Auf das Wesentliche besinnen

Stell dir einen Springbrunnen vor. Eigentlich hat er eine kraftvolle Fontäne. Aber die Düse, durch die das Wasser in die Höhe katapultiert wird, ist verstopft. Es brodelt, sprotzelt und zischt, aber der Druck, der sich im Inneren aufbaut, kann nicht weg. Aus der Düse tröpfelt es nur noch ein wenig. Irgendwann werden die Leitungen platzen, es gibt einen Wasserrohrbruch und eine riesige Pfütze ergießt sich.

So fühle ich mich momentan. Das hat verschiedene Gründe, einer davon ist medialer Overflow. Ich habe so viele Gedanken im Kopf. Noch dazu leider sehr viele ungebetene destruktive Gedanken. Über Missstände allerorten. Über das, was nicht so läuft. Über Dinge, die dringend geändert werden müssten…

Facebook, Instagram, Nachrichten, Tageszeitung, Change.org, Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten… Von überall her fluten übelriechende Gedankenströme wie Lava auf mich zu. Ich schätze, ein Buddhist würde mir jetzt sagen, dass ich gerade schlechtes Karma ansammle.

Es brodelt, sprotzelt und zischt in mir, es droht zu platzen und trotzdem raubt es mir die Energie, die gute, positive Energie, die ich zum erfolgreichen Sprudeln der Gedankenfontäne brauche.

Ich hatte mal ein T-Shirt, das hatte vorne den Spruch drauf: „Today I choose joy!“

So etwas brauche ich jetzt, und so etwas liegt zum Glück vor mir. Am Samstag starten wir zur Kinderfreizeit. Mit den Kindern fahren eine Jugendreferentin, 10 junge MitarbeiterInnen und zwei Köchinnen. Unser aller Ziel ist es, den Kids eine tolle Woche zu schenken. In dieser Woche bekommt all das doofe von außen einen ganz klaren Zaungastplatz. Wichtig sind ganz elementare Dinge. Gemeinschaft, Erlebnisse, Zeit mit Gott, Zeit mit den uns anvertrauten jungen Menschen. Klar, es wird eine Woche mit wenig Schlaf, viel Kochlöffelgerühre, es wird die eine oder andere Unstimmigkeit geben, hoffentlich keine größeren Verletzungen, aber kleinere Wunden (in der Küche ist frau auch gern mal für Pflaster, Kühlpack und Trost zuständig). Aber diese Woche im Jahr zeigt mir immer wieder, wofür es sich wirklich lohnt, Energie zu investieren, sie sprudeln zu lassen. Der Sommer kann kommen!

Die Welt bekommt uns früh genug zurück…

Übrigens: wenn du dich wunderst, was das Foto mit einem Springbrunnen gemeinsam hat: nüscht!!! Aber es zeigt den Beginn eines Tages auf der Freizeit, es ist eine Momentaufnahme vom Aufbau des Frühstücksbüffets. Ruhe und positive Energie gehen für mich davon aus.

Es blüht überall…

… ich mag ja alle Jahreszeiten, aber wenn ich jetzt so durch unseren Garten gehe oder einfach nur still dasitze und den Tieren zuschaue, dann finde ich den Juni ganz besonders schön.

Die Vögel bringen ihrem Nachwuchs gerade alles nötige bei, um bald unabhängig zu sein, manche brüten bereits das zweite Mal. Es ist einfach schön, die Amselfamilien in der Wiese zu beobachten oder auch die Spechte, die unermüdlich ihren Jungvogel betüddeln, obwohl der in seinem noch etwas plusterigen Jugendgefieder fast größer ist als seine Eltern mit dem glatten Federkleid. Die Meisen befreien meine Rosen von zu vielen Blattläusen, überall tschilpt es.

Und unsere Eichhörnchen bringen immer wieder Lucy und Kalle auf die Palme, wenn sie vor ihren Augen Nüsse aus dem Kistchen holen und damit dann unerreichbar in der Tanne sitzen 🙂

Und ich weiß schon ganz genau, dass ich auch in den kommenden Monaten immer wieder etwas finde, das ganz genau für den aktuellen Monat wunderschön ist…

Untermieter live

Im April waren die Amseln eifrig damit beschäftigt, den vorhandenen „Altbau“, das Nest vom letzten Jahr, zu renovieren. Es wurde etwas aufgestockt und liebevoll mit Moos und Kalle-Haaren (die auf der Terrasse ständig herumwehen) ausgepolstert.

