Lesetagebuch 2.0 – Fazit

Boah! Das war ein Brocken. Nicht nur vom Gewicht des Buchblockes, sondern vor allem von der Gewichtigkeit des Inhaltes her. Deswegen musste ich zwischendurch auch ein paarmal was anderes lesen, besprechen, bedenken.

Im Endeffekt könnte ich aber direkt wieder von vorn anfangen, weil ich auf einige Dinge gestoßen bin, mit denen ich mich gern näher beschäftigen möchte. Besonders hat mich berührt, dass eben wirklich alles irgendwie mit allem anderen zu tun hat, was wir gern im Alltag ausblenden. Was aber erstens verständlich ist (sonst findet man ja gar keine Ruhe mehr, und die brauchen wir einfach), und zweitens ist es auch in Ordnung, wenn nicht jedem von uns alles gleich wichtig ist und wir müssen auch keine Perfektion erreichen.

Wichtig ist: sich Gedanken zu machen, und anfangen, eine Sache (und dann die nächste, und irgendwann die übernächste…) umzusetzen. Nicht alle Aspekte betreffen ja auch jeden von uns gleichermaßen. Aber wir sollten trotzdem im Hinterkopf behalten, dass es Sachverhalte gibt, die in anderen Gegenden die Welt auf den Kopf stellen und dass im Endeffekt stets die gesamte Erde betroffen ist. Ihr wisst schon, Schmetterling und so.

Hilfreich ist es in jedem Fall, Dinge nicht abstrakt zu betrachten, sondern die persönliche Dimension dahinter in den Fokus zu stellen: wie würde ich mich verhalten, wenn etwas mir oder meiner Familie, vor allem meinen Kindern, passieren würde? Wie wünsche ich mir, dass wir in den nächsten Jahren leben können? In welcher Situation sollen meine Töchter im Jahr 2050 sein, soll ihr (Über-)leben ein K(r)ampf sein oder sollen sie sich vielleicht auch lieber daran freuen, ihren Enkelkindern irgendwann die Schönheiten der Erde zu zeigen?

Oder viel näher am hier und jetzt: Wo möchte ich nächstes Jahr meinen Urlaub verbringen? An einem Strand voller Plastikmüll? In einem Wald, der aus abgestorbenen Bäumen besteht? In Bergen, die immer instabiler werden, weil der Permafrost die Felsen nicht mehr zusammenhält?

Und ich? Was mache ich jetzt, nachdem ich das Buch durchgehechelt habe? Nun, ein wenig Luft holen, einen Roman lesen, morgen zum ersten Mal wieder zum Arbeiten in die Buchhandlung gehen, mein Nähzimmer neu organisieren und dann versuchen, einen Teil der Bücher abzuarbeiten, die mir beim Lesen von „Mensch, Erde“ neu auf meine Liste gewandert sind. Und am Klimastreik teilnehmen. An dem Vormittag darf dann halt keiner unserer Buchhändler EDV-Probleme haben. Am besten, sie gehen alle mitstreiken😅.

Das Lesetagebuch war auf jeden Fall auch in der zweiten Auflage eine Herausforderung und spannende Erfahrung. Noch mehr als im Winter, als ich das Jahr 2021 mit Harald Lesch begann. Ob ich in absehbarer Zeit noch einmal so tief in eine komplexe Materie einsteigen kann/werde, das werde ich erst mit etwas zeitlichem und mentalen Abstand beurteilen können. Vielleicht mag ja die eine oder der andere von euch seine Meinung dazu in die Kommentare schreiben.

Jetzt geht es ans Eingemachte,…

… denn in den beiden letzten Kapiteln dreht es sich zunächst um das, was wir in den sozialen Medien auch dauernd tun: Reden (bzw. Schreiben) und noch wichtiger: Zuhören (bzw. Lesen)! Ersteres auf jeden Fall, beim zweiten hoffe ich es zumindest. Und dann in Kapitel 12 wird aus der Kommunikation die Tat. Nur durch Anpacken wird aus der ganzen grauen Theorie auch praktisches Handeln.

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Bevor es aber praktisch wird, kommen erst noch ein paar teils unangenehme Fragen, zum Beispiel, warum es so schwierig ist, den inneren Schweinehund zu überwinden. Oder sein Verhalten zu ändern. Warum wir eigentlich immer geneigt sind, zu sagen: „Aber XY ist viel schlimmer als ich. Soll der/die doch anfangen…“

Ein Grund ist möglicherweise, dass zu häufig „Klimawandel“ gesagt wird. Es wird doch, gerade in der Zeit vor der Bundestagswahl, immer davon gesprochen, dass einige sich „wandeln“ sollen. Und nun ist das auch wieder nicht richtig? Krise oder Katastrophe, diese Ausdrücke, die viel besser beschreiben, was vor unseren Augen passiert, werden lieber umgangen, denn das klingt so apokalyptisch. So ähnlich wie bei „global“, das hat was von „weit weg, jedenfalls nicht hier“.

Ein anderer Grund ist, dass wir zum Understatement neigen: „Was kann ich kleiner, einzelner Mensch denn tun? Ich bin doch nur ein Rädchen im Getriebe…“ Diese Denkweise kaschiert an sich nur unsere Trägheit, Faulheit, unser Bedenkenträgertum. Wir können genau das tun, was ein Mensch tun kann. Und wenn wir genügend kleine Rädchen mit genügend Sand im Getriebe sind, dann läuft die große Maschinerie eben nicht mehr wie geschmiert.

