Ich kann es einfach nicht lassen

Rom – Glasgow – Kleinkleckersdorf

Das erste, was ich mich in dem Zusammenhang gefragt habe: Warum war eigentlich zeitlich zuerst das G20-Treffen und die Klimakonferenz erst danach? Andersherum wäre möglicherweise beim G20 ein etwas besseres Ergebnis herausgekommen. Mehr Druck auf die Möchtegern-Bosse der Welt.

Außerdem habe ich mir den Podcast „Mal angenommen“ der ARD https://www.ardaudiothek.de/episode/der-tagesschau-zukunfts-podcast-mal-angenommen/kohleausstieg-2030-was-dann-oder-gedankenexperiment/tagesschau/94547176/ angehört. Und fand ihn interessant und bedenkenswert.

Vorweg: Ich kann jeden einzelnen Menschen verstehen, der vor dem Aus seiner beruflichen Existenz steht, wenn sein Arbeitsplatz in den „alten“ Industrien wegfallen wird. Ich kann aber auch jeden verstehen, der heute die Hoffnung hat, dass „sein“ Dorf nicht mehr abgebaggert werden muss. Denn auch, wenn diese beiden Menschen anscheinend auf gegenüberliegenden Seiten stehen, so ist doch beiden übel mitgespielt worden, von Teilen von Politik und Wirtschaft, die mit Sicherheit selbst die Zeichen der Zeit zwar erkannt haben, aber sich hartnäckig weigern, danach zu handeln. Aus Angst vor Wählern und Aktionären. Aus Angst vor uns. Ist ihnen nicht klar, dass sie durch Prokrastination irgendwann noch viel mehr zu verlieren haben? Was nützt es der Wirtschaft, wenn (Atom-/Gas-/Kohle-)Kraftwerke an Flüssen immer wieder abgeschaltet werden müssen, weil entweder zu wenig und zu warmes Wasser zum Kühlen vorhanden ist oder im Gegenteil eine Überschwemmung der Anlagen droht? Wenn die großen Konzerne nicht mehr beliefert werden können, weil die Lieferketten zusammenbrechen aufgrund von Extremwetterereignissen? Für alle diese Szenarien hatten wir seit 2018 schon Beispiele.

Seit 1965 warnen Wissenschaftler:Innen verschiedenster Fachrichtungen immer lauter werdend unermüdlich vor dem, was uns bevorsteht. Aber die Meisten ziehen es vor, lieber auf die zu hören, die jegliche Verantwortung immer weiter auf künftige Generationen abschieben. Es ist frustrierend, sich vorzustellen, wo wir stehen könnten, wenn von Anfang an gehandelt worden wäre. Es wäre im Vergleich zu heute fast paradiesisch.

Wer heute noch der Meinung ist, den menschengemachten Klimawandel (der ja auf den natürlichen noch on top kommt) gäbe es nicht, der wohnt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf Sylt, Wangerooge, einer Hallig oder in anderen küstennahen Regionen. Wenn die Malediven absaufen, wen kümmert es? Okay, eine Tauch-Destination weniger, aber tote Korallen wegen der Korallenbleiche im immer wärmeren Meerwasser will ja sowieso keiner sehen! Wenn in küstennahen Gebieten Afrikas, aber auch beispielsweise in Spanien, das Grundwasser versalzt und nichts mehr angebaut geschweige denn getrunken werden kann, wer nimmt dann die Klimaflüchtlinge auf?

Solche Fragen gibt es zuhauf. Die jungen Leute von FFF stellen sie, viele NGOs stellen sie, Wissenschaftler aller Disziplinen stellen sie. Aber wer gibt die Antworten? Und wer will die Antworten hören? Lassen wir uns nicht viel lieber weiter Sand in die Augen streuen? Vor der BTW2021 habe ich in einer Dokumentation gesehen, dass von Seiten der CDU in den deutschen Hochwassergebieten gegen den Umweltschutz gehetzt wurde. Den Menschen, die ihr Hab und Gut verloren hatten, wurde erzählt, die Brücken seien durch Totholz aus flussnahen Naturschutzgebieten verstopft und zerstört worden. Durch morsche, vermodernde Baumstämme sei das Hochwasser so zerstörerisch gewesen. Sicher ist auch das abgeflossen, aber seit Jahren morsches Holz dürfte längst nicht so viel Zerstörungspotenzial bieten wie LKWs, Wohnwagen, Autos oder halbe Häuser, die man auf den Fernsehbildschirmen entlangschwimmen sah. Und viele haben es geglaubt. Irgendwie sogar verständlich, denn wer möchte in einer solchen Situation denn eingestehen, dass auch der eigene Lebensstil mit zu der Katastrophe beigetragen hat? Vielleicht wäre es mir sogar ähnlich ergangen?

Ich könnte vermutlich stundenlang weiterschreiben und Beispiele finden, warum wir als gesamte Menschheit so träge sind, vor allem als westliche, gesättigte Industrienationen, die nicht in erster Linie an der Front stehen (ich mag diese militärischen Ausdrücke nicht, aber für die Menschen in den Südseestaaten zum Beispiel ist es Kampf und Krieg! Endgame!)

Ich könnte auch die Schultern zucken, den nächsten Roman von meinem Stapel nehmen und den Sonntag genießen. Was geht mich das an?

