Ratlosigkeit Dezember 2020

Dass ich bekennende Zeitungsleserin bin, habe ich vermutlich schon mal erwähnt. Ob ich auch erwähnte, dass ich zunehmend ratloser werde, wenn ich sie morgens aufschlage, weiß ich dagegen nicht so genau. Diese Ratlosigkeit liegt aber nicht an der mangelnden Qualität unserer Tageszeitung, sondern an den Meldungen, die aus diversen Landes- und Bundesministerien kommen und natürlich für die Allgemeinheit zu verbreiten sind.

Seit Ende Oktober habe ich mitunter das Gefühl, so manches politische Personal hat recht unterschiedliche Auffassungen von „gemeinsam“ oder „einheitlich“ und ähnlichen Werten. Es ist aber auch nicht ganz einfach, bedenkt man, dass in Deutschland so ziemlich immer irgendwo irgendein Wahlkampf herrscht. Und im Wahlkampf, das wissen wir aus Erfahrung, ist sich jede/r selbst der oder die Nächste. Daher sollte es mich eigentlich nicht wundern, dass meist der Tonergeruch vom Ausdruck der Papiere noch nicht verflogen ist, wenn sich einzelne Bundesländer von gemeinsamen Positionen wieder in Details oder sogar bei grundsätzlichen Regelungen verabschieden.

Teilweise kann ich das rein gefühlsmäßig sogar nachvollziehen, wenn sich die norddeutschen Bundesländer mit wenig Bevölkerung pro Quadratkilometer und entsprechend wenig Infektionsgeschehen fragen, warum sie genauso handeln sollen wie Bundesländer mit extremen Ballungsgebieten. Aber rational gesehen stellt ein einheitliches Vorgehen erstens ein Vorbild dar für Werte, die von der Allgemeinheit erwünscht sind (wie zum Beispiel Solidarität), zum anderen wird eine gewisse Gleichbehandlung und Gerechtigkeit hergestellt und drittens müssen sich die Menschen, die beispielsweise in einem Bundesland wohnen und in einem anderen arbeiten, nicht ständig fragen, wie sie wo zu handeln haben.

Nach neun Monaten Pandemie würde ich mir auch dringend wünschen, dass es einen Fahrplan gäbe, wie man als Gesellschaft gut durch den gesamten Winter kommen kann, statt jetzt quasi den Countdown für einen Impfstoff herunterzuzählen, der kein sofortiges Allheilmittel darstellt.

Nach neun Monaten Pandemie würde ich mir sehr dringend wünschen, dass mancher Widerspruch gelöst oder zumindest so erklärt würde, dass es alle nachvollziehen können. Warum zum Beispiel von offiziellen Stellen empfohlen wird, den ÖPNV zu meiden, wo es möglich ist, aber den Schülerscharen wird zugemutet, im Rahmen einer eingeforderten „Bildungsgerechtigkeit“ jeden Tag zweimal in vollkommen überfüllten Bussen auszuharren.

Nach neun Monaten Pandemie würde ich mir extrem wünschen, dass in den Bildungsministerien nicht nur auf den Bildungsauftrag gepocht würde, auf das Recht der SchülerInnen auf gute Bildung, sondern auch ihr Arbeitsschutz und der des Lehrpersonals in den Mittelpunkt gestellt würde. Vor allem, da ich seit dem Jahr 1999 Kinder in der Schule habe und mich des Öfteren das ungute Gefühl beschleicht, dass es mit diesem Beharren auf Bildungsgerechtigkeit in den letzten 20 Jahren (egal unter welchen Koalitionen in den Landtagen) nicht immer so weit her war wie ausgerechnet dieses Jahr. Wo ich mich außerdem frage, warum offenbar die Erkenntnisse und Vorschläge von Lehrern, Eltern und Schülern, wie die Organisation von Schule aussehen könnte, um möglichst viele Interessen zu beachten, nicht gefragt sind. Wohlgemerkt, es geht um den SchulALLTAG, nicht um abstrakte pädagogische Konzepte. Wer ist denn am Alltag näher dran als die genannten Gruppen? (Die das bisher in bemerkenswert geduldiger Weise mitmachen.)

