Überlastet

Es ist Mittwoch, der 4. Mai 2022. Tag 124 von 365. Fast genau ein Drittel des Jahres ist abgelaufen, und Deutschland hat nach Berechnungen der Global Footprint Organisation seine Ressourcen für dieses laufende Jahr aufgebraucht.

Wer auch nur ein wenig auf seine Ausgabendisziplin achten muss, kennt das ungute Gefühl, wenn „am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig“ ist. Nach dieser Rechnung wäre das ungefähr am 10. des Monats.

Und, wie reagieren wir jetzt auf die Aussage, dass am Ende der Ressourcen (Wasser, Energie, Bodenschätze, Emissionen…) noch zwei Drittel des Jahres zu bestreiten sind?

Ich frage ja nur mal. Übrigens auch durchaus mich selbst.

Earth Day

Heute ist der internationale Earth Day, der Tag der Erde. Klar ist es ein eher symbolischer Gedenktag, aber genau das sollten wir tatsächlich tun, nicht nur heute: Der Erde gedenken, die uns täglich so viel zur Verfügung stellt, das wir als selbstverständlich empfinden. So vieles nutzen wir vollkommen gedankenlos (nicht mal bösartig gedankenlos, sondern es gibt ja noch eine Menge anderes, was uns im Kopf beschäftigt hält): Wasser, Luft, den Boden in unserem Garten, die Straßen, die eben durch ihren Ausbau kein fruchtbarer Acker mehr sind… Erdölprodukte, Metalle, seltene Erden für unsere Technologien, all das sind Stoffe, die innerhalb von vielen Jahrtausenden oder sogar Jahrmillionen entstanden sind – und wir verballern sie quasi mit einem Wimpernschlag.

Ich lege hier mal einen Link zum diesjährigen Newsletter: EDI NEWSLETTER II 2021 (earthday.de). Vieles darin ist eher auf Großstädte ausgerichtet, vermutlich, weil die Entfremdung zur Natur hier am stärksten wirkt. Aber ein paar gute Gedanken finden sich für jeden von uns. Ich möchte auch ausdrücklich betonen, es geht mir nicht darum, dass wir alle perfekte ökologische Lebensläufe hinbekommen, das ist unrealistisch und vermessen. Wichtig finde ich, dass wir uns alle immer wieder Gedanken machen, was für uns persönlich sinnvoll ist. Und das dann auch umsetzen. Einen Schritt nach dem anderen.

Zum Beispiel das Thema des Jahres, Lebensmittel: Ich weiß, viele klagen darüber, dass regionale und saisonale Versorgung schwierig ist, wenn man wenig Geld zur Verfügung hat. Teilweise stimme ich dem zu, aber ich habe auch beobachtet, dass man bei Sonderangeboten häufig mehr kauft, als man braucht, und statt das dann haltbar zu machen und später zu verwerten, schmeißen wir übriggebliebenes zu oft nach zwei Wochen in die Biotonne. Also lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit dem Thema zu befassen und zu versuchen, eine Nische zu finden, in der man Sparsamkeit und Regionalität verbinden kann. Gerade wenn man in der Stadt wohnt, gibt es da Apps wie „TooGoodToGo“. Ich habe die App, aber auf dem Land lohnt es sich weniger, da muss ich einfach zu weit fahren, um beispielsweise eine Brot- und Kuchenrestetüte für 3 € zu bekommen. Was ja nun wieder kontraproduktiv wäre… Stattdessen bin ich gestern Nachmittag lieber durch unseren Garten gestromert, habe hier etwas Sauerampfer, dort jungen Giersch, zarten Löwenzahn, Brennnesselspitzen, einige Gundermannblättchen, Zitronenmelisse und Schnittlauch gesammelt.

Und zu einem leckeren Abendessen verarbeitet. Einer unserer zahlreichen Nachbarn hat früher auch alles aus seinem Rasen geholt, was nicht lange und schmale Halme hatte, aber nicht, um es aufzuessen, sondern weil jedes Gänseblümchen und jeder Spitzwegerich eine Beleidigung für sein ästhetisches Empfinden war. Da fällt mir nichts zu ein!

Ach ja, nochmal zum Thema regionale Lebensmittel: bei uns hier schießen Hofläden wie Pilze aus dem Boden, für alles mögliche von Eiern und Frischmilch über Geflügelfleisch, Gemüse und Obst, Nudeln, Marmeladen und Liköre, vor allem aber Rind- und Schweinefleisch aus bäuerlicher Haltung (Schweine mit Ringelschwänzen, Strohbetten und Freilauf, Bullen aus muttergebundener Haltung, die auch ihren Papa kennenlernen konnten, Galloways, die das ganze Jahr über draußen sind). Geschlachtet wird erst dann, wenn alle Anteile des Tieres Abnehmer gefunden haben und zwar in einer regionalen Landschlachterei ohne langen Transport. Ja, manches ist auf den ersten Blick teurer, aber wenn der Tafelspitz seine Größe behält und nicht im Topf auf die Hälfte schrumpft, dafür aber butterweich und richtig lecker ist, dann hat nicht nur der Landwirt einen Vorteil davon, sondern auch ich. Fleisch ist für uns wieder zu etwas Besonderem geworden und nebenbei erweitern wir unseren Horizont bezüglich des Wissens um landwirtschaftliche Abläufe.

Aber das Beste daran: Es macht auch echt Spaß, sich mit guten Lebens-Mitteln (ja genau: den Mitteln, die wir zum Leben brauchen) zu beschäftigen!

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