, warmes Gefühl, wir möchten die ganze Welt umarmen und von morgens bis abends singen. Der Verstand rutscht einige Etagen tiefer… und wir finden das total in Ordnung.

Wie gesagt, nur mal so ein Gedanke.