Der Lack ist ab…

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…die Erfahrung machen ja wir alle irgendwann. Die einen früher, die anderen später (oder vielleicht auch nur durch Sachzwänge?), und ganz ehrlich, es ist doch schon mal beruhigend, dass auch männliche Schauspieler nicht frei sind von den entstehenden Herausforderungen (Probleme klingt von vornherein so negativ). Denn landläufig sagt man doch immer, dass es für Männer jenseits der 40 wesentlich einfacher ist, an gute Rollen zu kommen als für gleichaltrige Frauen, unter anderem weil Männer mit grauen Schläfen distinguiert wirken, Frauen dagegen nicht mehr taufrisch sind, sondern verbraucht (Mir ging als erstes „abgewirtschaftet“ durch den Kopf. Ist das nicht furchtbar, wie sehr man sich doch an Klischees orientiert, sogar wenn man alterstechnisch zur Zielgruppe von Ratgebern gehört? Und sich selbst auch natürlich ganz anders sieht?)

Wie ich in einem früheren Beitrag schon erwähnte, ist das Buch in erster Linie ein Ratgeber für Männer, die sich in diesem gefährlichen Alter (eine Nachbarin nennt es „zweite Pubertät“, ich finde, das trifft es bei so manchem ganz gut) befinden. Je nachdem, wie gut man so jemanden kennt und wie weit man sich auf vermintes Gebiet vorwagen mag oder darf, kann es also durchaus mal abends auf dem Sofatisch liegen oder zu einem passenden Geburtstag verschenkt werden😉. Übrigens war ich, als ich schrieb, ich sei mir nicht sicher, ob ich das alles wissen wolle, was er beschreibt, bei dem Themenkomplex „Hämorrhoiden, Prostata und Darmspiegelung“. Da reichen mir doch eindeutig die frauenspezifischen Problemchen.

Im weiteren Verlauf des Buches geht es aber auch um alltägliche Vergesslichkeit (nein, nicht jedes tüddelig sein ist gleich ein Vorbote von Demenz, puh), um die Perspektive der eigenen Endlichkeit, die sinnlosen Vergleiche mit anderen, die wir offenbar krankhaft verinnerlicht haben (Und wozu die sozialen Medien Vorschub leisten, denn wer stellt schon Selfies bei Instagram ein, wenn er einen Hexenschuss hat oder eine Trigeminus-Neuralgie?) In diesem Zusammenhang fühlte ich mich so richtig heimelig bei dem Kapitel über Klassentreffen.

Mein Fazit: Ja, in erster Linie ein Männerbuch. Es hat mich als Frau aber auch nicht umgebracht, sondern an manchen Stellen amüsiert und an anderen zum Nachdenken gebracht. Nicht alles ist neu, was Kai Wiesinger schreibt, aber so manches gehört in die Kategorie „das muss mir immer mal wieder jemand sagen, damit ich es verinnerliche“. Klar, die eine oder andere Stereotype über das Verhältnis von Männern und Frauen oder über angeblich typische weibliche Verhaltensweisen fehlt auch nicht, aber wenn sich die Herren der Schöpfung dann besser fühlen, geschenkt. Ach so, wichtig ist vielleicht noch folgende Info: Da Herr Wiesinger Schauspieler ist, nicht Arzt, Psychologe oder was auch immer, hat er zu den einschlägigen Themen nicht in die Gegend phantasiert, sondern sich bei entsprechenden Fachleuten über die Hintergründe informiert. So etwas sollte normal sein, aber wir alle wissen, dass man es in der heutigen Zeit besser mal explizit erwähnt😉.

Bibliographische Angaben: Kai Wiesinger, Der Lack ist ab, Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3-596-70677-8, € 11,-

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

4 Kommentare zu „Der Lack ist ab…“

    1. Ich habe bis jetzt kein Amazon Prime und werde es auch nie abonnieren. Etwas Buchhändler-Stolz ist mir ja geblieben🙄, diesem Gemischtwarenkrämer schmeiße ich auch keine Prime-Gebühren in den Rachen. Aber ich kann es mir auch tatsächlich sehr gut vorstellen, bei der Besetzung…

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