Veränderung – Change

„Ein Grund dafür, dass die Leute sich vor Veränderung fürchten, ist, weil sie sich auf das konzentrieren, was sie verlieren könnten, anstatt auf das, was sie dazugewinnen könnten.“ Rick Godwin

Veränderung ist etwas äußerst zwiespältiges für uns: Sie birgt große Chancen, etwas neues, vielleicht sogar bahnbrechendes zu gestalten. Aber sie macht uns auch Angst. Angst, den Halt zu verlieren. Beides ist menschlich und verständlich, doch es kommt zu einem großen Teil darauf an, wie wir uns den Veränderungen stellen, ob wir uns überrumpelt fühlen oder aktiv gestalten können und wollen. Wie stehst du zu Veränderung? Begreifst du sie als Chance (hier ist nur ein Buchstabe anders als bei „Change“!) oder als Bedrohung?

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Wer weiß, dass dieser Satz von Mahatma Gandhi stammt, kann sich auch denken, was hier gemeint ist. Die Chance ergreifen, nicht nur reden und darauf warten, dass irgendjemand schon vorangehen wird. Statt dessen selbst dieser Jemand sein, der oder die vorangeht. „Proaktiv“ (für etwas tätig sein) wird das genannt. Selbst gestalten, nicht darauf warten, dass man gestaltet wird. Im Endeffekt bedeutet das einen aufmerksamen Blick um uns herum, ein rechtzeitiges Bemerken, wenn etwas Liebgewonnenes in unserer Umgebung nicht mehr lange funktionieren kann. Es bedeutet, das Ende von etwas anzunehmen (natürlich darf das wehtun). Und dann rechtzeitig das Ruder herumreißen, neue Wege suchen und finden: „Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“ sagte Aristoteles dazu.

Ganz persönlich kennen wir das sicher alle, aber schwierig wird es, wenn sich in unserem Umfeld ohne unser eigenes Zutun und scheinbar ohne unsere Einflussmöglichkeit Dinge ändern. Vor allem Dinge, die uns viel bedeuten und die uns Sicherheit geben. Hier neigen wir leider oft dazu, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass alles nicht so schlimm oder sogar wieder richtig gut wird.

Albert Einstein brachte das so ganz knapp auf den Punkt: Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Manchmal brauchen wir einen Tritt in den Hintern, um uns in Bewegung zu setzen. Und auch Zeit, um angemessen um das zu trauern, was wir nicht mehr halten können. Zeit, zu bedenken, dass wir nicht dort wären, wo wir gerade sind, wenn unsere Vorfahren nie etwas aktiv geändert hätten oder einfach von Veränderung überrannt worden wären. Manchmal braucht es den Schock, um zu begreifen, dass „Weiter so“ nicht die Option ist, die gerade dran ist.

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“ (Prediger 3, 1-8)

Wenn wir verinnerlicht haben, dass nichts von Bestand ist und auch das Ende und der Neuanfang elementar wichtig sind, dann brauchen wir eine Vision, die uns Mut gibt, dazu einen Plan und Menschen, die den neuen Weg mitgehen:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupéry)

2020 war und ist noch ein Jahr, in dem wir über bisher selbstverständliche Gewohnheiten und Möglichkeiten die Kontrolle verloren haben, uns fremdbestimmt fühlen. Uns fehlt es an so vielen Stellen: Die Möglichkeit, zu reisen, jederzeit und überall hin. Die Freiheit, uns mit Freunden, Bekannten oder Familie zu treffen, ohne vorher Berechnungen anzustellen. Selbst dann, wenn wir die letzten Jahre von diesen ganzen Optionen nur wenig Gebrauch gemacht haben. An verschiedenen Stellen geht das Geld aus, müssen Freizeit- und Kultureinrichtungen schließen und vermutlich werden sich einige davon nicht erholen. Uns allen werden zukünftig Dinge fehlen, ob nun Restaurants, Fitnessstudios oder Sportvereine, Museen, Theater, Kirchen, Hotels oder ganz profan Geschäfte in der Innenstadt.

