Unverhoffte Zeit

Wer hat eigentlich den unsäglichen Ausdruck „die Zeit totschlagen“ erfunden? Ich meine, da klagen wir im Allgemeinen ständig darüber, dass wir zu wenig Zeit für dieses oder jenes haben. Wir würden mehr Sport machen, mehr lesen, öfter ins Theater oder Kino gehen, wenn wir denn nur die Zeit hätten…

Ich hatte heute Nachmittag unverhofft ein bisschen Zeit für mich, nur eine knappe Stunde, aber wegen der Entfernung und der Verkehrsdichte lohnte es sich nicht, während des Termins der Tochter nach Hause zu fahren und kaum angekommen, wieder zum Abholen fahren zu müssen. Eine Stunde im Auto sitzen, ohne Schatten (und leider auch ohne Wasser) war auch nicht so eine prickelnde Alternative.

Also fuhr ich zum Wasserstraßenkreuz, das ist nur eine kurze Strecke vom Standort des Termins entfernt, und spielte dort einfach mal Touristin. Schaute mir die Kombi aus alter Schachtschleuse und dem neuen Schleusenmonstrum daneben an,

spazierte Richtung Mittellandkanal, schaute einmal Richtung Schaumburg/Hannover, wo sowohl die „alte“ als auch die „neue Fahrt“ die Weser überqueren, und der Vollständigkeit halber auch einmal gen Westen, da geht es nach Osnabrück.

Und machte ganz viele Handyfotos. Beobachtete ein Schiff beim Abwärtsschleusen:

Und einiges in der Umgebung hab ich auch noch geknipst, unter anderem einen Schaukasten, der dringend mal einen Fensterputzer bräuchte und einen noch relativ jungen Mammutbaum:

Zwischendurch spuckte ein Passagierschiff drei Busladungen Rentner aus, die dann in der vollen Breite (ungefähr 5 Meter) die Promenade beschlagnahmten, wer daran vorbei wollte (ob mit oder ohne Abstand), musste einen Miniabhang hoch und über den Rasen schlurfen. Ein zweites Schiff der weißen Flotte war anscheinend mit einem Betriebsausflug unterwegs: eine Menge Männer jeden Alters und dazu eine Handvoll mittelalterliche Frauen. Was soll es sonst gewesen sein bei der Zusammensetzung der Passagiere?

Meine Zeit habe ich jedenfalls nicht totgeschlagen, sondern gut genutzt. Zum Entspannen.

Unberechenbar – 5.1.2021

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Der heutige Abschnitt fordert mir einiges ab, vor allem, weil ich mich selbst darin so sehr wiederfinde mit meinen Schwächen. Es geht um den Zusammenhang von Zeit und Geld, Selbstoptimierung, die vermeintliche Fähigkeit zum Multitasking (gerade auch, wenn es um Online-Meetings geht), die Geschwindigkeit eines menschlichen Lebens und die Sehnsucht nach Entschleunigung. Nette Anekdote am Rand: „Nach Entschleunigung haben die Kritiker des technisch verursachten Geschwindigkeitswachstums ja bereits im 19. Jahrhundert gerufen. Sie zweifelten beispielsweise daran, dass die Menschen der Geschwindigkeit eines fahrenden Zuges auf Dauer gewachsen sein würden.“ (S: 80) Wenn die gewusst hätten, dass es irgendwann Überschallflug geben würde…

Während ich das hier lese und schreibe, tagen (online) die Kanzlerin und die MinisterpräsidentInnen und aller Voraussicht nach verordnen sie uns für die nächsten Wochen noch mehr Entschleunigung, als wir ertragen möchten (es sei denn, wir arbeiten im Gesundheits- oder Sicherheitssektor). Mitschuldig daran sind auch solche Zeitgenossen, denen jetzt schon alles viel zu langsam geht, denen die Decke auf den Kopf fällt und die daher nur mal einen Tagesausflug in den Schnee machen wollten. Nun haben wir alle den Salat.

