Endgame – Apokalypse (now?)

Endzeitstimmung? Symbolfoto: pixabay

Lesungs- und Predigttext des gestrigen Ewigkeitssonntages beschäftigen mich immer noch. Die Texte aus der Offenbarung und dem Markus-Evangelium über die Endzeit der Menschheit und die Wiederkunft Christi lesen sich lange nicht so aktuell wie in diesem Jahr.

Der Lesungstext aus der Offenbarung Kapitel 21 war immer ein Text, der mir Hoffnung geschenkt hat:

1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der vorige Himmel und die vorige Erde waren vergangen, und auch das Meer war nicht mehr da. 2 Ich sah, wie die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam: festlich geschmückt wie eine Braut für ihren Bräutigam. 3 Eine gewaltige Stimme hörte ich vom Thron her rufen: »Hier wird Gott mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. 4 Er wird ihnen alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei.« 5 Der auf dem Thron saß, sagte: »Sieh doch, ich mache alles neu!« Und mich forderte er auf: »Schreib auf, was ich dir sage, alles ist zuverlässig und wahr.« 6 Und weiter sagte er: »Alles ist in Erfüllung gegangen. Ich bin der Anfang, und ich bin das Ziel, das A und O. Allen Durstigen werde ich Wasser aus der Quelle des Lebens schenken. 7 Wer durchhält und den Sieg erringt, wird dies alles besitzen. Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.

https://www.bibleserver.com/HFA/Offenbarung21

Vor allem der Vers 4 ist der ultimative Trostgedanke. Wir werden alles, was uns in unserem Leben Leid und Schmerz bereitet, überwinden. Aus, vorbei, vielleicht nicht mal mehr eine Erinnerung wert, wird alles sein, was uns Kummer bereitet: Krankheit, Krieg, Klimawandel. Die modernen drei K’s, nicht nur für Frauen. Schade eigentlich, dass dafür erst alles den Bach runtergehen muss, denn es ist ja eine grundsätzlich sehr schöne Lebensumgebung, die wir drangeben müssen. Aber wir wissen natürlich nicht, wie es danach aussehen wird, bis auf die Bilder, die uns das 21. Kapitel der Offenbarung weiter liefert: Gold, Kristallglas, Edelsteine, Perlen etc. sehen aus unserer Sicht doch recht nach Großkapitalismus aus. Sie sind allerdings symbolisch für kostbare und seltene Dinge zu sehen, denn als das Buch der Offenbarung geschrieben wurde, wurden diese Schätze noch nicht im großen Stil mit industriellen Mitteln wie heutzutage gefunden und geschürft. Damals waren sie wirklich noch sehr besonders.

Ganz anders klingt der Predigttext, viel alarmistischer und drängender:

32 »Doch niemand weiß, wann das Ende kommen wird, auch die Engel im Himmel nicht, ja, noch nicht einmal der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater. 33 Darum haltet die Augen offen und seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann es so weit ist. 34 Es wird dann so sein wie bei einem Mann, der vorhat, ins Ausland zu reisen. Bevor er sein Haus verlässt, überträgt er seinen Dienern die Verantwortung: Er weist jedem eine bestimmte Arbeit zu und befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein. 35 Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wisst ja nicht, wann der Hausherr kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach Sonnenaufgang. 36 Wenn er plötzlich kommt, soll er euch nicht unvorbereitet und schlafend antreffen. 37 Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müsst immer wachsam und bereit sein!«

https://www.bibleserver.com/HFA/Markus13

Seid wachsam! Zur Zeit des Lebens Jesu Christi und auch in den Jahren nach seiner Kreuzigung lebten die Menschen in der sogenannten Endzeiterwartung. Sie gingen felsenfest davon aus, dass sie die Wiederkunft erleben würden. Voraussagen in die glorreiche Zukunft der Menschheit gab es nicht. Das Volk Israel lebte unter der römischen Besatzung, sie waren zum Teil fremdbestimmt, auf jeden Fall gab es mit der Herrscherdynastie des Herodes Marionettenkönige. Technologie als Zukunftsvision war unbekannt. Wachsamkeit war überlebenswichtig.

Und wir heute? Wir leben, als müsse alles ewig weitergehen. Alles Mögliche verschieben wir in die Zukunft:
– wenn ich in Rente bin, werde ich reisen…
– in 10 Jahren wird es eine Technologie geben, die das überflüssige CO2 aus der Atmosphäre holt
– in Zukunft wird die Menschheit sich anpassen an die neuen Gegebenheiten
– oder das Credo der Nachkriegsgeneration: Unsere Kinder sollen es einmal besser haben

Es gibt da nur ein paar Störfaktoren in dieser Zukunftsmusik: einige Gruppen von Aktivisten, die ähnlich wie die ersten Christen in der Erwartung der Endzeit leben, allerdings nicht in der Erwartung der schönen neuen Zeit, sondern zunächst einmal in der Überzeugung, die Katastrophen und die Apokalypse, die alledem vorangehen werden, stehen unmittelbar bevor: Kriege, Erdbeben und andere Naturkatastrophen, Fluchtbewegungen, Verleumdung, Hassrede, Verrat, falsche Propheten. Aber sind sie deswegen nur weltfremde Spinner und Chaoten? Ich denke nicht. Im Angesicht großer Ängste reagieren manche Menschen mit der Verleugnung von Gefahren, andere mit anscheinenden Überreaktionen.

Denn das alles klingt nicht sooo abwegig und fremd, so gegen Ende des Jahres 2022. Aber: in Wellen war die Menschheit schon immer mal wieder davon überzeugt, unmittelbar vor dem Untergang zu stehen.
Die Wahrheit ist: Keiner von uns weiß es genau, niemand kann es vorhersagen, es kann sein, es kann aber auch noch ein Zeitalter weitergehen.

Die eigentliche Frage, die sich stellt, ist doch eher: Wie verhalten wir uns angesichts der Unwägbarkeiten?
Lassen wir die Sau raus, volle Kanne in den Untergang, keine Panik auf der Titanic (auf der bis zuletzt Party und Musik war)?
Oder gehen wir in Sack und Asche, geißeln uns, ziehen das Büßerhemd an?

Mir persönlich sind diese beiden Extrempositionen fremd und daher keine Optionen. Ich ziehe es vor, im Angesicht der Ungewissheit ein gutes Leben zu führen. „Gut“ heißt für mich in dem Zusammenhang: möglichst ressourcenschonend, nach Möglichkeit niemandem unbedacht wehtun, keinen groben Unfug veranstalten und hoffentlich inspirierend sein für einige Menschen in meinem Umfeld. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite „vom Pferd fallen“ und noch ein wenig Geduld und andere Skills lernen.

Und auch wenn es altmodisch klingt: Ich möchte mir mein Grundvertrauen nicht nehmen lassen. Mein Vertrauen in die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Mein Vertrauen in das politische System unseres Landes (das trotz aller Luft nach oben halt auch nicht das Schlechteste ist). Mein Vertrauen, dass es Institutionen und Menschen gibt, die es gut und ehrlich meinen, mich nicht über den Tisch ziehen oder alles aus mir rauspressen wollen. Vertrauen auch in meinen Glauben, dass noch etwas Großes auf mich wartet, dass ganz am Ende keine Tränen mehr sein werden. Nicht blauäugig (obwohl ich blaue Augen habe), aber hoffnungsvoll. Ich möchte die Hoffnung auf keinen Fall verlieren. Denn sie ist es, die das Leben lebenswert macht.

Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten…

… sagte eine frühere Mitarbeiterin von mir immer, wenn sie mit Leuten zu tun hatte, deren Verhalten sie nicht nachvollziehen konnte. Recht hatte sie.

Foto: Pixabay

Mäßigung scheint mir ein wichtiges Stichwort zu sein. Mäßigung klingt ja nicht gerade sexy, aber warum muss denn immer alles sexy, gehypt oder sonstwie besonders sein? Warum soll alles irgendwie polarisieren, wenn wir auf der anderen Seite über Polarisierung oder Spaltung lamentieren? Warum heftet dem Durchschnitt so viel Durchschnittlichkeit an? Es ist doch auch mal ganz entspannend, einfach nur gemäßigter Durchschnitt zu sein.
Ich sehe und bemerke an mir selbst, dass ich in den letzten Monaten bei einigen Themen auch zur Polarisierung neige, was ich eigentlich überhaupt nicht mag. Differenziert betrachten, ja, eindeutig. Aber spalten, nein, nach Möglichkeit nicht.

Andererseits ist es, gerade bei Umwelt Mitwelt-Themen wichtig, einen gewissen Aktivismus an den Tag zu legen, 150 % zu verlangen, damit man zumindest annäherungsweise erreicht, was sinnvoll ist. Aber die tatsächliche Machbarkeit liegt eher nicht im aktivistischen Bereich. Das ist übrigens eine Erkenntnis, die auch bekannte Klima-Aktivisten durchaus kennen, wenn man ihre Beiträge mal wirklich genau liest oder hört.
Und damit bin ich schon angekommen bei dem, was mir auf der Seele brennt: Auf dem Herumhacken. Herumhacken auf allem, was man für sich persönlich nicht als wichtig erachtet.

Heute früh ging mir durch den Kopf, warum zum Beispiel auf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk herumgehackt wird. Warum er als staatlich gelenkter Regierungsapparat verunglimpft wird. Natürlich in erster Linie von Menschen, die sich gegängelt fühlen. Von denen, die nicht hören oder sehen wollen, wenn differenziert berichtet wird.
Heute früh ging es in einem Gespräch um Biogasanlagen, um ihre Leistungsfähigkeit, den Spagat der Landwirte zwischen den großen E’s Ernährung und Energieerzeugung. Die Debatte kennt vermutlich jeder. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, dass der erste Impuls ist, zu sagen: In erster Linie sollen Landwirte Nahrung erzeugen. Ich schätze mal, das sieht auch jede Person so, die in der Landwirtschaft arbeitet und lebt. Aber nicht jeder Boden, der bewirtschaftet wird, kann zum Beispiel Getreide in Backqualität hervorbringen. Manche Böden sind auch so mager, dass sie nur als Grünland taugen, also entweder Vieh darauf grasen kann oder das Gras zu Heu gemacht wird. Der (zugegeben etwas abgenudelte) Satz „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus“ (oder wahlweise „… frag nach Tequila und Salz“) gilt also auch hier. Wenn das Beste nicht möglich ist, dann mach das Zweitbeste und so weiter. Das nennt man auch Pragmatismus. Der ist natürlich auch bei Manchen in derselben Liga angesiedelt wie eingeschlafene Füße.
(Wo dann aber wieder die Aktivistin in mir durchkommt: Warum zum Henker wird dann immer wieder bestes, fettestes Ackerland zur Bebauung freigegeben? Was einmal versiegelt ist, fällt für die Nahrungsmittelerzeugung weg. Auf sehr lange Zeit.)

Zurück zum ÖRR: Solche differenzierten Themen werden dort bearbeitet. Und natürlich wird allen Bevölkerungsgruppen etwas geboten: Den CDU-Wählern ebenso wie den Grünen-AnhängerInnen (naja, die Ultrarechten können für sich reklamieren, nicht besonders gut dabei wegzukommen, das gebe ich ja zu😉), den Seifenopernliebhabern, Krimifetischisten, Dokujüngerinnen, Arztserien-Selbstdiagnostikern, Newsjunkies, Börsenkursinteressierten, Rosamunde-Pilcher-Leserinnen, Hobbyphilosophen, sämtlichen 80 Millionen Fußballbundestrainern und anderen Sofasportlern, den Pfefferkörnern, Bibi & Tina, Meerjungfrauen und was sich sonst noch so in TV-Deutschland tummelt. Streckenweise komplett ohne ausufernde Werbeblöcke (🤔Da fehlen dann vielleicht auch die Pinkelpausen? Ach, naja, dafür gibt es bestimmt ein Kürbispräparat…), die uns weismachen wollen, dass wir ohne das Produkt XYZ und die Dienstleistung ABC abgehängt und lebensunfähig werden. Und dazu die Mainzelmännchen.

Und es wird niemand dazu gezwungen, sämtliche Angebote des ÖRR ständig zu gucken, zu hören, zu lesen. Man darf und soll Rosinenpickerei betreiben und sich heraussuchen, was man mag. Den Rest darf man getrost ignorieren. Ich frage mich sowieso, wann so mancher die Zeit dafür findet, alles mögliche anzusehen, nur um es hinterher genüsslich in Grund und Boden zu kommentieren; deswegen beschleicht mich der (berechtigte?) Verdacht, dass nur der zweite Teil verlässlich stattfindet und man sich das Ansehen vorher locker spart. Es macht auch viel mehr Spaß, etwas niederzumachen, mit dem man sich vorsichtshalber gar nicht so richtig auseinandergesetzt hat, denn man könnte ja sonst im schlimmsten Fall seine Meinung revidieren.

Ach Leute, ich höre an dieser Stelle mal lieber auf. Ich steigere mich sonst in einen misanthropischen Anfall hinein und das möchte ich nun wirklich nicht. Denn ich weiß auf der anderen Seite ganz genau, dass es mindestens genauso viele Menschen gibt, die nicht so agieren, die sich verschiedene Standpunkte anhören, abwägen, zu Schlüssen kommen, diese auch mal nach Kenntnis neuer Aspekte ändern.
Es gibt so viele Menschen, die empathisch und wertschätzend mit ihren Mitmenschen umgehen, nicht immer alles nur dunkelst schwarz sehen, die schlicht und ergreifend an ihrem Platz stehen, sitzen oder laufen, um den Laden namens „Welt“ am Laufen zu halten. Und die das ganz still und selbstverständlich tun. Oder auch mal an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, ohne es anschließend allen anderen anzukreiden.
Das ist unter anderem einer der Gründe, warum ich lieber in diesem relativ kleinen und recht überschaubaren Umfeld schreibe als bei den großen „sozialen“ Netzwerken.

Danke an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Meine Gedankengänge sind mal wieder verworren wie Spaghetti, aber sie wollten alle unbedingt raus, sonst wäre mein Kopf geplatzt.

Mal was anderes

Toll, einer arbeitet mehr?