Es folgen einige Ansätze, wie man beginnen kann, bewusster mit Ressourcen aller Art umzugehen. Dieses Vorgehen vereinfacht die Sache: Beginne mit etwas, das dir wichtig ist. Egal was. Ob plastikfreieres Leben, mehr Fahrrad und weniger Auto, öfter selber kochen, beim Biobauern einkaufen… egal. Hauptsache anfangen. Der Rest kommt dann.

Ich muss gestehen, ich bin gerade ein bisschen überfordert, alles wiederzugeben, was mir wichtig erscheint, aber andererseits geht es darum ja auch nicht. Ich hoffe, euch „Appetit“ auf das Buch zu machen. Und ein ganz kleines bisschen hoffe ich auch, dass ihr es noch vor dem 26. September lest und euch ganz genau überlegt, wem ihr das Wohl unserer Zukunft am ehesten anvertrauen wollt.

Und noch einmal der Verweis auf den Beginn des Lesetagebuches, wer hier Quereinsteiger ist, kann von dort an nochmal alle Kapitel verfolgen.

Es geht voran und mein Kopf brummt mal wieder

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EvH geht der Frage nach dem Wert eines Vogels ebenso nach wie der Überlegung, was wir denn überhaupt noch frühstücken könnten, wenn es keine Bienen (wilde und Honig-) mehr gäbe. Die Antwort ist verstörend, denn da bleibt kaum etwas außer Wasser übrig. Es ist also dringend geboten, sich außer mit Hitzewellen, Starkregenereignissen, brennenden Wäldern und Tornados über Ostfriesland auch mit dem Artensterben zu beschäftigen.

Aber auch mit dem Artensterben in unseren Körpern, wenn wir jede Erkältung mit Antibiotika behandeln. Und mit der Unsitte, ohne Not (aber leider auch ohne ausreichenden Platz im Stall oder Auslauf) vor allem Geflügel, aber auch andere Nutztiere, routinemäßig mit Reserve-Antibiotika zu füttern, die dann für den Menschen im Ernstfall nicht mehr als Reserve zur Verfügung stehen. Merken wir das eigentlich wirklich nicht, dass wir vor allem uns selbst schaden? Oder sind wir Lemminge, die unaufhaltsam dem Abgrund entgegentaumeln? (Wobei ich letztens gelesen habe, dass dieses Klischee auf die armen Tierchen eigentlich überhaupt nicht zutrifft.)

Als ob die Konsequenzen nicht schon heftig genug wären, geht es uns tierliebenden Deutschen an den Kragen. Unsere Art, mit unseren Haustieren (im Gegensatz zu den Nutztieren) umzugehen, ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig und nicht gerade ressourcenschonend. Ich will hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber es ist tatsächlich ein bisschen abartig, wenn wir unsere Hunde und Katzen mit bestem Bio-Muskelfleisch vom Rind oder Truthahn füttern, obwohl bei diesen Rassen wildlebende Tiere alles fressen, was ihnen vor die Zähne kommt. Und zwar, wenn es vorher lebendig war, samt Innereien und Darminhalt (Kunststück, sie haben ja auch nicht die teuren Nahrungsergänzungen zur Verfügung, die wir für teures Geld dazukaufen, damit die lieben Fellnasen alle Mikronährstoffe bekommen). Und Rind, Känguruh oder Strauß dürfte bei verwilderten mitteleuropäischen Hunden sowieso eher nicht auf der Speisekarte stehen. Auch Thunfische liegen eher selten überfahren auf unseren Landstraßen.

Wer hätte das gedacht: Mücken und Menschen sind die gefährlichsten Lebewesen überhaupt! An Würmer denkt eigentlich kaum jemand, selbst unsere Hunde sind gefährlicher als Haie oder Wölfe. Und jetzt ratet mal, wen die Menschen am liebsten weg haben würden?

Am Ende des Kapitels geht es um das Moor, Schauplatz vieler schaurig-schöner Geschichten quer durch die Weltliteratur. Doch nicht nur den Bücherwürmern wird zukünftig vieles fehlen, wenn die Moore nicht in großem Stil wiedervernässt werden. Mit Schaudern denke ich an die 70er Jahre zurück, als meine Mutter Torf in großen Säcken kaufte… Sie wusste zumindest so viel: Torf hält das Wasser sehr gut. Nur sollte er das im Moor tun und nicht in Gärten.

Weiter geht es, immer neue Aspekte geben mir zu denken. Zum Beispiel der Zusammenhang von intakter Natur und seelischer Gesundheit. Mir fällt ein, wie viele Menschen letztes Jahr während der Lockdowns den Waldspaziergang für sich entdeckt haben. Oder das Baum-Umarmen. Davon sang schon das ehemalige Ekel Kakmann im Bibi-und-Tina-Film. Auch Kinder- und Jugendfilme können für Umweltbildung sorgen. Ob die erholsame Wirkung aber noch so stark ist, wenn wir zwischen trockenen und öden Baumskeletten, abgebrannten Stümpfen und käferzerfressenen Fichtenleichen herumstapfen, wage ich zu bezweifeln.