Die Frage ist, was wir daraus machen? Suhlen wir uns dann in unserem Unglück oder packen wir an und schaffen uns neue Werte, neue Wege und neue Inspirationen?

Verstört – Verstörend

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Heute Mittag fragte mich Daniela, wann es auf dem Blog mal wieder etwas Neues zu lesen gibt, ob mir nichts mehr einfiele. Tja, ich weiß selbst, dass ich gerade eine ohrenbetäubende Sendepause hinlege. Das Problem ist aber nicht mangelnde Inspiration, sondern zu viel Input. Seit dem letzten Beitrag ist einfach so vieles losgewesen, in mir hatte sich eine Spannung aufgebaut, dass ich mich nicht getraut habe zu schreiben. Ich hatte die Befürchtung, es könnte einen digitalen Dammbruch geben, ich könnte mich in meinen Gedanken verheddern und Dinge schreiben, die ich so nicht veröffentlichen möchte.

Angefangen mit dem merkwürdigen Gefühl, das ich nicht erst seit dem 28. Oktober habe, wenn irgendwo auf der Welt ein Lockdown verkündet wird, der ab einem Zeitpunkt in der Zukunft liegt. Klar weiß ich, dass der Vorlauf für gewisse administrative Vorgänge benötigt wird. Allerdings passiert auch immer wieder, egal wo, folgendes: Ach, das gilt ab …, dann kann ich ja vorher noch …, ohne Konsequenzen zu befürchten. Ohne zu bedenken, dass dann eben doch Konsequenzen sein könnten, die Leib und Leben bedrohen können. Wenn auch nicht unbedingt meins, aber doch das von Menschen, mit denen ich möglicherweise beruflich in Kontakt kommen werde, so in ein bis zwei Wochen.

Weiter mit der diffusen Gewissheit, dass Weihnachten trotz aller Bemühungen in diesem Jahr ganz anders sein wird. Ich frage mich außerdem, warum gerade in diesem Jahr Weihnachten unbedingt „traditionell im Kreis der Familie“ gefeiert werden soll, wenn es seit Jahren oder Jahrzehnten so ist, dass das heimelige christliche Zugehörigkeitsgefühl in vielen Familien nur für den Heiligabend aus der Mottenkiste geholt wird, wo es die restlichen 364 Tage des Jahres vor sich hin schlummert. Möglicherweise, weil man sich in unsicheren Zeiten gern auf Traditionen besinnt, denn die geben Halt in haltlosen Tagen. Trotzdem sieht es doch in der Realität sehr vieler so aus, dass nach den Feiertagen ein Teil der Familie mit einem anderen Teil nicht mehr spricht oder gar die Scheidungsanwälte bemüht werden. Weihnachten 2020 kann doch auch einen Punkt in unserem Leben markieren, wo wir uns auf die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten besinnen, wo wir daran denken, dass die Familie Jesu nicht willkommen war, entwurzelt, an den Rand gedrängt. Alleingelassen von der Gesellschaft der „besseren“ Leute. Die Geburt Jesu wurde bezeugt von den Außenseitern der damaligen Zeit, von Hirten, die nicht nur körperlich draußen lebten, sondern auch im menschlichen Miteinander an den Rand gedrängt waren. Es war keine feierliche Stimmung mit Kerzen, Krippenspiel und Weihnachtsoratorium – es war lausig kalt, es war kein Platz, es war ein Stall.

