Konfirmation im Herbst

Nachdem die aktuelle Geißel der Menschheit in diesem Frühjahr alles gründlich vermasselt hat, fand am letzten Wochenende die verschobene Konfirmation von 35 jungen Menschen in unserer Gemeinde statt. So viele Familien zusammen in einem Gottesdienst, das funktioniert in diesen Zeiten nicht, selbst mit einer (für ein Dorf anscheinend überdimensionierten) großen Kirche nicht. Ein großes Lob möchte ich daher unserer Gemeindeleitung aussprechen, mit dem ersten Oktoberwochenende hat sie eine tolle Wahl getroffen.

Dabei war das anfangs überhaupt nicht unumstritten, denn es gab durchaus Stimmen, die der Meinung waren, im Oktober könne man doch keine Konfirmation feiern, da sei es zu unbeständig, zu kalt, zu was weiß ich. Kathrins Reaktion: „Ist mir egal, wie das Wetter ist, ich will konfirmiert werden!“

Die Konstellation des Wochenendes mit dem Feiertag am 3. Oktober war für uns perfekt, so konnte das Geschehen auf drei Gottesdienste verteilt werden: je einen am Samstag vormittags und nachmittags und einen klassisch am Sonntagmorgen. Die Jugendlichen konnten eine Erst- und eine Zweitwahl treffen und dann wurde so lange hin- und hergeschoben, bis fast alle uneingeschränkt zufrieden waren. Dabei will ich nicht verschweigen, dass dieses Vorgehen, welches für die Konfi-Familien viel Entlastung bedeutete (zum Beispiel brauchte keiner eine Stunde vor dem GoDi die Kirchenbänke quasi „mit Handtüchern belegen“, weil jede Familie feste Plätze hatte) sehr viel zusätzliche Arbeit für alle am Gottesdienst Beteiligten bedeutete. Für Pfarrerin und Pfarrer, Küsterin, Mitglieder des Presbyteriums, Teamer aus der Konfirmandenarbeit, Band, Organistin … Heißen Dank an euch, ihr habt alles gegeben, um die Gottesdienste für Konfis und Familien toll zu gestalten!

Das Wetter spielte mit, vor allem am Samstag Nachmittag. Bei uns hieß das: Ich hatte durchs Haus verteilt Tische eingedeckt und dekoriert, aber schlussendlich saßen fast alle draußen auf der (wegen gegenteiliger Wettervorhersage nicht gefegten) Terrasse. Egal. War auch so in Ordnung. Wichtig ist ja nicht unbedingt, dass man vom Fußboden essen kann (geht bei uns sowieso nicht, überall und immer sind da Hundehaare ist da Aussie-Glitzer unterwegs). Wichtig ist die innere Einstellung.

Was haben wir gelernt? Nicht allein der (richtige?) Zeitpunkt bestimmt, ob etwas gut ist. Vor allem die Menschen und ihre Einstellung sind es, die zum Gelingen (oder auch nicht) beitragen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, ungewöhnliche Wege zu gehen, anders zu denken, flexibel auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Im Gemeindekontext habe ich bei sehr vielen die Bereitschaft gesehen, allerdings gibt es auch ein paar wenige, die auf ein „Das war schon immer so und das muss so bleiben“ pochen. Es wäre verwunderlich, wenn es anders wäre, denn Gemeinde stellt auch immer einen Querschnitt durch die Gesamtgesellschaft dar. Dazu habe ich einmal folgendes Zitat gefunden:

”EIN GRUND DAFÜR, DASS DIE LEUTE SICH VOR VERÄNDERUNGEN FÜRCHTEN, IST, WEIL SIE SICH STETS AUF DAS KONZENTRIEREN, WAS SIE VERLIEREN, ANSTATT AUF DAS, WAS SIE DAZU GEWINNEN KÖNNTEN. “

Leider weiß ich nicht, von wem dieser Ausspruch stammt, aber ich feiere den Urheber jedenfalls! Ebenfalls nachdenkenswert ist auch folgendes Zitat:
„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“ Das stammt von Gustav Heinemann.

In einem meiner nächsten Beiträge werdet ihr sehen, dass diese beiden Aussprüche nicht nur für den kirchlichen Bereich gelten, sondern für sehr viele Problemfelder, an denen unsere Welt derzeit zu knabbern hat.

Nun ja. Kathrin hatte eine wunderschöne Herbstkonfirmation, die der gesamten Familie gut gefallen hat in ihrer Durchführung. Das Album auf dem Beitragbild ist übrigens das dritte seiner Art, das ich gestaltet habe, denn auch Julia und Yvonne haben exakt das gleiche Album bekommen.