Gerade geht mir beim Zeitunglesen mal wieder die Hutschnur hoch. Ist es nur gefühlt oder bekommt der Personalmangel an den Flughäfen wirklich mehr Aufmerksamkeit als die Streiks an den Unikliniken? Warum ist es so wichtig, dass Flughafenpersonal aus dem Ausland herangeholt wird? Wenn als Begründung dafür wenigstens die Entlastung des Stammpersonals herangezogen würde, könnte ich es ja noch verstehen. Denn die haben beileibe keinen einfachen Job (wie im Übrigen sehr viele im Dienstleistungssektor…). Es ist auch nicht so, dass ich den Menschen keinen stressfreien Start in einen unbeschwerten Urlaub gönne, ganz bestimmt nicht. Trotzdem empfinde ich es zumindest als großes Spannungsfeld.
Ehrlich gesagt, manchmal traue ich meinem Urteilsvermögen nicht mehr so ganz. Ich halte es auch durchaus für möglich, dass ich inzwischen irgendwas zwischen dünnhäutig und regelrecht getriggert bin, wenn es um die Diskrepanz geht zwischen dem, was wirklich notwendig ist und dem, was in erster Linie unserem Komfort dient.

Neben diesen überregionalen Themen ist es aber heute auch ein Artikel über die Weiterbeschäftigung der AlltagshelferInnen in den Kindergärten, der mich aufhorchen lässt. Immer noch besteht hier akuter Bedarf, zum Beispiel durch erhöhte Hygieneanforderungen. Aber auch in „ganz normalen“ Zeiten frage ich mich, warum um alles in der Welt die ErzieherInnen sich mit dem Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Waschen der Bettwäsche oder anderen hauswirtschaftlichen Arbeiten beschäftigen müssen. Nicht, weil sie „überqualifiziert“ dafür wären, sondern weil sie sowieso schon viel Dokumentation und anderes nebenher erledigen müssen, was von der reinen Arbeit mit den Kindern abgeht. Die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sind natürlich sehr wichtig für den Tagesablauf in Kindertagesstätten, aber es gibt ja schließlich ausgebildete Hauswirtschaftskräfte und manches könnte auch von Menschen erledigt werden, die noch auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Die in der Pandemie geschaffenen Finanzierungsmodelle der Bundesländer werden (mal wieder) auslaufen, aber der Bedarf bleibt. Auf der Strecke bleiben Kommunen, die sich eine eigene Finanzierung nicht leisten können und natürlich ErzieherInnen, Familien und Kinder.

Warum schreibe ich das überhaupt? Nicht, weil ich bei irgendjemandem Empörung auslösen möchte oder eine gesellschaftliche Gruppe gegen eine andere ausspielen will, sondern weil es verdeutlicht, dass die verschiedenen und berechtigten Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen sehr vielfältig sind und dass es meiner Meinung nach im Endeffekt immer darauf ankommt, dass sie gesehen und ausbalanciert werden. Dass es nicht immer dieselben Gruppen sind, die zurückstecken müssen und andere bekommen mehr Unterstützung, weil sie lauter, wirtschaftlich stärker oder angesehener sind. Weil unsere Zeit eine wahnsinnige Herausforderung ist, für Politikerinnen und Journalisten, die das alles kommunizieren müssen, aber auch für jeden einzelnen von uns Wahlvolk und Medienkonsumenten, weil wir nicht über jedes hingehaltene Stöckchen hinüberspringen sollten.
Und auch als eine Selbstvergewisserung, weil ich das auch mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.

PS: Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Die Gedanken rasen wie ein ICE durch meinen Kopf, während ich sinnbildlich mit dem 9-Euro-Ticket versuche, mitzuschreiben…🙈

Leer…

Ein Platz im Haus bleibt leer. Nach dem letzten Wochenende war es absehbar, und auch wenn es unfassbar wehtut, es war gut, dass die Entscheidung letztlich ziemlich schnell fiel.

Fast auf den Tag genau 14 Jahre lebte Lucy bei und mit uns. Am 5. April 2008 holten wir sie bei ihrem Züchter ab, am 4. April 2022 ging sie über die Regenbogenbrücke; sie durfte auf ihrem Kissen einschlafen, im Kreis der ganzen Familie, ihren Kopf auf meinen Oberschenkel gebettet.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Tierärztin, die ruhig und empathisch alles erklärt und uns damit sehr geholfen hat, diese ungewohnte Situation durchzustehen. Und mit der wir noch einige Anekdoten aus Lucys Leben ausgetauscht haben.

Was mich beeindruckt hat: Nachdem gestern Vormittag in der Tierarztpraxis keine große Untersuchung mehr stattfand, sondern Lucy einfach nur beobachtet wurde und wir dann gemeinsam die Entscheidung trafen, hatten wir nachmittags zuhause einen sehr entspannten Hund. Lucy hat ruhig wie lange nicht mehr geatmet, suchte abwechselnd Nähe und ungestörte Ruhe (als wolle sie nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen) und machte insgesamt einen sehr friedlichen Eindruck.

Kalle durfte sich auch noch von ihr verabschieden, nachdem sie eingeschlafen war und machte das ganz kurz und knapp. Heute ist er deutlich ruhiger als sonst, er stand ratlos vor dem leeren Hundebett und erst, als er das „OK“ bekommen hatte, dass er sich auch hinlegen dürfe, hat er sich dort für einige Zeit niedergelassen. Keinen einzigen Tag ohne Lucy hat er in unserer Familie erlebt, sie hat ihn erzogen, bemuttert, sich von ihm in der Dunkelheit beschützen lassen, er hat ihr Futter geklaut,  sie haben sich gezankt und er hat sich gutmütig von ihr in die Schranken weisen lassen, auch als ihm längst klar war, dass er stärker war als sie.

Lucy, mach’s gut und danke, dass du 14 Jahre Teil unseres Rudels warst.

Projekt 10, Woche 3: „Merkwürdig“

Ein faszinierendes Wort hat Wortman uns hier vor die virtuellen Füße gelegt, wieder eines, das man in ganz unterschiedliche Richtungen auslegen kann: entweder kennzeichnet es etwas bemerkenswertes, eben merk-würdiges (eher positiv) oder aber etwas, worüber man ins Stolpern gerät, was uns sonderbar (also eher negativ) erscheint.

Für beide Facetten habe ich zunächst ein Foto hervorgesucht in den Tiefen der digitalen Ablage:

Absolut bemerkenswert, wie sich diese alte Kopfweide ans Leben klammert, sich weigert, aufzugeben. Das Leben sucht sich seinen Weg. Jedes Mal, wenn ich das Foto ansehe, hoffe ich, dass ich im Alter mal genauso wie dieser Baum versuche, das Beste aus meinen Möglichkeiten herauszuholen.

Das zweite Beispiel ist eines, worüber ich den Kopf schüttele, und zwar zunächst mal nicht über den Aufkleber, sondern über das ursprüngliche Schild. Irgendwie total deutsch, in keinem anderen Land ist mir dieses Schild, das zumindest auf dem Gebiet der ehemaligen BRD (in MeckPomm ist es mir bisher an keinem Teich oder See aufgefallen) vermutlich an so ziemlich jedem Angelteich in zigfacher Ausführung steht. Rundum. Dabei sind es gleich zwei Dinge, die mir übel aufstoßen: Die Ausschließlichkeit, mit der pachtende Angelvereine die Nutzung frei in der Landschaft zugänglicher Gewässer für sich beanspruchen (ja, ich weiß, sie bezahlen auch dafür), ist dabei nur die eine Seite der Medaille.

