Allein

Das dürfte heute Abend bei vielen Christen vielleicht nicht das vorherrschende, aber ein bohrendes Gefühl sein. Am Gründonnerstag feiern wir Abendmahl, und zwar zum Gedenken an das letzte gemeinsame Mahl von Jesus mit seinen Jüngern, ehe er den schweren Weg ans Kreuz ging. Genau diese Situation gibt es nur das eine Mal im Jahr. Aber nicht 2020. Nicht so, wie wir es kennen, in der Gemeinschaft unserer Gemeinden.

In diesem Jahr ist einfach alles anders. Symbolisiert durch die leeren Stühle und Bankreihen in unseren Kirchen. In den sozialen Netzwerken werden heute heiße Diskussionen darüber geführt, ob und wenn ja wie man als Laie das Abendmahl zuhause feiern darf, ohne die Einsetzung durch einen ordinierten Pfarrer.

Erstens wundere ich mich, dass diese Diskussionen erst heute mit dieser Vehemenz laufen, denn das Kommen des heutigen Tages mitsamt den Einschränkungen waren seit mindestens zwei Wochen absehbar. Zweitens frage ich mich, wie zielführend es ist, wenn die einzelnen Landeskirchen jeweils ihr eigenes Süppchen kochen, und drittens, warum es nicht möglich war, den Diskurs über die theologischen Streitpunkte erst ganz in Ruhe und ohne Öffentlichkeit zu klären und dann mit einer gemeinsamen (Kompromiss-)Lösung den Menschen einen gangbaren Weg aufzuzeigen. Da wünsche ich mir abseits von Dogmen und Systemen einfach pragmatische und praktische Ansätze für Ausnahmesituationen. Einen Plan B sozusagen.

Zum Anderen denke ich an die Vielen, die tatsächlich ganz allein zuhause sind, die augenblicklich weder im spirituellen noch im realen Leben die Möglichkeit zur Gemeinschaft haben. Der Gedanke tut weh, aber meine Möglichkeiten beschränken sich aktuell auf Mitgefühl und Gebet für die Einsamen. Alles andere gebe ich in Gottes Hand und vertraue darauf, dass er einen Weg findet, die Menschen zu trösten.

Ja, allein sein kann wunderbar sein, es kann helfen, die eigenen Gedanken mal wieder zu hören statt der vielen verschiedenen Meinungen, denen wir ausgesetzt sind. Aber allein sein, wenn ich es mir nicht selbst ausgesucht habe, kann mich sogar in einem Wolkenkratzer voller Menschen zum einsamsten Menschen der Welt machen.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Wo finde ich Gott?

Auf dem Weg nach Santiago de Compostela vielleicht? Viele Pilger berichten davon, dass es sie irgendwann auf dem Weg eiskalt erwischt. Eine Gottesbegegnung. Ein Augenblick, in dem eine Erkenntnis kommt oder sich ein Knoten in der Seele löst. Der Moment auf dem Camino, der alles zum Überfließen bringt inklusive der eigenen Tränen. Diesen Weg zu gehen, ist auch mein großer Traum. Nicht unbedingt, weil ich heulen will, das kann ich auch so manchmal ganz gut, aber weil ich diese Nähe einmal ganz intensiv erleben möchte.

Und weil ich auch häufig das Gefühl habe, Gott nahe zu sein, wenn ich draußen unterwegs bin, wenn ich überraschende Ausblicke genießen darf, die Vögel höre, mich über Sonnenstrahlen durch das Blätterdach im Wald freue oder den Duft einer frisch gemähten Wiese einatme. Aber auch, wenn einsetzender Regen einen ganz eigenen würzigen Geruch mit sich bringt, wenn Eisblumen oder -zapfen wachsen, wenn der Sturm uns zeigt, dass wir nicht die Beherrscher von allem sind.

Aber auch wenn ich Sonntags relativ früh am Morgen als Erste unsere Kirche betrete und hoffentlich noch ein paar Minuten allein sein darf, ehe die ersten Gottesdienstbesucher kommen, habe ich ein ganz eigenartiges Gefühl von Nähe. In der Kirche übrigens mehr als während der Winterkirche im Gemeindehaus (dafür mag ich dort die gemütliche Atmosphäre ziemlich gern).