Aber das kann ich nicht, und so lese ich mich weiter wie die Raupe Nimmersatt durch die Bücher, die mir Erklärungen bieten, mir Argumente liefern und mir hoffentlich helfen können, das mir mögliche zu tun, um doch noch eine große Vollbremsung hinzubekommen. Eins ist sicher: Die Erde kann ohne uns Menschen gut klarkommen. Umgekehrt funktioniert das nicht. Das ändern auch die Herren Bezos, Branson und Musk mit ihren Weltraumeroberungsfantasien nicht.

Wenn das Wasser kommt

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Den Zusatz „Ein Essay“ hatte ich doch glatt überlesen, als ich mir das Leseexemplar bei Netgalley runterlud. Aber so kam es, dass ich in einem Rutsch beim Warten auf die abendlichen Nachrichten das gesamte Büchlein durchlesen konnte.

Kann nicht. Darf nicht. Geht nicht.

So charakterisiert Rutger Bregman seine niederländische Heimat und ihre Menschen. Und diese Aussagen tragen sie so lange vor sich her, bis eine Katastrophe eintritt. Ab dann sind die Niederländer allerdings in der Lage, das Unmögliche möglich zu machen. Spätestens seit 1953 gäbe es sonst große Teile der Niederlande nicht mehr. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass dieser Essay 2020 geschrieben, für die deutsche Ausgabe aber um einige spezifisch deutsche Informationen durch Susanne Götze erweitert wurde.

Jedenfalls, ausgehend von der großen Flutkatastrophe 1953 in den Niederlanden und der neun Jahre später Hamburg verwüstenden Sturmflut breitet Bregman seine These aus, dass die Menschheit erstens ziemlich geschichtsvergessen ist und zweitens, dass immer die Neigung da ist, zu sagen „Wird schon nicht so schlimm kommen“. Bemerkenswert, denn eigentlich steht diese Haltung ja im krassen Gegensatz zur typischen „German Angst“.

Die surreale Absurdität liest sich dann beispielsweise so:
„Noch schlimmer trifft es die Ostfriesischen Inseln, deren Untergrund aus Sand besteht. Sie liegen ungeschützt gegen jede Sturmflut vor der Nordseeküste und ragen nur wenig über den Meeresspiegel hinaus. Viele dieser Inseln haben Schutzdünen aus Sand, auf denen sogar teilweise Häuser stehen. Bei einem Meeresspiegelanstieg ab einem Meter und einer Zunahme von Sturmfluten sind sie stark gefährdet, Hotels und Ferienhäuser erste Opfer der Fluten. Aus diesem Grund verklagte eine Familie von der Nordseeinsel Langeoog die Europäische Union auf schärfere Klimaziele – und scheiterte 2021 am Europäischen Gerichtshof.[41]Was manche Bewohner schon heute nicht mehr schlafen lässt, ist dem Immobilienmarkt offenbar komplett egal: Ein Grundstück auf Langeoog in der Nähe zum Strand kostet spektakuläre 7200 Euro pro Quadratmeter. Eine geeignete Versicherung, die künftige Schäden mit abdeckt, bietet allerdings niemand mehr an. (6. Kapitel)

Wie bitter muss es für die Journalistin Susanne Götze gewesen sein, ihr Nachwort mit diesen Worten zu beginnen:
„Kaum hatte ich den Stift für die Erweiterung des Textes von Rutger Bregman beiseitegelegt, da passierte es. Das Wasser kam. Noch hatte ich den Satz von Michael Kleyer aus Oldenburg im Ohr: «Natürlich gibt es unwahrscheinliche Konstellationen. […] Aber wir wissen, dass diese Extremwetter durch den Klimawandel zunehmen. Wir können das ernst nehmen – oder wie bei den großen Fluten Mitte des Jahrhunderts hoffen, dass alles nicht so schlimm kommt. »Es war unheimlich, fast surreal, dass dieser Essay so schnell von den Ereignissen überholt wurde. Erftstadt, Schuld, Altenahr – diese überschwemmten Orte in Westdeutschland haben im Juli 2021 die so «unwahrscheinlichen» Konstellationen erfahren. Die ganze Republik konnte tagelang verfolgen, dass die angebliche Sicherheit, in der wir uns in Deutschland wiegen, nur ein schöner Schein ist. Als die braunen Wassermassen zwischen den Fachwerkhäusern brausten, Menschen auf den Dächern auf die Helikopter warteten und Einwohner nach ihren Angehörigen suchten, wurde diese Illusion begraben. Das Unwahrscheinliche wurde wahr, aus Sicherheit wurde Angst, aus Schwarzmalern wurden plötzlich Propheten. All das, was dieser Text beschreibt, wurde uns in den vergangenen Monaten wie durch einen Spiegel vorgehalten. Doch nach fast 200 Toten, Tausenden zerstörten Existenzen und apokalyptischen Szenen aus den Flutgebieten dankt niemand den Propheten, die es ja schon wussten. Keiner vergibt Orden dafür, dass man recht hatte. Und wer wollte sie auch haben?“

Und erst die Diagnose dessen, was wirksame Maßnahmen zu oft verhindert:
„Für eine echte Krisenvorsorge müsste die Politik aber weit vorausdenken. Dieses langfristige Denken fehlt in Politik und Wirtschaft.“
So lange das Denken und Handeln bestimmt ist von Legislaturperioden und Geschäftsjahren, so lange kann man kein vorausschauendes Denken, geschweige denn Handeln erwarten. Und so lange niemand zugeben mag, dass Verbesserungen erstmal weh tun können, ehe sich ihr Sinn zeigt, bleibt das Denken deswegen „Wird schon nicht so schlimm.“

Bibliographische Angaben: Rutger Bregmann/Susanne Götze, Wenn das Wasser kommt, Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-499-00729-3, € 8,-

Lesetagebuch 2.0 – Fazit

Boah! Das war ein Brocken. Nicht nur vom Gewicht des Buchblockes, sondern vor allem von der Gewichtigkeit des Inhaltes her. Deswegen musste ich zwischendurch auch ein paarmal was anderes lesen, besprechen, bedenken.

