Bücher Beim Buchhändler

Das dreibogige „B“, das für diesen Slogan stand, war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als ich meine Ausbildung gemacht habe, das offizielle Logo des Buchhandels.

Augenblicklich mussten alle Buchhandlungen schließen, bis auf Berlin und Sachsen-Anhalt. Allerdings haben die meisten lokalen Buchhändler inzwischen auch Onlineshops und sehr gute Websites oder Instagram-Accounts, häufig mit den persönlichen Empfehlungen der dort angestellten Buchhändler*innen. Wenn ihr also akuten Mangel an Lesestoff habt, dann ist es an der Zeit, eure örtliche Buchhandlung (wieder) zu entdecken. Bestellte Bücher werden meist kostenfrei verschickt, aber selbst, wenn Porto fällig wird, ihr sorgt mit euren Bestellungen dafür, dass ihr auch nächstes Jahr hoffentlich noch eure Bücher vor Ort einkaufen könnt.

Viele Buchhandlungen liefern auch mit eigenen Lastenfahrrädern innerhalb des Ortes umweltfreundlich aus. Probiert es einfach, ihr werdet positiv überrascht sein. Meine Kolleginnen und Kollegen freuen sich nämlich, wenn sie jetzt nicht nur mehrere Wochen lang Regale putzen müssen.

(Spoiler: In der Branchenpresse habe ich gerade gelesen, dass der große amerikanische Gemischtwarenladen, der mal als Online-Buchhändler an den Start gegangen ist, zurzeit vor allem Haushaltswaren und Sanitätsprodukte ausliefert und alles andere zurückstellt.)

Übrigens: Was für Bücher gilt, gilt auch für die meisten anderen Dinge. Klar hat man jetzt vielleicht viel Zeit für Online-Shopping. Aber stell dir vor, wenn das Leben dereinst wieder seinen gewohnten Gang geht, bleiben die Innenstädte so leer wie sie jetzt hoffentlich sind. Weil die Geschäfte dichtmachen müssen. Dann macht es auch keinen Spaß mehr, dort im Eiscafé zu sitzen. Alles, was ihr jetzt nicht unbedingt braucht, schreibt euch auf, und dann unterstützt den örtlichen Einzelhandel, wenn es wieder möglich ist. Denn dort arbeiten die Menschen, mit denen ihr euch auch zum Sport trefft, die in eurer Gemeinde falsch singen, die Ihr samstags im Kino seht.

Und die örtlichen Geschäfte zahlen in eurer Stadt Gewerbesteuer, die das öffentliche Leben wie Schwimmbäder, Museen, Theater usw. finanziert.

(Titelfoto: 123gif.de)

Frühlingsmorgen

Samstag früh um viertel nach Acht. Seit zwei Stunden sitze ich in der Küche und habe ganz gemütlich die Zeitung gelesen. Draußen ist es saukalt, aber ein wunderbarer Frühlingsmorgen. Die Amseln zwitschern, Tau glitzert auf allen Pflanzen, Möwen fliegen übermütig über unser Haus und die Krähen krächzen wie immer, sind nach wie vor auf der Suche nach übriggebliebenen Nüssen vom Herbst. Alles wie jeden Samstag?

Jein. Meine Samstagmorgenroutine sieht eigentlich immer so aus. Viel Zeit für frischen Kaffee und die Zeitung, Mann und Kind schlafen lassen, bis die Hunde anfangen zu motzen, dass es jetzt doch endlich mal Frühstück geben müsse.

Und trotzdem ist es anders, gefühlt. Es ist der Tag, nachdem Deutschland sich einen teilweisen Stillstand verordnet hat. Schulen und Kitas schließen (nur MeckPomm hat sich noch nicht entschlossen, aber dort geht ja auch die Welt 50 Jahre später unter), die Bundesliga ist gestoppt!!! Das öffentliche Leben, Theater, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte, alles ausgesetzt. Viele Eltern müssen sich jetzt reiflich überlegen, wie sie die Anforderungen von Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen. Nicht alle haben es so gut wie Edgar und ich, denn wir arbeiten beide schon seit langen Jahren von zu Hause. Für uns ist es Alltag, aber das liegt an unserem Arbeitsfeld. Fabrikation, Pflege, Sicherheit, Handel, das geht nicht ohne aus-dem-Haus-gehen.