Nähe zu Gott oder Gottesbegegnungen lassen sich allerdings nicht planen, sie sind für uns nicht verfügbar. Und das ist auch gut und richtig so!

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Begegnung

Ein Hängeregal voll Flaggen. Vermutlich in einem Magazin der Vereinten Nationen. Daneben der Spruch: „Our Dream is a world free of poverty“. Eine Vision? Oder nur eine Utopie? Auf jeden Fall trifft es in der aktuellen weltweiten Situation bei vielen Menschen einen Nerv. Viele haben die Hoffnung, dass die Weltgemeinschaft mit einem Paradigmenwechsel aus dieser Krisenzeit herauskommt. Weg vom Wirtschaftswachstum um jeden Preis, hin zu einem mitfühlenden Umgang und umfassender Gerechtigkeit. Wir werden sehen…

Die Textkarte kann ich nur bejahen. Ganz davon abgesehen, dass in der Bibel steht, Gott habe die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen oder Jesus im Neuen Testament sagte „was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Wenn ich davon ausgehe, dass auf welchem Weg auch immer Gott der Verantwortliche für alles Leben auf der Erde ist, dann bin ich aufgefordert, alle Lebewesen zu achten.

Okay, das gelingt nicht immer. Für manche Zeitgenossen habe ich leider doch mehr Ver-Achtung als Achtung übrig. Auch schaffe ich es nicht immer, gut mit der Natur umzugehen. Ich scheitere, und das ist menschlich. Das hindert mich allerdings nicht, es immer wieder zu versuchen.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Freischwimmer

Der Untertitel lautet: Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr

Ein außergewöhnliches Buch, finde ich. Der Werdegang eines begnadeten Evangelisten, der den Glauben verlor … und sich dann auf die Suche nach dem Verlorenen machte.

So ungewöhnlich Torstens Lebensweg begann, so war es auch sein Weg, nachdem er feststellte, dass wichtige Dogmen seines Lebens nicht (mehr) funktionieren. Musste er als Kind und Jugendlicher für seine Ziele kämpfen und Umwege gehen, so hat er das auch getan, als er merkte, dass er Thesen, die er zum Beispiel als Prediger bei Jesus House den Jugendlichen entgegenschmetterte, selbst nicht mehr glauben konnte. Als er Zweifel bekam, ob die Art, wie junge Menschen in einer hochemotionalen Einzelsituation aufgefordert werden, ihr Leben Jesus Christus zu übergeben, nicht in Wirklichkeit hochmanipulativ sei.

Für mich war es stimmig, dass dieser Mann nun nicht einfach der evangelikalen Szene frustriert den Rücken kehrt und sagt „Ok, dann glaub ich halt nicht mehr, war eine schöne Zeit, und tschüss…!“

In Gesprächen mit verschiedenen „Schwergewichten“ der christlichen Szene (alles Menschen, die sehr reflektiert sind und wo niemand auf die Idee käme, sie gingen leichtfertig mit dem ganzen Thema um) macht er sich auf die Suche nach dem Verlorenen und lernt eine ganz neue Weite und Freiheit der Gedanken kennen.

Manche Gedankengänge sind für Landeskirchler, die in einigen evangelikal-konservativen Kreisen auch gern mal salopp als Christen zweiter Klasse angesehen werden, nur bedingt nachzuvollziehen. Aber das eine oder andere hat vermutlich jeder schon mitbekommen: Tun-Ergehen-Zusammenhang: wenn du schlechtes denkst/tust, dann BIST du schlecht. Homosexualität ist Sünde, sonst nichts. Pass auf, kleines Auge, was du siehst. Du musst einfach stärker glauben, und wenn sich deine Situation dann nicht zum Guten verändert, dann glaubst du nicht richtig!

Das wirklich interessante am Buch sind für mich die Gespräche mit Andreas Malessa, Christina Brudereck, Klaus Douglass, Klaus Göttler und anderen anerkannten Protagonisten der frommen Szene, die sehr offene und weite Denkweisen darlegen, aber trotzdem keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihres persönlichen Glaubens lassen. Und die kein Problem damit haben, jemanden „als vollwertig“ anzuerkennen, der gerade sein Glaubensfundament total in Frage stellt.