Im Endeffekt könnte ich aber direkt wieder von vorn anfangen, weil ich auf einige Dinge gestoßen bin, mit denen ich mich gern näher beschäftigen möchte. Besonders hat mich berührt, dass eben wirklich alles irgendwie mit allem anderen zu tun hat, was wir gern im Alltag ausblenden. Was aber erstens verständlich ist (sonst findet man ja gar keine Ruhe mehr, und die brauchen wir einfach), und zweitens ist es auch in Ordnung, wenn nicht jedem von uns alles gleich wichtig ist und wir müssen auch keine Perfektion erreichen.

Wichtig ist: sich Gedanken zu machen, und anfangen, eine Sache (und dann die nächste, und irgendwann die übernächste…) umzusetzen. Nicht alle Aspekte betreffen ja auch jeden von uns gleichermaßen. Aber wir sollten trotzdem im Hinterkopf behalten, dass es Sachverhalte gibt, die in anderen Gegenden die Welt auf den Kopf stellen und dass im Endeffekt stets die gesamte Erde betroffen ist. Ihr wisst schon, Schmetterling und so.

Hilfreich ist es in jedem Fall, Dinge nicht abstrakt zu betrachten, sondern die persönliche Dimension dahinter in den Fokus zu stellen: wie würde ich mich verhalten, wenn etwas mir oder meiner Familie, vor allem meinen Kindern, passieren würde? Wie wünsche ich mir, dass wir in den nächsten Jahren leben können? In welcher Situation sollen meine Töchter im Jahr 2050 sein, soll ihr (Über-)leben ein K(r)ampf sein oder sollen sie sich vielleicht auch lieber daran freuen, ihren Enkelkindern irgendwann die Schönheiten der Erde zu zeigen?

Oder viel näher am hier und jetzt: Wo möchte ich nächstes Jahr meinen Urlaub verbringen? An einem Strand voller Plastikmüll? In einem Wald, der aus abgestorbenen Bäumen besteht? In Bergen, die immer instabiler werden, weil der Permafrost die Felsen nicht mehr zusammenhält?

Und ich? Was mache ich jetzt, nachdem ich das Buch durchgehechelt habe? Nun, ein wenig Luft holen, einen Roman lesen, morgen zum ersten Mal wieder zum Arbeiten in die Buchhandlung gehen, mein Nähzimmer neu organisieren und dann versuchen, einen Teil der Bücher abzuarbeiten, die mir beim Lesen von „Mensch, Erde“ neu auf meine Liste gewandert sind. Und am Klimastreik teilnehmen. An dem Vormittag darf dann halt keiner unserer Buchhändler EDV-Probleme haben. Am besten, sie gehen alle mitstreiken😅.

Das Lesetagebuch war auf jeden Fall auch in der zweiten Auflage eine Herausforderung und spannende Erfahrung. Noch mehr als im Winter, als ich das Jahr 2021 mit Harald Lesch begann. Ob ich in absehbarer Zeit noch einmal so tief in eine komplexe Materie einsteigen kann/werde, das werde ich erst mit etwas zeitlichem und mentalen Abstand beurteilen können. Vielleicht mag ja die eine oder der andere von euch seine Meinung dazu in die Kommentare schreiben.

Jetzt geht es ans Eingemachte,…

… denn in den beiden letzten Kapiteln dreht es sich zunächst um das, was wir in den sozialen Medien auch dauernd tun: Reden (bzw. Schreiben) und noch wichtiger: Zuhören (bzw. Lesen)! Ersteres auf jeden Fall, beim zweiten hoffe ich es zumindest. Und dann in Kapitel 12 wird aus der Kommunikation die Tat. Nur durch Anpacken wird aus der ganzen grauen Theorie auch praktisches Handeln.

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Bevor es aber praktisch wird, kommen erst noch ein paar teils unangenehme Fragen, zum Beispiel, warum es so schwierig ist, den inneren Schweinehund zu überwinden. Oder sein Verhalten zu ändern. Warum wir eigentlich immer geneigt sind, zu sagen: „Aber XY ist viel schlimmer als ich. Soll der/die doch anfangen…“

Ein Grund ist möglicherweise, dass zu häufig „Klimawandel“ gesagt wird. Es wird doch, gerade in der Zeit vor der Bundestagswahl, immer davon gesprochen, dass einige sich „wandeln“ sollen. Und nun ist das auch wieder nicht richtig? Krise oder Katastrophe, diese Ausdrücke, die viel besser beschreiben, was vor unseren Augen passiert, werden lieber umgangen, denn das klingt so apokalyptisch. So ähnlich wie bei „global“, das hat was von „weit weg, jedenfalls nicht hier“.

Ein anderer Grund ist, dass wir zum Understatement neigen: „Was kann ich kleiner, einzelner Mensch denn tun? Ich bin doch nur ein Rädchen im Getriebe…“ Diese Denkweise kaschiert an sich nur unsere Trägheit, Faulheit, unser Bedenkenträgertum. Wir können genau das tun, was ein Mensch tun kann. Und wenn wir genügend kleine Rädchen mit genügend Sand im Getriebe sind, dann läuft die große Maschinerie eben nicht mehr wie geschmiert.