Wir Menschen sind so erfinderisch, wir erobern das Weltall, wir spalten Atomkerne, wir senden Nachrichten digital, so sehr im Verborgenen, dass wir nicht sehen können, wie die Übermittlung passiert. Und da soll es uns nicht möglich sein, den Mitmenschen, die tatsächlich allein sind, auf irgendeinem ungefährlichen Weg zu signalisieren: Du bist nicht allein auf der Welt, auch wenn ich dich gerade nicht besuchen darf. Wir sind doch werbegestählt von den ganzen Süßkramherstellern, von Floristikdiensten und Pinterest. Auf der Seite „evangelisch.de“ war heute das Morgengebet: „Gott, gib uns Mut, damit wir uns den Veränderungen stellen können, die vor uns liegen. Sie kommen sowieso! Lass uns etwas aus ihnen machen!“ Direkt danach kam im Feed von Instagram eine Fotobuch-Werbung. Mein erster Gedanke dazu: Wer lässt denn ausgerechnet für 2020 ein Fotobuch erstellen??? Aber dann dachte ich: Eigentlich cool. Denn selbst dieses Jahr hat doch für die meisten von uns nicht nur schweres und unerträgliches gebracht, sondern auch seine Highlights gehabt. Und vielleicht ist es gerade in diesem Jahr notwendig, sich diese Augenblicke ganz bewusst ins Gedächtnis zu rufen. Insgesamt: Ein anderes Weihnachten, mit Nähe im Herzen statt auf dem Sofa, mit dem bewussten Erleben des Geschenks, welches Gemeinschaft sein kann, gerade dann, wenn sie fehlt. Alles nicht für selbstverständlich nehmen.

Ach ja, und dann das große, weltumspannende Thema, das Rennen um das Weiße Haus. Alle schauen mehr oder weniger gebannt in die USA, ich schätze mal, die Oscar-Verleihungen oder der Super-Bowl sehen dagegen ganz schön alt aus. Für mich persönlich ein bisschen die Faszination des Grauens. Es ist mir einfach fremd, wie so viele Menschen ihre Hoffnungen in einen Typen setzen, der erbärmlich verächtlich mit weiten Teilen seiner Bevölkerung umgeht, ob es Frauen, People of Color, Angehörige der LGBTQ-Community oder irgendwelcher anderer Gruppierungen sind. Wie gerade solche, die sich bibeltreue Christen nennen, jemanden teilweise fanatisch supporten, der sich einen Fliegendreck um christliche Werte wie die zehn Gebote kümmert. Und diese Leute tun das teilweise mit Waffen in den Händen. Die Youtube-Aufnahme der Wohlstandsevangeliums-Predigerin , die versuchte, Gott zu beschwören, nun doch bitte mal das zu tun, was sie von ihm wollte, toppte das Ganze: Es gruselte mich! Dann die Erleichterung, dass es vermutlich anders kommt, so ganz wage ich es noch nicht zu glauben. Obwohl sicher auch Nummer 46 kein Kuscheltier ist, wenn es um Themen geht, die den USA am Herzen liegen, zum Beispiel die NATO-Thematik. Aber allein die Aussicht darauf, dass ein menschlicherer Umgangston herrschen wird, dass die Kriegsrhetorik zurückgefahren wird, ist schon wohltuend und gibt Hoffnung.

Zuletzt die „Corona-Demonstrationen“. Ehrlich, dazu fällt mir nichts ein, was ich hier schreiben könnte, ohne ausfallend zu werden. Jedem Gastronom oder jeder Künstlerin muss es gestern doch regelrecht körperlich wehgetan haben, die Bilder aus Leipzig zu sehen. Leute, die monatelang Hygienekonzepte ausgetüftelt haben und trotzdem nicht arbeiten dürfen, werden verhöhnt von einer Masse, die keinen Respekt aufbringt, weder für ihre Mitmenschen noch für Polizei und andere staatliche Stellen. Dafür aber für sich selbst diesen Respekt einfordern. Als Einbahnstraße. Kein weiterer Kommentar…

So. Nun bin ich doch in meine eigene Falle getappt. Ich hatte mir vorgenommen, in diesem Lockdown-November nur „Good News“ aufzuschreiben. Sorry, ging nicht. Zu viel Druck im Kessel! Ich gelobe Besserung, nicht wissend, ob ich das auch einhalten kann. Doppelpunkt. To be continued…

PS: Der Beitrag gibt meine persönliche Sichtweise wieder. Für mich funktioniert menschliche Gesellschaft nur miteinander, nicht gegen einander. Dinge sind in den seltensten Fällen schwarz oder weiß, sie sind kunterbunt oder auch in allen Grauschattierungen. Und auch Farben werden nicht von allen gleich wahrgenommen.