Hier gibt es kein Abgebügeltwerden, niemand erklärt Torsten für verloren. Das Buch bietet differenzierte Denkansätze, wägt ab, polarisiert und provoziert sicher auch (zum Beispiel, Dogmen über Bord zu werfen).

Es gibt so viele Stellen, die ich gern zitieren würde, wo ich Aha!-Effekte bei mir festgestellt habe, das sprengt an dieser Stelle den Rahmen.

Ich kann nur empfehlen: selber lesen! Wenn du das Gefühl hast, in deinem Umfeld vor allem kritische Fragen nicht stellen zu können: lesen! Hier ist eine große Liebe zu den unterschiedlichsten Menschen zu finden, hier stehst du nicht im Regen.

10. Dezember

Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Alles Unebene soll eben werden und alles Hügelige flach. Denn der Herr wird kommen in seiner Macht und Hoheit. Alle Menschen werden ihn sehen. Er selbst hat es angekündigt.

Unmittelbar an den Vers von gestern anschließend.

So wünschen es sich die maßgeblich beteiligten Herren im Verkehrsministerium bestimmt auch 😉

Ich hör‘ jetzt mal lieber auf, wer weiß, was mir sonst noch respektloses einfällt.

9. Dezember

Hört! Jemand ruft: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott!“

Das sagt Jesaja (40,3).

Funkstille bei mir. Ich weiß gerade nicht, ob ich einfach zu müde bin, aber das einzige Bild, was mir dabei in den Sinn kommt, ist die Vermutung, dass Jesaja sich nicht auf unseren Bundesverkehrsminister oder den Bahnchef bezieht.

Fortsetzung folgt morgen…

8. Dezember

Ein bekanntes Bild wird uns heute vor Augen gestellt:

Ich suche die verlorenen Schafe und bringe alle zurück, die sich von der Herde entfernt haben. Wenn sich eines der Tiere ein Bein bricht, will ich es verbinden, und die kranken pflege ich gesund.

Hesekiel (Kap. 34,16a) ist der Prophet, der uns diese Worte im Namen Gottes zuspricht. Auch er wirkte zur Zeit des babylonischen Exils, und im gesamten Kapitel 34 lässt er sich darüber aus, was Gott ihm mit dem Bild des Hirten aufgetragen hat. Nämlich, dass eigentlich die Anführer des Volkes Israel die Hirten sein und sich gut kümmern sollten. Aber stattdessen bereicherten sie sich auf Kosten der Herde.

Heute möchte ich das Augenmerk jedoch mal nicht so sehr auf das lenken, was rund um den Vers alles angeprangert wird. Vielmehr freue ich mich über die Zusage, die darin steckt, in diesem einzelnen Vers:

Gott geht auch denen nach, die sich von der Herde oder von ihm entfernt haben. Er gibt niemanden auf, er kümmert sich. Das gibt vielen Menschen Hoffnung.

Und das Bild finden wir immer wieder, im Psalm 23, aber auch später bei Jesus, der sich als den „Guten Hirten“ bezeichnet in den Ich-bin-Worten und der das Gleichnis vom verlorenen Schaf erzählt.

4. Dezember

Die heutige Vorhersage steht bei Maleachi und ist der Beginn des dritten Kapitels:

Der Herr, der allmächtige Gott, antwortet: „Ich schicke meinen Boten voraus, der mein Kommen ankündigt und die Menschen darauf vorbereitet. Noch wartet ihr auf mich, den Herrn, ihr wünscht euch meinen Boten herbei, der meinen Bund mit euch bestätigt. Er ist schon unterwegs! Ganz plötzlich werde ich, der Herr, in meinen Tempel einziehen.

