Kapitel 2 – Kommen und Gehen

Kennst du den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman? Wenn nicht, ändere das doch bitte. Nicht nur, weil der Film und seine Thematik in diesem Kapitel eine wichtige Rolle spielt, sondern weil es einfach ein sauguter Film ist.

E.v.H. wartet jedenfalls nicht bis zum Schluss, sondern bringt das Thema Zeit, Endlichkeit und Vergänglichkeit relativ zu Beginn seines Buches. Dann wissen wir jedenfalls schon mal, worauf am Ende alles hinausläuft. Das Kapitel beginnt er mit der philosophischen Weisheit, dass wir Menschen die einzigen Lebewesen sind, die ein Bewusstsein für die Zukunft und die Endlichkeit des Lebens haben. Ich frage mich, warum wir uns dann so oft benehmen, als wenn es sie nicht gäbe? Mir geht durch den Kopf, dass wir viel zu oft „Entschuldigung“ sagen, und zwar zu häufig gedankenlos. Wir möchten Wiedergutmachung leisten für etwas, was wir verbockt haben, egal ob wissentlich oder aus Versehen. Aber beim Klima, bei aussterbenden Lebensformen und bei absaufenden Inselstaaten bringt das überhaupt nichts. Nichts kann so ungeschehen gemacht werden.

Ach ja, die Zeit. Verläuft sie linear oder als Kreislauf? Beides hat seine Berechtigung, das erläutert er im Kapitel. Ich schreibe das jetzt nicht auf, das ist etwas zum selber lesen und selber Gedanken machen. Meine Gedanken dazu gehen in diese Richtung: Warum haben wir eigentlich immer weniger Zeit, obwohl wir immer mehr technische Helferlein haben, die uns Dinge in einem Bruchteil der irgendwann dafür veranschlagten Zeit erledigen lassen? Was packen wir alles rein in unsere Zeit?

Btw, habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich seit letztem Jahr eine Sense besitze? Eine ganz altmodische, ohne Motor, dafür mit einem echten Sensenblatt, nicht mit so einem ollen Nylonfaden! Ich brauche jetzt noch einen Dengelamboss und etwas Übung (am besten vermutlich einen Wochenendkurs zum Sensenmähen). Das langsame, bedächtige Arbeiten mit der Sense habe ich vor der OP ausprobiert und es fühlte sich gut an. Ich weiß, was ich da tue, ich sehe den Fortschritt, den ich als einzelner Mensch erzielen kann.

Ich schweife ab. Ich habe das Kapitel fast in einem Rutsch gelesen (mit einem Besuch beim Möbelschweden zwischendurch, wo Tochter und ich in rekordverdächtiger Geschwindigkeit und mit Scheuklappen durchgefegt sind, wir haben es bis auf zwei Tafeln Schokolade und eine Kiste Haferkekse auch geschafft, nur das zu kaufen, was gebraucht wurde!). Aber ich habe Schwierigkeiten, es in Highlights für euch zusammenzufassen, denn es ist ein sehr dichtes Kapitel mit sehr vielen Impulsen, denen es nachzufühlen lohnt.

Merkwürdig ist auf jeden Fall unser Umgang mit der Zeit, die wir zur Verfügung haben (wobei wir im Allgemeinen ja vorher nicht mal wissen, wieviel Zeit wir haben). Wir haben uns in den letzten Jahren und Jahrzehnten so sehr daran gewöhnt, uns über unsere vollen Terminkalender zu definieren (ich auch), dabei haben wir aus den Augen verloren, dass wir uns nur zu oft zu Sklaven ebendieser Kalender gemacht haben. Erinnert ihr euch noch an die Tage nach dem 17. März 2020, was viele von uns hier auf WP, aber auch auf Instagram, Twitter oder Facebook geschrieben haben? Wie wir durchgeatmet und uns über die Ruhe und Stille gefreut haben?