Es folgen einige Ansätze, wie man beginnen kann, bewusster mit Ressourcen aller Art umzugehen. Dieses Vorgehen vereinfacht die Sache: Beginne mit etwas, das dir wichtig ist. Egal was. Ob plastikfreieres Leben, mehr Fahrrad und weniger Auto, öfter selber kochen, beim Biobauern einkaufen… egal. Hauptsache anfangen. Der Rest kommt dann.

Ich muss gestehen, ich bin gerade ein bisschen überfordert, alles wiederzugeben, was mir wichtig erscheint, aber andererseits geht es darum ja auch nicht. Ich hoffe, euch „Appetit“ auf das Buch zu machen. Und ein ganz kleines bisschen hoffe ich auch, dass ihr es noch vor dem 26. September lest und euch ganz genau überlegt, wem ihr das Wohl unserer Zukunft am ehesten anvertrauen wollt.

Und noch einmal der Verweis auf den Beginn des Lesetagebuches, wer hier Quereinsteiger ist, kann von dort an nochmal alle Kapitel verfolgen.

Es geht voran und mein Kopf brummt mal wieder

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EvH geht der Frage nach dem Wert eines Vogels ebenso nach wie der Überlegung, was wir denn überhaupt noch frühstücken könnten, wenn es keine Bienen (wilde und Honig-) mehr gäbe. Die Antwort ist verstörend, denn da bleibt kaum etwas außer Wasser übrig. Es ist also dringend geboten, sich außer mit Hitzewellen, Starkregenereignissen, brennenden Wäldern und Tornados über Ostfriesland auch mit dem Artensterben zu beschäftigen.

Aber auch mit dem Artensterben in unseren Körpern, wenn wir jede Erkältung mit Antibiotika behandeln. Und mit der Unsitte, ohne Not (aber leider auch ohne ausreichenden Platz im Stall oder Auslauf) vor allem Geflügel, aber auch andere Nutztiere, routinemäßig mit Reserve-Antibiotika zu füttern, die dann für den Menschen im Ernstfall nicht mehr als Reserve zur Verfügung stehen. Merken wir das eigentlich wirklich nicht, dass wir vor allem uns selbst schaden? Oder sind wir Lemminge, die unaufhaltsam dem Abgrund entgegentaumeln? (Wobei ich letztens gelesen habe, dass dieses Klischee auf die armen Tierchen eigentlich überhaupt nicht zutrifft.)

Als ob die Konsequenzen nicht schon heftig genug wären, geht es uns tierliebenden Deutschen an den Kragen. Unsere Art, mit unseren Haustieren (im Gegensatz zu den Nutztieren) umzugehen, ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig und nicht gerade ressourcenschonend. Ich will hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber es ist tatsächlich ein bisschen abartig, wenn wir unsere Hunde und Katzen mit bestem Bio-Muskelfleisch vom Rind oder Truthahn füttern, obwohl bei diesen Rassen wildlebende Tiere alles fressen, was ihnen vor die Zähne kommt. Und zwar, wenn es vorher lebendig war, samt Innereien und Darminhalt (Kunststück, sie haben ja auch nicht die teuren Nahrungsergänzungen zur Verfügung, die wir für teures Geld dazukaufen, damit die lieben Fellnasen alle Mikronährstoffe bekommen). Und Rind, Känguruh oder Strauß dürfte bei verwilderten mitteleuropäischen Hunden sowieso eher nicht auf der Speisekarte stehen. Auch Thunfische liegen eher selten überfahren auf unseren Landstraßen.

Wer hätte das gedacht: Mücken und Menschen sind die gefährlichsten Lebewesen überhaupt! An Würmer denkt eigentlich kaum jemand, selbst unsere Hunde sind gefährlicher als Haie oder Wölfe. Und jetzt ratet mal, wen die Menschen am liebsten weg haben würden?

Am Ende des Kapitels geht es um das Moor, Schauplatz vieler schaurig-schöner Geschichten quer durch die Weltliteratur. Doch nicht nur den Bücherwürmern wird zukünftig vieles fehlen, wenn die Moore nicht in großem Stil wiedervernässt werden. Mit Schaudern denke ich an die 70er Jahre zurück, als meine Mutter Torf in großen Säcken kaufte… Sie wusste zumindest so viel: Torf hält das Wasser sehr gut. Nur sollte er das im Moor tun und nicht in Gärten.

Weiter geht es, immer neue Aspekte geben mir zu denken. Zum Beispiel der Zusammenhang von intakter Natur und seelischer Gesundheit. Mir fällt ein, wie viele Menschen letztes Jahr während der Lockdowns den Waldspaziergang für sich entdeckt haben. Oder das Baum-Umarmen. Davon sang schon das ehemalige Ekel Kakmann im Bibi-und-Tina-Film. Auch Kinder- und Jugendfilme können für Umweltbildung sorgen. Ob die erholsame Wirkung aber noch so stark ist, wenn wir zwischen trockenen und öden Baumskeletten, abgebrannten Stümpfen und käferzerfressenen Fichtenleichen herumstapfen, wage ich zu bezweifeln.