Dass es aber ganz offensichtlich auch tatsächlich notwendig ist, so zu handeln, weil die Vereine, die für die Pflege der Teiche und ihrer Umgebung viel Zeit und auch Geld einsetzen, ansonsten vermutlich nach jedem Wochenende die Überreste von wildem Campen und Grillen und was weiß ich noch für einen Schrott beseitigen müssten (und es teilweise ja auch trotz der Verbote müssen), das ist etwas, was ich einfach nicht verstehe. Diejenigen, die sich so umweltschädigend verhalten, können ihr „Equipment“ ja auch in die freie Natur hinein transportieren . Aber die Überreste nicht zurück?

Ich hoffe nur, dass das zumindest diejenigen beherzigen, die auf dem Schild den Aufkleber mit dem Zitat aus dem Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2 angebracht haben. Denn Müll in der Gegend dient eindeutig nicht der Allgemeinheit!

Tragische Corona-Liebesgeschichte – ohne Happy End

Die letzten Wochen habe ich eindeutig zu viele Politik-Podcasts gehört und zu wenig Musik. Heute zum Putzen habe ich mir eine neue Playlist erstellt und siehe da, aus vielen der Songs konnte ich eine tragische Geschichte für die aktuelle Situation zusammenbasteln. Ziemlich denglisch, etwas um die Ecke gedacht, aber immerhin:

Die letzten Monate waren langweilig. Immer saß sie nur dort, Spending my times watching the days go by. Das Bruttosozialprodukt im Eimer, naja, Life is a rollercoaster… Plötzlich bekam sie eine WhatsApp-Nachricht: „Every thing I do, I do it for you, That’s amore!“ Sie schrieb zurück: „Girls just wanna have fun, I wanna dance with somebody„. Er wieder: „I can’t dance“ Etwas unwillig antwortete sie: „Ich gehe tanzen. With or without you!“

Er flehte: „Nein, bitte: Let it be! We don’t need another hero! Aber na gut, ich gehe mit. Alles aus Liebe. I was made for loving you“ Sie dachte nur „What’s love got to do with it?“All for love zog er mit ihr durch die Straßen. Spät am Abend bat er: „Tell me if you wanna go home, Can you feel the love tonight? You’ll be in my heart

Ach was soll’s, dachte sie, Life is for living und I want it that way und ging mit ihm nach Hause. In der Nacht flüsterte er ihr zu: „I wanna see Daylight in your eyes“ und sie fragte neckisch zurück: „Und If tomorrow never comes?“ Doch bald ging die Sonne auf, Morning has broken. Sie hatten dann noch Another day in paradise, doch nach einigen Tagen fragte sie ihn „Every breathe you take funktioniert ja immer schlechter!“ Er kam ins Krankenhaus und ehe sie ihn in Narcotic versetzten, brach es aus ihm heraus: „Stayin‘ alive ist alles was ich will, aber I’ve had the time of my life.“ Als sie ihn unterbrechen wollte, flüsterte er noch: „Don’t stop me now! Ich find dich scheiße! Du trägst keine Liebe in dir! It’s my life, mit dem du gespielt hast! Weißt du, was du tust? Killing me softly! I just died in your arms!“

Am Tag, als Conny Kramer starb, fühlte sie sich wie ein Zombie Out oft he dark. Voller Selbstvorwürfe dachte sie: Warum hatte ich bloß nicht mehr Self control? If I could turn back time… Sie hatte eine Total eclipse of the heart und fragte sich Who wants to live forever?

Am Grab stand sie, die Lady in Black, Black Velvet. Sie entzündete eine Candle in the wind und versprach: „I will always love you.“ Vom Band wurde die Unchained melody gespielt. Sie sinnierte reuig: Werde ich jetzt Livin‘ on a prayer können oder bin ich Losing my religion? Es war doch nur ein Schrei nach Liebe.

So verging der Circle of life, der Winter und der Frühling verging, der Sommer kam ins Land. Everybody dachte, haben wir alles Nur geträumt? What a wonderful world! Sie tanzten Mambo No 5 All summer long, fuhren Ab in den Süden zum Sailing, feierten das Leben Let’s get loud und hofften So soll es bleiben! Wouldn’t it be good? Und so ging es, bis am Ende der Ferien die allgemeine Aufforderung kam: Take me home, country roads!

Uff. Schräg, makaber und das weibliche Wesen kommt eindeutig ziemlich schlecht dabei weg, sorry Mädels. Aber das war die Musikauswahl, nicht ich🤣. Die Männer mögen sich gebauchpinselt fühlen.

Ich versuche in den nächsten Tagen noch ein bisschen mehr Songs für bessere Stimmung zu finden, oder ihr schreibt mir einfach eure Geschichten mit dem Soundtrack eures Lebens…

Einen schönen Sonntag Abend.

Unberechenbar -2.1.2021

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Ab Seite 27 beschäftigt sich das Buch mit der These „Warum Komplexität etwas Tolles ist“. Da bin ich ja mal gespannt. Im letzten Jahr hatte ich eher das Gefühl, dass diejenigen, die alles möglichst vereinfachen wollen, viel Zuspruch bekommen…

Wie ist eigentlich unser Verständnis von Technik? Bestimmen wir Menschen über sie oder hat sie uns im Griff? Stehen wir ihr fasziniert oder eher skeptisch gegenüber? Technologien beherrschen inzwischen einerseits den Alltag und machen uns damit teilweise Angst, andererseits ist es erwiesenermaßen auch so, dass der Einsatz von Technik den allgemeinen Wohlstand nährt. Inzwischen durchdringt Technologie unser Leben so komplex, dass es zwar Einzelpersonen unter Umständen möglich ist, sich der Zivilisation durch Flucht zu entziehen, aber ganze Gesellschaften schaffen das nicht (mehr), weil dann von heute auf morgen zu vieles nicht mehr funktioniert. (Es ist ja schließlich auch nicht alles auf einmal entstanden, also kann ein eventueller Rückweg auch nur schrittweise erfolgen.)

Ich stelle mir das so vor: Wenn wir eine Bergwanderung unternehmen, dann gehen wir davon aus, wenn wir auf dem höchsten Punkt angekommen sind, geht es auf der anderen Seite mit einem zumindest ansatzweise ähnlichen Schwierigkeitsgrad wieder runter vom Berg. Was würde aber passieren, wenn wir oben unvermittelt vor dem Abgrund stünden, aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst hätten, dass wir entweder eine Ausrüstung zum Abseilen oder aber einen Gleitschirm brauchen, um wohlbehalten ins Tal zu kommen? Und während wir noch oben an der Kante stehen, darüber grübelnd wie es weitergehen kann, drängen von hinten immer mehr Bergwanderer heran und schieben uns unaufhaltsam weiter an den Abgrund…! Bräuchten wir als Wander-oder Weltgemeinschaft jetzt nicht ganz dringend einen Weg, der sich in Serpentinen zurück ins Tal schlängelt, um geordnet wieder vom Berg zu kommen? Angesichts des Klimawandels stellt sich zudem die Frage, ob für die Suche nach so einem Weg überhaupt noch Zeit ist. Oder ob, um bei dem Beispiel zu bleiben, so viele Menschen in den Abgrund stürzen müssen, dass am Ende ganz wenige weich gepolstert auf dem Leichenberg unendlich vieler anderer landen? Ich weiß, das klingt sehr makaber, aber im Endeffekt läuft es aktuell darauf hinaus.