Also, wir sehnen uns einerseits nach Langsamkeit, machen Achtsamkeitsübungen, Yoga und meditieren, aber auf der anderen Seite checken wir unsere News-Apps in immer kürzeren Abständen, wir bekommen quasi in Echtzeit mit, was in der Welt passiert. „Früher“ bekam man die Informationen vorsortiert einmal am Abend in der Tagesschau, heute werden wir von Nachrichten aller Art so dauergeflutet, dass wir irgendwann nur noch einige wenige davon auswählen, nämlich die, die uns bekannt vorkommen und uns in unserer Sicht der Dinge bestätigen. Ich muss bekennen, dass ich auch auf dem Weg war, ein Nachrichten-Junkie zu werden🙈 und dass ich mich am Riemen reißen muss, um seltener zu checken, was so los ist. Wenn man sich aber so sehr für viele Dinge interessiert, ist das einfach eine sehr große Versuchung. Ich lasse inzwischen immer häufiger das Smartphone einfach mal in der Küche liegen, wenn ich im Haus unterwegs bin. Zuhause brauche ich ja auch die Corona-App nicht.

Ich ende für heute mit einem Buchtipp aus dem Buch: Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit. Ich erinnere mich, es erschien, als ich in der Buchhändlerausbildung war. Damals hatten alle Piper-Taschenbücher hellbraune (ich schreibe lieber nicht die Assoziation, die mir dazu gerade durch den Kopf geht) Umschläge, eine gezeichnete Illustration und geschwungene Titelschriftarten… Das Buch habe ich x-mal verkauft, aber bisher nicht gelesen. Hm… Noch mehr Nabelschau ertrage ich nicht an einem Tag, also bis morgen.

Wenn ihr neugierig geworden seid:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Tag 9 -Der Australian Shepherd

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So, Leute. Heute habe ich ein Anliegen vor Weihnachten, für das es hoffentlich noch nicht zu spät ist. In der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr konnte man immer wieder lesen, dass sich ganz viele Leute einen Hund angeschafft haben. Weil sie auf einmal viel Zeit hatten, weil das Leben mit Hund Struktur in den Tagesablauf bringt (wer Hunde hält, weiß, wie sehr die auf ihre innere Uhr pochen können), weil man weniger allein ist…

Alles richtig, und es ist toll, sein Leben mit einem treuen vierbeinigen Begleiter zu teilen. Ich habe nur die dringende Bitte, ehe jemand mit dem Gedanken spielt, auch die Zukunft zu bedenken. Ein Hund hat je nach Größe und Rasse eine Lebenserwartung von mindestens 10-15 Jahren. Also gilt es zu überlegen, wie sehen normalerweise Urlaubsgewohnheiten aus? Wer hat auf die Dauer Zeit, sich zu kümmern? Kann eine Familie es sich voraussichtlich auch so lange leisten, denn außer der Anschaffung sind da ja auch laufende Kosten und ungeplante Ausgaben, vor allem der Tierarzt kann ganz schön ins Geld gehen.

Sind diese Fragen geklärt, ist die nächste Überlegung: möchte man einen Hund aus dem Tierheim oder aus der Tierrettung, darf es eine undefinierbare Promenadenmischung sein oder sollte es ein Hund mit Stammbaum sein? Und lasst euch hier bitte bloß nicht dreinreden, dass eine Möglichkeit die Beste und eine andere dafür indiskutabel sei. Denn der Hund soll auf Dauer Familienmitglied sein, dafür muss er dann auch zur Familie passen. Als wir vor 12einhalb Jahren den Entschluss gefasst hatten, einen Hund aufzunehmen, haben wir zunächst im Tierheim in Minden gesucht. Zu der Zeit hatten sie vor allem Hunde, die entweder ausgesetzt wurden oder aus problematischer Haltung stammten, durchweg ältere und größere Tiere. Die Mitarbeiterin, die uns beriet, sah, dass wir ein kleines Kind dabei hatten und sie war sehr ehrlich mit uns, indem sie uns ganz deutlich darüber aufklärte, dass der Hund, den wir ins Auge gefasst hatten, möglicherweise problematisch auf die Familiensituation reagieren könnte, wegen entsprechender Vorgeschichte. Sie riet uns ab, weil sie nicht irgendwann Schuld sein wollte, dass der Hund eventuell das Kind beißen könnte. Stattdessen riet sie uns, einen Welpen zu nehmen, damit Kind und Hund zusammen aufwachsen können. Das war sicher ein guter Rat, auch im Nachhinein.

Bei der Gelegenheit noch ein Rat: Überlegt euch im Familienrat alles, was ich oben geschrieben habe, bevor ihr euch Hunde anseht. Wir wissen aus doppelter Erfahrung, dass man schlichtweg verloren hat, sobald man in die warmen braunen oder frechen blauen Hundeaugen blickt!