Je weiter ich im Buch komme, desto mehr merke ich, dass bisher jeder angesprochene Aspekt auch mein Leben berührt. Manche mehr, manche weniger, aber auch beim Schreiben stelle ich fest, dass ich immer weniger über das Buch referiere als vielmehr eigene Erlebnisse reflektiere, die mir beim Lesen ins Gedächtnis kommen. Ich bin fasziniert von dem Ausdruck „Solastalgie“, der ein bestimmtes Gefühl wiedergibt: „Wie bei der Nostalgie kommt zum Unbehagen an der Gegenwart und der unbestimmten Sehnsucht nach einer vergangenen, heileren Welt noch etwas anderes: das Bewusstsein, dass es diese heile Welt in Zukunft nicht mehr geben wird, weder räumlich noch zeitlich. Unwiederbringlich dahin. Irreversibel.“ (S: 393) Man bedenke, dass dieses Buch vor der letzten Hochwasserkatastrophe geschrieben wurde. Ich schlucke, als ich überlege, wie die Menschen an der Ahr, der Erft und in den anderen Flutgebieten diese Sätze empfinden mögen. Oder diejenigen, die am Rande des Braunkohletagebaus stehen und die Heimat ihrer Kindheit nicht mehr wiedererkennen. Oder die Australier, Kalifornier und andere, die unter Rauch und Asche die Überreste ihrer Existenzen ansehen müssen.

Und all dieses, was die Betroffenen um Hab und Gut, um das Leben ihrer Angehörigen, um ihre persönliche Geschichte bringt, das zerstört nicht nur die Umwelt, sondern es macht auch krank. An Körper und Seele. Und alle von uns, die aus der relativen Sicherheit ihrer Wohnzimmer davon lesen, ohne selbst betroffen zu sein, können einfach nur sehr dankbar und sehr demütig sein.

Immer mehr stelle ich fest, dass ein „Weiter so“ in keinerlei Hinsicht eine Option ist. Und dass eine Hoffnung auf die Lösung unserer Probleme auf keinen Fall „Technologie und Wachstum“ heißt. Diese Hoffnung ist Augenwischerei und der größte Rebound-Effekt aller Zeiten. So ende ich also mit dem heutigen Beitrag mal wieder ein bisschen ratlos, aber hoffentlich nicht mutlos und verweise alle Neueinsteiger auf den Beginn des Lesetagebuches.

Das Kapitel mit dem Lastenfahrrad

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Aber auch der SUV kommt vor (und nicht sehr gut weg, das kann ich schon verraten). Der Traktor und das Flugzeug finden auch noch Platz, aber das Kapitel beginnt zu Fuß. Also, die Bewegung steigert sich langsam bis zum bitteren Ende.

Vielleicht ahnt ihr es, einfach wird es nicht, denn die meisten von uns haben mindestens ein Auto vor der Tür stehen. Und schon aus rein statistischen Gründen ist es bei vielen ein SUV. Die können ja auch wirklich vorteilhaft sein, wenn man einen größeren Wohnwagen zu ziehen hat oder irgendwo in der Pampa wohnt. Ich persönlich mag auch gern Pickups, aber ich brauche so ein Teil eben nicht, im Gegensatz zu unserem Nachbarn, aber der ist auch Landwirt und transportiert Saatgutsäcke, Kartoffeln und alles mögliche andere. Wenn ich dagegen manchen dicken Pseudogeländewagen namhafter deutscher Hersteller sehe und feststelle, dass da auch nicht viel mehr in den Kofferraum passt als in meinem Fiat 500 (mit dem ich sogar mal die Lebensmittel für eine 40-Personen-Kinderfreizeit transportiert habe!) und man keine zwei Australian Shepherds darin bequem mitnehmen kann, dann freue ich mich, dass ich wenigstens in jede Parklücke passe, vorausgesetzt, die Leute links und rechts von mir haben ordentlich eingeparkt.

Ein Lastenfahrrad hätte ich noch lieber. Das, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, ist allerdings für dieses Jahr ausverkauft, ich muss auf 2022 warten. Auch ohne finanzielle Förderung verkaufen sich die Teile wie geschnitten Brot. Und da macht sich auch keiner Gedanken, wo die denn parken sollen…

Aber eigentlich wollte ich erzählen, dass dieses Kapitel gerade in der ersten Hälfte trotz des ernsten Themas richtig Spaß beim Lesen macht. Das liegt auch daran, dass es ziemlich viele schräge und lustige Wortspiele rund um die (Fort-)Bewegung gibt. Nebenbei regen Sätze wie dieser zum Nachdenken an: „Wenn es eine feste Zeit im Hin und Her braucht, dann fahre ich nach der Arbeit doch lieber mit dem Rad nach Hause und hab mich bewegt, als erst mal mit dem Auto ins Fitnessstudio, wo ich mich dann auf ein Laufband stelle, das verhindert, dass ich von der Stelle komme.“ Immerhin spart das auch Zeit und Geld.

Was ist der Unterschied zwischen Berlin und Utrecht? 127,30 Euro pro Person und Jahr. Soviel mehr gibt Utrecht für Fahrradinfrastruktur aus:

Abschließend geht es den Flugzeugen auch noch an den Kragen. Aber da ich überhaupt keine Flugerfahrung habe außer einem Rundflug über die Porta Westfalica in einer kleinen zweimotorigen Maschine, vor knapp 40 Jahren als Schülerin gewonnen, klinke ich mich dabei aus und frage mich, ob ich vielleicht noch eine Flasche Tomatensaft im Schrank habe. Bis bald!

Hier geht es zum Anfang dieses Lesetagebuches und zu den bibliographischen Angaben.

Nachdenklich und etwas beschämt…

… schreibe ich meinen 401. Artikel hier. Und wieder ist es

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denn ich habe nach ein paar Tagen, an denen ich mich mit anderen Themen beschäftigt habe (das musste einfach mal sein, es wurde zu viel), die Lektüre an „Mensch, Erde“ wieder aufgenommen.