Ab Seite 31 erzählt H. Lesch von einem Gespräch, das er mit einem Mann führte der an der Entwicklung des sogenannten „Quantencomputers“ beteiligt ist. Der Quantencomputer ist der Stein des Weisen oder die Eierlegende Wollmilchsau und wer ihn als erstes hat, beherrscht das Internet. Er ist irre schnell, unheimlich leistungsfähig und fast „unknackbar“ (S. 32). Dabei fällt mir ein: Die TITANIC wurde auch als unsinkbar beworben…

H.L. unterhielt sich also mit dem Entwickler und fragte ihn, wie er Verantwortung für die Folgen der ungeahnten Möglichkeiten der Technologie übernehmen würde. Die Antwort des Mannes empfinde ich als hochgradig erschreckend und ignorant: „Ja, aber das ist doch Technik. Ich entwickle Technik – was die Leute dann damit machen, das geht mich nichts an. Darüber mache ich mir keine Gedanken.“ Waaah! Ich wünsche mir die Zeit der Universalgelehrten zurück! Ich wünsche mir (mehr) Wissenschaftler (solche wie Harald Lesch), die nicht nur ihr reines Fachgebiet beherrschen, sondern sich darüber hinaus auch mit den soziologischen, ethischen, philosophischen und wirtschaftlichen (Spät-)Folgen ihrer Arbeit auseinandersetzen!

Fortsetzung folgt…

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Unberechenbar – 1.1.2021

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Worum geht es? „Das Wohl aller in derGesellschaft und das Wohl der Gesellschaft als Ganzes. Aber auch [um] das Wohl des Einzelnen, ganz konkret, alltagstauglich und lebensnah.“ (S. 12)

Es geht NICHT um die Beantwortung aller Fragen, sondern um die Suche nach Antworten. Die unter Umständen neue Fragen aufwerfen.

Carl Friedrich von Weizsäcker sagte einmal „Die großen Fortschritte in der Wissenschaft beruhen oft, vielleicht stets, darauf, dass man eine zuvor nicht gestellte Frage doch, und zwar mit Erfolg, stellt.“ (S. 13) Andererseits sagte Goethe einst (in FAUST II): „Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr.“ (S.13)

Es dreht sich also um Themen wie Turbokapitalismus und die völlige Öknonomisierung der Welt, Reduktion des Menschen auf sein Funktionieren, Technikwahn, um etwas, was Lesch „Excelisierung des Lebens“ nennt. Allerdings geht es nicht (nur) um Kritik, sondern auch um Lösungsansätze, die eben dieses sind: Ansätze, keine Patentrezepte!

Sehr anschaulich finde ich den Vergleich der Gesellschaft mit wahlweise Karussell oder Biergarten. Beim Karussell werden diejenigen, die nicht weiter mitrasen wollen, gern als Feiglinge dargestellt, während es im Biergarten um Teilhabe geht: Du kannst dein mitgebrachtes Essen dort verzehren, wenn du dir nur ein Getränk leisten kannst, und ihr sitzt alle auf denselben langen Bänken (in Zeiten ohne Corona auch gern mal dicht an dicht), ob ihr nun Banker oder Müllwerker seid, Maßanzug oder zerrissene Jeans tragt.

So weit erstmal für heute. Wenn ihr neugierig geworden seid:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Unberechenbar – Das Leben ist mehr als eine Gleichung

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So. Neues Jahr, neue Idee. Ich hatte Edgar das Buch mit dem obigen Titel von Harald Lesch und Thomas Schwartz zu Weihnachten geschenkt. Ratzfatz hatte er es durchgelesen und gab es mir dann. Gestern früh, als ich noch ganz allein wach in der Küche saß, begann ich zu lesen. Und zwar auf eine ganz spezielle Weise, die ich mir während der Ausbildung in der Malche angeeignet hatte. Damals für theologische Fachliteratur, inzwischen lese ich Sachbücher aller Art gerne mit Kladde und Stift dabei. Ich habe dann immer die Möglichkeit, mir einzelne Gedanken aus dem Buch (und manchmal auch meine Interpretation) aufzuschreiben und muss nicht im Buch herumkritzeln.

Heute kam mir beim Kaffee nach dem Frühstück die Idee, dieses Lesetagebuch anhand des Buches einmal mit euch zu teilen. Ich weiß noch nicht, wohin mich dieser Versuch führen wird, wie es bei euch ankommt, freue mich aber auf jeden Fall über Feedback. Kann ja auch sein, dass ich euch gnadenlos langweile damit, und das möchte ich erstens nicht, außerdem kann ich mir dann die Zeit auch sparen.

Im nächsten Beitrag lege ich los und dann startet dieses Experiment. Zum Satz der Beiträge: Meine Zusammenfassung des Textes in eigenen Worten lest ihr in Normalschrift, Zitate aus dem Buch mit Seitenangabe sind in Anführungszeichen gesetzt und mein eigener „Senf“, der mir dazu durch den Kopf geht, ist in kursiver Schrift. Alles klar?

Wer nicht warten möchte, bis ich das Buch durch habe:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Wir haben uns so schön eingerichtet..!

Ab Minute 6:49 können wir uns alle an die eigenen Nasen fassen, nicht nur beim Thema Religion

Ja, es ist eine klamaukige Satire-Sendung, nicht jedermanns Geschmack, ich weiß. Aber wie auch im politischen Kabarett steckt ein Kern drin, auf den wir draufbeißen und „Aua“ rufen. Ein Kern, der uns irgendwie trifft.

Dabei geht es mir in diesem Beitrag gar nicht mal so sehr um unsere Einstellung zu Glauben, Kirche und Religion, sondern dieser Bereich ist nur ein einzelner Baustein in einem Gebäude, das sich eigentlich jeder einzelne von uns mehr oder weniger erfolgreich zusammengebastelt hat.

In Europa leben wir seit 75 Jahren friedlich miteinander, die Staaten haben sich zusammengeschlossen für ein System der Gemeinsamkeit. Klar, dort ist auch nicht immer Friede, Freude , Eierkuchen. Aber das Prinzip stimmt zunächst.

Durch bahnbrechende Fortschritte in der Medizin leben wir immer länger, Krankheiten sind heilbar, an denen man vor 100 Jahren elendig verreckt wäre. Es gibt staatliche und kirchliche Daseinsfürsorge, die im Großen und Ganzen ein soziales Netz für jeden ausspannt, der es benötigt. Natürlich ist in allen genannten Beispielen immer noch Luft nach oben und auch manche persönliche Ungerechtigkeit kann nicht ausgebügelt werden. Trotzdem leben wir ganz allgemein so gut wie keine Generation vor uns.

Wir haben uns mit allen Annehmlichkeiten eingerichtet und betrachten ihr Vorhandensein als erweitertes Menschenrecht. Wir verwöhnten Mitteleuropäer kennen eigentlich keine Situation mehr, aus der wir uns nicht durch Innovation oder auch Kapitaleinsatz befreien können. Existenzielle Ängste, die Leib und Leben bedrohen, sind für die allermeisten von uns eine Randerscheinung.

