18. Dezember – Ein fettes Dankeschön

Heute ist der vierte Advent, aber anstelle eines besinnlichen, feierlichen Beitrages mute ich euch heute ein schwieriges Thema zu. Leid tut mir das aber nur ein ganz kleines bisschen, weil ich darauf hoffe, dass heute das Zeitfenster zum Lesen vielleicht ein wenig größer ist. Und weil ich von der Relevanz überzeugt bin.

Die Schlagzeilen über vollkommen überlastete Kinderkliniken, Kinderarztpraxen und Rettungsdienste kennen wir alle zur Genüge in dieser Zeit. Zu Recht brauchen diese Institutionen und die dort arbeitenden Menschen unsere Aufmerksamkeit. Ich hoffe nur, die aktuelle Alarmstimmung lässt uns nicht abstumpfen, wie es mit so vielen wichtigen Themen derzeit passiert. Denn es gibt gute Gründe auch jenseits des abgenudelt klingenden Satzes „Kinder sind unsere Zukunft“, weshalb auch nach dem Abklingen der akuten Infektwelle diese Thematik nicht in der Schublade verschwinden darf.

Unsere Familie, genauer gesagt eine unserer Töchter, war in diesem Jahr auf alle oben genannten Bereiche angewiesen. Und bei allen ist sie auf sehr engagierte, hilfsbereite und zugewandte Menschen gestoßen, die ihr eine schwierige Situation erklärt, ihr hindurchgeholfen haben und unendlich viel Geduld mitgebracht haben.
Ich möchte nicht allzu sehr in die Details gehen, aber abseits der schlagzeilenträchtigen „großen Erkrankungen“ wie Krebs oder Herz-Kreislauf, auch abseits von körperlichen oder geistigen „Behinderungen“, war schon vorgeburtlich klar, dass unser Enkel eine OP kurz nach der Geburt brauchen würde. Entsprechend wurde die Geburt genau geplant, ebenso wie die OP danach. Wegen der Spezialisierung der Kinderklinik sollte das alles in einer anderen Stadt rund 70 km entfernt stattfinden. Dank des Rettungsdienstes, dessen Besatzung sich nach der Erläuterung der genauen Umstände auch bereiterklärte, den kurzfristig notwendig gewordenen (Liegend-)Transport zu übernehmen, obwohl die nächstliegende Geburtsklinik keine 10 km entfernt war, konnte alles ungefähr wie geplant stattfinden, wenn auch etwas eher.

Sechs Wochen wurden unser Enkel und unsere Tochter rund um die Uhr betreut, mit viel Geduld bei den immer wieder auftretenden Fragen, mit Ruhe und Empathie. Niemand ließ sie spüren, dass Zeit ein knapp bemessenes Gut war, dass viel Hektik im Klinikalltag herrschte. Die Übernahme der ärztlichen Betreuung durch eine Kinderarztpraxis hier vor Ort klappte reibungslos, obwohl auch hier die Praxen am Anschlag sind.

Und als am letzten Montag durch einen Erkältungsinfekt eine unklare Situation eintrat, die mit akuter Luftnot einherging, war innerhalb einiger Stunden klar, dass eine stationäre Therapie aufgrund Frühgeburt und medizinischer Vorgeschichte angesagt war. Natürlich war das mit ein paar langen Abendstunden in der Kinder-Notaufnahme verbunden, und natürlich war es mir als Oma nicht möglich, als moralische Unterstützung mit in ebendiese Notaufnahme zu gehen (Immerhin gibt es bei uns eine Kinderonkologie mit kleinen Patienten, die extrem immungeschwächt sind. Da reichen schon die Erreger, die von anderen Patienten ausgehen, da muss nicht auch noch Hinz und Kunz was hinterlassen.) Und übrigens: alles das als ganz normale Kassenpatienten.

Wenn man Kinder hat, kommt man irgendwann mit diesen Institutionen in Berührung. Diverse Blinddarmentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber, mehrere Invaginationen, Asthma-Anfälle, Pseudo-Krupp, stark blutende Kopfwunden, mögliche Gehirnerschütterungen, das waren bei unseren Töchtern im Lauf der Zeit die Gründe. Und es ist mir persönlich auch kein Fall bekannt, bei dem stark verunsicherte Eltern abgewiesen wurden. Ich kenne eher die Sichtweise: Wenn es euch unheimlich ist, fahrt hin. Lasst lieber einmal zu viel draufschauen als einmal zu wenig.

Ich kann nicht viel mehr tun, als an dieser Stelle ein ganz fettes DANKE an alle in die Welt zu schmettern, die in diesen Bereichen arbeiten, sich einbringen, leider auch total überlastet, deshalb manchmal sehr gefrustet sind und sich dann auch noch Anklagen anhören müssen, wenn sie mal nicht so reagiert haben, wie es von ihnen erwartet wurde. Und ich kann euch ermuntern, Menschen, die ihr in eurem Umfeld habt und die solche Arbeit tun, zu schätzen. Mehr noch: wenn ihr Leute kennt, die in Verwaltung, Politik und Gesundheitswirtschaft Einfluss haben, geht ihnen auf den Keks mit der Forderung nach besseren Bedingungen: finanziell, personell, ideell, mit jedem brauchbaren Support.

Für eine gute, humane und empathische Gesundheitsversorgung, für Eltern, die sich nicht aus Enttäuschung abwenden, für eine starke und wertschätzende Gesellschaft. Und damit sich die Beteiligten in der medizinischen Versorgung mit gutem Gewissen in erster Linie um das Wohl ihrer Patienten kümmern können, ohne Dividenden von Aktionären im Hinterkopf haben zu müssen.

Ganz zum Schluss hänge ich hier nochmal einen Link an, für eine Einordnung rund um das Thema Infektanfälligkeit bei Kindern und Immunsystem:
https://www.schwesterfraudoktor.de/2022/12/11/wir-haben-alle-kein-immunsystem-mehr/

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

2 Kommentare zu „18. Dezember – Ein fettes Dankeschön“

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