Puh, es ist teilweise heftig. Am Anfang dachte ich noch, da sind wir fein raus, denn wir halten alle nicht viel von „Fast Fashion“, selbst unsere Töchter trugen von Klein auf ihre Klamotten oft, bis ich sie ihnen wegnehmen musste. Nicht weil sie kaputt waren, sondern damit die Leute nicht meinten, wir könnten uns keine passende Kleidung für unsere Kinder leisten. Lieber fünf Lieblingsteile, die man unendlich waschen und anziehen kann als zehn Billigshirts, bei denen nach zwei Wäschen die Nähte auf Bauch und Rücken sitzen und sich nach weiteren drei Waschmaschinenrunden dieselben komplett auflösen.

Heftig schlucken musste ich aber, als es um das Thema Daten, Digitalisierung und vor allem Streaming ging. Denn ich muss gestehen: ich höre wahnsinnig gern Podcasts. Naja, dafür habe ich kein Netflix, aber ich blogge und ich lese andere Blogs. Alle diese Aktivitäten verbrauchen Unmengen an Strom, direkt für den Datenverkehr und indirekt für den Betrieb der immer größeren Serverfarmen, die alles verwalten müssen, was uns so wichtig erscheint. Ich war lange nicht so froh darüber, wenigstens meine zahlreichen Lieblingsfilme immer noch auf DVDs zu sammeln, die muss ich nicht immer wieder übers Netz liefern lassen. (Auf der anderen Seite hamstere ich dadurch natürlich auch wieder Dinge, die irgendwann einmal entsorgt werden müssen, wenn nicht von mir selbst, aber spätestens von meinen Erben…)

Coffee to go wenigstens vermeide ich und jedes Familienmitglied hat bereits seit langem sowohl eine Wasserflasche als auch einen Thermosbecher aus Edelstahl, wenn sich das Mitnehmen von Heiß- und Kaltgetränken als sinnvoll erweist. Und wir wohnen in einem (Teil-)Fachwerkhaus, einem alten Bauernkotten, der seit über 200 Jahren bei jedem Wind vor sich hin knarzt, immer noch viel Lehm und Stroh, Sandsteine und grobe Eichenbalken enthält (und wo das allein irgendwann nicht mehr hielt, schmierte meine Mutter bevorzugt Gips hin😅), Beton findet man hier nicht. Aber für alle ist das ja eher nicht die Lösung, so viele alte Katen gibt es nun mal nicht. Und nicht jeder kommt mit dem Geknarze zurecht (ich dagegen brauche es, es zeigt mir, dass unser Haus gewissermaßen „lebt“).

Das war’s für heute. Im Ausblick auf das nächste Kapitel fällt mein Blick auf das Stichwort „Lastenfahrrad“ und ich bin gespannt, ob Eckart von Hirschhausen dabei das „Rote Tuch“ in den Medien der letzten Tage schon vorhergesehen hat…

Und natürlich auch hier wieder der Hinweis, wie dieses Lesetagebuch begonnen hat.

Der Strom kommt aus der Steckdose oder: No Atomstrom in my Wohnhome

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Das Kapitel heißt „Aufwärmen und abkühlen“ und beides braucht Strom. Viel Strom. Meine Heimatstadt scheint davon zu viel zu besitzen, denn auch, wenn es heute früh um kurz vor halb Acht etwas verhangen und regnerisch ist, die Straßenlaternen müssten eigentlich nicht eingeschaltet sein, so dunkel ist es nun auch wieder nicht. Und ich glaube kaum, dass am Sonntagmorgen die Laternen auf Funktionsfähigkeit geprüft werden.

Aber der Reihe nach. Es gibt kein Fieberthermometer, das über 42 Grad geht, denn 42 ist nicht nur die Antwort auf alles, sondern auch die Höchsttemperatur für menschliches Leben. Zu Beginn des Kapitels erfahren wir, dass Schwitzen gut ist, Klimaanlagen schlecht fürs Klima sind und Wind ist Luft, die es eilig hat. Wusstet ihr schon? Geschenkt.

Etwas nachdenklicher macht vielleicht, dass Bauten, die heutzutage gebaut werden, energetisch oft lange hinterherhinken, weil sie schon vor Jahren geplant wurden. Der Städtebau hinkt deswegen (lange Genehmigungsverfahren etc.) meist Jahrzehnte hinter aktuellen Bedürfnissen zurück.

Was noch wichtiger ist: effektiver Klimaschutz sorgt auch für mehr soziale Gerechtigkeit, denn wenn jeder Mensch und jede Familie selbst zusehen muss, wie sie den Sommer bei erträglichen Temperaturen verbringen, dann gilt: kühle Kellerräume in ausreichender Größe und Wohnlichkeit oder Pools im eigenen Garten oder Klimaanlagen (die aber bei genauem Hinsehen eh nur für weiteres Aufheizen draußen sorgen, Kühlschrankprinzip) können sich nur die Wohlhabenderen leisten.

Hier noch ein Abschnitt zum Nachdenken: Es geht um den Kohleausstieg, bitte nicht vor 2038, denn da hängen Arbeitsplätze dran. Auch schon gehört, oder? „Während Deutschland 2009 noch führend bei der Produktion von Solarmodulen war, stammen heute so gut wie alle aus Asien, weil dort mehr, schneller und billiger produziert wird. Deutschland hat nach einem fulminanten Start in der Photovoltaik durch die Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen nach 2012 rund 80.000 Arbeitsplätze in einer Branche vernichtet, in der in China im selben Zeitraum mehr als eine Million Arbeitsplätze entstanden. Aus meiner Sicht verlieren bei diesen Dimensionen die 20.000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie an argumentativem Gewicht.“ (S. 278f.)