Nach neun Monaten Pandemie würde ich mir so sehr wünschen, dass in diesem Land weniger auf die Aktienkurse von Dax-Konzernen geschielt wird, wenn die Hilfen verteilt werden. Und mehr auf die einzelnen Menschen geblickt, die, jeder nach seiner Ausbildung, nach ihrem Engagement, nach deren Fähigkeiten, dieses Land am Laufen halten. Auch auf die Menschen, denen diese aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aus den unterschiedlichsten Gründen verwehrt ist. Möglicherweise hätte das auch zur Folge, dass sich nicht immer mehr „ganz normale“ Menschen den extremen Bewegungen zuwenden, die derzeit den öffentlichen Raum für sich beanspruchen.

Nach neun Monaten Pandemie verliere ich das Verständnis dafür, warum so viele Einrichtungen schließen müssen, die viel Personaleinsatz und Geld investiert haben, um anderen Menschen Ablenkung und Freizeitgestaltung zu ermöglichen: Restaurants, Kinos, Theater… Ja, es mag hier schwarze Schafe gegeben haben, trotzdem ist in diesen öffentlichen sozialen Begegnungsräumen doch besser eine Kontrolle (nicht nur vom Ordnungsamt, auch soziale Kontrolle durch die Leute gegenseitig) der Abstände möglich als wenn sich die Gruppen in Partykellern treffen. Ganz davon abgesehen werden viele Menschen, die wirklich gern arbeiten möchten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nicht nur mit der Billigung, sondern der erklärten Absicht der Politik in die Grundsicherung geschickt. Welche Auswirkungen das auf die seelische Gesundheit das hat, kann überhaupt noch nicht abgesehen werden.

Ich habe einen Traum (und fühle mich deswegen keineswegs wie Martin Luther King), dass es eine breite politische und gesellschaftliche Bewegung gibt, die den Mut hat, aus der vermaledeiten Wachstumsspirale des Neoliberalismus herauszuwachsen. Die erkennt, dass Wachstum nicht zwangsläufig mehr kurzfristigen Konsum, mehr Infrastruktur, mehr Umsatz, mehr versiegelte Landschaft… bedeutet. Ja, ich weiß, damit mache ich ein Fass auf. Aber träumen darf ich doch.

Ich befürchte, wir hätten diese Chance eventuell im Frühjahr gehabt. Und ich befürchte, wir haben sie erstmal wieder verpasst. Ich wünschte, jemand würde mich eines Besseren belehren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Übrigens: Trotz allem Unbehagen halte ich mich weiterhin an die Regeln, die bestehen. Nicht, weil ich ein „Schlafschaf“ bin, sondern weil ich gerade keine andere Möglichkeit sehe. Denn eins ist klar: Wenn ich nur mich selbst und meine persönliche „Freiheit“ sehe, dann gerät die Gesamtheit der Gesellschaft aus meinem Blickfeld. Denn außer dem, was ich hier beschrieben habe, gibt es unheimlich viel, was ich einfach nicht überblicken kann.

Ein kleines Beispiel: Die Gesundheitsämter haben um diese Jahreszeit normalerweise unter anderem die Aufgabe, Kinder auf ihre Schulfähigkeit zu untersuchen. In diesem Jahr sind sie damit vollauf beschäftigt, Kontakte nachzuverfolgen, teilweise von Menschen, die ihre Grundrechte so sehr eingeschränkt sehen, dass sie sich mit Gleichgesinnten ohne Masken und Abstand auf den Marktplätzen der Republik tummeln. Ich mag mir nicht ausmalen, wie viele Kinder in den nächsten Jahren darunter zu leiden haben, dass sie nicht die Förderung erhalten, die sie eigentlich bräuchten, um eine gute Schullaufbahn zu durchleben. Schwupp, da ist sie dann wieder, die fehlende Bildungsgerechtigkeit…! Nur dieses Mal mit anderen Vorzeichen. Du verstehst, was ich meine?

PS: Ich bitte um Entschuldigung. Der Frust musste mal raus. Ich kann nicht immer nur Optimistin sein.