Dann war es eine Weile recht still, aber seit gestern sind zwei kleine Schnäbel zu sehen, die sich hochrecken, wenn Mama oder Papa Amsel mit Wurm im Schnabel angeflogen kommt. Und zwischendurch sitzt auch immer noch einer der Altvögel auf dem Nest und brütet, eine baldige Vergrößerung der Familie steht anscheinend noch ins Haus.

Das Foto ist leider etwas verschwommen, da ich nicht so sehr nah an das Nest heranwollte und deshalb mit starkem Zoom geknipst habe. Aber ich finde, es strahlt trotzdem Souveränität und Ruhe aus.

Da das Nest unter der Dachtraufe an unserer Terrasse hängt, haben wir jetzt also eine permanente Live-Schaltung auf das Familienleben unserer Amseln. Die lassen sich weder durch uns noch durch Lucy & Kalle stören. Hoffentlich bekommen sie ihre Jungen gut groß!

What a Wonderful world

Habe ich heute vormittag gefunden, als ich mein Handy entrümpelt habe.

Schaut euch das mal an, und dann überlegt, was wir gerade im Begriff sind, zu zerstören, unwiederbringlich!!!

Das Video stammt aus einer BBC-Dokumentation von Sir Richard Attenborough. Es wäre… hm, ein Jammer ist wesentlich zu schwach als Ausdruck, aber mir fällt gerade nichts anderes druckreifes ein, wenn solche Filme zukünftig nur noch als Dokumentation dessen gezeigt würden, was nicht mehr ist. Wer sind wir Menschen eigentlich, dass wir uns zum Herrn und Meister darüber aufspielen, welche Lebensformen und Lebensräume es gibt?

Mit den eigenen Händen etwas schaffen

Mein Projekt „Ich möchte wieder einen Gemüsegarten haben“ spukt schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Ehrlich gesagt, ist das auch ganz gut so, denn in diesen Jahren habe ich ihn im Kopf auch schon mehrfach umgestaltet. Aber jetzt, in diesem Frühjahr, hab ich ihn in Angriff genommen. Nachdem ich meine Physiotherapie hinter mir habe und es sich meist wieder so anfühlt, als ob die Bandscheibe da sitzt, wo sie hingehört, konnte mich nichts mehr halten. Gartenarbeit ist doch das beste Training für Rücken- und Bauchmuskulatur…

Von unseren Außenarbeiten vor ein paar Jahren liegt ein Riesenberg Pflasterklinker auf einer Palette im Garten, die verarbeite ich peu à peu zu Beetumrandungen. Der schon im letzten Herbst vorbereitete Boden (mit Motorhacke durchgepflügt und dann Bienenfreund gesät) ist jetzt gut zu beackern. Für den großen „Rest“, der noch Wiese ist, habe ich aber beschlossen, in Handarbeit vorzugehen. Daher werde ich alles, was noch kein Acker ist, das Jahr über mit reichlich Grasschnitt mulchen und im Spätherbst umgraben. Das dauert zwar lange, aber erstens bin ich mit dem kleinen Stück die nächsten Tage noch gut beschäftigt, habe ja auch noch weitere knapp 2500 qm Grundstück, die zwischendurch mal Aufmerksamkeit brauchen. Und zweitens ist das ruhige und langsamere Arbeiten für mich augenblicklich regelrecht meditativ. Es kommt dann sogar vor, dass ich mit den Regenwürmern spreche (die geben nämlich keine Widerworte 😉 ). Ich lasse die Erde durch die Finger rieseln, um Steine und Krautreste, die ich nicht im Gemüse wiederfinden möchte, zu finden.

Meine Familie wundert sich garantiert, was für merkwürdige Dinge ich teilweise mache. Ich türme Grassoden neben dem Komposthaufen. Ich sammele Reisighaufen und schichte sie scheinbar willkürlich irgendwo auf. Beim Rasenmähen lasse ich Inseln stehen. Dort sprießen nämlich jetzt Margeriten. Die müssen erstmal blühen und dann auch in Ruhe wieder einziehen können, damit sie nächstes Jahr wiederkommen. Und überhaupt wird das erste Mal gemäht, wenn der Sauerampfer geblüht hat und das Wiesenschaumkraut auch.

