Gottesdienst in Corona-Zeiten

Ja, es ist anders und auch gewöhnungsbedürftig. Und ja, es ist merkwürdig, mit Maske in die Kirche zu gehen, sich dort namentlich registrieren zu lassen und sich dann auf vorher definierte, gleichmäßig verteilte Plätze zu setzen. Und statt zu singen, sich Vorträge von Orgel, Klavier oder Gitarre anzuhören.

Aber andererseits: verteilt haben die Besucher schon immer gesessen, nur eben auf ihren „Stammplätzen“, am liebsten möglichst weit weg vom Pfarrer. Durch die gleichmäßige Verteilung und die „Abstandsdeko“ in unserer Kirche sieht es von hinten aus gesehen sogar voller aus als sonst.

Naja, und was den Gemeindegesang angeht, wenn 40 Menschen in einer Kirche sitzen, die über 1000 Leute fasst, und dann noch die Orgel gespielt wird, man wird dann gerade bei Liedern, die nicht so geläufig sind, meist vom Instrument übertönt.

Deswegen mag ich an unserem Corona-Gottesdienst-Konzept, dass sich Musiker aus den Bereichen Organisten, Chorleuten, Lobpreis abwechseln und dass dadurch eine größere Vielfalt an Musikstilen vorkommt. Auch ungewöhnliche musikalische Allianzen entstehen. Und dadurch bekommt der Gottesdienst auch eine Dimension von Kulturvermittlung: ohne mich auf einen Text konzentrieren zu müssen, kann ich die Musik genießen, verinnerlichen, einfach wirken lassen.

Also gilt hier wie in vielen Lebensbereichen: nicht nur beklagen, was alles nicht so klappt oder Nachteile bringt, sondern einfach mal darauf einlassen und ganz neue Schätze entdecken😊.

Deutsche Befindlichkeiten – Finale

Was ist eigentlich „Deutsch“?

Schützenfest in Hannover oder Westfalen, Oktoberfest (inzwischen nicht nur in München), Hamburger Dom, Kirchweih im Rheinland, Hafengeburtstag, Hanse Sail, Weihnachtsgottesdienst. Aber vielleicht auch Chanukka, Zuckerfest und Holi? Zumindest letzteres schießt wie Pilze aus dem Boden, und ich schätze mal, kaum jemand kennt den Ursprung im Hinduismus. Es ist übrigens in Indien ein Fest, bei dem alle Kasten- und Standesunterschiede für die Dauer des Festes überwunden sind, und die Farben werden vorher auch gesegnet. Es hat sowohl spirituelle als auch verbindende Funktion.

Sauerkraut, Labskaus, Currywurst mit Pommes Schranke, Krautwickel, Maultaschen (Herrgottsb’scheißerle), Thüringer Klöße, Spreewaldgurken, Krabbenbrötchen, Borschtsch… Schrippe, Semmel, Brötchen, Wecke. Aber zu unseren regionsübergreifenden Lieblingsessen gehören auch Pizza, Lasagne, Chop Suey, Döner mit scharfer Soße, Chili con Carne, Gyros. Argentinische Steaks nicht zu vergessen.

Starkbier, Weißbier, Malzbier, Pilsner, Berliner Weiße, aber auch Heinecken, Guiness, Foster oder … Corona 😉

Hohe Berge, dunkle Tannen, Buchenwälder, Maisfelder, Lüneburger Heide, Wattenmeer, Kreideküste, Elbsandsteingebirge, Harz, Rennsteig, Eifel, Mallorca, Antalya, Hurghada.

Das ist schon unübersichtlich mit unseren Regionen, oder? Und es mogelt sich immer wieder etwas „fremdländisches“ darunter.

Was ich wirklich interessant finde: In einer anderen Zeit (Long, Long time ago) in den USA, da wurde jede Tradition der Einwanderer genommen und integriert. St. Patricks Day in Chicago ist genauso amerikanisch wie das chinesische Neujahrsfest in einer der unzähligen Chinatowns.

Jetz komme ich zu meinem Highlight:

Was haben deutsche alte Männer (Entschuldigung, das ist nicht respektlos gemeint, nur zur Verdeutlichung des Gegensatzes) und syrische, afghanische oder irakische Jugendliche gemeinsam? Die Erfahrung, im Krieg aufzuwachsen. Das war für eine Männerrunde in Minden Grund genug, diese Jugendlichen einzuladen, zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen. Aus Interesse und auch sicher aus Neugier. Und so kamen Gespräche zustande, nationen- und generationenübergreifend. Es wurde das Gemeinsame gesucht, nicht der Unterschied. So werden aus Fremden vielleicht nicht gerade Freunde, aber Menschen, die voneinander wissen und sich gegenseitig schätzen können. Das Gemeinsame suchen anstelle des Trennenden, das ist doch ein schöner Ansatz. Am Ende des Tages sind wir alle Kinder, Geschwister, Eltern, Freunde von irgendjemandem. Egal wo. Egal an wen oder ob wir glauben. Egal, wen wir lieben. Egal, wie funktionstüchtig unser Körper ist.