Gottesdienst in Corona-Zeiten

Ja, es ist anders und auch gewöhnungsbedürftig. Und ja, es ist merkwürdig, mit Maske in die Kirche zu gehen, sich dort namentlich registrieren zu lassen und sich dann auf vorher definierte, gleichmäßig verteilte Plätze zu setzen. Und statt zu singen, sich Vorträge von Orgel, Klavier oder Gitarre anzuhören.

Aber andererseits: verteilt haben die Besucher schon immer gesessen, nur eben auf ihren „Stammplätzen“, am liebsten möglichst weit weg vom Pfarrer. Durch die gleichmäßige Verteilung und die „Abstandsdeko“ in unserer Kirche sieht es von hinten aus gesehen sogar voller aus als sonst.

Naja, und was den Gemeindegesang angeht, wenn 40 Menschen in einer Kirche sitzen, die über 1000 Leute fasst, und dann noch die Orgel gespielt wird, man wird dann gerade bei Liedern, die nicht so geläufig sind, meist vom Instrument übertönt.

Deswegen mag ich an unserem Corona-Gottesdienst-Konzept, dass sich Musiker aus den Bereichen Organisten, Chorleuten, Lobpreis abwechseln und dass dadurch eine größere Vielfalt an Musikstilen vorkommt. Auch ungewöhnliche musikalische Allianzen entstehen. Und dadurch bekommt der Gottesdienst auch eine Dimension von Kulturvermittlung: ohne mich auf einen Text konzentrieren zu müssen, kann ich die Musik genießen, verinnerlichen, einfach wirken lassen.

Also gilt hier wie in vielen Lebensbereichen: nicht nur beklagen, was alles nicht so klappt oder Nachteile bringt, sondern einfach mal darauf einlassen und ganz neue Schätze entdecken😊.

Mit anderen Mitteln…

Was tut man, wenn es keine öffentlichen Gottesdienste in der Kirche geben darf? Man bastelt sich einen Gottesdienstbaukasten. In diesem Fall für unseren Jugendgottesdienst. Die Idee hatte Julia, und es sollten auch nach Möglichkeit alle daran beteiligt sein, die sonst auch den FAQ, wie er bei uns heißt, gestalten.

Also wurde die Band um Songs gebeten, daraus wurde eine Youtube-Playlist erstellt (mit Texten), weil ja nicht alle unsere Liederbücher zuhause haben. Eine unserer Catering-Feen steuerte einen Tipp bei, was man denn nach dem Gottesdienst (da gibt es bei uns immer ein Bistro) essen könnte. Zutaten für Wraps hat man ja oft zuhause, außerdem wurde das Rezept früh genug bekannt gegeben, dass man noch einkaufen konnte.

Ich hatte die Aufgabe, die Gebete, Psalmlesung und den Impuls beizusteuern. Eigentlich nichts neues für mich, aber die Ausführung hatte es in sich. (Notiz an mich selbst: Wenn die Technikpreise irgendwann mal wieder auf dem Boden angekommen sind, ein Handystativ beschaffen😏)

Am Freitagabend hatte ich den Impuls soweit, dass ich mich ins Büro setzen und filmen konnte. Nach fünf Versuchen, in denen ich mich immer so ungefähr in der Mitte fürchterlich verhaspelt, mir mit der Hand durchs Gesicht gewischt oder das Handy weggekippt hatte, gab ich auf. Die Müdigkeit konnte man mir auf der Aufnahme auch deutlich ansehen…

Neuer Versuch Samstag Vormittag. Ausgeruht, munter, dezent aufgefrischt (Obenrum. Die Beine steckten nach wie vor in Jogginghose, aber die sah ja niemand.) Handy auf der richtigen Höhe und im korrekten Winkel? Check! Text in Augenhöhe? Check! Bildausschnitt nach Möglichkeit ohne die chaotischen Regale im Hintergrund? Check! Okay, dann los.

Erster und zweiter Anlauf: Die Nase juckt. Die Nase juckt immer stärker! Kratz dich jetzt sofort an der Nase, sonst passiert was!!! 😖

Dritter und vierter Versuch: Es kratzt im Hals. Ein Schluck Wasser wäre gut. Wasser steht in der Küche… Ein Schluck Wasser bitte, jetzt sofort! Nein, Wasser steht immer noch in der Küche. Na gut, du wolltest es nicht anders: Hustenanfall. Tränen laufen, nach Luft japsen. Klappe🎬

Wasser holen. Beruhigen. Auf ein Neues. Nachdem ich mich über die ersten fünf Minuten gerettet hab: Handy klingelt. Muss ich drangehen🤪.

Nochmal das Ganze: Ja, jaa, jaaa, es geht auf das Finale zu… „BlingBling“! Das Handy für die Nothotline unserer Kunden piept🙈

Aller guten Dinge sind SIEBEN: Was fehlte jetzt noch? Genau. Unsere Hunde waren sich mitten in der Aufnahme einig, dass sie jetzt auch mal dran wären und veranstalteten spontan ein Konzert🥴😵.