Steine schleppe ich von überall her an. Aus dem Wald, aus dem Vorgarten unserer ältesten Tochter, aus jedem Urlaub kommt mindestens ein Stein in den Garten, selbst die kaputten Dachziegel vom Sturmschaden finden Verwendung. Und auch daraus schichte ich hier und da kleine oder größere Hügel auf. Gern in der Sonne, und dann hoffe ich, dass sich irgendwann Zauneidechsen bei uns wohlfühlen.

Und ihr glaubt nicht, was ich beim Buddeln in unserem Garten so finde. Auf dem Dorf war es bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts üblich, dass man sich Gruben im Garten machte, wo nicht nur der Mist des Schweins und der Hühner landete, sondern auch kaputte Dinge und Hausmüll. Und so freut sich mein kleines (verhindertes Archäologen-) Herz über Funde wie Flaschenhälse, Teile von Tonkrügen, einen alten Spaten, Ofenschlacke…

Heute haben wir eine alte Gartenbank unter die Tanne neben meinem neuen Gemüsegärtchen geschleppt. Diese Bank hatte mein Opa zu seinem Ruhestand geschenkt bekommen, was laaange her ist. Es gehörten auch noch zwei Sessel und ein Tisch dazu, die nicht mehr existieren, aber die Bank ist halt noch da und wird genutzt und gepflegt. Und ich kann zukünftig bei der Arbeit im Garten ein Päuschen auf der Bank machen und mich an den kleinen Fortschritten freuen, die ich erziele.

Nur eines wird garantiert nicht passieren: Ein aufgeräumter und wildkräuterfreier Garten. Die vielen kleinen und größeren Tiere sollen sich auch weiterhin bei uns herzlich willkommen fühlen. Von Schwebfliege und Solitärbiene über Fledermäuse bis hin zu Igel und Eichhörnchen. Selbst der Maulwurf findet seinen Platz.

„Die“ Kirche und „die“ Politik

  • Tempo 130
  • Bienensterben
  • Pränataldiagnostik
  • Migration

Soll / muss / darf sich Kirche in die Tagespolitik einmischen? Oft hören wir „die sollen sich um ihre Schäfchen kümmern. Anständig Seelsorge betreiben (…und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen…). Aber aus der Politik sollen sie sich gefälligst heraushalten!“ Oder man wird gleich als „links-grün-versifft“ abgestempelt.

Ist das denn tatsächlich so? Was ist Auftrag der Kirche? Okay, sicher nicht, den Menschen von der Kanzel zu predigen, wen sie wählen sollen. Das ist genauso persönlich wie die Wahl, zu welcher Konfession man sich bekennt.

Das meine ich auch nicht.

Wir sollen Menschen vom Evangelium erzählen, sie für ein Leben mit Jesus begeistern, ja. Unbedingt.

Aber: Wenn wir die Aussagen der Bibel ernst nehmen, dann steht da nicht nur „Macht euch die Erde untertan“ (ich ergänze mal frei: auch um den Preis einer kaputten Umwelt, der Zerstörung jahrtausendealter Lebensräume, der Ausrottung von ganzen Lebensformen). Da steht auch der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. („Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten, ihn zu bebauen und zu bewahren.“ Gen 2,15).

Da steht nicht nur „Du sollst Gott lieben“, es geht ohne Abstriche weiter mit „und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wenn ich davon ausgehe, mich selbst zu lieben bedeutet: Daseinsfürsorge, ein auskömmliches Leben anstreben, eine friedliche Lebensumgebung, gelingende Beziehungen… dann bin ich aufgefordert, alles dieses auch meinen Mitmenschen zu gönnen. Egal woher sie kommen, wo sie leben, was sie glauben oder wen sie lieben. Oder ob sie ein Gen dreimal haben. Wie auch immer. Selbst dann, wenn mir selbst gerade das Eine oder Andere fehlt, das mein Leben gelingen lässt.

Jesus selbst war da ganz radikal – und politisch! „Liebe deine Feinde, segne, die dich fluchen.“ (Ganz bewusst von mir benutzt in der 2. Person Einzahl, denn es ist eine persönliche Aufforderung an jeden Einzelnen von uns!) Alles andere ist einfach. Das bekommt sogar ein aktueller amerikanischer Präsident hin, denke ich.