Je weiter ich im Buch komme, desto mehr merke ich, dass bisher jeder angesprochene Aspekt auch mein Leben berührt. Manche mehr, manche weniger, aber auch beim Schreiben stelle ich fest, dass ich immer weniger über das Buch referiere als vielmehr eigene Erlebnisse reflektiere, die mir beim Lesen ins Gedächtnis kommen. Ich bin fasziniert von dem Ausdruck „Solastalgie“, der ein bestimmtes Gefühl wiedergibt: „Wie bei der Nostalgie kommt zum Unbehagen an der Gegenwart und der unbestimmten Sehnsucht nach einer vergangenen, heileren Welt noch etwas anderes: das Bewusstsein, dass es diese heile Welt in Zukunft nicht mehr geben wird, weder räumlich noch zeitlich. Unwiederbringlich dahin. Irreversibel.“ (S: 393) Man bedenke, dass dieses Buch vor der letzten Hochwasserkatastrophe geschrieben wurde. Ich schlucke, als ich überlege, wie die Menschen an der Ahr, der Erft und in den anderen Flutgebieten diese Sätze empfinden mögen. Oder diejenigen, die am Rande des Braunkohletagebaus stehen und die Heimat ihrer Kindheit nicht mehr wiedererkennen. Oder die Australier, Kalifornier und andere, die unter Rauch und Asche die Überreste ihrer Existenzen ansehen müssen.

Und all dieses, was die Betroffenen um Hab und Gut, um das Leben ihrer Angehörigen, um ihre persönliche Geschichte bringt, das zerstört nicht nur die Umwelt, sondern es macht auch krank. An Körper und Seele. Und alle von uns, die aus der relativen Sicherheit ihrer Wohnzimmer davon lesen, ohne selbst betroffen zu sein, können einfach nur sehr dankbar und sehr demütig sein.

Immer mehr stelle ich fest, dass ein „Weiter so“ in keinerlei Hinsicht eine Option ist. Und dass eine Hoffnung auf die Lösung unserer Probleme auf keinen Fall „Technologie und Wachstum“ heißt. Diese Hoffnung ist Augenwischerei und der größte Rebound-Effekt aller Zeiten. So ende ich also mit dem heutigen Beitrag mal wieder ein bisschen ratlos, aber hoffentlich nicht mutlos und verweise alle Neueinsteiger auf den Beginn des Lesetagebuches.

Das Kapitel mit dem Lastenfahrrad

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Aber auch der SUV kommt vor (und nicht sehr gut weg, das kann ich schon verraten). Der Traktor und das Flugzeug finden auch noch Platz, aber das Kapitel beginnt zu Fuß. Also, die Bewegung steigert sich langsam bis zum bitteren Ende.

Vielleicht ahnt ihr es, einfach wird es nicht, denn die meisten von uns haben mindestens ein Auto vor der Tür stehen. Und schon aus rein statistischen Gründen ist es bei vielen ein SUV. Die können ja auch wirklich vorteilhaft sein, wenn man einen größeren Wohnwagen zu ziehen hat oder irgendwo in der Pampa wohnt. Ich persönlich mag auch gern Pickups, aber ich brauche so ein Teil eben nicht, im Gegensatz zu unserem Nachbarn, aber der ist auch Landwirt und transportiert Saatgutsäcke, Kartoffeln und alles mögliche andere. Wenn ich dagegen manchen dicken Pseudogeländewagen namhafter deutscher Hersteller sehe und feststelle, dass da auch nicht viel mehr in den Kofferraum passt als in meinem Fiat 500 (mit dem ich sogar mal die Lebensmittel für eine 40-Personen-Kinderfreizeit transportiert habe!) und man keine zwei Australian Shepherds darin bequem mitnehmen kann, dann freue ich mich, dass ich wenigstens in jede Parklücke passe, vorausgesetzt, die Leute links und rechts von mir haben ordentlich eingeparkt.

Ein Lastenfahrrad hätte ich noch lieber. Das, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, ist allerdings für dieses Jahr ausverkauft, ich muss auf 2022 warten. Auch ohne finanzielle Förderung verkaufen sich die Teile wie geschnitten Brot. Und da macht sich auch keiner Gedanken, wo die denn parken sollen…

Aber eigentlich wollte ich erzählen, dass dieses Kapitel gerade in der ersten Hälfte trotz des ernsten Themas richtig Spaß beim Lesen macht. Das liegt auch daran, dass es ziemlich viele schräge und lustige Wortspiele rund um die (Fort-)Bewegung gibt. Nebenbei regen Sätze wie dieser zum Nachdenken an: „Wenn es eine feste Zeit im Hin und Her braucht, dann fahre ich nach der Arbeit doch lieber mit dem Rad nach Hause und hab mich bewegt, als erst mal mit dem Auto ins Fitnessstudio, wo ich mich dann auf ein Laufband stelle, das verhindert, dass ich von der Stelle komme.“ Immerhin spart das auch Zeit und Geld.

Was ist der Unterschied zwischen Berlin und Utrecht? 127,30 Euro pro Person und Jahr. Soviel mehr gibt Utrecht für Fahrradinfrastruktur aus:

Abschließend geht es den Flugzeugen auch noch an den Kragen. Aber da ich überhaupt keine Flugerfahrung habe außer einem Rundflug über die Porta Westfalica in einer kleinen zweimotorigen Maschine, vor knapp 40 Jahren als Schülerin gewonnen, klinke ich mich dabei aus und frage mich, ob ich vielleicht noch eine Flasche Tomatensaft im Schrank habe. Bis bald!

Hier geht es zum Anfang dieses Lesetagebuches und zu den bibliographischen Angaben.

Nachdenklich und etwas beschämt…

… schreibe ich meinen 401. Artikel hier. Und wieder ist es

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denn ich habe nach ein paar Tagen, an denen ich mich mit anderen Themen beschäftigt habe (das musste einfach mal sein, es wurde zu viel), die Lektüre an „Mensch, Erde“ wieder aufgenommen.