Und, welcher dieser Sprüche wird auf deinem Grabstein stehen? Jemand sagte einmal, auf meinem werde später stehen: „Geh still und leis‘ vorüber, sonst steht sie auf und jabbelt (redet) wieder.“

Tja, auch das längste Leben hat einmal ein Ende, und auch da gibt es Möglichkeiten, den letzten Weg mehr oder weniger klimafreundlich zu gestalten. Samt teilweise ulkiger Bestattungsrituale (Was haben Stripperinnen auf Beerdigungen zu suchen? Die Antwort könnt ihr nachlesen…). Ich kann euch aber versichern, dass ihr am Ende des Kapitels herzhaft lachen könnt. Wenn auch auf Kosten einiger Alpha-Männchen der menschlichen Spezies (selbst schuld, wem dieser Schuh passt).

Morgen geht es weiter mit dem Thema, dem an Wochenenden am Grill oder mit dem Dreigang-Menü gern viel Zeit gewidmet wird: Essen & Verdauen. Mahlzeit!

Und hier der obligatorische Spruch: Für alle Neu-LeserInnen gibt es hier die bibliographischen Angaben und den Startbeitrag.

And I think to myself: What a wonderful world…

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Das Singen kann einem im Hals stecken bleiben, wenn man sich mit der Klimakrise beschäftigt. Aber da es dadurch nicht weniger bedrohlich wird, geht mit Musik vielleicht doch alles besser? Wir werden sehen.

Zwischen die ganzen Sachinformationen und Denkanstöße hat E.v.H. einige Seiten eingeschoben, auf denen er sehr anschaulich anhand eines medizinischen Beispiels von der Intensivstation die gesamt lebensbedrohliche Lage darstellt und einige Klimafakten hinzufügt. Die müsst ihr aber unbedingt selbst lesen, das kann und will ich nicht alles abschreiben. Ich kann euch auf jeden Fall versprechen, es lohnt sich für den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Eltern und ErzieherInnen kennen das folgende Beispiel: „Wenn wir etwas in Unordnung gebracht haben, müssen wir dafür geradestehen und das Ganze wieder aufräumen, das lernen wir bereits im Kindergarten. Wir machen allerdings auch die Erfahrung, dass in der Regel jemand kommt und unseren Dreck wegräumt, wenn wir ihn nur lange genug liegen lassen. Nun ist die Welt in Unordnung – und wer räumt auf? Mir kommt es so vor, als warte die nationale wie internationale Klimapolitik auf die Erzieher:innen und ducke sich mit der Begründung weg, man habe das Chaos ja nicht alleine verursacht.“ (S. 78)

In den ärmsten Ländern der Welt gab es in den letzten Jahrzehnten häufig positive Entwicklungen, was Gesundheit, Wirtschaft und Ernährung betraf. Durch den Klimawandel (und auch die Pandemie) sind diese Fortschritte massiv gefährdet. Die Länder sind oft sehr landwirtschaftlich geprägt, vor allem durch Selbstversorger. Durch die Ausbreitung von Dürregebieten oder auch Überschwemmungskatastrophen werden im kommenden Jahrzehnt viele, sehr viele Menschen dort zur Flucht gezwungen sein.

Und diejenigen, die „Deutschland den Deutschen“ rufen, sollten sich endlich mal darüber klar werden, dass diese Menschen zu einem großen Teil in unsere Richtung kommen werden. Was auch nur logisch und folgerichtig ist, denn unser Lebensstil trägt maßgeblich dazu bei, ihnen die Lebensgrundlage zu nehmen. Und auch innerhalb der EU gibt es ein Nord-Süd-Gefälle der Emissionsungerechtigkeit.