Nächste Regel: wenn ihr euch einen Welpen, ob Rassehund oder „Unfall“ anschaut, achtet darauf, wie die Hunde leben. Und vor allem, wo sie leben, im Haus oder in einer Scheune? Bei Lucy war alles top, die Welpen wurden in einer Wurfkiste in der großen Wohnküche aufgezogen, sie kannten Familienleben von Anfang an. Kalle stammt von einer Ranch, dort wurden Quarterhorses, Australian Shepherds und Maine Coon Katzen gezüchtet. In der ländlichen Gegend bekamen die Züchter von den Forstleuten immer wieder Wildkadaver über den Zaun geworfen, wenn es Wildunfälle gegeben hatte. Auf der einen Seite ist es natürlich nachhaltig, wenn alles, was an Fleisch anfällt, auch verwertet wird. Aber ganz davon abgesehen, dass Kalle erstmal lernen musste, wie man in einem Haus statt im Stall lebt, dauerte es Wochen, bis er nicht mehr ständig pupste und nach ich-weiß-nicht-was stank. Er hatte zwar von seinem Papa gelernt, wie man Pferdehufen auf einem Paddock ausweicht, aber Staubsauger, Rasenmäher und ähnliches machen ihm bis heute große Angst (trotzdem rennt er beim Saugen immer um mich herum). Rückblickend gesehen, keine gute Zucht, aber nachdem wir dieses kleine freche Fellknäuel einmal im Arm hatten, gab es kein Zurück.

Verantwortungsvolle Züchter, gerade auch von Australian Shepherds (die seit einigen Jahren zu Modehunden geworden sind), achten dagegen sehr genau darauf, wem sie welchen Welpen geben, oder noch wichtiger: wem sie ihre Tiere (noch) nicht anvertrauen.

Jetzt komme ich deswegen auch zum Buch: wenn ihr gerade damit beginnt, euch für einen Hund zu interessieren, dann schafft euch vorher gute Lektüre dazu an. Fangt nicht als erstes an, in Hundeforen zu stöbern oder achtet zumindest auf solche mit differenzierter Darstellung! Fragt Menschen in eurer Umgebung, die Hunde der gewünschten Rasse besitzen. Wenn sie ehrlich zu euch sind, schwärmen sie euch nicht nur etwas vor, sondern weisen auch auf Probleme hin, die auftreten können. Zum Beispiel, was passieren kann, wenn der Hund alt wird. Demenz, Inkontinenz, Altersstarrsinn und Bösartigkeit sind Symptome, die nicht nur bei Menschen auftreten können, auch Hunde sind davon betroffen. Aktuell gehe ich zum Beispiel auf dem Zahnfleisch, weil unsere Lucy seit einigen Wochen jede Nacht anfängt zu seufzen und jammern. Immer zwischen vier und fünf Uhr. Ich werde davon wach und kann dann nicht mehr einschlafen. Da ich eine Hausstaubmilbenallergie habe und daher schon mit den eigenen Hautschuppenpartikeln im Schlafzimmer kämpfe, kann ich sie nicht dort schlafen lassen, ganz von den vielen langen Haaren abgesehen, die ich dort einfach nicht haben möchte. (Das ist auch so eine Sache: sollen Hunde im Schlafzimmer schlafen oder nicht? Antwort: so, wie ihr persönlich das für gut und richtig erachtet.)

Die Reihe „Unser Hund“ aus dem Kynos Verlag nimmt alle Lebensabschnitte der porträtierten Hunde in den Blick, verschafft einen Überblick auf Details, die man beachten sollte (Erbkrankheiten, erwartbare Gesundheitsprobleme, wie erkennt man Qualzuchten).

Und dann, wenn schließlich die Entscheidung gefallen ist: Viel Spaß!

Ein letztes: NIE,NIE,NIE einen Hund irgendwo aus dem Auto heraus kaufen!!! Man „erlöst“ damit vielleicht ein einzelnes Tier aus schlimmen Verhältnissen, sorgt aber dafür, dass dieses Geschäftsmodell Erfolg hat und weiter betrieben wird!

Bibliografische Angaben: Inga Paff, Der Australian Shepherd, Kynos, ISBN 978-3-942335-18-8, € 19,95 (Österreich € 20,60)

PS: Auf dem Beitragbild habe ich festgehalten, was euch erwartet, wenn ihr langhaarige Hunde und Teppichboden habt: Immer wieder staubsaugen. Allerdings weigere ich mich strikt, das mehr als einmal am Tag zu tun.