Puh, es ist teilweise heftig. Am Anfang dachte ich noch, da sind wir fein raus, denn wir halten alle nicht viel von „Fast Fashion“, selbst unsere Töchter trugen von Klein auf ihre Klamotten oft, bis ich sie ihnen wegnehmen musste. Nicht weil sie kaputt waren, sondern damit die Leute nicht meinten, wir könnten uns keine passende Kleidung für unsere Kinder leisten. Lieber fünf Lieblingsteile, die man unendlich waschen und anziehen kann als zehn Billigshirts, bei denen nach zwei Wäschen die Nähte auf Bauch und Rücken sitzen und sich nach weiteren drei Waschmaschinenrunden dieselben komplett auflösen.

Heftig schlucken musste ich aber, als es um das Thema Daten, Digitalisierung und vor allem Streaming ging. Denn ich muss gestehen: ich höre wahnsinnig gern Podcasts. Naja, dafür habe ich kein Netflix, aber ich blogge und ich lese andere Blogs. Alle diese Aktivitäten verbrauchen Unmengen an Strom, direkt für den Datenverkehr und indirekt für den Betrieb der immer größeren Serverfarmen, die alles verwalten müssen, was uns so wichtig erscheint. Ich war lange nicht so froh darüber, wenigstens meine zahlreichen Lieblingsfilme immer noch auf DVDs zu sammeln, die muss ich nicht immer wieder übers Netz liefern lassen. (Auf der anderen Seite hamstere ich dadurch natürlich auch wieder Dinge, die irgendwann einmal entsorgt werden müssen, wenn nicht von mir selbst, aber spätestens von meinen Erben…)

Coffee to go wenigstens vermeide ich und jedes Familienmitglied hat bereits seit langem sowohl eine Wasserflasche als auch einen Thermosbecher aus Edelstahl, wenn sich das Mitnehmen von Heiß- und Kaltgetränken als sinnvoll erweist. Und wir wohnen in einem (Teil-)Fachwerkhaus, einem alten Bauernkotten, der seit über 200 Jahren bei jedem Wind vor sich hin knarzt, immer noch viel Lehm und Stroh, Sandsteine und grobe Eichenbalken enthält (und wo das allein irgendwann nicht mehr hielt, schmierte meine Mutter bevorzugt Gips hin😅), Beton findet man hier nicht. Aber für alle ist das ja eher nicht die Lösung, so viele alte Katen gibt es nun mal nicht. Und nicht jeder kommt mit dem Geknarze zurecht (ich dagegen brauche es, es zeigt mir, dass unser Haus gewissermaßen „lebt“).

Das war’s für heute. Im Ausblick auf das nächste Kapitel fällt mein Blick auf das Stichwort „Lastenfahrrad“ und ich bin gespannt, ob Eckart von Hirschhausen dabei das „Rote Tuch“ in den Medien der letzten Tage schon vorhergesehen hat…

Und natürlich auch hier wieder der Hinweis, wie dieses Lesetagebuch begonnen hat.

Der Strom kommt aus der Steckdose oder: No Atomstrom in my Wohnhome

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Das Kapitel heißt „Aufwärmen und abkühlen“ und beides braucht Strom. Viel Strom. Meine Heimatstadt scheint davon zu viel zu besitzen, denn auch, wenn es heute früh um kurz vor halb Acht etwas verhangen und regnerisch ist, die Straßenlaternen müssten eigentlich nicht eingeschaltet sein, so dunkel ist es nun auch wieder nicht. Und ich glaube kaum, dass am Sonntagmorgen die Laternen auf Funktionsfähigkeit geprüft werden.

Aber der Reihe nach. Es gibt kein Fieberthermometer, das über 42 Grad geht, denn 42 ist nicht nur die Antwort auf alles, sondern auch die Höchsttemperatur für menschliches Leben. Zu Beginn des Kapitels erfahren wir, dass Schwitzen gut ist, Klimaanlagen schlecht fürs Klima sind und Wind ist Luft, die es eilig hat. Wusstet ihr schon? Geschenkt.

Etwas nachdenklicher macht vielleicht, dass Bauten, die heutzutage gebaut werden, energetisch oft lange hinterherhinken, weil sie schon vor Jahren geplant wurden. Der Städtebau hinkt deswegen (lange Genehmigungsverfahren etc.) meist Jahrzehnte hinter aktuellen Bedürfnissen zurück.

Was noch wichtiger ist: effektiver Klimaschutz sorgt auch für mehr soziale Gerechtigkeit, denn wenn jeder Mensch und jede Familie selbst zusehen muss, wie sie den Sommer bei erträglichen Temperaturen verbringen, dann gilt: kühle Kellerräume in ausreichender Größe und Wohnlichkeit oder Pools im eigenen Garten oder Klimaanlagen (die aber bei genauem Hinsehen eh nur für weiteres Aufheizen draußen sorgen, Kühlschrankprinzip) können sich nur die Wohlhabenderen leisten.

Hier noch ein Abschnitt zum Nachdenken: Es geht um den Kohleausstieg, bitte nicht vor 2038, denn da hängen Arbeitsplätze dran. Auch schon gehört, oder? „Während Deutschland 2009 noch führend bei der Produktion von Solarmodulen war, stammen heute so gut wie alle aus Asien, weil dort mehr, schneller und billiger produziert wird. Deutschland hat nach einem fulminanten Start in der Photovoltaik durch die Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen nach 2012 rund 80.000 Arbeitsplätze in einer Branche vernichtet, in der in China im selben Zeitraum mehr als eine Million Arbeitsplätze entstanden. Aus meiner Sicht verlieren bei diesen Dimensionen die 20.000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie an argumentativem Gewicht.“ (S. 278f.)