„In der EU verursachen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte über ein Viertel der gesamten CO2-Last. Das ist mehr als der Beitrag der gesamten unteren Hälfte. Noch krasser wird die Diskrepanz, wenn man sich das oberste Prozent anschaut: Die Haushalte mit dem größten Wohlstand haben einen jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von fünfundfünfzig Tonnen CO2. Der Durchschnittswert in Europa liegt mit rund acht Tonnen etwas siebenmal niedriger. Dauerhaft verkraften kann die Erde pro Mensch etwa 1 bis 1,5 Tonnen.“ (S. 81) Wer jetzt denkt: Puh, davongekommen, ich mit meinem Durchschnittseinkommen gehöre nicht zu den Dreckschleudern, dem sei die Information von S. 78 dazu gegeben: „Denn zu diesem fiesen Club ( zu den 10 Prozent der reichsten Erdenbewohner) gehört bereits jeder mit einem Jahreseinkommen von rund zwölftausend Euro, also tausend Euro im Monat.“

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir vieles hiervon bis heute früh nicht bewusst war. Anlass, sich in Grund und Boden zu schämen? Ich glaube nicht. Wir leben in einer Welt, die sich gefühlt immer schneller dreht und entwickelt, es ist einfach unmöglich, in jedem Bereich jederzeit auf dem Laufenden zu sein. Aber wenn ich diese Informationen einmal bekommen habe, dann kann ich doch nicht einfach so tun, als ob das nicht meine Baustelle wäre. Ich kann mir nicht jeden Schuh anziehen, aber ich kann mit offenen Augen, Ohren und mit offenem Herzen durch diese Zeit gehen, ich kann mir andere Perspektiven ansehen und zuhören, wenn Menschen aus wesentlich weniger privilegierten Gegenden der Welt von ihren Nöten erzählen. Und dann muss ich das tun, was mir möglich ist. Sorgsam mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Energie und anderen Ressourcen umgehen. Das Auto öfter stehen lassen. – Ich bin seit 9 Wochen Fußgängerin, wenn auch aus medizinischen Gründen. Und stelle fest, dass ich immer schneller ans Ziel komme und dabei auch noch Ordnung in meine Gedanken bekomme. Und wenn ich dann so zu Fuß unterwegs bin, dann sehe ich nicht nur die Großbaustelle bei uns im Dorf, wo ein Logistikzentrum gebaut wird (und letztes Jahr noch der Klatschmohn blühte). Nicht nur die Schottergärten des Grauens, wo ich vor 45 Jahren noch beim Rübenhacken „half“.

Ich sehe Menschen (die mir aber fast immer im Auto entgegenkommen), ich sehe Greifvögel über dem Ort kreisen, Löwenzahn in Gehwegfugen seinen Weg suchen, und auch liebevoll gestaltete Kleingärten, die auf ihrem begrenzten Platz Obstbäumchen und Himbeersträucher enthalten, sowie Spatzen, die sich um vom Wagen gefallenes Getreide am Straßenrand zanken. Und dann kommt auch mir dieses Lied mitunter in den Sinn:

Ein Klassiker, immer wieder schön. Und hoffnungsvoll…

Ich musste länger suchen. In einem Beitrag vom3. Mai 2019 habe ich das Video schon einmal verlinkt…

Musik hilft doch. Nicht immer unbedingt, alles besser zu machen, aber den Blick zu weiten und die Hoffnung zu bewahren.

So ihr Lieben, das erste Kapitel haben wir geschafft. Morgen geht es weiter. Bis dann. Und wer hier neu mitliest: Hier gibt es den Auftakt und die bibliographischen Angaben.

PS: Meine Buchbesprechungen bekommen einen eigenen Hashtag, mit denen ihr sie hier und auf Instagram finden könnt: #lesenmitannuschka. Vielen herzlichen Dank an meine Tochter Julia für diesen genialen Einfall!

„Klima ist wie Bier – warm ist scheiße!“ *

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Früher war alles besser – so pauschal kann man das nicht sagen.
Aber es kommt doch gerade so manches zurück, was unsere Großeltern schon wussten und praktizierten.