PPS: Auch wenn ein Leben mit Aussies nicht immer nur Zuckerschlecken ist, denn es sind durchaus Hunde mit Ansprüchen, ich würde jederzeit wieder einen nehmen. Es sind halt tolle Tiere. Aber das sagt vermutlich jeder von seinem Hund.

Es ist Donnerstag…

… und es regnet. Unspektakulär, meinst du? Beides empfinde ich augenblicklich als wohltuend. (Bis auf die Tatsache, dass auf meiner Tastatur das „N“ klemmt, entspannt mich nämlich beides gerade enorm)

Fange ich mal mit dem Regen an. Der DWD hatte für gestern Abend über OWL Gewitter angekündigt. Aus Sorge um meine schönen Rosen im Garten hab ich deshalb alle mal fotografiert, so ist die Collage oben entstanden. Aber so oft ich auch das Regenradar befragte, es regnete im Südwesten, es regnete nordöstlich von uns, aber einige unbeugsame Gegenden: Ostfriesland, Münsterland und Ostwestfalen, bekamen nix ab. Ich mag nicht glauben, dass es an dem Menschenschlag dort liegt. Das eigentliche Problem für mich: meine Wassertanks sind fast leer, und ich habe begonnen, überall dort, wo Kalle buddelt, etwas zu pflanzen (wenn er das sowieso schon tut, kann es ja auch gleich zu etwas nütze sein, oder?) Ich muss also viel gießen. Es soll ja auch anwachsen. Heute früh verriet mir Google, dass ab 8:00 Uhr in Porta Westfalica Regen erwartet wird. Er kam dann wohl mit der deutschen Bahn, also zeitlich etwas großzügig ausgelegt pünktlich😁. Aber die Hauptsache: zurzeit zumindest ist es ein richtig schöner Landregen, nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark. Meinetwegen darf das jetzt gern zwei Tage dauern.

Und es ist Donnerstag. Toll. Gibt es jede Woche, na und? Zur Erklärung: Donnerstag ist seit letzter Woche der einzige „normale“ Tag der Woche. Weil Kathrin donnerstags Präsenzunterricht in der Schule hat. Es ist ja nicht so, dass wir uns den Rest der Woche auf der Pelle hocken oder so, jeder von uns dreien sitzt meist im eigenen Zimmer und macht seinen Kram, aber irgendwie treffen wir uns zwischendurch immer mal wieder in der Küche oder auf der Terrasse und machen einen Schwatz, spielen mit den Hunden, also es ist irgendwie auch immer etwas Ferienatmosphäre dabei. Zumindest mein Tagesablauf ist davon immer wieder aus dem Trott gerissen. Das ist gar nicht unbedingt schlecht, ich habe nur öfter mal das Gefühl, ich schaffe dadurch nicht so viel. Andererseits hat es aber auch eine Qualität, denn die vier Jahre bis zu Kathrins Abi werden so schnell vorbei sein, und dann verlässt auch das letzte unserer Küken das Nest. Darüber denke ich lieber nicht so nach.

Und sonst so? Über Pfingsten habe ich bei meinen Stoffen eine spezielle Art von „Inventur“ gemacht. Also nicht so klassisch mit zählen und notieren, wovon wieviel da ist, sondern ich habe mir eine Kiste nach der anderen vorgenommen, ausgeleert, alle kleinen oder größeren Stücke gebügelt und bewertet, ob sie noch groß genug sind (so ab 4×4 cm), um damit zu nähen. Lange dünne Streifen wurden aussortiert, damit kann ich auch noch was anfangen, und durcheinander geratene Farben kamen wieder in die richtigen Kisten. Dabei kamen Erinnerungen an zurückliegende Nähprojekte, an Orte, wo ich die Stoffe erworben habe oder auch Aha-Momente: Ach, da habe ich also doch noch einen schlicht gelben Stoff für eine Rückseite? Hätte ich nicht gedacht… Die nächste Herausforderung, die im Hinterkopf lauert: Ich brauche eine vernünftige Preiskalkulation und die entsprechende Liste. Und zwar so, dass nicht alle potentiellen Käufer hinten rüberfallen, Stoffpreise und Arbeit aber trotz allem einen angemessenen Platz finden. Eine Idee habe ich schon, muss die aber jetzt in ein Excel-Kalkulationsschema gießen. Uff. Aber auch sowas gehört dazu. Die Nähmaschine muss noch ein paar Tage warten, aber zumindest habe ich das Quilttop für meinen ersten Auftrag schon soweit fertig. Es muss noch gequiltet werden und dann die Rückseite für das Kissen genäht werden.