Bis im Jahr 2019 ein neuartiges Virus auf den Plan kam. Ein Virus, das es nicht einen Deut scherte, ob Länder reich oder arm sind, ein Virus, das uns auf aufdringliche und aggressive Weise unsere Endlichkeit und Hilflosigkeit wie einen Stachel ins Fleisch bohrte. Unser mühselig aufgebautes Gebäude von oben droht zusammenzufallen wie ein Kartenhaus, und damit leider auch Teile unserer hochgelobten Zivilisation. Denn dieses Virus zeigt uns beide Seiten der Medaille:

Die Altruisten und die Hedonisten, die Verzagten und die Nassforschen, die Reichen und die Armen, die Fortschrittlichen und die Traditionalisten, die Alten und die Jungen, die Schlafschafe und die Erweckten… beliebig fortsetzbar. Das Wörtchen „und“ wird in der Wahrnehmung zunehmend ersetzt durch „gegen“.

Langsam kotzt es mich an. Tut mir leid, aber so ist es nun mal. „Ich will mein altes Leben zurück. Jetzt sofort und uneingeschränkt!“ kann ich genauso nicht mehr hören wie „Denk doch mal selbst!“ (von „beiden“ Seiten übrigens, die sich das selbstständige Denken gegenseitig absprechen). Meine Mutter sagte früher „Kinder, die was wollen, die kriegen eins an die Bollen.“ Nur das die „Kinder“ heute meist Erwachsene sind, die mitten im Leben stehen. Und wenn man denkt, kann je nach Informationslage das Ergebnis unterschiedlich aussehen. Miteinander reden, was so bitter nötig ist, findet leider oft nur noch als digitaler Schlagabtausch statt, die Wahl der Mittel wird immer unappetitlicher und teilweise menschenverachtend.

Andere Situation: gestern hatten wir stundenlang kein Internet, heute ging der Kaffeevollautomat endgültig kaputt, nachdem wir letzte Woche noch ein Ersatzteil bestellt hatten und die Garantie im Frühjahr abgelaufen ist. Und ich versuche seit drei (!) Wochen, mehrere Facharzttermine zu bekommen, habe dabei aber immer mehr das Gefühl, in den Praxen liegen die Telefonhörer neben dem Telefon. Das kann doch nicht sein, dass beim Hautarzt, beim Orthopäden oder beim Kinderarzt solche Massen von Leuten anrufen, dass gefühlt 24/7 besetzt ist! Natürlich kann ich mich fragen: wem nützt das? Wer hat einen Vorteil davon, dass ich mich ärgere? (Mein Magengeschwür vielleicht?) Wer verdient daran? (Am ehesten noch der Hersteller der Kaffeemaschinen.) Ich kann darauf herumreiten, dass mir jetzt gerade in dieser Situation alles mögliche geschieht, dass mir jemand etwas Böses will, dass ich mich benachteiligt und nicht gehört fühle. Ich kann aber auch achselzuckend akzeptieren, dass es einfach blöde Zeiten gibt und weiter die Wahlwiederholung drücken.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich habe Verständnis für jeden, der sich in seiner beruflichen oder persönlichen Existenz angegriffen fühlt, denn dieser Angriff ist da. Da gibt es zweifellos eine globale Bedrohung, die das Zeug hat, auf die eine oder andere Weise Leben und Lebensentwürfe zu pulverisieren. Und da gibt es auch mehr oder weniger geschickte, mehr oder weniger taugliche Versuche der Regierungen, mit der Lage umzugehen. In diesen Regierungen sitzen Menschen! Ich bin auch nicht glücklich über manche Entscheidung, in einige Wirtschaftszweige Geld rein zu pumpen und andere zum Sozialamt zu schicken. Dass die Lufthansa mehr wert ist als funktionierende Konzepte in Schulen, kann man gutheißen, wenn man Arbeitnehmer bei der Lufthansa ist. Aber was, wenn man alleinerziehend ist und neben der Arbeit auch seine Kinder möglichst gesund durch die Zeit bringen muss? Warum stehen solche Instrumente wie Kaufprämien für Autos überhaupt erstmal zur Diskussion, aber ein Solo-Veranstaltungstechniker soll seine Altersvorsorge angreifen oder zum Bittsteller beim Jobcenter werden?

Die Gründe liegen oft überhaupt nicht in der aktuellen Krisensituation begründet, sondern in der Lebensweise, die wir uns in den letzten 50 Jahren angewöhnt haben. Wir alle, nicht nur die Politiker. Darüber wird auch zu reden bzw. zu streiten sein. Aber lasst uns doch jetzt als erstes sehen, dass wir durch diese Zeit jetzt einigermaßen mit Anstand und Respekt voreinander durchkommen. Lasst uns grundsätzlich so agieren, dass wir uns nicht gegenseitig als Schlafschafe und Aluhüte beschimpfen. Ist das denn so schwer?

Ostern -Eiskalt erwischt

Das Beitragsbild ist erst gestern Abend entstanden. Bis dahin brauchte ich, damit Ostern so richtig bei mir ankam.Es war schon merkwürdig, am Sonntagmorgen um halb sechs aufzuwachen. Normalerweise schaffe ich das nach der Osternacht nicht – aber halt, es gab ja keine Osternacht. Dieser ganz besondere Moment, wenn wir aus dem Dunkel der Trauer die Osterkerze in den Kirchenraum tragen, mit den Jugendlichen und ihren teils anwesenden Familien „Morgenstern“ und „Happy day“ singen, die Osterfreude feiern. Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden! Das fehlte. Und auch das Aufräumen danach, wenn wir eigentlich alle hundemüde, aber trotzdem total aufgekratzt sind.

Also gut, aufstehen, Kaffee kochen. Und dann saß ich am Küchentisch. Kathrin hatte am Abend vorher für das Frühstück gefüllte Eier als Osterküken gemacht, aber ansonsten gab es kein bisschen Osterdeko, um den Frühstückstisch zu etwas besonderen zu machen. Okay, das lag daran, dass ich meinen Beinen noch nicht genug getraut hatte, um die Osterkiste vom Dachboden zu holen.Aber ich hatte, teils wegen der Beine, teils weil ich Risikogruppe bin (ich lerne das Wort verabscheuen…), seit Wochen nicht mehr selbst eingekauft. Die ganzen netten Kleinigkeiten, die Ostern nicht nur zur Auferstehung Jesu, sondern auch zu einem schönen Familienfest machen, hatten nicht den Weg zu uns gefunden. Es würde auch kein buntes Durcheinander mit Allen am Nachmittag geben.

Und dann konnte ich auf einmal nicht mehr. Ich musste an meine Mutter und meine Schwiegermutter denken. Beiden hatten wir vieles abgenommen, als sie nicht mehr so gut zu Fuß waren. Natürlich, aus Sorge, es könnte ihnen zu anstrengend sein, sich für die gesundheitliche Situation als Nachteil erweisen, aber ein bisschen doch auch, um ihnen zu zeigen, dass sie selbst es „nicht mehr nötig“ hatten, sich ins Gewimmel zu stürzen. In unserem durchgetakteten Leben zwischen Arbeit und Kindern bedeutete es ja auch immer Verzögerungen, wenn eine von beiden unbedingt selbst mit wollte, um genau das zu bekommen, was sie haben wollte oder um auch einfach nur mal wieder zu sehen, was es denn in den Geschäften so gab.