„Was werden zukünftige Geolog:innen an Überresten aus unserer Epoche in Museen ausstellen? Nespresso-Kaffee-Kapseln? Autokarosserien anstelle von Saurierskeletten? Jede Menge Knochen von immer derselben Sorte Nutztieren wird die Forscherinnen und Forscher rätseln lassen, welchem Fleischkult wir unsere Zukunft geopfert haben. […]“ (S. 59)

„Der Mensch hat keine >natürlichen Feinde< mehr – außer sich selber.“ (S. 61)

Unter der Überschrift „Kann man als Arzt unpolitisch sein?“ kommt Hirschhausen auf die freitäglichen Schulstreiks des Jahres 2019 zu sprechen (während ich das schreibe, kommt es mir vor wie in einem anderen Leben), und auf Christian Lindners Ansicht, die Schülerimmen und Schüler mögen doch bitte nach Schulschluss streiken. (In dieser Logik weitergedacht hätten Bahnkunden dieser Tage keine Probleme, denn die Lokführer würden alle erst nach ihrem jeweiligen Dienstschluss streiken. Merkste selbst, Herr Lindner, oder?)

Das nächste Eigentor schoss sich die Politik mit der Forderung, die Jugendlichen sollten die Bewertung dieser Problematik den „Fachleuten“ überlassen. Besagte Fachleute fackelten nicht lange (das war vermutlich ihr Stichwort), innerhalb einiger Tage kamen rund 26.000 „Scientists for Future“ zusammen.

Als Buchhändlerin hege ich übrigens öfter den Verdacht, dass gerade konservative und liberale Politiker nicht oft als Stammkunden in Buchhandlungen kommen. Allein der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, erschienen bereits 1972 (!) verkaufte sich in meinem ersten Ausbildungsjahr (Herbst 1987) immer noch regelmäßig. Mit allen Publikationen, die seither zu dem Themenkomplex erschienen sind, könnte man eine Buchhandlung füllen.

Eckart hatte in anderer Rolle (Arzt, Wissenschaftsjournalist, Komiker) offensichtlich ähnliche Erkenntnisse, denn für ihn war das Ganze ein Initialzünder, er bekam eine neue Rolle als Klimaaktivist dazu. Ich kann seine Zerrissenheit gut nachfühlen, denn in einem viel kleineren Maßstab geht es mir gerade ähnlich. Meine Reichweite ist begrenzt, meine Netzwerke sind kleiner, aber ich kann nicht mehr anders, ich will und muss sie nutzen.

Rund um meinen Geburtsjahrgang gibt es doch so viele, die Anfang der 1980er Jahre in der Anti-Atom-Bewegung waren, die wie E. v. H. in Wackersdorf demonstriert haben, sich irgendwo an Gleise ketteten oder betend auf den Kirchentagen für eine bessere, nachhaltigere Welt eintraten. Wir hatten Tschernobyl! (Diese Katastrophe passierte genau am 20. Geburtstag meines damaligen Freundes, werde ich nie vergessen…) Jahrelang fragten wir uns, ob die Milch verseucht sei, wir aßen weder Wild noch Wildpilze. Wann zum Henker sind wir so arriviert geworden?

Ihr seht, die Lektüre des Buches bringt in mir viele Saiten zum Klingen, ich hoffe, bei euch auch. Wichtig ist noch dieser Denkanstoß, den ich für heute als Schlussbemerkung und Ansporn setze. Es ist Zeit, einige der kernigen Thesen der „Weiter so -Wachstum über alles“- Verfechter vom Kopf auf die Füße zu stellen:
„Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf den Zugewinn an Lebensqualität statt Diskussionen über angebliche Verluste und Verbote.“ (S. 69)

Hier findet ihr die bibliographischen Angaben.