Tag 21 – Die Kunst, aufzuräumen

Sortierst du auch deine Buntstifte nach Farbe oder nach der Länge oder hast du ein ganz anderes Ordnungskriterium, das penibel eingehalten werden muss? Wenn ja, gratuliere ich dir zum ultimativen Spiel-Tipp. Ja, ganz recht, heute geht es um ein Spiel, aber auch Bücher hat Urs Wehrli, Schweizer Diplom-Sortierer, bereits herausgebracht. Wir besitzen sein Buch „Kunst aufräumen“ schon seit einigen Jahren, weil es einfach spaßig ist, nach welchen Kriterien Herr Wehrli mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks alte und neue Meister in eine neue, logische Ordnung bringt.

Aber auch vor Pommes, Buchstabensuppe, Landkarten, Sandkästen und Parkplätzen macht er nicht Halt mit seiner Aufräumeritis. Und so ist ein Memoryspiel ganz eigener Art entstanden, es gilt, jeweils ein Paar aus dem gewohnten Bild und der aufgeräumten Variante zu entdecken.

Bibliografische Angaben: Ursus Wehrli, Die Kunst, aufzuräumen, Metermorphosen, ISBN 978-3-934657-70-0, € 19,90

Tag 22 – Good night stories for rebel girls

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Es ist nicht mehr brandneu und es gibt auch inzwischen drei Bände. Aber es ist ein Buch, das Mädchen inspirieren kann, ihre Fähigkeiten zu entdecken. Die Bücher sind sehr vielseitig aufgestellt, es finden sich bekannte Frauen wie (natürlich) Angela Merkel und Michelle Obama, aber auch solche, die heute auf Anhieb niemand mehr auf dem Schirm hat, zum Beispiel die Pharaoninnen Hatschepsut und Kleopatra.

Frauen, die in den Naturwissenschaften Pionierleistungen vollbrachten zu einer Zeit, als sie noch nicht einmal überall studieren durften, wie Maria Sybilla Merian oder Marie Curie.

Daneben werden natürlich auch Frauen des geschriebenen Wortes vorgestellt, großartige Schriftstellerinnen ebenso wie mutige Journalistinnen. Frauen, die in (Extrem-)Sportarten in vermeintliche Männerdomänen eingebrochen sind, wie Ashley Fiolek (Motocrossfahrerin), Amelia Earhart (Flugpionierin), Amna al Hadad (Gewichtheberin) oder Jessica Watson, die mit 16 Jahren Einhand (also ganz allein) die Welt umsegelte.

Aber auch Frauen, die es in unterschiedlichen kreativen Berufen zu internationaler Anerkennung gebracht haben, Sängerinnen, Tänzerinnen, Malerinnen und mehr. Auf ganz unterschiedliche Arten: Zum Beispiel durch die Sängerinnen Joan Jett (Rock), Maria Callas (Oper) oder Sonita Alizadeh (Rap).

Jede dieser Frauen ist mit einer Textseite und einer Illustration porträtiert, gerade genug, um neugierig zu machen. Und durch die Vielseitigkeit ist für alle etwas dabei, was bestärken kann: In einer Welt, in der bis heute an viel zu vielen Stellen Frauen in der zweiten Reihe stehen statt gleichberechtigt neben den Männern, macht es einen Unterschied, ob Mädchen zu selbstbewussten Frauen heranwachsen. Die Geschichten machen Mut, dass vieles erreichbar ist, selbst wenn die Voraussetzungen nicht immer perfekt sind, manchmal sogar aus verzweifelten Situationen heraus.

Nicht nur für Töchter, auch für Mütter (und Väter) eine tolle Sammlung an Appetithäppchen!

Bibliografische Angaben: Elena Favilli und Francesca Cavallo, Good night stories for rebel girls, Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-25690-3, € 24,- (Österreich € 24,70)

Tag 23 – Wie viel wärmer ist 1 Grad?