Ich habe 52 Lebensjahre gebraucht, um dieses Verhalten so gut nachfühlen zu können… Es hat mich traurig gemacht, beschämt, und ein wenig Selbstmitleid war auch dabei. Und so war es ein nachdenkliches, nicht ganz einfaches Osterfest für mich, trotz des schönen Wetters.

Gestern Abend kam dann aber mit Verspätung auch die Osterfreude bei mir an. Etwas verhalten in diesem Jahr, aber ich kann ja nicht immer überschäumen. Und inzwischen hatte ich auch erkannt, dass ich auch solche Stimmungen haben darf.

Was gibt meinem Leben Sinn?

Zunächst zum Foto. Stimmt das? Macht Kaufen glücklich? Ich schätze mal, hier muss man differenzieren. Wenn ich etwas kaufe, was ich wirklich gut gebrauchen kann, vielleicht sogar etwas, wonach ich lange gesucht habe, dann kann das zu einem Glücksgefühl führen, das sogar länger anhält. Dann kann ich mich darüber freuen, jedes Mal, wenn ich das Teil benutze oder anziehe. Das ist jetzt etwas verkürzt dargestellt, aber du weißt sicher, was ich meine.

Kaufe ich aber etwas aus Frust, Ärger oder Langeweile, dann geht es meistens schief. Dann stellt sich zuhause heraus, dass die Hose kneift (Im Geschäft sah sie noch viel besser aus und saß auch perfekt. Wo kommt jetzt bloß so plötzlich das Kilo Bauchspeck her???) Oder das ultimative Küchenzubehör nimmt einfach nur Platz im Schrank weg, aber ich habe seit Jahren nie etwas gekocht oder gebacken, wofür ich es brauche.

Also, das mit dem Zusammenhang von Kaufen und Glücksgefühlen kann auch fürchterlich nach hinten losgehen.

Aber was gehört denn dann zu einem sinnvollen Leben? Das dürfte sehr unterschiedlich sein. Für mich persönlich ist es wichtig, dass ich eine tolle Familie habe. Wir glucken gar nicht mal ständig aufeinander, ziemlich häufig macht sogar jeder irgendwie sein Ding, aber wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Freundschaften sind wichtig. Ich bin (das mag oberflächlich manchen überraschen) nicht so flott dabei, Freundschaften zu schließen, obwohl ich eigentlich verträglich bin (meist) und auch gern mit allen möglichen Leuten umgehe. Trotzdem habe ich auch eine leichte Tendenz zum eigenbröteln. Es muss sich halt die Waage halten.

Eine Tätigkeit, die nicht nur mir, sondern auch anderen gut tut, die brauche ich auch unbedingt. Dabei ist es egal, ob beruflich oder im Ehrenamt. Und bestimmt gibt es noch viel mehr, aber das soll ja hier nur ein Denkanstoß sein und kein Roman werden😉.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Talk-Boxing

Seit Dienstag Vormittag hatte ich zu nichts Lust. Was war passiert? Ich hatte meinen turnusmäßigen Termin beim Rheumatologen und dabei erfahren, dass die Sehnenrisse mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Erkrankung verursacht wurden (wobei, beide Seiten auf einmal ist schon ziemlich einzigartig, aber bitte, ich kann ja nicht immer Durchschnitt sein…) Außerdem eröffnete er mir, dass es auch zukünftig zu Problemen mit den im Körper reichlich vorhandenen Sehnen kommen könne und dass möglicherweise der rechte Oberschenkel nicht wieder seine volle Kraft erreichen könne. Vor allem dann nicht, wenn ich zu früh wieder durchstarte. Ich hätte es ja ahnen können, aber es hat mich trotzdem aus den Socken gehauen. Und führte zu akuter Lustlosigkeit.

Aber lange schmollen mag ich ja auch nicht mit meinem widerspenstigen Körper, immerhin müssen er und ich es ja hoffentlich noch lange miteinander aushalten. Außerdem hatte Sandra mir am Samstag zu denken gegeben, als sie meinte, ich könne ja auf Instagram Buchempfehlungen geben. Prinzipiell gute Idee, aber bei meiner Lektüre die letzten Wochen („Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, „Die Angstprediger“, „Warnung aus dem weißen Haus“) wirkt das eher abschreckend.

Doch dann fielen mir die Talk-Boxen ein, die ich eigentlich für Kathrins Konfirmation gekauft hatte, weil ich mit ihrer Hilfe ein paar Tischgespräche anstoßen wollte. Ich habe jetzt für zwanzig Tage jeweils eine Bildkarte und eine Frage/Denkanregung herausgesucht und veröffentliche jeden Tag so ein Paar.

Logisch, auch meine Gedanken dazu werde ich hier aufschreiben. Und ich lade dich ein, dir beides anzusehen und dann zu Bild und/oder Text einen Kommentar entweder hier im Blog oder auf Instagram abzugeben. Dabei gibt es grundsätzlich keine Denkverbote. Löschen werde ich aber Kommentare, die bestimmte Menschengruppen diffamieren, die rassistisch oder volksverhetzend sind oder die allgemein verletzend gegenüber anderen Personen sind. Da behalte ich mir als Inhaberin des Blogs vor, das digitale Hausrecht auszuüben.

Erwünscht ist es dagegen, auch mal über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich Gedanken zu machen, ob die Sichtweise anderer ebenso ihre Berechtigung haben wie die eigene. Ich gestatte dir sogar ausdrücklich, deine Meinung nicht absolut zu setzen 😉

Im nächsten Post geht es los.

Bibliographische Angaben:

Foto-Talk-Box 2, Neukirchener Verlag , ISBN 978-3-7615-6633-6, 18 €

Talk-Box Vol. 6, Neukirchener Verlag , ISBN 978-3-7615-5950-5, 16 €

Das richtige Buch zur richtigen Zeit

Auf meinem SUB lag das Buch schon irgendwann im Advent. Allerdings gab es so viel unterschiedliche Dinge zu lesen, dass es in der Warteschleife gefangen war.

Anfang Februar, drei Tage vor der denkwürdigen Thüringer MP-Wahl-Posse, beschloss ich das zu ändern. Und wie wir es gern machen, begann ich, jeden Morgen nach dem Frühstück und manchmal auch mittags nach dem Essen, meinem Mann daraus vorzulesen. Anschließend gab es ein kleines Gespräch über den Abschnitt.

An dem besagten Wahltag dachte ich mir, es habe doch wohl einen besonderen Grund, weshalb ich das Buch ausgerechnet jetzt zur Hand genommen habe. Als am vergangenen Wochenende die rechtsextreme Terrorzelle aufflog, dabei auch drei Männer aus meiner und der Nachbarstadt verhaftet wurden, dachte ich das immer noch. Als ich gestern früh um 5:30 Uhr mit den Nachrichten geweckt wurde, den Nachrichten vom Anschlag in Hanau, da hatten wir es einen Tag vorher durchgelesen. Und ich fühlte neben dumpfer Trauer eine Erleichterung, da ich wusste, dass dieses Buch viele Menschen begeistert hat, vor allem auch bei den Lesungen. Ich wusste, da draußen gibt es nicht nur Hass und Gewalt, sondern auch viele, die das nicht wollen. Es gibt Menschen, die differenzieren können. Und die sich jetzt gerade vielleicht ebenso wie ich bewegten zwischen einer ohnmächtigen Sprachlosigkeit und dem Aufbegehren, so nicht bleiben zu wollen.