Ein Herzensprojekt ist abgeschlossen

Julia hatte sich schon vor längerer Zeit von uns einen Quilt zur Hochzeit gewünscht. Eine Tagesdecke sollte es sein. Wie gewünscht, so in Angriff genommen.

Bei den traditionellen amerikanischen Hochzeitsquilts werden meist ziemlich komplexe Blöcke gefertigt, die in der einen oder anderen Weise entweder etwas mit dem Brautpaar oder mit der Institution „Ehe“ zu tun haben. Oft sitzt der gesamte weibliche Teil der Verwandtschaft dabei gemeinsam an der Arbeit, jede gestaltet einen oder mehrere Blöcke, und wer die Zeit hat, quiltet natürlich dann mit Hand, nicht mit der Maschine. Wie häufig das heute in der Praxis noch so gemacht wird, weiß ich nicht, aber der Film „Ein amerikanischer Quilt“ erzählt in sehr schönen Bildern, wie so etwas (natürlich für den Film mit gehöriger Portion Drama) aussehen kann. Ich konnte aus verschiedenen Gründen nicht so detailreich vorgehen, versuchte aber zumindest, Stoffe aufzutreiben, die in irgendeiner Weise die Persönlichkeiten, Erlebnisse oder Hobbies der beiden Brautleute widerspiegeln. Das war teilweise einfach, denn beide lieben die Natur und das Reisen, sie lesen beide gern und Julia ist in verschiedenen Kunsthandwerken kreativ. Kreativ ist auch Jonas, aber in anderer Weise, denn er programmiert gern. Dafür konnte ich beim besten Willen und auch mit dreimal um die Ecke denken keinen passenden Stoff auftreiben. Schwierig war es auch mit der von beiden bevorzugten Art des Reisens: Sie machen Roadtrips im PKW oder im ausgebauten Boxer von Jonas‘ Brüdern. Ich hätte liebend gern so einen schönen Stoff mit dem T1-Bulli genommen, aber der war leider nur als Jersey (T-Shirt-Stoff) zu bekommen. Überhaupt war es teilweise schwierig, Stoffe zu bekommen, weil für das Maskennähen so viel bestellt wurde, dass sich teilweise die Lieferzeiten dehnten wie ein alter Kaugummi…

Nun mussten Oldtimer als Symbol für den automobilen Bereich herhalten, ferner findet man Brot und Brötchen (Julia backt gern Brot, außerdem wünschen wir den beiden natürlich stets das tägliche Brot), Polaroidfotos, den Bücherstoff von Paloma Picasso, Rehe, Igel und Füchse, Schmetterlinge, einen Blätterwald, roten Stoff mit Polkadots, Anker (für Halt und Hoffnung), ein Seglermotiv für den Segeltörn im vergangenen Juli, Sterne, aber auch relativ schlichte gelbe Blöcke (für Gold=Wohlstand, denn sie sollen ja auch immer ihr Auskommen haben), es gibt Gänseblümchen, Tulpen und Rosen (ihr solltet mal sehen, wie sie in diesem Corona-Frühjahr ihren Balkon in ein Blumen- und Gemüseparadies verwandelt haben) sowie Bastelkram. Katzen nicht zu vergessen! Die beiden Stubentiger, deren Dosenöffner und Kampfpartner Julia und Jonas sind, werden sich vermutlich auch des Öfteren auf der Decke niederlassen…

Und nun ist der Tag vorbei, an dem der Quilt seine Bestimmung bekommen hat, ich denke, sie haben sich gefreut und wir haben noch einen Sohn dazubekommen.

PS: Wenn dich interessiert, wie so ein Quilt entsteht, dann schau doch auch mal in den Menüpunkt „Northern Star by Annuschka“.