* S. 70, einer der Sprüche von FFF

Tag 33 – Die Welt neu denken

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Heute mute ich euch einen älteren Beitrag noch einmal neu zu. Auch mit dem Abstand eines halben Jahres hat sich meine Einschätzung nicht wesentlich geändert, das Buch ist nach wie vor ein wichtiger Impuls. Vor allem ein Impuls, nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Natürlich ist es in der derzeitigen Situation schwierig, sich auch noch auf andere drohende Katastrophen zu konzentrieren neben dem, was uns seit einem Dreivierteljahr in Geiselhaft nimmt. Aber es ist notwendig, denn sonst werden wir in ziemlich kurzer Zeit vom nächsten Szenario überrumpelt. Im Nachgang dessen, was ich im Mai geschrieben habe, möchte ich heute hinzufügen: Leider wird immer noch herumgetüftelt, wie Probleme am besten in den Griff zu bekommen sind. Und leider ist es in manchen Bereichen immer noch so, dass zu sehr auf die Wirtschaft, vor allem die Autoindustrie, geschielt wird, während in anderen Bereichen (alles, was das Leben angenehm macht: Reisen, Gastronomie, Kunst & Kultur) anscheinend relativ bedenkenlos Existenzen aufs Spiel gesetzt werden.

Egal, ob es um die Folgen der Klimakrise oder der Pandemie geht, die Lösung kann und darf nicht sein, gesellschaftliche Gruppen gegeneinander abzuwägen oder gar auszuspielen. Probleme von heute dürfen einfach nicht mehr mit Lösungen von vorgestern angepackt werden. Das Wachstumsmantra funktioniert nicht (mehr).

Bibliografische Angaben im Mai-Beitrag.

Quälend langsam

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Das Thema lässt mich dieses Jahr nicht los. Es begegnet mir überall: In der Literatur, in den Podcasts, denen ich folge, in der Tagespresse und ja, vor allem auch jeden Tag in meiner Lebenswirklichkeit.

Klimawandel, Verlust der Biodiversität, damit verbunden auch Verlust an Lebensqualität und das schlechte Gewissen gegenüber meinen Nachfolgegenerationen.

Entsprechend vielfältig sind die Gedanken, die mir dazu immer mal wieder durch den Kopf schießen, manche davon destruktiv und vollkommen ungebeten, wie zum Beispiel die Frage, ob es denn überhaupt eine Art Grundrecht darauf gibt, dass wir Menschen dauerhaft unseren Planeten „besitzen“ (denn um das „Bewahren“ aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel scheint es im großen Stil schon lange nicht mehr zu gehen).

In schlauen Podcasts wie Daily Quarks, Was jetzt?, Das Politikteil oder mal angenommen stehen die Themen immer wieder auf dem Programm, es vergeht kaum eine Woche ohne mehrere Meldungen von Umweltkatastrophen in Presse und TV, allein die Neuerscheinungen dieses Jahres zum Themenkomplex könnte gleich ein Dutzend Bestsellerlisten füllen. Ich habe bisher erst drei davon gelesen, alle aus unterschiedlichen Expertisen geschrieben (Wirtschaftswissenschaft, Wissenschaftsjournalismus, Meteorologie), aber obwohl sie unabhängig voneinander geschrieben wurden, ziehen sie alle an verschiedenen Stellen dieselbe Schlussfolgerung: Wir dürfen nicht so weitermachen wie bisher. Technologie kann und wird nicht die Lösung sein, und sei sie noch so „grün“.

Lesen lohnt sich bei allen dreien. Kleiner Spoiler: es gibt immer mal wieder Gelegenheiten, befreiend zu lachen, damit man nicht total frustriert ist!

Demnächst wird noch von Jonathan Franzen der Titel „Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?“ dazukommen, ein Literat, der den Finger in die Wunden legt.

Immer mehr gelange ich zu dem Schluss, dass die Menschheit jahrzehntelang gepennt hat. Die Menschheit (vor allem in der reichen westlichen Welt), nicht die Staatenlenker oder Konzernbosse allein. Denn diese beiden Berufsgruppen neigen dazu, sich der Mehrheit anzupassen, wenn sie Erfolg haben, gewählt werden bzw. ihre Produkte verkaufen wollen. Wir alle haben gepennt, weil wir nicht über unseren eigenen Tellerrand sehen (können oder wollen) und weil wir irgendwie immer wieder der Meinung sind, wir können es schludern lassen und dann irgendwann den Lenker rigoros herumreißen. Und das funktioniert nicht!

