Nochmal Klimawandel…

Ich muss euch das einfach noch einmal zumuten. Inzwischen bin ich beim Kapitel über die Landwirtschaft angekommen, das heißt, die Stromversorgung, den Tourismus und die Sicherheit habe ich noch nicht einmal erreicht. Aber gerade bei den Themen Verkehr und Wirtschaft wurde es mir so richtig mulmig. Denn das sind die klassischen Themen, an die wir Deutschen (und wahrscheinlich sind wir damit nicht allein) nicht so wirklich ran wollen. Und vor allem ein großer Teil der Politik wehrt sich hier gegen regulierende Eingriffe. Könnte ja Wählerstimmen oder Arbeitsplätze kosten. Nur nicht zu viel auf einmal zumuten…

Nun, das Gegenteil wird dann zwangsläufig eintreten und uns noch mehr zumuten. Und dabei ist es auch vollkommen wurscht, ob jemand „daran glaubt“, dass der Klimawandel menschengemacht ist oder ob das alles natürlich ist. Das ist dem Klimawandel aber auch sowas von egal, er steht nämlich nicht vor der Tür und klopft höflich an, er hat sich bereits ungebeten ins Wohnzimmer gedrängelt und wird bleiben. Schlimmer als die schlimmste Schwiegermutter! (Sorry an alle Schwiegermütter)

Reagieren müssen wir also, so oder so. Entweder wir lassen alles weiterlaufen, weil wir zu viel Angst vor Veränderung haben. Dann hat sich die Zivilisation, wie wir sie heute noch kennen, in spätestens einem halben Jahrhundert erledigt. Es wird gekämpft, um immer knapper werdenden Lebensraum, weniger Lebensmittel und sauberes Wasser zu immer höheren Preisen, weniger Ressourcen für Bau, Handel und alles andere Lebensnotwendige. Es wird Massenfluchten geben und bürgerkriegsartige Zustände. Ausbaden werden es vor allem diejenigen, die auch jetzt schon wenig haben, während sich bis dahin Milliardäre vielleicht schon endgültig in den Weltraum absetzen können. Vielleicht werden wir auch die modernen Dinosaurier und rotten uns einfach aus.

Oder wir erkennen an, was seit Jahren bekannt ist, dass sich vieles ändern muss, dass große Industrieanlagen an Flüssen vielleicht nicht mehr die beste Idee sind, weil das Risiko, entweder zu wenig Wasser (keine Kühlung, aufgeheiztes Flusswasser, Schiffsverkehr unmöglich, Fischsterben) oder aber viel zu viel Wasser (Überflutung von kritischer Infrastruktur oder Chemikalientanks, beides unkalkulierbare Risiken und verseuchen zudem das Grund-/Trinkwasser!) unberechenbar wird. Wer bedenkt im Alltag, dass viele Arbeiten (Bau, Straßenbau…) in heißen Sommern nicht mehr möglich sein werden? Wer bedenkt, dass sich mit dem veränderten Wetter und Klima die Palette der landwirtschaftlichen Produkte verringern und verändern wird? Wer denkt darüber nach, dass auch unsere Transportwege angreifbar sind? Diese ganzen Facetten müssen immer und überall mit bedacht werden, ob bei Stadtplanungen, Infrastrukturprojekten, ökonomischen Prognosen, Umbau der Landwirtschaft oder der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Diese Bereiche können nicht unabhängig voneinander oder nach Partikularinteressen sortiert betrachtet werden, sie sind Puzzleteile des Großen und Ganzen.

Deshalb an dieser Stelle nochmal eine deutliche Leseempfehlung für das Buch aus dem vorherigen Beitrag.

30 Days Book Challenge – Tag 11

„Ein Buch, das ich gern anderen empfehlen möchte“ ist leider mal wieder ein Titel, der nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Der Fairness halber muss ich auch dazusagen, dass ich es bisher selbst auch nur quergelesen habe, deswegen stelle ich ihm zwei aktuelle Titel zur Seite.

Herbert Gruhl war bis 1978 CDU-Politiker, allerdings leitete er innerhalb der CDU die „Arbeitsgruppe für Umweltvorsorge“ und hatte auch große Erfolge innerhalb seines Wahlkreises in Hannover zu verzeichnen. Als er mit seinen ökologisch ausgerichteten Ansichten zu populär wurde, schob man ihn aufs Abstellgleis. Ab 1979 arbeitete er an der Gründung der „Grünen“ mit, die wurden ihm, dem wertkonservativen Menschen, allerdings recht schnell zu linkslastig, er verließ sie wieder und war anschließend Gründungsmitglied der ÖDP. Auch dort fühlte er sich aber nur einige Jahre wohl. Eigentlich ein etwas verkorkster Werdegang, denn ich vermute mal, er fühlte sich der CDU auch später noch irgendwie verbunden, er hatte Schwierigkeiten, eine neue politische Heimat zu finden. Jedenfalls interpretiere ich es so.

Im Jahr 1975 gab der Fischer-Verlag sein Buch „Ein Planet wird geplündert“ heraus, welches sowohl in der gebundenen als auch in der TB-Ausgabe ein Bestseller wurde. Man muss sich das mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen: Vor 45(!) Jahren beklagte ein konservativer CDU-Politiker die Umweltzerstörung, den Raubbau an der Natur, die Ausbeutung ganzer Lebensgrundlagen, er prophezeite das Scheitern des ewigen Wachstums als Wirtschaftsmodell. (Andererseits hatte er durchaus das Unbehagen vieler Konservativer, wenn es um Migration, Multikulti und Globalisierung ging, das ist aus meiner Sicht seine Achillesferse, aber: nobody is perfect. Heute geht es mir ja auch eindeutig in erster Linie um unsere Lebensgrundlagen.)

Hier ein Beispiel:

Okay, bei den Punkten 7 und 8 hat er sich geirrt, beides ist heutzutage ein drängendes Problem, die Erde lässt anscheinend ein wenig mehr mit sich machen als er befürchtet hat. Dadurch löst sich das Dilemma aber nicht, es verschiebt sich nur in die Zukunft.

Warum empfehle ich das Buch nach all den Jahren? Weil ich es total erschreckend finde, dass wir eben nicht heute vor ganz plötzlich auftretenden weltumspannenden Problemen stehen. Sondern dass es bereits vor einem halben Jahrhundert Mahner gab, die in bester Orwell- oder Verne-Manier vieles vorhergesehen haben, was die Menschheit zukünftig noch verbocken würde. Und das war ja nicht nur Gruhl, da gab es auch Franz Alt, Erich Fromm, den Club of Rome und weitere schlaue Köpfe. Und noch erschreckender ist, dass auch fast 50 Jahre nach diesen Erkenntnissen immer noch viel zu viele Politiker und Ökonomen auf das Märchen des immerwährenden Wachstums hereinfallen oder zumindest versuchen, es den Menschen als „alternativlos“ zu verkaufen, selbst wenn sie es besser wissen!

Deswegen hänge ich auch gleich noch die Bücher von Maja Göpel (darüber habe ich hier schon geschrieben) und Dirk Steffens an, die beide das Thema aus unterschiedlichen Blickpunkten, aber mit ähnlichen Schlussfolgerungen, betrachten.

Bibliographische Angaben spare ich mir. Die Bücher von Göpel und Steffens bekommst du ganz bestimmt beim Buchhändler deines Vertrauens in deiner Stadt😉.

Und wie immer: Wenn du mehr über die Challenge und/ oder Bücher wissen möchtest, dann schau bei Ulrike rein…