Erstaunt war ich, dass anscheinend in der Umgebung der Asse, zu der Zeit als dort Atommüllfässer eingelagert wurden, Kindergeburtstage als Event veranstaltet wurden. Sollte hier jemand mitlesen, der dabei war, bitte melden. Inzwischen werden die Fässer dort wieder rausgeholt, weil es sich als doch nicht so sicher erwiesen hat… (An dieser Stelle haue ich noch einen Spontispruch der 80er raus: „Kein Atommüll auf den Mars, denn Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück.“ Kleine Denkanregung, falls einer der Herren Branson, Bezos oder Musk auf diese Idee kommen sollte.)

Die Grafik über die Todesursachen von Wildvögeln dient auch noch dazu, Dimensionen zurecht zu rücken. Nachdenklich überlasse ich euch jetzt dem Sonntag. Beim Bäcker heute früh gab mir die Verkäuferin auf den Weg: „Einen schönen Sonntag -trotz des Regens.“ Ich antwortete: „Naja, Regen ist halt Regen, so what?“ Eine andere guckte mich erstaunt an: „Aber es soll den ganzen Tag regnen!!!“ (Einfach nur regnen. Ohne Gewitter, ohne Starkregen, ohne Tornado. Zumindest in unserer Gegend.) Und ich: „Na okay, dann nähe ich halt.“ Vielleicht lese ich auch weiter…

Ach ja, und hier wie immer zum Beginn dieser Lesereise.

Googelst du noch oder hilfst du schon Bäume pflanzen?

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Was ist denn das für eine Frage? Naja, wo suchst du denn, wenn du etwas in den Tiefen des Internets finden willst? Ist dir bewusst, dass es eine Suchmaschine gibt, die ihre Werbeeinnahmen nicht dafür verwendet, ihr Geschäftsmodell durch unsere sämtlichen Lebensbereiche hindurch auszuweiten, sondern Bäume zu pflanzen? Obwohl ich diese selbst verwende (Ecosia.org), stutzte ich, als ich den Abschnitt las. Außerdem ging mir so durch den Kopf, wie häufig ich in der letzten Zeit Wälder gesehen habe, die stellenweise nur aus struppigen, trockenen Baumstämmen bestanden oder sogar bereits abgeholzt waren:

An den Nammer Klippen. Hier ist sogar schon wieder etwas zaghaftes Grün im Kommen. Das Foto ist vom 13. Mai 2021

Ich war überrascht, als ich eben las, dass Pollen in Verbindung mit Asthma und Gewitter echt wandelnde Bomben sind: durch die elektrostatische Aufladung der Luft platzen sie und ihre Bruchstücke gelangen besonders tief in die Lunge, wo sie viel mehr Schaden anrichten als oben auf den Bronchien. Das wusste ich noch nicht, obwohl ich seit vielen Jahren allergisches Asthma habe.

Eigentlich muss sich auch niemand wundern, wenn Allergien, Asthma, Heuschnupfen und Co immer weiter zunehmen, beispielsweise weil sich die Ambrosia-Pflanze, eines der stärksten Allergene, immer weiter ausbreitet und das besonders gern dort, wo die Luft schlecht ist. Klimaschutz ist hier auch eindeutig Gesundheitsschutz. Als ich weiterlese, bekomme ich prophylaktisches Mitleid mit allen Berlinern, Münchenern oder allen anderen Großstadtbewohnern. Das ist schon echt Hardcore, was die unbewusst ihrer Gesundheit mit jedem Atemzug antun. Aber lest selbst, dann wirkt es stärker…

Und während ich immer mal wieder wahlweise die Luft anhalte oder Schnappatmung bekomme, gelange ich beim Lesen zu diesem Punkt: „Was nix kostet, is auch nix. Leider stimmt dieser Satz nicht beim CO2. Es ist was, zwar durchsichtig, aber schwergewichtig. Deshalb wird es ja auch in Tonnen gemessen. Man kann Unmengen davon herstellen und in der Luft verteilen, und das kostet erst mal nix. Kohle zu verbrennen und daraus Strom herzustellen, gilt als >>billig<<. Das beschert den Konzernen Milliardengewinne und Subventionen, aber auf den ganzen Folgekosten bleibt die Allgemeinheit hocken.“ (S. 233)

Mein Gedanke dazu: Wenn dann die Konzerne gezwungen werden sollen, auf Dreckschleudern zu verzichten, bekommen sie auch noch Entschädigungen. Nochmal auf Kosten der Allgemeinheit! Da werden wir Verbraucher doppelt und dreifach zur Kasse gebeten und verar…t, aber alles gut, Hauptsache kein Windrad in der Nachbarschaft. Und falls noch jemand denkt: Aber die CO2-Steuer ist ungerecht, und das wird nie funktionieren; den Zahn bekommen wir auch noch gezogen, denn E.v.H. weist darauf hin, dass es in vielen Ländern rund um uns herum längst so gemacht wird. Surprise, surprise: Die leben alle noch und die Wirtschaft ist auch nicht zusammengebrochen.

Ganz zum Schluss des Kapitels wird noch die größte Freiluftmülldeponie der Welt behandelt: Die Billionen weltweit in die Natur geschnipsten Zigarettenkippen, die unter anderem dazu führen, dass Rauchen nicht nur für die Raucher hochproblematisch ist, sondern für alle Menschen.