Erstaunt war ich, dass anscheinend in der Umgebung der Asse, zu der Zeit als dort Atommüllfässer eingelagert wurden, Kindergeburtstage als Event veranstaltet wurden. Sollte hier jemand mitlesen, der dabei war, bitte melden. Inzwischen werden die Fässer dort wieder rausgeholt, weil es sich als doch nicht so sicher erwiesen hat… (An dieser Stelle haue ich noch einen Spontispruch der 80er raus: „Kein Atommüll auf den Mars, denn Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück.“ Kleine Denkanregung, falls einer der Herren Branson, Bezos oder Musk auf diese Idee kommen sollte.)

Die Grafik über die Todesursachen von Wildvögeln dient auch noch dazu, Dimensionen zurecht zu rücken. Nachdenklich überlasse ich euch jetzt dem Sonntag. Beim Bäcker heute früh gab mir die Verkäuferin auf den Weg: „Einen schönen Sonntag -trotz des Regens.“ Ich antwortete: „Naja, Regen ist halt Regen, so what?“ Eine andere guckte mich erstaunt an: „Aber es soll den ganzen Tag regnen!!!“ (Einfach nur regnen. Ohne Gewitter, ohne Starkregen, ohne Tornado. Zumindest in unserer Gegend.) Und ich: „Na okay, dann nähe ich halt.“ Vielleicht lese ich auch weiter…

Ach ja, und hier wie immer zum Beginn dieser Lesereise.

Googelst du noch oder hilfst du schon Bäume pflanzen?

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Was ist denn das für eine Frage? Naja, wo suchst du denn, wenn du etwas in den Tiefen des Internets finden willst? Ist dir bewusst, dass es eine Suchmaschine gibt, die ihre Werbeeinnahmen nicht dafür verwendet, ihr Geschäftsmodell durch unsere sämtlichen Lebensbereiche hindurch auszuweiten, sondern Bäume zu pflanzen? Obwohl ich diese selbst verwende (Ecosia.org), stutzte ich, als ich den Abschnitt las. Außerdem ging mir so durch den Kopf, wie häufig ich in der letzten Zeit Wälder gesehen habe, die stellenweise nur aus struppigen, trockenen Baumstämmen bestanden oder sogar bereits abgeholzt waren:

An den Nammer Klippen. Hier ist sogar schon wieder etwas zaghaftes Grün im Kommen. Das Foto ist vom 13. Mai 2021

Ich war überrascht, als ich eben las, dass Pollen in Verbindung mit Asthma und Gewitter echt wandelnde Bomben sind: durch die elektrostatische Aufladung der Luft platzen sie und ihre Bruchstücke gelangen besonders tief in die Lunge, wo sie viel mehr Schaden anrichten als oben auf den Bronchien. Das wusste ich noch nicht, obwohl ich seit vielen Jahren allergisches Asthma habe.

Eigentlich muss sich auch niemand wundern, wenn Allergien, Asthma, Heuschnupfen und Co immer weiter zunehmen, beispielsweise weil sich die Ambrosia-Pflanze, eines der stärksten Allergene, immer weiter ausbreitet und das besonders gern dort, wo die Luft schlecht ist. Klimaschutz ist hier auch eindeutig Gesundheitsschutz. Als ich weiterlese, bekomme ich prophylaktisches Mitleid mit allen Berlinern, Münchenern oder allen anderen Großstadtbewohnern. Das ist schon echt Hardcore, was die unbewusst ihrer Gesundheit mit jedem Atemzug antun. Aber lest selbst, dann wirkt es stärker…

Und während ich immer mal wieder wahlweise die Luft anhalte oder Schnappatmung bekomme, gelange ich beim Lesen zu diesem Punkt: „Was nix kostet, is auch nix. Leider stimmt dieser Satz nicht beim CO2. Es ist was, zwar durchsichtig, aber schwergewichtig. Deshalb wird es ja auch in Tonnen gemessen. Man kann Unmengen davon herstellen und in der Luft verteilen, und das kostet erst mal nix. Kohle zu verbrennen und daraus Strom herzustellen, gilt als >>billig<<. Das beschert den Konzernen Milliardengewinne und Subventionen, aber auf den ganzen Folgekosten bleibt die Allgemeinheit hocken.“ (S. 233)

Mein Gedanke dazu: Wenn dann die Konzerne gezwungen werden sollen, auf Dreckschleudern zu verzichten, bekommen sie auch noch Entschädigungen. Nochmal auf Kosten der Allgemeinheit! Da werden wir Verbraucher doppelt und dreifach zur Kasse gebeten und verar…t, aber alles gut, Hauptsache kein Windrad in der Nachbarschaft. Und falls noch jemand denkt: Aber die CO2-Steuer ist ungerecht, und das wird nie funktionieren; den Zahn bekommen wir auch noch gezogen, denn E.v.H. weist darauf hin, dass es in vielen Ländern rund um uns herum längst so gemacht wird. Surprise, surprise: Die leben alle noch und die Wirtschaft ist auch nicht zusammengebrochen.

