Herbstanfang

Heute ist Herbstanfang, und ich denke mir: Gestern hat der Sommer sich würdig verabschiedet, und heute kommt der Herbst, aber noch ganz sachte und auf leisen Sohlen. Und ich stelle gerade fest, dass bei mir fast drei Wochen Sendepause war.

Und das liegt nicht daran, dass in diesen Wochen nichts passiert ist, eigentlich eher im Gegenteil, und dieses viele hat in mir eine kleine Blockade ausgelöst.

Eigentlich hatte ich einen schönen Artikel schreiben wollen über unseren Ausflug am 14. September zum Frauentag in Krelingen. Vier Frauen, ein Baby und ein Gemeinschaftspicknick. Wir hatten einen sehr berührenden, inspirierenden und gesegneten Tag mit Singen, Beten, sehr gut gemachten Vorträgen von Sefora Nelson (kannste googeln), die sich so gar nicht nach Vorträgen anhörten. Und mit unserem grandiosen Picknick:

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Aus der Erfahrung von 2018 hatten wir keine Lust auf Gemeinschaftsverpflegung und so bereitete jede von uns etwas liebevoll vor. Hier konnte dann auch Julias englische Picknickdecke ihren Einstand feiern. Und als hätten die Krelinger Organisatorinnen geahnt, was wir vorhaben, waren auf der Wiese vor der Halle überall verschiedene Sitzgelegenheiten wie Hängematte und Hängesessel, Sofas, Deckchairs und anderes aufgebaut. Ich habe leider nur ein Foto von diesem DIY-Tischchen:

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Von der Pause auf der Heimfahrt stammt das Beitragsfoto ganz oben. Denn es symbolisiert aus meinem heutigen Blickwinkel sehr schön nicht nur die aktuelle Jahreszeit, sondern auch eine diffuse Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ ohne viel Hektik und mit rudimentärer Technik.

Und vielleicht sogar den „Herbst der Menschheit“?

So, Schluss mit lustig,  jetzt geht es ans Eingemachte, an das, was mich in den letzten Tagen so umtreibt.

Weltweit sind am vergangenen Freitag Millionen Menschen auf die Straße gegangen, teilweise Menschen, denen das Wasser heute schon nicht nur symbolisch, sondern ganz konkret fast bis zum Hals steht. Menschen in Kriegsgebieten, die sich nicht nur um ihr Überleben im Krieg sorgen, sondern um das Überleben der Menschheit.

Aber auch unendlich viele junge und alte Menschen in den Industrieländern, die einsehen, dass ein „Schneller, höher, weiter“ zwar das olympische Motto sein mag, aber uns kaputt macht, uns die Lebensgrundlage entzieht. Zeitgleich wollte das „Klimakabinett“ der deutschen Bundesregierung den großen Wurf in Sachen Klimapolitik machen. Was soll ich sagen – der Berg kreißte und gebar eine Maus!

Wenn jetzt einfach „nur“ die einschlägigen NGO’s und Parteien, deren tägliches Brot das Mahnen ist, sich hier entsetzt geäußert hätten, dann könnte man noch sagen: „Naja, das ist eben ihr Geschäft“. Aber wenn anerkannte Wissenschaftler so drastische Aussagen treffen wie: „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen müsste!“, wenn die Bundesregierung sich Expertise vom Wissenschaftsrat einholt und sich daran nicht hält, wenn die Damen und Herren, die im Klimakabinett sitzen, mit dem Schwung und der Begeisterung von Schlaftabletten vortragen, was sie denn jetzt gerade für die Rettung des Planeten getan haben, da kann ich nicht umhin, daraus zu schließen: Da läuft etwas ganz gewaltig nicht so, wie es sein müsste.

Storytelling, das A und O einer positiven Verkaufsstrategie, beherrschen die nicht. Da könnten sie noch gewaltig lernen.