Ich gestehe, obwohl Maleachi zu den kürzesten Kapiteln der Bibel gehört, habe ich dieses Buch bisher nicht gelesen. Ich finde die Propheten zuweilen ziemlich schräg. Aber um den Vers in einen sinnvollen Zusammenhang zu bekommen, habe ich mir die  Verse vorher und im Anschluss angeschaut und festgestellt, dass eine ziemliche Aktualität darin liegt:

Unmittelbar voraus geht die Aussage: „Nun, ihr behauptet: „Wer Unrecht tut, gefällt dem Herrn; ihn nimmt er an!“Oder ihr fragt: „Wo bleibt denn Gott? Warum greift er nicht ein und sorgt für Recht?“ Hm. Kommt mir bekannt vor. Mir fallen auf Anhieb einige Staatenlenker ein, die fest davon überzeugt sind, dass sie Gottes Willen erfüllen, dabei aber die Grundrechte der Bevölkerung ihrer Länder mit Füßen treten. Und die Frage „Warum lässt Gott das zu?“ ist wohl das vermeintlich stärkste Totschlagargument gegen den Glauben.

Einige Verse danach kommt dann die klare Ansage Gottes, dass er Gericht halten wird, dass alle, die ungerecht gegenüber ihren Mitmenschen aufgetreten sind, alle, die andere missbraucht haben für ihre Zwecke, alle, die Gott als zahnlosen Tiger gesehen haben, dafür gerade stehen müssen.

Wir sind versucht, zeitlebens in der kindlichen Zuversicht stecken zu bleiben, dass Jesus unser Freund und Helfer ist, dass er alles gutmachen werde (nein, er wird alles gut machen, das ist ein Unterschied). Den richtenden Gott verschweigen wir gern. Ich auch. Und wisst ihr, warum? Weil wir mit menschlichen Maßstäben messen. Und das, obwohl sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt haben dürfte, dass Eltern, die ihren Kindern immer wieder Konsequenzen androhen, sie aber dann nicht anwenden, ihren Kindern damit nichts Gutes tun. Oder dass immer wieder Bewährungsstrafen für notorische Wiederholungstäter ein total falsches Bild der Gerechtigkeit entstehen lassen. Aber Gott, dem höchsten Wesen, gestehen wir das nicht zu.

Wir verstehen „Gericht“ irgendwie immer noch als „Stell dich in die Ecke und schäm dich“. Und wir möchten lieber an die Allversöhnung glauben. Ist romantischer. Und eine schöne Vorstellung.

Aber: Keiner von uns weiß, was kommen wird. Wie es aussehen wird, wenn umfassende Gerechtigkeit geübt wird. Und wir müssen es auch gar nicht. Es reicht, wenn wir hier und jetzt ein Leben führen, in dem wir unseren Mitmenschen mit Respekt begegnen, mit demselben Respekt, den wir uns wünschen. Nicht um uns Pluspunkte im Gericht zu verdienen, das können und müssen wir nicht. Sondern um in diesem Leben zu bestehen und nicht bitter zu werden. Egal, woran wir glauben.

Himmel und Erde

Unüberbrückbare Gegensätze oder zusammengehörende Teile eines Ganzen?

Unser letzter FAQ-Gottesdienst in diesem Jahr fand zwar am ersten Advent statt, sollte aber kein „klassischer“ (sowieso nicht…) Adventsgottesdienst sein. Aber er sollte schon mit einem Thema zu tun haben, dass gerade um diese Jahreszeit doch irgendwie viele Menschen beschäftigt. Vor Weihnachten schmücken wir gern mit Engeln, den himmlischen Boten Gottes (oder zumindest mit den Figuren, die wir uns als Engel denken). Und beim schönsten Morgen- und Abendrot heißt es: „Im Himmel werden schon Plätzchen gebacken“. Zu keiner anderen Zeit sehnen wir uns so sehr nach der Helligkeit und Klarheit des Himmels wie in dieser dunklen Zeit am Ende des Jahres.

Unser Anspielteam hatte sich schon frühzeitig Gedanken dazu gemacht, was wohl die Eigenheiten von Himmel und Erde sind.