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Ihr seht schon, das Thema „Klima“ lässt mich dieses Jahr nicht los. Ob es daran liegt, dass dieses drängende Problem von dem bösen C-Wort so an den Rand gerüpelt wurde? Fakt dürfte es jedenfalls sein, wenn es nächstes oder übernächstes Jahr Impfungen oder sogar Medikamente gegen das Virus geben wird, dann haben wir die Klimathematik immer noch an der Backe. Selbst dann, wenn diesen gesamten Winter alle Skilifte stillstehen sollten oder auch 2021 keine unbeschwerte Flugreise in warme Gefilde möglich ist…

Nicht nur für Kinder, auch für Eltern und andere Bezugspersonen ist es zunächst wichtig, den Unterschied zwischen Wetter (kurzfristig) und Klima (da braucht es schon mindestens 30 Jahre für) zu kennen. Das Buch ist stark visuell aufgebaut, alles wichtige wird mit kurzen Texten und einprägsamen Bildern erklärt. Dazu gehört auch, nicht nur bei den Basics (also zum Beispiel: wie entsteht Regen und was ist ein Hochdruckgebiet) stehenzubleiben, sondern auch den menschlichen Einfluss durch weltweiten Warenverkehr, Reisen, exotische Nahrungsmittel, wachsender Energiebedarf… darzustellen. Und dann wiederum bietet es auch Ansätze, wie alle von uns die (und sei es noch so kleine) Möglichkeit haben, sich aus der Konsumspirale zu befreien und den persönlichen CO2-Fußabdruck zu verkleinern.

Es ist ein Buch, mit dem sich idealerweise die ganze Familie auseinandersetzt, denn Kinder können uns Erwachsenen sehr gut auf die Sprünge helfen, damit wir uns ernsthaft darum kümmern, unseren Nachkommen keine vollkommen kaputte Lebensumgebung zu hinterlassen. Die Generationen können sich so gegenseitig zu einem besseren Umgang mit Ressourcen erziehen. Aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Bibliografische Angaben: Scharmacher-Schreiber/Marian, Wie viel wärmer ist 1 Grad?, Beltz & Gelberg, ISBN 978-3-407-75469-1, € 14,95 (Österreich € 15,40)

Tag 24 – Pilgerwege in Deutschland

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Seit einigen Jahren ist es mein Herzenswunsch, den Jakobsweg zu gehen. Bisher musste ich ihn aber immer wieder verschieben. Im vergangenen Winter stieß ich auf dieses Buch, das nicht nur die „Zuwege“ der bekannten Jakobswege vorstellt (irgendwie mussten auch im Mittelalter schon die Pilger aus den nord- oder osteuropäischen Ländern nach Spanien kommen, die konnten sich ja nicht in den ICE oder ins Flugzeug setzen), sondern auch andere, teils bekannte, teils unbekannte Pilgerwege in Deutschland.

Nah dran oder auch weiter weg, aber alle geeignet, das eigene Land besser kennenzulernen…

Ich war überrascht, dass es gleich mehrere Wege gibt, bei denen ich fast nur aus der Haustür treten muss, um als Pilgerin unterwegs zu sein. Der Sigwardsweg führt direkt bei uns am Dorf vorbei, der Pilgerweg Loccum-Volkenroda quert zumindest den Nachbarkreis Schaumburg. Aber auch die anderen deutschen Pilgerwege sind gut erreichbar, also ist es auch kein Problem, nur mal ein paar Tage zur Probe den Pilgerrucksack aufzusetzen, man kommt immer wieder gut nach Hause. Ist doch für Anfänger möglicherweise besser, als irgendwo im spanischen Outback zu stranden, falls die Kräfte oder der Antrieb schwinden.

Natürlich muss man nicht auf spiritueller Suche sein, um die vorgestellten Wege zu erwandern, genauso gut kann man einfach auf den Spuren alter Handelswege Natur und/oder Kultur erleben.

Von Nord nach Süd arbeitet sich der Bild- und Textband vor.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass meine Beine und die Ausdauer im Laufe des nächsten Frühjahrs wieder so mitmachen, dass ich dann endlich mal die eine oder andere Etappe unter die Füße nehmen kann. Bis dahin genieße ich häppchenweise die wunderschönen Fotos und die informativen Texte des Buches.

Bibliografische Angaben: Pilgerwege in Deutschland – Auf der Suche nach der Stille, Kunth Verlag, ISBN 978-3-95504-879-2, € 34,95 (Österreich € 36,-)

Überraschung!

Ich habe einen Adventskalender bekommen! Und zwar nicht irgendeinen, sondern es ist ein bible art journaling-Adventskalender, von Daniela selbstgemacht. Obwohl sie auch schon im letzten Jahr so eine Aktion für unsere kleine, aber begeisterte Gruppe von „in-der-Bibel-Herummalerinnen“ ausgedacht hatte, habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass sie die Aktion wiederholt. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, aber ich werde ihn erst morgen aufmachen, und auch erst dann, wenn ich ein bisschen Zeit und keine Hektik habe, also eher zum Abend hin.