Wir alle sind zurückgeworfen auf uns selbst, müssen uns mit einer Situation auseinandersetzen, die uns einschränkt, die Egoismus eigentlich verbietet, die geeignet ist, das Beste aus jedem von uns herauszukitzeln. Ja, ich habe meine Zweifel, ob es jedem gelingt, aber ich habe die Hoffnung, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es gut nur miteinander geht. Und ja, vielleicht bin ich eine hoffnungslose Sozialromantikerin, aber ich habe mich bewusst entschieden, dass ich keine miesepetrige Zynikerin sein möchte. Das würde die Lage ja nicht verbessern, sondern mir am Ende nur Magengeschwüre bescheren.

Was uns diese Situation bringt, werden wir erst später erkennen, bis dahin gilt: Leben kann man das Leben nur vorwärts. Aber bitte achtsam.

In diesem Sinne: lest gute Bücher. Und wenn eure Bücherstapel abgearbeitet sind, tauscht sie untereinander. Ruft die Buchhändler eures Vertrauens an, die beraten auch telefonisch und schicken euch die Lektüre ins Haus. Zumindest, solange die Geschäfte noch geöffnet sind. Singt! Singen gegen die Angst ist etwas wunderbares. Den Beitrag aus Italien gestern Abend mit den singenden Menschen in den Hochhaussiedlungen fand ich sehr berührend. Und wenn ihr allein in eurem Zimmer hockt, ist es auch egal, wie schief 😉

Schaut aus dem Fenster, hört den Vögeln zu, entdeckt eure Gärten neu, als Orte des Lebens, nicht der stummen Steine. Schreibt euren Lieben Briefe. Oder Mails. Egal. Und bleibt gesund, vor allem in Kopf und Seele.

Buchhändlerkrankheit

Ich habe lange nicht über Bücher geschrieben. Das heißt aber nicht, dass ich nicht lese…

Meinen aktuellen Stapel der Bücher, die ich durchlese, aus denen ich mir Infos hole, die ich angefangen habe, die meine Wartezimmerlektüre sind oder die schlicht noch darauf warten, dass sie an der Reihe sind, siehst du auf dem Foto.

Zu manchen kann ich sagen: eure Zeit kommt noch. Zum Beispiel „Teufelskrone“ von Rebecca Gablé. Das habe ich mir nach Erscheinen sofort für den Herbsturlaub gekauft, aber dann vor lauter schönem Wetter, Hunderunden, guten Gesprächen usw nicht geschafft. Und nun habe ich beschlossen, alle Waringham-Bücher erst noch mal als Hörbücher (super bei Hausarbeit, Kochen und Backen!) der Reihe nach durchzuhören, ehe ich mich daran mache.

Oder „Origin“ von Dan Brown. Das hat uns unser zukünftiger Schwiegersohn schon vor einiger Zeit geschenkt und ich freue mich auch schon darauf, aber für Dan Brown muss ich in einer besonderen Stimmung sein (Ehrlich gesagt, in den üblicherweise genutzten Online-Kanälen kursieren zurzeit so viele erdachte Verschwörungstheorien, dass die literarischen noch etwas warten müssen…)

„Das Weihnachtsdorf“ von Petra Durst-Benning werde ich, wie es sich gehört, auch an Weihnachten lesen. Und ich werde es mit Tee oder Kakao und Plätzchen regelrecht zelebrieren. Im Schaukelstuhl oder im Ohrensessel. Weil die Maierhofen-Romane einfach nur die Seele streicheln und guttun.

„Landleben“ von Hilal Szegin habe ich bereits angefangen und mit Vergnügen zur Hälfte gelesen, bis dann aber

„Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ von Christian Henrich-Franke dazwischenkam. Daraus brauchte ich eigentlich „nur“ einige gezielte Informationen zur Wirtschaftswunderzeit, allerdings konnte ich es nicht lassen, mich daran festzulesen. Das ging so lange gut, bis ich in einer Zeitschrift („Joyce“) auf eine Anzeige stieß, die mich regelrecht triggerte:

„Warum ich da noch hingehe“ von Christina Löffler, eine der Gründerinnen der Jesus Freaks. Mitunter frage ich mich ja auch, warum ich so stur an meiner Gemeinde festhalte. Ist das schon vorgezogener Altersstarrsinn oder ist die Ortsgemeinde, auch wenn man sich des Öfteren aneinander reibt (was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht), doch für mich der beste Weg, meinen Glauben zu leben und auch weiterzuentwickeln?