Liebe Politiker, schaut euch doch mal in der Zeitgeschichte um: da gab es Menschen wie John F. Kennedy („Frage nicht, was dein Land für dich tun kann; frage, was du für dein Land tun kannst“), Nelson Mandela (der aus dem Knast heraus gegen die Apartheid kämpfte), Martin Luther King („I have a Dream!“) Diese Menschen hatten Visionen (nicht Phantastereien durch Drogengenuss, sondern positive Visionen für die menschliche Gemeinschaft), die sie mit der entsprechenden Be-Geist-erung vorantrieben.

Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung genau: da gibt es dann gleich wieder abwertende Urteile: Der Kennedy nahm es mit der ehelichen Treue nicht genau, der Mandela hat angeblich seine Frau geschlagen, und zu Dr. King fällt den Leuten garantiert auch was ein.

Pure Ironie: diese Art von Whataboutism funktioniert auch anders herum: Hitler hat ganz bestimmt unglaubliche Gräueltaten veranlasst, aber, hey, immerhin hat er die Autobahnen gebaut und die Arbeitslosen von der Straße geholt! (Ernsthaft, solche Argumente hört man immer noch. Da fällt mir nix zu ein!!!)

Ah, da fällt mir doch ein, solche „Whataboutism“ sind gar nicht neu, das gab es schon vor 2000 Jahren.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Das steht in der Bergpredigt, Matthäus 7,3-5. Erinnert ein bisschen an „Wenn die Chinesen keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen, dann fange ich vielleicht an, mir Gedanken über meinen CO2-Verbrauch zu machen (aber auch nur vielleicht…)“.

Nein. Fang an, dich um deinen persönlichen Scheiß zu kümmern, ehe du den der anderen anprangerst, sagt Jesus!

Auch an anderer Stelle sagt Jesus ganz klar, was er von Selbstgerechtigkeit hält:

Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. (Lukas 18, 10-14)

Wir haben keinen Grund, uns besser zu fühlen als die Regierung Brasiliens, denn wir alle haben unsere persönlichen Leichen im Keller, vielleicht in Form von viel zu vielen unnötigen Dingen, die wir horten, vielleicht durch zwei bis drei Kurztrips im Jahr mit dem Flugzeug, wo es auch die Bahn getan hätte, es ist ganz egal, wie groß oder wie klein unsere Umweltsünden sind. Und sollte jemand hier die Frau kennen, die im Fernsehinterview ganz frech sagte: „Ich knalle jeden Morgen mit 600 PS in die City, und jetzt erst recht!“: Schönen Gruß, Kindergartentrotz ist ja wohl auch nicht die Lösung.

Jeder kleine Schritt hilft. Das sollten wir nicht vergessen. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, und wenn der erste Schritt ist, sich über das eigene Handeln klar zu werden, dann ist das so. Ich schätze mal, bei vielen Leuten ist Angst ein großer Antreiber, Angst, etwas zu verlieren (vordergründig Verlust von Lebensqualität durch weniger Konsum oder so). Und dann gibt es eben die, die mit Trotz reagieren. Weil man Angst und Ratlosigkeit nicht zugibt.

Erzählen wir doch lieber die Geschichte von dem, was wir gewinnen, wenn wir uns „einschränken“: Achtung vor dem Mitgeschöpf, ob Mensch oder Tier. Nicht das einkaufen, was der Discounterprospekt billig anpreist (in zu großen Mengen, was zum Wegschmeißen führt); sondern genau das kaufen, was wir gerade tatsächlich brauchen, was gerade hier wächst, weil es schmeckt (reif geerntet), weil es die Vielfalt an Lebensmitteln in unserer Region widerspiegelt. Selber kochen, weil es nicht nur Plastikverpackungen spart (ich sag nur: gekochtes und gepelltes Ei eingeblistert 😦 ), sondern weil es uns den Wert von LEBENsmitteln nahebringt. Überschüsse einwecken (ist oft besser als Tiefkühler, denn ich brauche nur einmal Strom, aber ich weiß selbst, bei manchen Sachen ist der Tiefkühler praktischer.) Wir gewinnen gute Luft, das Zwitschern der Vögel, wenn sie sich in unseren unaufgeräumten Gärten wohl fühlen (und wer Meisen hat, braucht nebenher auch kein Mittel gegen Blattläuse). Wir werden geerdet, indem wir uns auf Wesentliches besinnen. Wir lernen hoffentlich, das zu schätzen, was wir haben, und nicht dem nachzujammern, was wir nicht besitzen.

