Sommer, Sonne, Strand, Bücher

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Jetzt ist erstmal Schluss mit den schweren Brocken. Ehe der Sommer komplett abgearbeitet ist und in diesem Jahr auch nicht nur erfreuliches in seinem Füllhorn bereitstellt. Wenn der Urlaub für mich in diesem Jahr auch „nur“ aus zweiter Hand darin bestand, mit meiner Segelcrew zu telefonieren und dann anhand von Google Earth ihren Kurs nachzuvollziehen, so habe ich in der Zeit allein zu Hause nicht nur den gesellschaftlichen und den Klimawandel literarisch beackert.

Immer schön abwechselnd war die Devise. Ihr wisst ja, es zieht mich und uns gern ans Wasser. Obwohl ich auch die Berge (und die Bergseen) mag. Genial wäre es, wenn die Alpen an irgendeiner Stelle in Deutschland bis ans Meer reichen würden, so ähnlich wie die See-Alpen in Südfrankreich… Vielleicht sollte ich mir das aber lieber nicht wünschen, wer weiß? Naja, bei meiner Auswahl beschloss ich, zunächst Wangerooge eine Stippvisite abzustatten. Immerhin kenne ich mich dort minimal aus (ist bei der Größe nicht weiter schwierig), denn eine unserer Töchter hat einige Saisons dort gearbeitet, unter anderem in der schönen Jugendherberge. Dort haben wir sie natürlich auch besucht. (Übrigens sind wir seitdem auch Mitglieder im Jugendherbergsverband, obwohl wir sie selten nutzen. Aber die können zurzeit auch jedes zahlende Mitglied gut gebrauchen…).

Die Geschichte „Der Sommer der Inselfreundinnen“ ist leicht verdaulich, mit einer anrührenden Familiengeschichte. Eigentlich sogar zwei, einmal die Familie von Marle, der Protagonistin, zum anderen die Immigrantengeschichte von Federicos Eltern, die es als neapolitanische Pizzabäcker in den 70er Jahren nicht leicht hatten, da die Deutschen ganz andere (eben deutsche) Vorstellungen von italienischem Essen pflegten als die, die es von klein auf kannten. Nebenbei geht es um anscheinend „unmögliche“ Beziehungen, wenn das Verhältnis von Alters- oder Bildungsniveau von Männern und Frauen mal ganz einfach auf den Kopf gestellt wird.

Mein Fazit: Schöne Urlaubslektüre für den Strandkorb, gern auf Wangerooge, denn da kann man alle Szenenorte gleich einem Realitätscheck unterziehen.

Als nächstes fuhr ich einmal quer über die Deutsche Bucht und besuchte St. Peter Ording. Eines meiner Sehnsuchtsziele, seit meine Freundinnen im Jahr 1983 oder ’84 mit dem Wohnwagen einer Familie eine Woche allein dort Urlaub machen durften, allerdings leider ohne mich, meine Eltern hatten etwas dagegen, weil sie uns zu jung dafür wähnten. Spoiler: Die Anderen haben es gesund und munter überlebt und keine kam schwanger aus dem Urlaub zurück😄. Einige Jahre später schmiss ich jeden Montag Abend um 18:55 Uhr den Fernseher an, denn es kam „Gegen den Wind“, mit Ralf Bauer und Hardy Krüger jr. als Surfcracks. Nun habe ich seit einiger Zeit die Bücher von Tanja Janz entdeckt, wenn ich einen Kurztrip an den wunderbaren Strand mit den markanten Pfahlbauten brauche, denn ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe es immer noch nicht geschafft, tatsächlich mal dort hinzufahren!

Das Schöne an den Ording-Büchern der Autorin ist, dass mit Abwandlungen immer wieder dieselben Leute vorkommen, natürlich wird immer eine persönliche Geschichte erzählt, aber die geht teilweise so reihum von Buch zu Buch. Dadurch ist es inzwischen wie ein Nach-Hause-kommen, und es macht einfach Spaß und lenkt so perfekt vom nicht immer so spaßigen Alltag ab.

Von der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, quasi durch den imaginären Nord-Ostseekanal an die Ostsee und dort auf dem kürzesten Weg nach Rügen. Da immerhin war ich schneller als die Segler, die teilweise den Wind immer aus der verkehrten Richtung hatten auf ihrem Weg von Heiligenhafen über Fehmarn nach Grömitz und von dort über Großenbrode zurück. (Immerhin kannten die Mädels hinterher alle Buchhandlungen in den angelaufenen Orten…).