Zwischendurch wurde ich konsumbockig (nur nicht bei meinen Bücherkäufen), die Ergebnisse hießen „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller und „Ökofimmel“ von Alex Neubacher. In diese Kategorie fällt auch „Frag immer erst warum“ von Simon Sinek. Nur von der gegenüberliegenden Perspektive betrachtet. Und weil ich nicht so viele Augen habe wie die Kartoffeln in meinem Keller, geschweige denn so viel Hirn, um alles gleichzeitig aufzunehmen, warten die drei noch darauf, dass ich mich weniger über solche Marketingstrategien wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“ aufrege!

„Digitale Fotografie“ ist eher ein Nachschlagewerk, das nutze ich gezielt, um aus meiner Kamera rauszuholen, was sie alles kann und ich hoffentlich auch in der Lage bin, umzusetzen…

Irgendwann in diesem Herbst fing ich an zu zweifeln, ob ich mit den Impulsen im Jugendgottesdienst die jungen Leute auch wirklich erreiche, ob mein Handwerkszeug reicht und was mir sonst noch dabei helfen könnte. Auf der Suche stieß ich auf den Titel „Einladend predigen“ von Hermann Brünjes. Was soll ich sagen, es hilft mir vor allem bei der Selbstreflektion. Ist das, was ich sage, die Weitergabe des Wortes Gottes oder pflege ich nur meine sozialromantischen Utopien, die ich weitergebe? Denn letzteres ist zwar verständlich, aber nicht das, was an der Stelle im Gottesdienst erfolgen soll. Spannend!

„Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ von Maren Urner wollte eigentlich Edgar haben, wir mussten auch lange darauf warten, weil nach diversen Talkshows das Buch erstmal nachgedruckt werden musste. Leider teilt es noch das Schicksal einiger anderer Bücher: Die medialen Tagesdosen an Hiobsbotschaften und der Sagbarkeit des Unsäglichen lähmen. So sehr, dass dieses Buch auch noch in der Warteschleife hängt. Wie gesagt, Augen und Hirn und so…

Meine „Hoffnung für Alle“-Bibel begleitet mich täglich. Wenigstens momentan, wegen des Adventskalenders. Ich gestehe aber bereitwillig, dass ich es übers Jahr oft nicht schaffe, mir täglich eine Zeit dafür zu reservieren. In der letzten Konsequenz bin ich nämlich zu häufig inkonsequent 😛

Finale!

Meine derzeitige Bettlektüre: „Muttertag“ von Nele Neuhaus. Immer wieder genial finde ich ihre Kriminalfälle, die sich stets mit aktuellen gesellschaftlichen Themen beschäftigen. Mit sympathischen Ermittlern, die auch alle ihre Macken haben, aber nicht so überspitzt gezeichnet sind wie einige Fernsehkollegen, die gefühlt seit zwei Jahren alle mehr oder weniger leicht autistisch veranlagt sind. Sondern ganz so wie Durchschnittsmenschen. Amüsant liest sich dann zum Beispiel die kleine Episode, wo geraten wird, die Kollegin Ann Kathrin Klaasen aus Ostfriesland (Klaus-Peter Wolf, die Ostfriesenkrimis…) einzuschalten. Auch hat Nele Neuhaus ihre Hausaufgaben gemacht und flicht immer mal wieder Hinweise auf spektakuläre Kriminalfälle der letzten Jahre in die Handlung ein. Und: Sie ist eine Mutter-Kind-Autorin. Ich mag die Krimis, Kathrin hat die Pferdebücher verschlungen.

Das war er, mein literarischer Rundumschlag zum Ende des Jahres 2019. Ich bin schon megagespannt, was das nächste Jahr bringen wird…