Ein steiles Thema haben wir uns da vorgenommen! Gar nicht so einfach. Was tut man heutzutage, wenn man nicht sofort die zündende Idee hat? Richtig, Tante Google fragen.
Aber, dort bekommt man zunächst gefühlte 1000 Einträge mit – Kochrezepten! Himmel und Erde, ein traditionelles Gericht nicht nur in Norddeutschland, Äpfel (Himmel) und Kartoffeln (Erde) zusammen gekocht. Der Vollständigkeit halber müsste es heißen „Himmel und Erde mit Blutwurst und Zwiebeln“. Brrr! Dann doch lieber Kartoffelpuffer mit Apfelmus….
Aber Scherz beiseite, da brauche ich einen anderen Ansatz. Mal sehen. Ah! Ja, das könnte klappen:

Das Vater Unser: „…wie im Himmel, so auch auf Erden…“
Oder das Glaubensbekenntnis: „…den Schöpfer des Himmels und der Erde…“. Später dann: „…hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel…“
Das Verhältnis von Himmel und Erde hat also definitiv für uns als Christen eine große Bedeutung. Es hat etwas mit Gott zu tun.

Ich habe das schon einmal erzählt, wenn man ein Kind bis ca. 8 Jahre bittet, ein Bild zu malen, wo Gott mit drin ist, dann malen die meisten Kinder eine Landschaft mit Himmel, im Himmel ist eine Wolke, und auf der steht ein alter netter Mann mit Rauschebart und langem Nachthemd. Also eher so eine Art Gandalf eigentlich.

Und nicht nur Kinder pflegen die Vorstellung, dass der Aufbau der Welt dreiteilig ist, in der Mitte die Erde mit den Menschen, unten drunter die Hölle mit Feuer, Teufeln und geknechteten Seelen. Und oben im Himmel thront Gott über allem.
Diese Vorstellung ist uralt und kommt in den unterschiedlichsten Kulturen vor. Auch zur Zeit des Alten Testaments sahen viele Schöpfungsberichte und Weltbilder so aus.

Auch am Anfang der Bibel heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und zwar trennte er das Wasser oben vom Wasser unten, nannte das obere Wasser Himmel und sammelte das untere Wasser in den Meeren, damit man die Erde dazwischen sah. Zwei Dinge lesen wir daraus.
Erstens: Gott hat beides geschaffen und voneinander getrennt. Und zweitens: Gott war schon vorher „da“. Wo auch immer.
Schließlich, nachdem Gott alles auf der Erde erschaffen hatte, auch Mann und Frau in dem Garten, den er für sie angelegt hatte, da traf er sich dort mit ihnen gern zum Abendspaziergang. Er nahm am Leben seiner Schöpfung persönlich teil. Bis zur Verführung der Menschen durch die Schlange…

Szenenwechsel.

Ganz am Ende der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, werden die getrennten Bereiche wieder zusammengeführt: (Off. 21)
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer (vom Anfang) ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Wenn alles, was uns von Gott trennt (Sünde kommt von Sund und hat nichts mit Sahnetorte zu tun, denn ein Sund ist ein Meeresarm, der zwei Ufer voneinander trennt) beseitigt ist, dann wird er wieder bei uns Menschen wohnen, die Trennung von Himmel und Erde ist beendet. Was für eine grandiose Zusage! Übrigens ist dann nicht nur für uns Menschen „alles wieder gut“, sondern auch für Gott. Endlich ist er wieder da, wo er von Beginn an sein wollte!

Die Sehnsucht nach dem Himmel ist bei uns allen vorhanden. Wenn wir etwas als „himmlisch“ bezeichnen, dann ist das ein höchstes Lob. Die Menschen im Alten Testament bauten den Turm in Babel, um zu Gott zu gelangen. Sie stiegen auf die höchsten Berge (wie manche Leute heute noch).
Später baute man „Wolkenkratzer“.
Wir suchen den Himmel auf Erden, wir versuchen sogar, mit der Raumfahrt dem Himmel näher zu kommen. Und doch kommen wir auch mit der stärksten Rakete nur tiefer ins All, aber nie näher zum Himmel.