Wieder Themenwechsel. Das geht hier zu wie in meinem Kopf, sorry. Seit einigen Tagen habe ich schon ein paar Zeitungsseiten auf dem Schreibtisch liegen, weil mir Themen aufgefallen sind, die in der letzten Woche in der Lokalpresse hochkamen und die ich ziemlich erwähnenswert fand. Um hier wieder Ordnung zu bekommen, verbrate ich die jetzt noch kurz und knackig:

Als erstes: Beim Kompostwerk unseres Entsorgers beklagt man, dass immer mehr Restmüll und Wertstoffe in den Biotonnen landen. Ich frage mich: Warum? Es liegt doch auf der Hand, dass am Ende alle Haushalte dafür zahlen müssen, wenn wegen des erhöhten Sortierbedarfs die Gebühren steigen und zudem die Qualität des gewonnenen Komposts deutlich sinkt. Klar kann es passieren, dass man mal den falschen Tonnendeckel hebt, aber wenn ich am Abend vor der Leerung der Biotonnen mit den Hunden durchs Dorf gehe, dann sehe ich aus manchen Biotonnen sogar oben die Restmülltüten mit nicht kompostierbaren Abfällen herausragen. Da die Tonnen nicht mehr von Müllwerkern an die LKWs gefahren werden, sondern mit automatischen Seitenladern gearbeitet wird, fällt das den Fahrern sicher nicht immer auf. Denn diese Tonnen müssten eigentlich stehen bleiben mit dem Vermerk an die Besitzer, sie mögen bitte erst mal selbst ihren Müll ordentlich sortieren…

Minden hat Busfahrermangel. Und es wird damit gerechnet, dass dieser sich verschärft. Aber gerade der ÖPNV sollte doch eine Hauptsäule der sich wandelnden Mobilität werden. Hm. Wenn sich die Lufthansa verkleinert, könnten doch Piloten …, aber die sind eindeutig überqualifiziert (obwohl, ein bisschen erinnert es schon manchmal an Tiefflüge, wenn die Busfahrer in die Kurven brettern, weil sie noch die Ampelphase erwischen wollen) und hätten dann wesentlich geringere Gehälter. A propos Lufthansa, ich hoffe schwer, dass die Bundesregierung als Anteilshalter der Lufthansa sich zwar nicht in die Flugpläne, dafür aber in die Steuergestaltung einmischt. Denn ein Konzern, der letztendlich von jedem einzelnen Steuerzahler gestützt wird, der sollte auch verdammt nochmal alle seine Steuern hier zahlen und sich fair verhalten. Punkt!

Die Rubrik „Mittagstisch“ ist eine Sammlung von Restaurants und Bistros in der Stadt, die mittags Essen (zum Mitnehmen) für alle anbieten, die nicht selbst kochen mögen oder bei der Arbeit etwas nahrhaftes in der Mittagspause essen wollen. Ich schaue da gern durch, auch zur eigenen Inspiration. Aber mit einer Vegetarierin im Haus und zwei Menschen, die nicht mehr bereit sind, Schlachthauskonzerne zu unterstützen, hat es nur noch wenig Wert. Fast jeder Anbieter (außer dem Fischbäcker) hat Fleisch an jedem Tag im Angebot. Und alles andere ist „Sättigungsbeilage“. Da steht noch viel Umdenken bevor.

Insgesamt stelle ich fest, dass mich in den Lockdownzeiten das Zeitunglesen mehr entspannt hat. Klar gab es die täglichen Corona-Meldungen, aber die Redaktion hat in der Zeit unheimlich viel Ermutigendes geschrieben, positive Dinge, die Menschen in unserer Region auf die Beine gestellt haben. Jetzt, wo immer mehr gelockert wird, kommt der alltägliche Wahnsinn aus Vor-Corona-Zeiten wieder: Meckerei an der Regierung, an Deutschland, an jedem Pups, der quer sitzt. Begehrlichkeiten von großen Lobbygruppen, Wirtschaftsverbänden, neoliberalen Akteuren. Alles weiter, höher, schneller! Weg ist die Demut, die Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann.

Ich höre jetzt auf. Sonst ist meine positive Grundstimmung vom Anfang des Artikels völlig im Eimer. In diesem Sinne: Ich hoffe, du kannst auch das Geräusch von sanft fallendem Regen genießen und musst nicht fürchten, dass ein Sturzbach durch deinen Keller fließt. Einen schönen, ganz normalen Donnerstag!