Aber Liebe – mit anderen Worten Respekt, sogar Verständnis vielleicht – für diejenigen aufbringen, die beispielsweise ganz außen am Rand des politischen Spektrums stehen, egal auf welcher Seite? Das ist schon eine Riesenherausforderung, natürlich. Und dabei versagen wir auch alle regelmäßig. Das finde ich auch menschlich. Trotzdem möchte ich deswegen nicht, dass wir uns zumindest von dem Versuch verabschieden, nach dem Motto: „Hab ich versucht, hat nicht geklappt, hat sowieso keinen Zweck, lasse ich lieber sein.“

Wenn dir jemand sagt: „Hey, glaub an Jesus, bekehre dich und werde Christ, dann wird dein Leben einfach, du weißt immer, was du tun musst, du wirst gesund und wohlhabend, du wirst keine Zweifel mehr haben“, dann macht diese Person es sich zu einfach und dir höchstwahrscheinlich ein leeres Versprechen.

Aber du hast dann immer den Einen an der Seite, an den du abgeben kannst, du wirst deine (auch die falschen) Entscheidungen nicht allein treffen und nicht allein vor dir verantworten müssen. Du beginnst, die Welt mit anderen Augen zu sehen, und du hast auch eine zuverlässige Adresse, wenn du etwas zu beklagen hast. Du bist nicht allein.

Und du wirst politisch. Du beziehst Stellung.

Wikipedia: „Politik bezeichnet die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen.“

 

 

 

Gedanken zum Erntedank

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“

Hambi bleibt – vorläufig – und die Braunkohle ist ein Auslaufmodell – zum Glück.

Aber Stromtrassen von Nord (Wind) nach Süd (Fabriken) sind nicht erwünscht.

(Dabei könnte man die Trassen unter die Fernstraßen legen, dann sind die im Winter eisfrei.)

Der Strom kommt aus der Steckdose, und so nutzen wir unbekümmert elektrische Zahnbürste, Wäschetrockner auch im Hochsommer, mahlen unseren Kaffee frisch für den Vollautomaten – natürlich mit einer elektronisch gesteuerten Mühle für den perfekten Mahlgrad, wir nutzen jede technische (und natürlich stromgetriebene) Hilfe, um effizient zu sein, denn schließlich fehlt uns die Zeit.

Vielleicht fehlt uns gerade die Zeit, die uns zur Ruhe kommen lässt, indem wir etwas „per Hand“ machen, um es wachsen zu sehen.

Wir wissen, dass es nicht gut ist für unsere Umwelt, zwei- bis dreimal im Jahr in ferne Länder zu fliegen. Aber die Konditionen sind so günstig, das muss man ausnutzen! Und dann am Gate stehen und sich ärgern, weil der Billigflieger ausfällt, die Fluggesellschaft konnte leider die Startgebühren nicht zahlen. Das Personal am Boden ist zu knapp, die Flugsicherheit nicht gewährleistet. Und unsere Regierung reagiert mit Flughafenausbauplänen, mit der Forderung nach mehr Bodenpersonal. Statt auf den Tisch zu hauen und ernst zu machen mit dem Bekenntnis zur Umwelt, zu den CO²-Zielen.

Wir ernähren uns vegetarisch oder vegan, Paleo oder Low-Carb. Statt mit Genuss und Verstand ausgewogen und in Maßen zu essen, wird Ernährung unsere Ersatzreligion. Oder Sport, oder Selbst-Optimierung. Statt uns anzunehmen, wie wir sind, jagen wir Idealen hinterher – und damit ist das Scheitern vorprogrammiert. Denn diese Ideale sind nur zu oft das Ergebnis von Photo Shop.

In Deutschland gibt es 800.000 Mitglieder im Tierschutzbund, wunderbar.

Aber nur 50.000 engagieren sich im Kinderschutzbund…

(Ernsthaft, habe ich eben erst nachgeschaut.)

Unsere Gesellschaft wird immer komplexer, wir kommen mit (gerade den technischen) Veränderungen nicht mehr mit. Unser Hirn bleibt analog. Und die Zahl derer wächst, die sich einfache Antworten wünschen.

(Es gibt auch sehr viel Wunderbares, aber darum geht es mir jetzt gerade nicht. Obwohl ich sonst ein großer Verfechter von guten Nachrichten bin. Alles hat seine Zeit…)

Es ist Erntedanktag in Deutschland.

Wir ernten, was wir gesät haben.