Und trotzdem gibt es sie, die Brücke zum Himmel. Und diese Brücke ist Jesus Christus. Er ist Gott, der zu seinen Menschen gekommen ist, als einer von ihnen. Nicht privilegiert in einem Palast oder Elfenbeinturm, sondern absoluter Durchschnitt in seinem sozialen Status. Handwerker. Wanderprediger. Und am Ende seines Lebens: Verraten, wie ein Verbrecher behandelt, getrennt von seinen Freunden, verleugnet sogar vom besten Kumpel, und dann fühlte er sich sogar von seinem Vater verlassen! Den demütigenden Tod am Kreuz gestorben wie der schlimmste Terrorist. Tiefer fallen kann kein Mensch.

Er hat sich selbst geopfert, sein Leben gegeben für alle Generationen nach ihm. Das ist uns unvorstellbar, es ist zu groß für unseren Verstand. Und deswegen ist es für viele ein Problem. Was wir nicht verstandesgemäß erfassen können, das kann nicht sein.
Auch ich habe zu Beginn meines Weges mit Gott oft gesagt: An Gott kann ich glauben, aber Jesus ist für mich „nur“ eine historische Person. Zugegeben eine, die viel Gutes getan hat, aber nicht mehr. Ein moralisches Vorbild, aber der Sohn Gottes? Never!

Es brauchte Zeit, Vertrauen und viele, viele Gespräche mit Gott, Streitgespräche auch des Öfteren, damit ich mich diesem größten Geheimnis öffnen konnte. Bis der wissenschaftlich orientierte Verstand sich entschloss, auf das Herz zu hören, bis ich bereit war, etwas einfach stehenzulassen als das, was es ist: Ein Geheimnis.

Kennt ihr das: Der Gedanke daran, was wäre, wenn es Hogwarts wirklich gäbe? Wenn sich hinter meinem kleinen Leben eine große Zaubererpersönlichkeit verbirgt? Oder: Wenn die Zeitreisen aus der Edelsteintrilogie tatsächlich möglich wären? (Für die Älteren: „Zurück in die Zukunft“ oder „Peggy Sue hat geheiratet“ spielen auch mit dieser Vorstellung.)

Oftmals sind wir eher bereit, solche Dinge in die Realität hineinzudenken, weil wir es gerade ganz passend fänden, einen Zeitzauber à la Hermine Granger zu benutzen oder wenn wir in die Vergangenheit reisen könnten, um eine vermurkste Situation zu retten.
Aber zu sagen: Ich vertraue darauf, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dass er auch für mich in den Tod gegangen und, noch unfassbarer: AUFERSTANDEN ist, das fällt uns schwer. Und das, obwohl sehr viele von uns durchaus die Hoffnung haben, irgendwann einmal ihre Lieben wiederzusehen, die diese Welt schon verlassen mussten.

Wenn jetzt an dieser Stelle jemand darauf hofft, ich zaubere „Tädäää!“ ein Patentrezept aus dem Hut, das dafür sorgt, uns sämtlicher Zweifel zu berauben und uns die große Gewissheit zu schenken…, dann bleibt die Enttäuschung nicht aus. Denn dafür gibt es kein Patentrezept. Tu dieses, lasse jenes, bete zu festgelegten Zeiten… das kann funktionieren, aber nur, wenn es passt wie ein Puzzleteil zum nächsten. Der Weg zur Brücke kann aber auch bedeuten, dass du mit Gott haderst, dass du ihm ein paar unangenehme Sachen an den Kopf wirfst, dass du dich beklagst.

Wenn dir jemand sagt: Glaube nur fest genug, dann wird es dir gutgehen, in jeder Hinsicht, dann lauf! Denn es ist nun mal kein Automatismus. Auch der festeste Glaube nimmt uns nicht alle Krankheiten und auch nicht die Privatinsolvenz oder die schlechten Noten in der Schule.

Das wichtigste ist: bleibe mit Gott im Gespräch. Auch wenn es ein Streitgespräch ist. Auch wenn mal einer von euch beiden oder sogar ihr beide Sendepause haben. Nimm den Faden wieder auf. Bleib hartnäckig. Und dann nimm deinen Mut zusammen und geh über die Brücke. Verbinde Himmel und Erde. Denn sie gehören zusammen.
Amen!

PS: Für alle, die nicht im Gottesdienst waren: Mein persönlicher Höhepunkt war das Schattenspiel der Anspiel-Gruppe. Und der Knaller war, als Maria Jesus hochgehalten hat zur Musik aus „König der Löwen“! Diese Verknüpfung sorgt sofort für Kopfkino.