Auf Rügen spielt „Bernsteinsommer“ von Anne Barns. Auch so ein Buch mit Wiedererkennungseffekt, denn auch ihre Protagonistinnen tauchen immer mal wieder auf, allerdings in unterschiedlichen Orten, auch mal in Hanau, in München, auf Norderney oder Juist. Finde ich sehr sympathisch, denn meine Ausrede dafür, dass ich noch nicht selbst einen Roman fertigbekommen habe, ist unter anderem, dass ich mich nicht für eine Gegend entscheiden kann, wo er stattfinden soll🤣. Also so macht man das dann: man schreibt mehrere Bücher quer durch Deutschland. Pfiffig. Ach ja, nicht ganz unwichtig zu erwähnen, außer den oft unheimlich sympathischen Heldinnen und Helden gefallen mir auch immer die Backrezepte sehr gut, nach und nach und so, wie es meine Schulter zulässt, werde ich die alle mal nachbacken. Die stimmigen Naturbeschreibungen mit dem liebevoll ausgesuchten Personal der Bücher und diesen kulinarischen Schmankerln zusammen ergeben für mich zumindest eine schöne Freizeitbeschäftigung, ein gelungenes Dreigängemenü. Egal ob an einem schattigen Plätzchen bei Hitze oder mit Tee und Salzkaramell bei Gewitter im Schaukelstuhl, ich mag die Geschichten von Anne Barns sehr gern.

Bibliographische Angaben (In alphabetischer Reihenfolge) :

Anne Barns, Bernsteinsommer, Harpercollins, ISBN 978-3-7499-0020-6, 12,00 €

Brigitte Janson, Der Sommer der Inselfreundinnen, Ullstein, ISBN 978-3-8437-2493-7, 8,99 €

Tanja Janz, Leuchtturmträume, Harpercollins, ISBN 978-3-7499-0124-1, 12,00 €

Mehr, als ich erwartet habe

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Wer von uns sehnt sich nicht ab und zu nach einem kleinen, von der restlichen Welt abgelegenen Refugium? Am besten in einem Eckchen, wo niemand einfach mal so hineinstolpert, so dass alles, was hier passiert, echte Bedeutung hat und nicht einfach nur beiläufig geschieht?

So geht es den Frauen in diesem Buch, und so ging es auch mir, als ich bei Netgalley den Titel aufstöberte. Ja, ich gebe zu, als erstes hat mich das Cover angesprochen, denn ich suchte ganz gezielt nach Inseln… Inseln eignen sich so gut zum Verkriechen, egal ob ganz real oder literarisch. Außerdem habe ich ein Faible für die ostfriesischen Inseln, ich mag diese Landschaften, die gleichermaßen karg und üppig wirken, wo man eigentlich überall das Meer sehen, hören und riechen kann, auf denen man die Natur (und auch die Naturgewalten) ganz nah um sich herum spürt. Zumindest literarisch wollte ich mich in den Urlaub träumen, in dieser Zeit, in der ich persönlich eingeschränkt in meinem Bewegungsradius bin.

Umso mehr hat mich die inhaltliche Vielfalt und Tiefe dieses Buches angenehm überrascht. Denn es geht um drei ganz unterschiedliche Frauen, die in schwierigen Situationen stecken, in drei Epochen der deutschen Geschichte. Ein Handlungsstrang erzählt das Schicksal eines jungen Ehepaares, das sich vor den Nazis auf Spiekeroog verstecken muss, nachdem die Flucht ins Ausland scheiterte. Ein zweiter Faden spinnt sich um eine junge, unkonventionelle Frau Anfang der 60er Jahre, die eine unschickliche Liaison mit dem Schulleiter des Hermann-Lietz-Internats unterhält (das es tatsächlich seit langen Jahrzehnten dort gibt). Und schließlich ist da noch eine moderne Karrierefrau im Jahr 2019, die nach einem Hörsturz erkennen muss, dass ihre erfolgreiche Karriere und auch ihre Ehe nur die üppige Fassade für ein unglückliches und unausgefülltes Leben sind.

Die Hintergründe zu allen drei Handlungen sind gut recherchiert, was mir immer wichtig ist. Die Verknüpfungen der jeweiligen gesellschaftlichen Situation mit den persönlichen Schicksalen der drei Frauen sind nicht nur stimmig, sondern auch spannend zu lesen, die Verbindungen, die (nicht nur) durch das Haus zwischen diesen Frauen bestehen, ahnt die Leserin am Anfang zwar, aber es macht auch Spaß, sich lesend den Zusammenhängen anzunähern.

Für mich war es eine anregende und entspannende Sommerlektüre, ohne „platt“ zu wirken, ich hatte eine richtig schöne Auszeit im Stranddistelhaus.

Bibliographische Angaben:
Lina Behrens, Das Strandistelhaus, Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3-596-70566, € 10,99

oder Fischer eBook (epub): ISBN 978-3-10-491342-1, € 9,99