Ganz zum Schluss des Kapitels wird noch die größte Freiluftmülldeponie der Welt behandelt: Die Billionen weltweit in die Natur geschnipsten Zigarettenkippen, die unter anderem dazu führen, dass Rauchen nicht nur für die Raucher hochproblematisch ist, sondern für alle Menschen.

Dieses Kapitel lässt mich zwar nicht atemlos, aber sehr müde zurück. Vor allem, weil sich beim Lesen des Buches immer mehr Querverbindungen zwischen allen möglichen Lebensbereichen darstellen, weil es glasklar wird, dass bei systemischen Fehlentwicklungen nicht nur an einer Schraube gedreht werden kann, und schon läuft es wieder gut. Und wenn ich dann zwischendurch auf Instagram die zahlreicher werdenden Beiträge der Parteien lese, vor allem der etwas kleineren, welche die Farbe Gelb zu Markte trägt, dann befürchte ich, auch Politiker und Werbestrategen haben das Ausmaß der Krise immer noch nicht begriffen oder es ist ihnen schlichtweg wurscht. Ach Leute…!

Hier geht es nochmal vom Anfang des Projektes Lesetagebuch 2.0 los, für alle, die ihn verpasst haben.

Kapitel 2 – Kommen und Gehen

Kennst du den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman? Wenn nicht, ändere das doch bitte. Nicht nur, weil der Film und seine Thematik in diesem Kapitel eine wichtige Rolle spielt, sondern weil es einfach ein sauguter Film ist.

E.v.H. wartet jedenfalls nicht bis zum Schluss, sondern bringt das Thema Zeit, Endlichkeit und Vergänglichkeit relativ zu Beginn seines Buches. Dann wissen wir jedenfalls schon mal, worauf am Ende alles hinausläuft. Das Kapitel beginnt er mit der philosophischen Weisheit, dass wir Menschen die einzigen Lebewesen sind, die ein Bewusstsein für die Zukunft und die Endlichkeit des Lebens haben. Ich frage mich, warum wir uns dann so oft benehmen, als wenn es sie nicht gäbe? Mir geht durch den Kopf, dass wir viel zu oft „Entschuldigung“ sagen, und zwar zu häufig gedankenlos. Wir möchten Wiedergutmachung leisten für etwas, was wir verbockt haben, egal ob wissentlich oder aus Versehen. Aber beim Klima, bei aussterbenden Lebensformen und bei absaufenden Inselstaaten bringt das überhaupt nichts. Nichts kann so ungeschehen gemacht werden.

Ach ja, die Zeit. Verläuft sie linear oder als Kreislauf? Beides hat seine Berechtigung, das erläutert er im Kapitel. Ich schreibe das jetzt nicht auf, das ist etwas zum selber lesen und selber Gedanken machen. Meine Gedanken dazu gehen in diese Richtung: Warum haben wir eigentlich immer weniger Zeit, obwohl wir immer mehr technische Helferlein haben, die uns Dinge in einem Bruchteil der irgendwann dafür veranschlagten Zeit erledigen lassen? Was packen wir alles rein in unsere Zeit?

Btw, habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich seit letztem Jahr eine Sense besitze? Eine ganz altmodische, ohne Motor, dafür mit einem echten Sensenblatt, nicht mit so einem ollen Nylonfaden! Ich brauche jetzt noch einen Dengelamboss und etwas Übung (am besten vermutlich einen Wochenendkurs zum Sensenmähen). Das langsame, bedächtige Arbeiten mit der Sense habe ich vor der OP ausprobiert und es fühlte sich gut an. Ich weiß, was ich da tue, ich sehe den Fortschritt, den ich als einzelner Mensch erzielen kann.

Ich schweife ab. Ich habe das Kapitel fast in einem Rutsch gelesen (mit einem Besuch beim Möbelschweden zwischendurch, wo Tochter und ich in rekordverdächtiger Geschwindigkeit und mit Scheuklappen durchgefegt sind, wir haben es bis auf zwei Tafeln Schokolade und eine Kiste Haferkekse auch geschafft, nur das zu kaufen, was gebraucht wurde!). Aber ich habe Schwierigkeiten, es in Highlights für euch zusammenzufassen, denn es ist ein sehr dichtes Kapitel mit sehr vielen Impulsen, denen es nachzufühlen lohnt.

Merkwürdig ist auf jeden Fall unser Umgang mit der Zeit, die wir zur Verfügung haben (wobei wir im Allgemeinen ja vorher nicht mal wissen, wieviel Zeit wir haben). Wir haben uns in den letzten Jahren und Jahrzehnten so sehr daran gewöhnt, uns über unsere vollen Terminkalender zu definieren (ich auch), dabei haben wir aus den Augen verloren, dass wir uns nur zu oft zu Sklaven ebendieser Kalender gemacht haben. Erinnert ihr euch noch an die Tage nach dem 17. März 2020, was viele von uns hier auf WP, aber auch auf Instagram, Twitter oder Facebook geschrieben haben? Wie wir durchgeatmet und uns über die Ruhe und Stille gefreut haben?

Und, welcher dieser Sprüche wird auf deinem Grabstein stehen? Jemand sagte einmal, auf meinem werde später stehen: „Geh still und leis‘ vorüber, sonst steht sie auf und jabbelt (redet) wieder.“

Tja, auch das längste Leben hat einmal ein Ende, und auch da gibt es Möglichkeiten, den letzten Weg mehr oder weniger klimafreundlich zu gestalten. Samt teilweise ulkiger Bestattungsrituale (Was haben Stripperinnen auf Beerdigungen zu suchen? Die Antwort könnt ihr nachlesen…). Ich kann euch aber versichern, dass ihr am Ende des Kapitels herzhaft lachen könnt. Wenn auch auf Kosten einiger Alpha-Männchen der menschlichen Spezies (selbst schuld, wem dieser Schuh passt).