Und wir sollten uns den Druck nehmen, alles auf einmal ändern zu wollen (ich meine jetzt im ganz persönlichen Leben jedes Menschen), denn es dauert mindestens DREI WOCHEN, um eine Gewohnheit zu ändern. Je länger wir etwas auf eine bestimmte Art und Weise getan haben, desto länger dauert auch das abgewöhnen. Wenn eine neue, bessere Gewohnheit daraus entstanden ist, kommt die nächste Baustelle dran.

Von daher betrachtet, ist das Vorgehen der Bundesregierung zwar immer noch quälend langsam und unzureichend, aber möglicherweise auch nicht ganz der schlechteste Weg. Hätte jedenfalls noch schlimmer kommen können.

Und noch mal zum Storytelling: Bitte helft mit, dass wir die mitreißenden Geschichten nicht denen überlassen, die für gigantische Probleme einfache Lösungen parat haben!

Zum Schluss komme ich einer Bitte nach, denn dieses Video ist wirklich super verständlich. Danke, Julia!

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Auf das Wesentliche besinnen

Stell dir einen Springbrunnen vor. Eigentlich hat er eine kraftvolle Fontäne. Aber die Düse, durch die das Wasser in die Höhe katapultiert wird, ist verstopft. Es brodelt, sprotzelt und zischt, aber der Druck, der sich im Inneren aufbaut, kann nicht weg. Aus der Düse tröpfelt es nur noch ein wenig. Irgendwann werden die Leitungen platzen, es gibt einen Wasserrohrbruch und eine riesige Pfütze ergießt sich.

So fühle ich mich momentan. Das hat verschiedene Gründe, einer davon ist medialer Overflow. Ich habe so viele Gedanken im Kopf. Noch dazu leider sehr viele ungebetene destruktive Gedanken. Über Missstände allerorten. Über das, was nicht so läuft. Über Dinge, die dringend geändert werden müssten…

Facebook, Instagram, Nachrichten, Tageszeitung, Change.org, Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten… Von überall her fluten übelriechende Gedankenströme wie Lava auf mich zu. Ich schätze, ein Buddhist würde mir jetzt sagen, dass ich gerade schlechtes Karma ansammle.

Es brodelt, sprotzelt und zischt in mir, es droht zu platzen und trotzdem raubt es mir die Energie, die gute, positive Energie, die ich zum erfolgreichen Sprudeln der Gedankenfontäne brauche.

Ich hatte mal ein T-Shirt, das hatte vorne den Spruch drauf: „Today I choose joy!“

So etwas brauche ich jetzt, und so etwas liegt zum Glück vor mir. Am Samstag starten wir zur Kinderfreizeit. Mit den Kindern fahren eine Jugendreferentin, 10 junge MitarbeiterInnen und zwei Köchinnen. Unser aller Ziel ist es, den Kids eine tolle Woche zu schenken. In dieser Woche bekommt all das doofe von außen einen ganz klaren Zaungastplatz. Wichtig sind ganz elementare Dinge. Gemeinschaft, Erlebnisse, Zeit mit Gott, Zeit mit den uns anvertrauten jungen Menschen. Klar, es wird eine Woche mit wenig Schlaf, viel Kochlöffelgerühre, es wird die eine oder andere Unstimmigkeit geben, hoffentlich keine größeren Verletzungen, aber kleinere Wunden (in der Küche ist frau auch gern mal für Pflaster, Kühlpack und Trost zuständig). Aber diese Woche im Jahr zeigt mir immer wieder, wofür es sich wirklich lohnt, Energie zu investieren, sie sprudeln zu lassen. Der Sommer kann kommen!