Dann und wann werde ich euch teilhaben lassen, was aus den Anregungen entsteht, die Daniela uns gibt. Wenn euch das interessiert, schaut in den nächsten vier Wochen dann und wann in den Menüpunkt bible art journaling hinein.

Tag 25 – Das Weihnachtsdorf

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Der heutige Tipp hat mir die Adventszeit im Jahr 2019 versüßt. Ich hatte da schon zwei andere Romane gelesen, die im „Genießerdorf“ spielten und diesen auch schon im Herbst gekauft, aber sehr diszipliniert bis zum ersten Advent liegen gelassen. Ehrlich gesagt ist es vermutlich auch besser, wenn du als erstes die „Kräuter der Provinz“ liest, weil du dich dann in Maierhofen und seinen Bewohnern schon ein bisschen auskennst.

Die Story ist einfach gute Unterhaltung, ein kleines Dorf, das gerade erst durch ein großes Kräuterfestival zu einem Zusammenhalt gefunden hat, will dieses Gefühl durch den Winter retten. Was liegt da näher, als aus dem gesamten Dorf ein Weihnachtsevent zu machen. Gesagt – getan? Wenn es denn so einfach wäre. Es gibt Querschüsse aus teilweise nicht erahnten Richtungen, Missverständnisse, Neid. Und nicht alle haben dieselben Vorstellungen davon, was ein gelungenes Weihnachtsfest ausmacht. Wie das Leben so spielt, auch in der tiefsten Provinz…

Wenn du keine hochintellektuelle Lektüre suchst, sondern eine Möglichkeit, einfach mal abzuschalten vom stressigen Vorweihnachtstrubel, vielleicht sogar genießerisch in der Badewanne, dann kann ich dir das Buch empfehlen. Es kann sehr entspannend sein, sich ausnahmsweise nur über fiktive Probleme und erfundene … merkwürdige … Menschen aufzuregen😉.

Was mir übrigens am besten gefallen hat, sind umfangreiche Rezeptvorschläge, auch für Geschenke aus der Küche. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Bücher mit Rezepten liebe (nicht nur als Kochbücher!)

Bibliografische Angaben: Petra Durst-Benning, Das Weihnachtsdorf, Blanvalet, ISBN 978-3-7341-0602-6, € 8,99 (Österreich €9,30)

Tag 26 – Teufelskrone

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Eins meiner persönlichen Highlights: Der sechste Band aus der Saga um die Familie Waringham, die über Jahrhunderte hinweg mit der Geschichte der englischen Königshäuser verwoben ist. Zugleich ist es in der chronologischen Reihenfolge der früheste Band und er spielt in einer Zeit, über die ich auch schon andere Romane gelesen habe: Zur Herrschaftszeit der Familie Plantagenet. König Richard Löwenherz und sein Bruder Johann Ohneland sind wohl allen bekannt, ihre Mutter Eleonore von Aquitanien fand ich schon von Katherine Hepburn dargestellt in dem Film „Der Löwe im Winter“ eine tolle Frau.

Auf der Seite der Familie Waringham gibt es Männer, die sich an Richard halten, aber auch solche, die John die Treue geschworen haben. Und weil nun mal nicht alles nur schwarz oder nur weiß ist, sind auch die Charaktere der beiden königlichen Brüder nicht so romantisch aufgeteilt in den tapferen König Richard und den listigen Prinz John (wie es am Rande der Robin Hood-Geschichten immer vorkommt). Beide Männer hatten sicherlich ihre guten und ihre schlechten Seiten.

Rebecca Gablé schafft es immer wieder, die englische Historie gleichermaßen genau wiederzugeben und dabei spannende Geschichten zu erzählen, ich wünschte, ich hätte früher Geschichtslehrer gehabt, die solchen Spaß an historischen Themen vermitteln. Dazu ist sie übrigens eine sehr sympathische Frau; vor vielen Jahren habe ich eine Lesung mit ihr organisiert und war im Vorfeld mit ihr zum Essen, sie ist bodenständig und schafft es, ihr Publikum mit auf ausgedehnte Reisen in die Vergangenheit zu nehmen.