Morgen geht es weiter mit dem Thema, dem an Wochenenden am Grill oder mit dem Dreigang-Menü gern viel Zeit gewidmet wird: Essen & Verdauen. Mahlzeit!

Und hier der obligatorische Spruch: Für alle Neu-LeserInnen gibt es hier die bibliographischen Angaben und den Startbeitrag.

And I think to myself: What a wonderful world…

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Das Singen kann einem im Hals stecken bleiben, wenn man sich mit der Klimakrise beschäftigt. Aber da es dadurch nicht weniger bedrohlich wird, geht mit Musik vielleicht doch alles besser? Wir werden sehen.

Zwischen die ganzen Sachinformationen und Denkanstöße hat E.v.H. einige Seiten eingeschoben, auf denen er sehr anschaulich anhand eines medizinischen Beispiels von der Intensivstation die gesamt lebensbedrohliche Lage darstellt und einige Klimafakten hinzufügt. Die müsst ihr aber unbedingt selbst lesen, das kann und will ich nicht alles abschreiben. Ich kann euch auf jeden Fall versprechen, es lohnt sich für den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Eltern und ErzieherInnen kennen das folgende Beispiel: „Wenn wir etwas in Unordnung gebracht haben, müssen wir dafür geradestehen und das Ganze wieder aufräumen, das lernen wir bereits im Kindergarten. Wir machen allerdings auch die Erfahrung, dass in der Regel jemand kommt und unseren Dreck wegräumt, wenn wir ihn nur lange genug liegen lassen. Nun ist die Welt in Unordnung – und wer räumt auf? Mir kommt es so vor, als warte die nationale wie internationale Klimapolitik auf die Erzieher:innen und ducke sich mit der Begründung weg, man habe das Chaos ja nicht alleine verursacht.“ (S. 78)

In den ärmsten Ländern der Welt gab es in den letzten Jahrzehnten häufig positive Entwicklungen, was Gesundheit, Wirtschaft und Ernährung betraf. Durch den Klimawandel (und auch die Pandemie) sind diese Fortschritte massiv gefährdet. Die Länder sind oft sehr landwirtschaftlich geprägt, vor allem durch Selbstversorger. Durch die Ausbreitung von Dürregebieten oder auch Überschwemmungskatastrophen werden im kommenden Jahrzehnt viele, sehr viele Menschen dort zur Flucht gezwungen sein.

Und diejenigen, die „Deutschland den Deutschen“ rufen, sollten sich endlich mal darüber klar werden, dass diese Menschen zu einem großen Teil in unsere Richtung kommen werden. Was auch nur logisch und folgerichtig ist, denn unser Lebensstil trägt maßgeblich dazu bei, ihnen die Lebensgrundlage zu nehmen. Und auch innerhalb der EU gibt es ein Nord-Süd-Gefälle der Emissionsungerechtigkeit.

„In der EU verursachen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte über ein Viertel der gesamten CO2-Last. Das ist mehr als der Beitrag der gesamten unteren Hälfte. Noch krasser wird die Diskrepanz, wenn man sich das oberste Prozent anschaut: Die Haushalte mit dem größten Wohlstand haben einen jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von fünfundfünfzig Tonnen CO2. Der Durchschnittswert in Europa liegt mit rund acht Tonnen etwas siebenmal niedriger. Dauerhaft verkraften kann die Erde pro Mensch etwa 1 bis 1,5 Tonnen.“ (S. 81) Wer jetzt denkt: Puh, davongekommen, ich mit meinem Durchschnittseinkommen gehöre nicht zu den Dreckschleudern, dem sei die Information von S. 78 dazu gegeben: „Denn zu diesem fiesen Club ( zu den 10 Prozent der reichsten Erdenbewohner) gehört bereits jeder mit einem Jahreseinkommen von rund zwölftausend Euro, also tausend Euro im Monat.“

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir vieles hiervon bis heute früh nicht bewusst war. Anlass, sich in Grund und Boden zu schämen? Ich glaube nicht. Wir leben in einer Welt, die sich gefühlt immer schneller dreht und entwickelt, es ist einfach unmöglich, in jedem Bereich jederzeit auf dem Laufenden zu sein. Aber wenn ich diese Informationen einmal bekommen habe, dann kann ich doch nicht einfach so tun, als ob das nicht meine Baustelle wäre. Ich kann mir nicht jeden Schuh anziehen, aber ich kann mit offenen Augen, Ohren und mit offenem Herzen durch diese Zeit gehen, ich kann mir andere Perspektiven ansehen und zuhören, wenn Menschen aus wesentlich weniger privilegierten Gegenden der Welt von ihren Nöten erzählen. Und dann muss ich das tun, was mir möglich ist. Sorgsam mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Energie und anderen Ressourcen umgehen. Das Auto öfter stehen lassen. – Ich bin seit 9 Wochen Fußgängerin, wenn auch aus medizinischen Gründen. Und stelle fest, dass ich immer schneller ans Ziel komme und dabei auch noch Ordnung in meine Gedanken bekomme. Und wenn ich dann so zu Fuß unterwegs bin, dann sehe ich nicht nur die Großbaustelle bei uns im Dorf, wo ein Logistikzentrum gebaut wird (und letztes Jahr noch der Klatschmohn blühte). Nicht nur die Schottergärten des Grauens, wo ich vor 45 Jahren noch beim Rübenhacken „half“.