Die Welt bekommt uns früh genug zurück…

Übrigens: wenn du dich wunderst, was das Foto mit einem Springbrunnen gemeinsam hat: nüscht!!! Aber es zeigt den Beginn eines Tages auf der Freizeit, es ist eine Momentaufnahme vom Aufbau des Frühstücksbüffets. Ruhe und positive Energie gehen für mich davon aus.

Es blüht überall…

… ich mag ja alle Jahreszeiten, aber wenn ich jetzt so durch unseren Garten gehe oder einfach nur still dasitze und den Tieren zuschaue, dann finde ich den Juni ganz besonders schön.

Die Vögel bringen ihrem Nachwuchs gerade alles nötige bei, um bald unabhängig zu sein, manche brüten bereits das zweite Mal. Es ist einfach schön, die Amselfamilien in der Wiese zu beobachten oder auch die Spechte, die unermüdlich ihren Jungvogel betüddeln, obwohl der in seinem noch etwas plusterigen Jugendgefieder fast größer ist als seine Eltern mit dem glatten Federkleid. Die Meisen befreien meine Rosen von zu vielen Blattläusen, überall tschilpt es.

Und unsere Eichhörnchen bringen immer wieder Lucy und Kalle auf die Palme, wenn sie vor ihren Augen Nüsse aus dem Kistchen holen und damit dann unerreichbar in der Tanne sitzen 🙂

Und ich weiß schon ganz genau, dass ich auch in den kommenden Monaten immer wieder etwas finde, das ganz genau für den aktuellen Monat wunderschön ist…

Untermieter live

Im April waren die Amseln eifrig damit beschäftigt, den vorhandenen „Altbau“, das Nest vom letzten Jahr, zu renovieren. Es wurde etwas aufgestockt und liebevoll mit Moos und Kalle-Haaren (die auf der Terrasse ständig herumwehen) ausgepolstert.

Dann war es eine Weile recht still, aber seit gestern sind zwei kleine Schnäbel zu sehen, die sich hochrecken, wenn Mama oder Papa Amsel mit Wurm im Schnabel angeflogen kommt. Und zwischendurch sitzt auch immer noch einer der Altvögel auf dem Nest und brütet, eine baldige Vergrößerung der Familie steht anscheinend noch ins Haus.

Das Foto ist leider etwas verschwommen, da ich nicht so sehr nah an das Nest heranwollte und deshalb mit starkem Zoom geknipst habe. Aber ich finde, es strahlt trotzdem Souveränität und Ruhe aus.

Da das Nest unter der Dachtraufe an unserer Terrasse hängt, haben wir jetzt also eine permanente Live-Schaltung auf das Familienleben unserer Amseln. Die lassen sich weder durch uns noch durch Lucy & Kalle stören. Hoffentlich bekommen sie ihre Jungen gut groß!

What a Wonderful world

Habe ich heute vormittag gefunden, als ich mein Handy entrümpelt habe.

Schaut euch das mal an, und dann überlegt, was wir gerade im Begriff sind, zu zerstören, unwiederbringlich!!!

Das Video stammt aus einer BBC-Dokumentation von Sir Richard Attenborough. Es wäre… hm, ein Jammer ist wesentlich zu schwach als Ausdruck, aber mir fällt gerade nichts anderes druckreifes ein, wenn solche Filme zukünftig nur noch als Dokumentation dessen gezeigt würden, was nicht mehr ist. Wer sind wir Menschen eigentlich, dass wir uns zum Herrn und Meister darüber aufspielen, welche Lebensformen und Lebensräume es gibt?