Dieses Kapitel lässt mich zwar nicht atemlos, aber sehr müde zurück. Vor allem, weil sich beim Lesen des Buches immer mehr Querverbindungen zwischen allen möglichen Lebensbereichen darstellen, weil es glasklar wird, dass bei systemischen Fehlentwicklungen nicht nur an einer Schraube gedreht werden kann, und schon läuft es wieder gut. Und wenn ich dann zwischendurch auf Instagram die zahlreicher werdenden Beiträge der Parteien lese, vor allem der etwas kleineren, welche die Farbe Gelb zu Markte trägt, dann befürchte ich, auch Politiker und Werbestrategen haben das Ausmaß der Krise immer noch nicht begriffen oder es ist ihnen schlichtweg wurscht. Ach Leute…!

Hier geht es nochmal vom Anfang des Projektes Lesetagebuch 2.0 los, für alle, die ihn verpasst haben.

Sag, wie hältst du’s mit dem Wasser? (Frei nach Goethes „Faust“)

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Und, welches Wasser bevorzugst du zum Essen? Gletscherwasser aus Island oder dem Himalaya, die Edelquelle aus Italien, mineralstoffreiches Tiefenwasser aus der Auvergne? Eifel, Rhön oder Bielefelder Ursprung?

Oder vielleicht ein exquisites „Eau du robinet“? Kennst du nicht? Obwohl ich rudimentär des Französischen mächtig bin, kannte ich den Ausdruck bis gestern auch noch nicht. „Leitungswasser“ klingt da wesentlich bekannter. Obwohl bei uns im Keller auch eine Kiste gekauftes Mineralwasser (in Glasmehrwegflaschen) herumdümpelt, für kurzfristig höheren Bedarf, im Allgemeinen kommt bei uns Kranenburger Entenwein auf den Tisch. Entweder direkt oder mit dem Umweg über den Aufsprudler, je nach Vorliebe. Seit Jahren schont das den Kofferraum meines Kleinwagens, meine Schultermuskulatur und nebenbei auch den Geldbeutel. Und es schmeckt uns auch, ostwestfälisches Wasser stößt auf ostwestfälische Menschen. Passt!

Nächste unangenehme Frage: Magst du Rosen? Und freust dich so richtig, wenn du einen dicken Strauß davon geschenkt bekommst? Wenn ja, steck bitte deine Nase nicht zu tief rein zum Schnuppern. Nicht nur, weil Edelrosen kaum duften. Die meisten Rosen (und Schnittblumen überhaupt) kommen nicht von den schönen Feldern, an denen selbstgebastelte Schilder zum Selberpflücken auffordern mit der Goodwill-Kasse nebendran. Nicht mal aus niederländischen Gewächshäusern. Die allermeisten kommen aus Ländern wie Kenia, Tansania oder Chile und werden auf großen Plantagen an Seen gezüchtet. Diese Seen liefern das massenhaft gebrauchte Wasser dafür, das aber im Gegenzug der örtlichen Bevölkerung nicht zur Verfügung steht. Naja, immerhin „dürfen“ die Leute auf den Plantagen arbeiten, bis zur Erschöpfung und bis ihnen die Allergien von den Pestiziden und anderen Chemikalien das Arbeiten unmöglich machen. Meist wissen sie nicht einmal, was sie dort alles so verspritzen und holen Trinkwasser in denselben Eimern, in denen sie die Pampe angerührt haben. So genau wusste ich das bislang auch noch nicht und ich bin irre froh, dass ich schon seit Jahren keine Schnittblumen zum Hochzeitstag bekomme (ich erzählte ja bereits, dass wir in stillschweigender Übereinkunft mitunter unseren Hochzeitstag vergessen😂).

Und dann, wenn man sich durch diesen Schrott schon durchgelesen hat, dann wird es richtig unappetitlich. Nein, nicht, was ihr jetzt möglicherweise gerade denkt. Es geht um Mikroplastik, um die Überreste unserer Plastiksucht, die überall auf der Welt im Wasser herumschwimmen und damit logischerweise auch in unserer Nahrungskette ankommen. Allen gelben Tonnen und grünen Punkten zum Trotz wird immer noch nur ein Bruchteil allen Kunststoffes recycelt, und der meiste Müll landet mal wieder dort, wo am wenigsten davon benutzt wird.

Das Kapitel lässt mich ein wenig desillusioniert und ratlos, aber auch etwas kämpferisch zurück. Hirschhausen regt am Ende an, auch ordnungspolitisch stärker tätig zu werden, und dieser Satz ließ mich nachdenklich am Küchentisch zurück. Gerade im aktuellen Wahlkampf wird von einigen Parteien alles, was zu sehr nach „Ordnung“ im Sinne von verbindlichen Regeln klingt, vehement zugunsten eines diffusen „Marktes“ an den Rand gedrängt. Und ich frage mich, warum in aller Welt der Markt etwas besser regeln soll als ein gemeinsames Regelwerk, eine Übereinkunft, wie wir alle, Produzenten und Verbraucher, das Leben miteinander gestalten werden. Denn „der Markt regelt das“ bedeutet, die Gestaltung einseitig vor allem der Wirtschaft zu überlassen. Wer das verlangt, hat meines Erachtens auch die Leistung des sog. „Wirtschaftswunders“ nicht verstanden, das ohne ordnungspolitischen Rahmen ganz anders ausgesehen hätte.

Und hier wie immer der Hinweis auf den Beginn des Lesetagebuches…

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