Auf der achten Aufnahme sah ich schon etwas mitgenommen aus, glaub ich. Das war mir dann aber auch egal. Ich habe es dann so gelassen, denn langsam wurde ich heiser und bekam leichtes Kopfklopfen.

Alles wird gut! Denn inzwischen sind alle Bausteine bei Julia angekommen und die schneidet daraus ein Gesamtkunstwerk zusammen. Aber ich freue mich schon wie Bolle, wenn wir uns wieder im Paul-Gerhardt-Haus treffen können!

Und dann feiern wir!!! Deswegen zeige ich dir schon voller Vorfreude ein Video:

„Was bringt mir Kirche/Gottesdienst?“

(…und was hat das Mondfoto damit zu tun? Aber dazu später.)

Die Frage in der Überschrift stellen sich viele Menschen. Immer mehr betrachten Kirche als Dienstleistungsunternehmen und den Gottesdienst als überflüssig. Es gibt schon Überlegungen (bei denen ich mich frage, ob so etwas ernst gemeint sein kann…) den Gottesdienst sozusagen auf Abruf stattfinden zu lassen. Meiner Meinung nach kann das nicht die Lösung sein, denn damit ist ja noch weniger Verlässlichkeit im Terminkalender, und an verlässlichen Verabredungen, an Verbindlichkeit mangelt es der Gesellschaft zunehmend.

Aber: Ich gestehe, dass ich auch nicht sicher bin vor dieser Frage. Am vergangenen Samstag, mitten beim Staubsaugen (worüber man so bei Hausarbeit nachdenkt…) überfiel mich die Frage: Warum gehst du eigentlich so stur sonntags in den Gottesdienst? Was könntest du in der Zeit alles machen? Du könntest doch auch still vor dich hin in der Bibel lesen, ein bisschen journalen (bible art journaling, kannst du auch im Netz finden), ein paar schöne Worship-Songs anhören und deine Zeit mit Gott ist perfekt. Oder du liest einfach mal den dicken Schmöker zuende oder bügelst oder… oder… oder…

Am Sonntag bin ich mit Edgar trotzdem zum Gottesdienst gegangen. Teils aus Gewohnheit, teils aus Bedürfnis. Irgendetwas sagte mir ganz eindeutig: Geh hin!

Der Gottesdienst war, abgesehen davon, dass Ferienzeit ist und alles etwas kleiner, ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl. In der Predigt ging es um einen Text aus Jesaja 2. Jesaja lebte 700 vor Christus. Und es sah offensichtlich ähnlich aus wie heute bei uns in der Glaubenslandschaft: Viele Israeliten hatten den Glauben verloren, er hatte keine Relevanz für ihr Leben oder war zur Gewohnheit verkommen, weil „man das eben tat“. Die Menschen erwarteten aber nicht Gottes Eingreifen in das eigene Leben. So nehmen auch heute viele die Kirche wahr: Tradition ohne Realitätsbezug, leere Rituale, die nix bringen, verstaubte Musik….

Das brachte mich ins Grübeln: denn 700 Jahre nach Jesaja schickte Gott seinen Sohn zu diesen geistlich müden Menschen, um seine Geschichte mit ihnen weiterzuschreiben. Und weitere 2000 Jahre später schenkte er mir, in einem ganz normalen Gottesdienst, mit unserem Gemeindepfarrer, eine Predigt, die zu mir persönlich sprach und die ich an diesem Tag unbedingt brauchte. Und das so ganz ohne Bombast, nicht auf einem großen Kirchenevent, einer Pro-Christ-Massenveranstaltung, auf einem mitreißenden Lobpreis-Konzert. Schlichter Gottesdienst, schlichte Worte und als Symbole zur Verdeutlichung ein „Katzenauge“ (Reflektor) und der Hinweis, dass der schöne Sommer-Mond auch nicht mehr scheint, wenn die Sonne ihn nicht anscheint.

So ist es auch mit uns: Wenn Gottes Licht uns anscheint, dann scheinen wir zurück. Und wir scheinen auch, wie der Mond, in das Leben vieler hinein.

PS: Das ist jetzt kein Plädoyer komplett gegen Großveranstaltungen, auch die haben oft ihre Berechtigung, sie ermutigen zum Beispiel dadurch, dass wir sehen: wir sind doch viel mehr, als es sonntags den Eindruck macht. Aber wir brauchen auch das normale, das Kleinformat. Manchmal sicher etwas langweilig, aber dabei können wir „runterkommen“. Auch das hat seinen Platz im Leben, nein: es IST Leben! Und manchmal, um überrascht zu werden an Stellen, wo wir es nicht unbedingt vermuten….