Mit den eigenen Händen etwas schaffen

Mein Projekt „Ich möchte wieder einen Gemüsegarten haben“ spukt schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Ehrlich gesagt, ist das auch ganz gut so, denn in diesen Jahren habe ich ihn im Kopf auch schon mehrfach umgestaltet. Aber jetzt, in diesem Frühjahr, hab ich ihn in Angriff genommen. Nachdem ich meine Physiotherapie hinter mir habe und es sich meist wieder so anfühlt, als ob die Bandscheibe da sitzt, wo sie hingehört, konnte mich nichts mehr halten. Gartenarbeit ist doch das beste Training für Rücken- und Bauchmuskulatur…

Von unseren Außenarbeiten vor ein paar Jahren liegt ein Riesenberg Pflasterklinker auf einer Palette im Garten, die verarbeite ich peu à peu zu Beetumrandungen. Der schon im letzten Herbst vorbereitete Boden (mit Motorhacke durchgepflügt und dann Bienenfreund gesät) ist jetzt gut zu beackern. Für den großen „Rest“, der noch Wiese ist, habe ich aber beschlossen, in Handarbeit vorzugehen. Daher werde ich alles, was noch kein Acker ist, das Jahr über mit reichlich Grasschnitt mulchen und im Spätherbst umgraben. Das dauert zwar lange, aber erstens bin ich mit dem kleinen Stück die nächsten Tage noch gut beschäftigt, habe ja auch noch weitere knapp 2500 qm Grundstück, die zwischendurch mal Aufmerksamkeit brauchen. Und zweitens ist das ruhige und langsamere Arbeiten für mich augenblicklich regelrecht meditativ. Es kommt dann sogar vor, dass ich mit den Regenwürmern spreche (die geben nämlich keine Widerworte 😉 ). Ich lasse die Erde durch die Finger rieseln, um Steine und Krautreste, die ich nicht im Gemüse wiederfinden möchte, zu finden.

Meine Familie wundert sich garantiert, was für merkwürdige Dinge ich teilweise mache. Ich türme Grassoden neben dem Komposthaufen. Ich sammele Reisighaufen und schichte sie scheinbar willkürlich irgendwo auf. Beim Rasenmähen lasse ich Inseln stehen. Dort sprießen nämlich jetzt Margeriten. Die müssen erstmal blühen und dann auch in Ruhe wieder einziehen können, damit sie nächstes Jahr wiederkommen. Und überhaupt wird das erste Mal gemäht, wenn der Sauerampfer geblüht hat und das Wiesenschaumkraut auch.

Steine schleppe ich von überall her an. Aus dem Wald, aus dem Vorgarten unserer ältesten Tochter, aus jedem Urlaub kommt mindestens ein Stein in den Garten, selbst die kaputten Dachziegel vom Sturmschaden finden Verwendung. Und auch daraus schichte ich hier und da kleine oder größere Hügel auf. Gern in der Sonne, und dann hoffe ich, dass sich irgendwann Zauneidechsen bei uns wohlfühlen.

Und ihr glaubt nicht, was ich beim Buddeln in unserem Garten so finde. Auf dem Dorf war es bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts üblich, dass man sich Gruben im Garten machte, wo nicht nur der Mist des Schweins und der Hühner landete, sondern auch kaputte Dinge und Hausmüll. Und so freut sich mein kleines (verhindertes Archäologen-) Herz über Funde wie Flaschenhälse, Teile von Tonkrügen, einen alten Spaten, Ofenschlacke…

Heute haben wir eine alte Gartenbank unter die Tanne neben meinem neuen Gemüsegärtchen geschleppt. Diese Bank hatte mein Opa zu seinem Ruhestand geschenkt bekommen, was laaange her ist. Es gehörten auch noch zwei Sessel und ein Tisch dazu, die nicht mehr existieren, aber die Bank ist halt noch da und wird genutzt und gepflegt. Und ich kann zukünftig bei der Arbeit im Garten ein Päuschen auf der Bank machen und mich an den kleinen Fortschritten freuen, die ich erziele.

Nur eines wird garantiert nicht passieren: Ein aufgeräumter und wildkräuterfreier Garten. Die vielen kleinen und größeren Tiere sollen sich auch weiterhin bei uns herzlich willkommen fühlen. Von Schwebfliege und Solitärbiene über Fledermäuse bis hin zu Igel und Eichhörnchen. Selbst der Maulwurf findet seinen Platz.

