Deutsche Befindlichkeiten 2020 – Teil 1

Morgens, nach dem Aufschlagen der Tageszeitung:

Erster Corona-Fall in OWL – Gedenken in Hanau – Bäume fällen in der Stadt – Messe-Absagen und Wirtschaftssorgen – 18jähriger verwüstete Sportplatz mit BMW-SUV –

Aber auch: Ersatz-Großväter, das ist heute früh mein Highlight!

Ehrlich gesagt, die zum großen Teil irrationale Angst vor Corona weckt in mir eine ganz andere Befürchtung: nämlich die, dass es mit Solidarität und Empathie, mit Differenzierung und gesundem Menschenverstand bei einigen nicht so weit her ist. Wenn ich mal unterstelle, dass vermutlich der Großteil der Bevölkerung ziemlich sachlich mit der ganzen Chose umgeht, dann frage ich mich allen Ernstes, wie es eine Minderheit schafft, Apotheken, Drogerien und Supermärkte leerzukaufen.

Und erst recht, was Zeitgenossen dazu treibt, in Krankenhäusern wichtiges Material zu klauen, das zur Versorgung Schwerkranker dringend gebraucht wird. Man ist ja glatt versucht, diesen Mitmenschen ganz dringend eine Erkrankung oder Verletzung an den Hals zu wünschen, damit sie mit den Folgen ihres Tuns selbst konfrontiert werden. Aber man ist ja Menschenfreund, auch von den Bekloppten.

Was die Wirtschaftsfolgen angeht, so wäre es langsam mal an der Zeit, das neoliberale Modell zu hinterfragen. Ist es im Rahmen der allgemeinen Daseinsfürsorge nicht wichtiger, zumindest einen Teil der Versorgung mit Medizinprodukten jeglicher Art durch Produktion im eigenen Land zu garantieren? Die Lieferengpässe für bestimmte Medikamentengruppen bestehen ja nicht erst seit Corona. Darüber klagen Apotheker schon lange. Die erste Schlagzeile, die ich allerdings in Erinnerung habe, nachdem Chinas Produktion und Export zu großen Teilen gestoppt wurde, ist „Produktion des neuen IPhones in Gefahr!“ Da liegen die Prioritäten. Traurig.

Ist es ethisch vertretbar, dass Pharmaindustrie Erfolg rein nach den Maßstäben des Shareholder Value bewertet? Obliegt diesen Konzernen nicht auch und vor allem eine Verantwortung für die Gesellschaft?

Da wir in einer globalisierten Welt leben, muss eine solche Thematik allerdings auch im Rahmen von bi- oder multilateralen Verträgen von allen bedacht werden, und da wird es spätestens schwierig. Allerdings sind ja im Grunde genommen alle betroffen, früher oder später.

Fragen über Fragen … Fortsetzung folgt.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

12 Kommentare zu „Deutsche Befindlichkeiten 2020 – Teil 1“

  1. DANKE!. Zum oberen Teil deines Beitrags. Tja, da zeigen sich tiefe Abgründe in unserer doch so „hilfsbereiten“ und „Menschenfreundlichen“ Gesellschaft im zivilisierten West-Europa oder? Ich kriege da ernsthafte Zweifel.
    Und Corona, ist ja mal nur ein besondere Form von Grippe. Wie soll‘n das laufen, sollte da wirklich mal ein ganz übler Virus die Bühne betreten??

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    1. Im ZDF Interview hat jetzt gerade ein renommierter Risikoforscher eine Einordnung vorgenommen. Interessanter Beitrag, kommt morgen bei „Berlin direkt“. Kurz gesagt: Autofahren, Rauchen und Alkohol sind auf den Einzelnen bezogen viel gefährlicher. Aber lange bekannt.
      In der Krise zeigen sich die besten und die schlechtesten Eigenschaften der Menschen…

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  2. Die Minderheit, die du oben ansprichst, umfasst laut Umfrage ein Viertel, hast es ja bei mir gelesen. 20 Millionen. Das reicht für Super- und Drogeriemärkte etc.
    Was den Einbruch in das KKH angeht, glaube ich, dass der Kram schon längst online verscheuert ist – und zwar zu horrenden Preisen.
    Ohne Worte. 😑
    Liebe Grüße
    Christiane 😁👍

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      1. Ich hab mich gefragt, warum du bei so vielen Einträgen die Kommentare nicht aufhast, wenn ich das am Rande mal fragen darf … Kann natürlich jede*r machen, wie er*sie will … 🤔😉🍷

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      2. Ups. War keine Absicht. Da muss ich doch mal genauer in den Einstellungen wühlen, wenn ich wieder anständig im Büro sitzen kann. Ich mach das nicht so gern am Handy. Liegt möglicherweise an meiner Ungeduld.
        Danke für den Hinweis😊

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      3. Mir hat geholfen, mir selbst zu folgen. Dann sieht man, wie andere den Eintrag (im Reader) sehen, und die Tatsache, dass man z. B. die Kommentare nicht offen hat, fällt eher auf.
        Ich mache in der App auch nichts außer lesen und Kommentare beantworten. 😉

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  3. Moin. Es muss irgendwie damit zu tun haben, dass ich in der letzten Zeit mehr aus der App gemacht habe und dort den Block-Editor nutze, am PC hatte ich noch den klassischen. Unlogisch finde ich es nach wie vor, dass WP ohne bewusste Änderungen den Standard (Kommis erlaubt) in einzelnen Beiträgen überschreibt. Das kenne ich aus der Softwareentwicklung bei uns in der Firma anders. Naja.
    Der Tipp mit dem selbst folgen ist klasse, das werde ich auch mal tun.
    Ich habe das Bloggen vor zwei Jahren eher als Schreibübungen angefangen (welche Buchhändlerin träumt nicht davon, auch mal selbst Autorin zu sein 😉 ), aber inzwischen macht es mir richtig Spaß. Danke für deine Aufmerksamkeit und Tipps.

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    1. Entschuldigung, aber auf „Schreibübung“ MUSS ich reagieren ;-). Du hast schon gelesen, dass ich die abc.etüden auf meinem Blog hoste und du dich gern den ganzen Etüdenverrückten anschließen kannst, ja? 😀 Denn nichts anderes sind die Etüden: Schreibübungen, Fingerübungen … Auch mein Text vom Freitag gehörte dazu.
      Fragen jederzeit zu mir, bitte.

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      1. Ach, schon gefunden. Lustig. In meiner Zeit an der Malche (theologisch-pädagogische Ausbildungsstätte) haben wir so etwas mit unseren Übungspredigten gemacht. Dabei kamen dann in einer Predigt über den Fischzug der Jünger schon mal Begriffe wie „Flipflop“ oder „Eisschrank“ vor…

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      2. Cool! Okay, ich habe das Etüdenprojekt „geerbt“, und der Etüdenerfinder hat nie behauptet, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben, aber dass das Konzept so verbreiten ist, amüsiert mich 😁

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