Im Frühjahr, als ich wegen meiner Sehnenrisse nicht mobil war, habe ich es übrigens geschafft, die bisherigen Bände alle der Reihe nach noch einmal durchzulesen, so als Mittelalter im Schnelldurchgang. Hat Spaß gemacht!

Bibliografische Angaben (TB, seit 27.11. im Handel ): Rebecca Gablé, Teufelskrone, Bastei Lübbe, ISBN  978-3-404-18306-7, € 14,- (Österreich € 14,40) Ebenfalls Lieferbar als Hardcover, eBook, Hörbuch-CD und Hörbuch-Download

Tag 27 – Einfach nachhaltig: Weihnachten

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Müll produzieren wir in diesem Jahr 2020 mal wieder reichlich, da es in vielen Supermärkten zeitweise nicht möglich war oder ist, eigene Dosen für Fleisch, Käse und Fisch mitzubringen. Weil wir dann vielleicht auch verstärkt zu vorverpackten Produkten greifen. Oder weil wir Einmal-Masken benutzen, Desinfektionstücher oder andere Hygieneprodukte. Aber auch, weil wir eventuell doch wieder unsere Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, damit sie nicht dicht gedrängt im Schulbus stehen. Oder, oder, oder. Da hilft es dann auch nur bedingt, dass der Urlaub ohne Flugreise stattfand.

Es ist auch klar, das Ruder herumreißen, das schaffen wir vor Weihnachten auch nicht mehr wirklich. Wenn ich im Moment so oft in der Radiowerbung höre, dass „die Geschenke dieses Jahr ein >bisschen< größer ausfallen dürfen“, quasi als Entschädigung für das verkorkste Jahr, dann denke ich: Aber (die Entschädigung besteht) nicht für die Kinder, sondern für die Geschäfte. Ja, ich weiß, diese Meinung ist kontraproduktiv, wenn man im Einzelhandel arbeitet. Aber Bücher gehen eben immer😉. die kann man nie genug haben. – Nein, im Ernst, klar ist es für viele Händler sehr wichtig, dieses Jahr noch mit einem profitablen Weihnachtsgeschäft abzuschließen, das ist unbestritten und das kann ich total nachvollziehen.

Der Mensch in mir, der aber schon lange unter der Last des Überflusses ächzt, der möchte laut rufen: „Schaltet doch mal einen Gang zurück!“ und feiert dieses Buch, das ich euch heute zeige. Schon allein das Vorwort, auf dem Foto oben rechts zu lesen, zeigt ganz gut, worauf es abzielt. Das Buch ist nicht dafür gedacht, dass man es von vorn bis hinten durchziehen muss (schadet aber auch nix, wenn man es tut), aber es sind viele schöne Tipps darin, wie man ohne großen Aufwand beispielsweise schöne Deko aus vorhandenen Materialien basteln kann, wie man sein Weihnachtsessen ohne tierische Produkte zelebrieren kann, oder auch, wie man dem Stress entfliehen kann (den man sich meist ja selbst macht) und statt dessen mit der Kernfamilie die Ruhe und Besinnlichkeit von Weihnachten (neu) entdecken kann. Nichts davon mit erhobenem Zeigefinger, aber mit Liebe und praktischen Informationen (zum Beispiel zum Thema fair gehandelte Weihnachtsbäume).

So sehr ich auch verstehen kann, weshalb gerade in diesem Jahr der Wunsch besteht, sich selbst zu belohnen, indem man sich vor dem Jahresendspurt einfach nochmal etwas schönes neues „gönnt“: dieser Ansatz des Innehaltens vor dem Fest, das für viele das schönste des ganzen Jahres ist, der gefällt mir sehr gut. (Ganz davon abgesehen, dass sich für sehr viele Familien überhaupt nicht die Frage stellt, ob es „etwas mehr sein“ darf, weil Kurzarbeit, mangelnde berufliche Perspektive oder die drohende Firmeninsolvenz im Raum steht.)

Bibliografische Angaben: Anna Brachetti, Einfach nachhaltig – Weihnachten, Verlag EMF, ISBN 9783-7459-0083-5, € 14,99 (Österreich € 15,50)