Landfrauen

Gestern Abend habe ich es Bithya versprochen, hierüber zu schreiben, und heute habe ich festgestellt, dass es sehr gut zu

von René passt.

Wer hier mitliest, weiß vielleicht, dass ich vor drei Wochen einen Unfall hatte, der die Säulen der Annuschka (sprich: beide Beine) in den Grundfesten erschüttert hat. Shit happens. Direkt danach haben sich einige liebe Mitmenschen um mich und den Notfall bemüht, das habe ich auch beschrieben. Auch meine Familie hat sich rührend gekümmert.

Aber was ich noch nicht beschrieben habe, eine gute Bekannte aus dem Dorf, Landwirtin und Landfrau der Alten Schule, hat uns spontan bekocht mit einem leckeren Nudelauflauf (Kathrin hat direkt nach dem Rezept gefragt) und die ungebügelten Hemden des Mannes abgeholt, um sie gebügelt zurückzubringen. Im Augenblick kommt niemand außer mir mit unserer neuen Dampfbügelstation klar (Die Hände des Gatten sind zu massiv, er kommt ständig an die Sonderdampf-Taste. Was der Hersteller sich dabei wohl gedacht hat?)

Und dann erwähnte sie, dass sie von einer landwirtschaftlichen Kollegin ein Viertel Rind bekommen hat und sofort verarbeiten muss. Sie bereite morgen einige Rinderbraten zu, wir könnten gern einen haben. Klar habe ich ja gesagt. Es war ein himmlischer Braten, ganz zart, man brauchte fast kein Messer. Und einfrieren konnte ich auch noch etwas davon.

Genau dieses Verhalten war vor einigen Jahren noch gang und gäbe auf dem Land, wo jeder jeden kannte. Unser Dorf ist inzwischen gar nicht mehr so dörflich, es sind nur noch zwei Landwirte da. Und viele Menschen kennt man gar nicht mehr, weil alle woanders arbeiten, woanders Sport treiben, woanders in die Kirche gehen. So ist das heute eben.

Umso schöner, dass ich mich so sehr über diese ganz selbstverständliche Nachbarschaftshilfe freuen durfte (und nicht nur ich, Edgar und Kathrin auch).