„Was bringt mir Kirche/Gottesdienst?“

(…und was hat das Mondfoto damit zu tun? Aber dazu später.)

Die Frage in der Überschrift stellen sich viele Menschen. Immer mehr betrachten Kirche als Dienstleistungsunternehmen und den Gottesdienst als überflüssig. Es gibt schon Überlegungen (bei denen ich mich frage, ob so etwas ernst gemeint sein kann…) den Gottesdienst sozusagen auf Abruf stattfinden zu lassen. Meiner Meinung nach kann das nicht die Lösung sein, denn damit ist ja noch weniger Verlässlichkeit im Terminkalender, und an verlässlichen Verabredungen, an Verbindlichkeit mangelt es der Gesellschaft zunehmend.

Aber: Ich gestehe, dass ich auch nicht sicher bin vor dieser Frage. Am vergangenen Samstag, mitten beim Staubsaugen (worüber man so bei Hausarbeit nachdenkt…) überfiel mich die Frage: Warum gehst du eigentlich so stur sonntags in den Gottesdienst? Was könntest du in der Zeit alles machen? Du könntest doch auch still vor dich hin in der Bibel lesen, ein bisschen journalen (bible art journaling, kannst du auch im Netz finden), ein paar schöne Worship-Songs anhören und deine Zeit mit Gott ist perfekt. Oder du liest einfach mal den dicken Schmöker zuende oder bügelst oder… oder… oder…

Am Sonntag bin ich mit Edgar trotzdem zum Gottesdienst gegangen. Teils aus Gewohnheit, teils aus Bedürfnis. Irgendetwas sagte mir ganz eindeutig: Geh hin!

Der Gottesdienst war, abgesehen davon, dass Ferienzeit ist und alles etwas kleiner, ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl. In der Predigt ging es um einen Text aus Jesaja 2. Jesaja lebte 700 vor Christus. Und es sah offensichtlich ähnlich aus wie heute bei uns in der Glaubenslandschaft: Viele Israeliten hatten den Glauben verloren, er hatte keine Relevanz für ihr Leben oder war zur Gewohnheit verkommen, weil „man das eben tat“. Die Menschen erwarteten aber nicht Gottes Eingreifen in das eigene Leben. So nehmen auch heute viele die Kirche wahr: Tradition ohne Realitätsbezug, leere Rituale, die nix bringen, verstaubte Musik….

Das brachte mich ins Grübeln: denn 700 Jahre nach Jesaja schickte Gott seinen Sohn zu diesen geistlich müden Menschen, um seine Geschichte mit ihnen weiterzuschreiben. Und weitere 2000 Jahre später schenkte er mir, in einem ganz normalen Gottesdienst, mit unserem Gemeindepfarrer, eine Predigt, die zu mir persönlich sprach und die ich an diesem Tag unbedingt brauchte. Und das so ganz ohne Bombast, nicht auf einem großen Kirchenevent, einer Pro-Christ-Massenveranstaltung, auf einem mitreißenden Lobpreis-Konzert. Schlichter Gottesdienst, schlichte Worte und als Symbole zur Verdeutlichung ein „Katzenauge“ (Reflektor) und der Hinweis, dass der schöne Sommer-Mond auch nicht mehr scheint, wenn die Sonne ihn nicht anscheint.

So ist es auch mit uns: Wenn Gottes Licht uns anscheint, dann scheinen wir zurück. Und wir scheinen auch, wie der Mond, in das Leben vieler hinein.

PS: Das ist jetzt kein Plädoyer komplett gegen Großveranstaltungen, auch die haben oft ihre Berechtigung, sie ermutigen zum Beispiel dadurch, dass wir sehen: wir sind doch viel mehr, als es sonntags den Eindruck macht. Aber wir brauchen auch das normale, das Kleinformat. Manchmal sicher etwas langweilig, aber dabei können wir „runterkommen“. Auch das hat seinen Platz im Leben, nein: es IST Leben! Und manchmal, um überrascht zu werden an Stellen, wo wir es nicht unbedingt vermuten….