Ich sehe Menschen (die mir aber fast immer im Auto entgegenkommen), ich sehe Greifvögel über dem Ort kreisen, Löwenzahn in Gehwegfugen seinen Weg suchen, und auch liebevoll gestaltete Kleingärten, die auf ihrem begrenzten Platz Obstbäumchen und Himbeersträucher enthalten, sowie Spatzen, die sich um vom Wagen gefallenes Getreide am Straßenrand zanken. Und dann kommt auch mir dieses Lied mitunter in den Sinn:

Ein Klassiker, immer wieder schön. Und hoffnungsvoll…

Ich musste länger suchen. In einem Beitrag vom3. Mai 2019 habe ich das Video schon einmal verlinkt…

Musik hilft doch. Nicht immer unbedingt, alles besser zu machen, aber den Blick zu weiten und die Hoffnung zu bewahren.

So ihr Lieben, das erste Kapitel haben wir geschafft. Morgen geht es weiter. Bis dann. Und wer hier neu mitliest: Hier gibt es den Auftakt und die bibliographischen Angaben.

PS: Meine Buchbesprechungen bekommen einen eigenen Hashtag, mit denen ihr sie hier und auf Instagram finden könnt: #lesenmitannuschka. Vielen herzlichen Dank an meine Tochter Julia für diesen genialen Einfall!

„Klima ist wie Bier – warm ist scheiße!“ *

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Früher war alles besser – so pauschal kann man das nicht sagen.
Aber es kommt doch gerade so manches zurück, was unsere Großeltern schon wussten und praktizierten.

„Was werden zukünftige Geolog:innen an Überresten aus unserer Epoche in Museen ausstellen? Nespresso-Kaffee-Kapseln? Autokarosserien anstelle von Saurierskeletten? Jede Menge Knochen von immer derselben Sorte Nutztieren wird die Forscherinnen und Forscher rätseln lassen, welchem Fleischkult wir unsere Zukunft geopfert haben. […]“ (S. 59)

„Der Mensch hat keine >natürlichen Feinde< mehr – außer sich selber.“ (S. 61)

Unter der Überschrift „Kann man als Arzt unpolitisch sein?“ kommt Hirschhausen auf die freitäglichen Schulstreiks des Jahres 2019 zu sprechen (während ich das schreibe, kommt es mir vor wie in einem anderen Leben), und auf Christian Lindners Ansicht, die Schülerimmen und Schüler mögen doch bitte nach Schulschluss streiken. (In dieser Logik weitergedacht hätten Bahnkunden dieser Tage keine Probleme, denn die Lokführer würden alle erst nach ihrem jeweiligen Dienstschluss streiken. Merkste selbst, Herr Lindner, oder?)

Das nächste Eigentor schoss sich die Politik mit der Forderung, die Jugendlichen sollten die Bewertung dieser Problematik den „Fachleuten“ überlassen. Besagte Fachleute fackelten nicht lange (das war vermutlich ihr Stichwort), innerhalb einiger Tage kamen rund 26.000 „Scientists for Future“ zusammen.

Als Buchhändlerin hege ich übrigens öfter den Verdacht, dass gerade konservative und liberale Politiker nicht oft als Stammkunden in Buchhandlungen kommen. Allein der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, erschienen bereits 1972 (!) verkaufte sich in meinem ersten Ausbildungsjahr (Herbst 1987) immer noch regelmäßig. Mit allen Publikationen, die seither zu dem Themenkomplex erschienen sind, könnte man eine Buchhandlung füllen.

Eckart hatte in anderer Rolle (Arzt, Wissenschaftsjournalist, Komiker) offensichtlich ähnliche Erkenntnisse, denn für ihn war das Ganze ein Initialzünder, er bekam eine neue Rolle als Klimaaktivist dazu. Ich kann seine Zerrissenheit gut nachfühlen, denn in einem viel kleineren Maßstab geht es mir gerade ähnlich. Meine Reichweite ist begrenzt, meine Netzwerke sind kleiner, aber ich kann nicht mehr anders, ich will und muss sie nutzen.

Rund um meinen Geburtsjahrgang gibt es doch so viele, die Anfang der 1980er Jahre in der Anti-Atom-Bewegung waren, die wie E. v. H. in Wackersdorf demonstriert haben, sich irgendwo an Gleise ketteten oder betend auf den Kirchentagen für eine bessere, nachhaltigere Welt eintraten. Wir hatten Tschernobyl! (Diese Katastrophe passierte genau am 20. Geburtstag meines damaligen Freundes, werde ich nie vergessen…) Jahrelang fragten wir uns, ob die Milch verseucht sei, wir aßen weder Wild noch Wildpilze. Wann zum Henker sind wir so arriviert geworden?

Ihr seht, die Lektüre des Buches bringt in mir viele Saiten zum Klingen, ich hoffe, bei euch auch. Wichtig ist noch dieser Denkanstoß, den ich für heute als Schlussbemerkung und Ansporn setze. Es ist Zeit, einige der kernigen Thesen der „Weiter so -Wachstum über alles“- Verfechter vom Kopf auf die Füße zu stellen:
„Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf den Zugewinn an Lebensqualität statt Diskussionen über angebliche Verluste und Verbote.“ (S. 69)

Hier findet ihr die bibliographischen Angaben.

* S. 70, einer der Sprüche von FFF