Aber der Reihe nach:

Zu Beginn des Buches stellt Frau Hayali sich vor, familiärer Hintergrund, wo sie aufgewachsen ist und so. Sie ist ein paar Jahre jünger als ich, aber ich war überrascht, dass es in ihrer und meiner Kindheit einige Parallelen gibt, unter anderem war sie wie ich auch ein spätes Kind schon etwas erfahrenerer Eltern. Verbunden ist das mit vielleicht ganz typischen Erziehungsgrundsätzen in den 70er Jahren, wer weiß?

Bei mir waren das die Merksätze meines Vaters, der mir beibrachte „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz“ oder „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu“. So etwas prägt. Immer mal wieder ein Perspektivwechsel. Auch wenn mir das damals natürlich überhaupt noch nicht bewusst war.

Zurück zum Buch. Ich empfinde es als wohltuend unaufgeregt, aber sehr bestimmt in Stil und Aussage. Keine Herumeierei wie oft bei Politikern, an einigen Stellen auch selbstkritisch, die Verantwortung der Medien betreffend.  Kein pauschales Bashing irgendwelcher Gruppierungen, aber die klare Forderung nach Respekt – zunächst einmal für alle, ob im analogen oder im digitalen Raum, ob Normalo, Linker oder Pegidabesucher. Denn auch das stellt sie klar: Respekt ist erstens keine Einbahnstraße, und zweitens ist es legitim, bestimmten Menschen den Respekt zu verweigern, wenn sie sich dessen unwürdig erweisen. (Das ist jetzt meine Formulierung)

Großen Respekt habe ich vor der Leistung, sich ständig wieder in den sozialen Medien durch den großen Wust an Kommentaren zu ackern, sich dabei mit sehr viel geistiger Gülle auseinanderzusetzen und immer wieder neu zu überlegen, wie damit umgegangen werden muss. Wann ist etwas nur Blödsinn, wann werden Grenzen zur Strafbarkeit überschritten, wann dient eine Reaktion dazu, etwas zu gewichten, das der Gewichtung nicht wert ist.

Eigentlich würde ich das Buch gern direkt noch einmal lesen, da ich jetzt weiß, wie es endet (keine Bange, das verrate ich nicht, ich möchte ja erreichen, dass DU das Buch auch noch liest 😉 ) und es von daher noch anders aufmerksam aufrollen. Allerdings liegen schon die nächsten Bücher vor meiner Nase…

Nur so viel: am Ende stellt Frau Hayali vier Szenarien der zukünftigen Entwicklung auf. Ich wünsche mir ganz unbedingt die vierte. Alles andere wäre nicht wünschenswert für meine Heimat. Davor gruselt mir.

Das Buch kann ich nur empfehlen, vor allem, weil es differenziert. Weil es so geschrieben ist, wie ich mir unsere Gesellschaft wünsche: Ich muss nicht mit allem deckungsgleich oder einverstanden sein, aber ich bemühe mich, jedem Respekt entgegenzubringen und seine Sichtweise nachzuvollziehen. Ach, du siehst vermutlich wie ich, das gelingt nicht bei jedem gleich gut.

Übrigens ist es auch die Differenzierung, was die Lektüre von Sachbüchern oder Romanen unterscheidet: Im Roman fühle ich mich vor allem wohl, wenn ich mich da hineingleiten lassen kann wie in ein Schaumbad (oder bei manchen Krimis in einen Eiswasserbottich). Ich versinke in der Handlung und sehe und empfinde die Handlung in mir und rundum. Gelingt mir das nicht, stehe ich quasi daneben, dann fremdele ich mich durch das Buch.

Beim Sachbuch suche ich je nach Situation mal den Wissenszuwachs, mal die Bestätigung, mal die Auseinandersetzung. Ich kann mich auf die Seite des Autors stellen oder auf die „andere“ Seite, ich darf auch die Position wechseln, wenn mir ein Erkenntnisgewinn kommt (einen eigenen Standpunkt haben heißt auch, ihn von Zeit zu Zeit zu überdenken). Ich muss nicht mit allem „D’accord gehen“, wie es so schön heißt, aber ich erwarte von einem guten Sachbuch eine ordentliche Argumentation.

Die nächsten Bücher in Arbeit sind „Freischwimmer“ von Torsten Hebel und „Die Angstprediger“ von Liane Bednarz. Die sind beide sicher aufwühlend, obwohl es sich um Sachtitel handelt. Zur Erholung lese ich aber abends vor dem einschlafen gerade „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec. Und jetzt lach nicht, weil ich damit so spät dran bin. Auch eine Buchhändlerin kann nicht alles gleichzeitig lesen 😉

Challenge Woche 4

Ich hab das Gefühl, die Wochen gehen immer schneller vorbei. Schon wieder ist es Zeit für den wöchentlichen Rückblick.

Dieses Mal noch eine Porzellandose, von Mama. Früher war da immer entweder Fruchtgummi drin oder Salmiakpastillen oder diese schwarzen kleinen Hustenbonbons in der roten Dose (ich habe gerade akute Wortfindungsstörungen, mir fällt der Name einfach nicht ein). Es ist zu befürchten, dass es nicht die letzte ihrer Art sein wird, denn Mama hatte ein Schrankfach voll mit solchen Bonbonnieren und Co…

Der Kalender von 2018 kam endlich mal in den Müll, denn das längst vergangene Jahr kann auch er nicht zurückholen.

Ein Paar Buchstützen für Kinder (ach ja, auch noch von der Buchhandlung) musste ebenso dran glauben wie ein Paar Kerzenleuchter. Beides geht in die Kiste mit der Aufschrift „Spenden“, ebenso wie diese … Armbanduhr, von der ich nicht mal weiß, wie sie in meine Schreibtischschublade kam. Office-Tools von Tiki Küstenmacher inklusive Fax-Vorlagen hatten ebenfalls ein Dunkeldasein gefristet und sind eindeutig überholt.

Zu guter Letzt kommt heute mal wieder ein Topf Basilikum auf den Kompost. So gern wir alle Basilikum mögen, es scheint nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Egal ob in der warmen Küche oder in der kühleren Waschküche, länger als drei Wochen überlebt das Zeug einfach nicht bei mir.

Ermutigt durch zaghafte Erkundungen meiner Schreibtischschubladen habe ich mich nun entschlossen, ab jetzt eine Schippe draufzulegen: Ab heute nehme ich mir täglich EINE Schublade vor. Das scheint mir eine erträgliche Dosis zu sein, der Kompromiss zwischen „Da muss jetzt dringend mal Ordnung rein“ und „Aber alles auf einmal geht doch auch nicht und so viel Platz hab ich auch gar nicht in der Mülltonne“. Außerdem dürfte sich der Frustrationslevel, so viel unnötigen Kram gehamstert zu haben, im Zaum halten.

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