Tag 8 – Muttertag

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Menschliche Abgründe sind ihr nicht fremd. Ob es sich um institutionalisierten Kindesmissbrauch handelt, um Altnazis, die weiterhin ihrem menschenverachtenden Weltbild anhängen oder radikale Umweltschützer. Nele Neuhaus beschreibt mit viel Lokalkolorit und noch mehr Spannung die Abgründe, die sich im Speckgürtel um Frankfurt, im anscheinend beschaulichen Taunus abspielen.

Ich liebe ihre Krimis sehr, sie gehören auch zu den wenigen ihres Genres, die ich mit einigen Jahren Abstand gern nochmal lese. Vermutlich, weil die schier unfassbaren Dinge, die sich in den Büchern abspielen (und die man in ähnlicher Form durchaus in den Kriminalstatistiken wiederfindet) mehr in den Bann ziehen als ihre Auflösung. Dabei erfährt man in jedem Buch etwas mehr über die Hintergründe der KriminalbeamtInnen, die im Gegensatz zu vielen anderen zwar auch Macken haben (wer nicht?), aber mir zumindest doch wohltuend durchschnittlich daherkommen.

Auch in „Muttertag“ schälen sich nach und nach ganz krankhafte Verwicklungen heraus, ich frage mich beim Schreiben gerade, was ich verraten könnte, ohne zu spoilern. Ach, ich denke mal, am besten lest ihr selbst.

Bibliografische Angaben: Nele Neuhaus, Muttertag, Ullstein, ISBN 978-3-548-06102-3, € 9,99 (Österreich 10,30)

Tag 37- Die Rache der Weihnachtsgurke

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Heute begeben wir uns in den Thüringer Wald. In ein Dorf, wo Weihnachten unter der strengen Regie eines sei über 40 Jahren amtierenden Bürgermeisters für alle Bewohner des Dorfes Pflicht ist.

Protagonist ist ein ausgesprochener Weihnachtshasser, der unversehens in die Rolle des Nikolaus gedrängt wird und mit dieser natürlich entsprechend hadert. Dummerweise wird zu Beginn der Weihnachtssaisoneröffnungsveranstaltung der Pfarrer tot aufgefunden, was dem Bürgermeister die Regiesuppe gründlich verhagelt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel:

Das Buch ist sicher nicht so sehr geeignet für alle, für die Weihnachten eine bierernste Angelegenheit ist, deren Traditionen auf keinen Fall in Frage gestellt werden dürfen. Alle anderen, zumal wenn sie etwas schrägen Humor und Wortspielereien mögen, dürften ihren Spaß haben, denn es ist nicht nur locker flockig geschrieben, sondern stellt auch die eine oder andere Frage in Richtung des „Das war schon immer so und das muss auch so bleiben“. Natürlich ist es eine leichte Lektüre, aber es steht ja auch nirgends geschrieben, dass Weihnachtsbücher immer gehaltvoll, besinnlich und bedeutungsschwanger sein müssen. Psst, manchmal darf man auch einfach ein bisschen Spaß haben…

Bibliografische Angaben: Julia Bruns, Die Rache der Weihnachtsgurke, dtv, ISBN 978-3-423-21846-7, € 10,- (Österreich € 10,30)

Tag 39 – Ohne Schuld

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Fast riecht man noch die Druckerschwärze, das Buch ist erst seit Anfang November lieferbar und schon auf Platz 3 der Bestsellerliste. Okay, das allein muss nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal sein, aber in diesem Fall ist es so, dass die Fans von Charlotte Link sehnsüchtig auf den dritten Band mit der Ermittlerin Kate Linville gewartet haben.

Ich wundere mich zwar immer wieder, warum fast alle literarischen Kriminalbeamten irgendwelche Macken oder Zwangsneurosen haben, andererseits haben wir ja alle unsere kleinen oder größeren, manchmal sogar liebenswürdigen, Baustellen. Jedenfalls schafft die Autorin es, nach wenigen Seiten durch geschickte Andeutungen die LeserInnen anzufüttern, so dass man schnell in die Geschichten hineinkommt.

In diesem Fall ist anscheinend ein Rächer am Werk, der es auf Frauen abgesehen hat (hat ihm einmal eine Frau Unrecht getan???). Dabei legt er nicht unbedingt Wert darauf, „die Richtige“ mit seinem Rachefeldzug zu treffen…

Ach ja, vor dreißig Jahren wäre dieses Buch ein Kandidat gewesen, um abends ins Bett zu gehen und morgens hab‘ ich es durch. Diese Energie habe ich nicht mehr, daher habe ich es jetzt erstmal nur quergelesen und es landet auf dem großen Stapel „für später“.

Bibliografische Angaben: Charlotte Link, Ohne Schuld, Blanvalet Verlag, ISBN 978-3-7645-0738-1, € 24,- (Österreich €24,70)