„Die“ Kirche und „die“ Politik

  • Tempo 130
  • Bienensterben
  • Pränataldiagnostik
  • Migration

Soll / muss / darf sich Kirche in die Tagespolitik einmischen? Oft hören wir „die sollen sich um ihre Schäfchen kümmern. Anständig Seelsorge betreiben (…und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen…). Aber aus der Politik sollen sie sich gefälligst heraushalten!“ Oder man wird gleich als „links-grün-versifft“ abgestempelt.

Ist das denn tatsächlich so? Was ist Auftrag der Kirche? Okay, sicher nicht, den Menschen von der Kanzel zu predigen, wen sie wählen sollen. Das ist genauso persönlich wie die Wahl, zu welcher Konfession man sich bekennt.

Das meine ich auch nicht.

Wir sollen Menschen vom Evangelium erzählen, sie für ein Leben mit Jesus begeistern, ja. Unbedingt.

Aber: Wenn wir die Aussagen der Bibel ernst nehmen, dann steht da nicht nur „Macht euch die Erde untertan“ (ich ergänze mal frei: auch um den Preis einer kaputten Umwelt, der Zerstörung jahrtausendealter Lebensräume, der Ausrottung von ganzen Lebensformen). Da steht auch der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. („Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten, ihn zu bebauen und zu bewahren.“ Gen 2,15).

Da steht nicht nur „Du sollst Gott lieben“, es geht ohne Abstriche weiter mit „und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn ich davon ausgehe, mich selbst zu lieben bedeutet: Daseinsfürsorge, ein auskömmliches Leben anstreben, eine friedliche Lebensumgebung, gelingende Beziehungen… dann bin ich aufgefordert, alles dieses auch meinen Mitmenschen zu gönnen. Egal woher sie kommen, wo sie leben, was sie glauben oder wen sie lieben. Oder ob sie ein Gen dreimal haben. Wie auch immer. Selbst dann, wenn mir selbst gerade das Eine oder Andere fehlt, das mein Leben gelingen lässt.

Jesus selbst war da ganz radikal – und politisch! „Liebe deine Feinde, segne, die dich fluchen.“ (Ganz bewusst von mir benutzt in der 2. Person Einzahl, denn es ist eine persönliche Aufforderung an jeden Einzelnen von uns!) Alles andere ist einfach. Das bekommt sogar ein aktueller amerikanischer Präsident hin, denke ich.

Aber Liebe – mit anderen Worten Respekt, sogar Verständnis vielleicht – für diejenigen aufbringen, die beispielsweise ganz außen am Rand des politischen Spektrums stehen, egal auf welcher Seite? Das ist schon eine Riesenherausforderung, natürlich. Und dabei versagen wir auch alle regelmäßig. Das finde ich auch menschlich. Trotzdem möchte ich deswegen nicht, dass wir uns zumindest von dem Versuch verabschieden, nach dem Motto: „Hab ich versucht, hat nicht geklappt, hat sowieso keinen Zweck, lasse ich lieber sein.“

Wenn dir jemand sagt: „Hey, glaub an Jesus, bekehre dich und werde Christ, dann wird dein Leben einfach, du weißt immer, was du tun musst, du wirst gesund und wohlhabend, du wirst keine Zweifel mehr haben“, dann macht diese Person es sich zu einfach und dir höchstwahrscheinlich ein leeres Versprechen.

Aber du hast dann immer den Einen an der Seite, an den du abgeben kannst, du wirst deine (auch die falschen) Entscheidungen nicht allein treffen und nicht allein vor dir verantworten müssen. Du beginnst, die Welt mit anderen Augen zu sehen, und du hast auch eine zuverlässige Adresse, wenn du etwas zu beklagen hast. Du bist nicht allein.

Und du wirst politisch. Du beziehst Stellung.

Wikipedia: „Politik bezeichnet die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen.“