Zum einen, weil der riesige Tanker, den wir zu steuern versuchen, nur sehr träge reagiert, zum anderen, weil nachhaltige Veränderung Zeit braucht. Beispielsweise hat man herausgefunden, dass eine kleine persönliche Verhaltensänderung mindestens drei Wochen enorme Selbstdisziplin erfordert. Je länger man eine bestimmte Gewohnheit innehatte, desto länger dauert die Veränderung. Wenn ich also dreißig Jahre lang Toastbrot mit Nussnougatcreme zum Frühstück gegessen habe und nun beschließe, dass ich künftig Müsli und Früchte frühstücken möchte, dann muss ich mir über einen längeren Zeitraum jeden Morgen neu die Aufgabe stellen, mich gesund zu ernähren, bis die alte Gewohnheit (und damit verbunden das bisherige Geschmackserlebnis sowie die „Tradition“) durch das neue Frühstücksritual ersetzt ist.

Ein großer Teil unserer Probleme ist es, dass wir viel zu lange damit gewartet haben, eine Verhaltensweise nach der anderen auf den Prüfstand zu stellen, denn es ist auch erwiesen, dass ein Mensch nicht allzu viele Gewohnheiten auf einmal ändern kann. Eine nach der anderen, und immer erst dann die nächste, wenn eine Baustelle beseitigt ist. Wenn jetzt innerhalb kürzester Zeit unheimlich viele Transformationen notwendig werden, dann streiken wir aus Überforderung. Warum sollte das, was im Kleinen, Privaten gilt, nicht auch im großen Maßstab Gültigkeit haben?

Eine weitere Krux: Der Glaube, dass es in allen Bereichen für alle dieselben Lösungen für Probleme gibt. Alle machen jetzt mal das und das; fahren beispielsweise E-Autos statt Verbrenner. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Wenn genauso viele E-Autos im Umlauf sind wie aktuell konventionelle, wo kommen dann die Batterien her? Wo der Strom? Welche Auswirkungen hat das auf die Gegenden, wo die Rohstoffe gewonnen werden? Und zwar Auswirkungen auf Umwelt (Lebensraum für Mensch und Tier) und auf Arbeitskräfte (Ausbeutung, Kinderarbeit). Eigentlich kann hierfür die Lösung nur sein: Weniger Autos statt mehr davon. Beschränkung auf die Notwendigkeit statt den Komfort im Blick zu haben, dass jederzeit ein Auto zu meiner Verfügung steht. (Das erfordert natürlich erstmal Investitionen in Öffis, ohne die ich zu vielen Zielen nur mit dem eigenen Auto hinkomme.)

Im Kleinen bedeutet es für mich: klar möchte ich gern auf Kunststoffprodukte verzichten, wo es mir möglich ist. Ich habe aber auch Arthrose in den Händen, die mich mitunter in einen absoluten Tolpatsch verwandelt. Für mich persönlich ist es also sinnvoller, Essensvorräte und -rohstoffe in der Küche in Kunststoffdosen aufzubewahren, die ich lange verwenden kann, als öfter mal eine Mischung aus Scherben und Mehl/Haferflocken/Nudeln zu entsorgen, weil mir wieder mal ein Glas aus den Händen geglitten ist. Von dem Gewichtsunterschied mal ganz zu schweigen.

So, das könnte ich jetzt natürlich beliebig lange fortsetzen, aber das ist nicht meine Absicht. Ich möchte eher dazu einladen, dass wir versuchen, einzelne Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen und uns, immer schön eine nach der anderen, bessere und auch sparsamere Angewohnheiten zu schaffen. Nehmt euch nicht zu viel auf einmal vor, das erhöht die Chancen.

Und nochmal der Verweis auf die schon vorher gebrachten Zitate:

”EIN GRUND DAFÜR, DASS DIE LEUTE SICH VOR VERÄNDERUNGEN FÜRCHTEN, IST, WEIL SIE SICH STETS AUF DAS KONZENTRIEREN, WAS SIE VERLIEREN, ANSTATT AUF DAS, WAS SIE DAZU GEWINNEN KÖNNTEN. “ Unbekannter Verfasser

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. Gustav Heinemann.