Projektwoche

Gibt es die eigentlich noch? In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es sie jährlich bei uns an der Schule, ebenso wie den „Weihnachtsbasar“ im Advent. Die ersten davon waren thematisch ziemlich frei, so habe ich meine erste Hose während eines Nähkurses bei meiner Englisch-Lehrerin genäht. Ob man es nun mehr mit sportlichen Themen hatte, die im Unterricht nicht so wirklich vorkamen (Tennis und Reiten), gerne kochte oder backte, journalistisch arbeiten wollte oder was auch immer, eine Woche im Jahr tobten sich Lehrer und Schüler gemeinsam mit „schulfremden“ Inhalten aus und stärkten so auch die Schulgemeinschaft. Später war es Pflicht, dass sich ein thematischer roter Faden durch die Woche zog (z.B. Ostwestfalen in der NS-Zeit) und noch später wurde die Woche zu einzelnen Projekttagen verkürzt. Das war sehr schade, weil es meist die motivierteste Woche im Schuljahr bei allen Beteiligten war.

Ebenso gab es den Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung. Für jedes Jahr wurden einige Themenkomplexe zur Auswahl gestellt, mit denen sich einzelne Klassen jeweils altersgemäß beschäftigen konnten, die Ausarbeitungen wurden eingereicht und auch prämiert. Unsere Klasse gewann dabei einmal mit einer Ausarbeitung zum Thema Verteidigungspolitik einen Besuch beim Pionierbataillon 130 in Minden, wo wir außer einer Führung durch die Kaserne und den Maschinenpark auch ein Mittagessen mit den Soldaten „genießen“ durften (unser Eindruck: man versuchte damals nicht unbedingt, die Leute durch die herausragende Qualität des Essens zu motivieren) sowie einen Brückenschlag auf der Weser miterleben. Obwohl ich kein Militärfan bin, eine bleibende Erinnerung!

Zurück zur Projektwoche. Unsere beiden älteren Töchter hatten zumindest ab und zu Projekttage, wenn ich mich da richtig erinnere, oder waren es AGs? Die Jüngste hatte in der Kita mindestens einmal eine naturwissenschaftliche Projektwoche, da kam eigens eine besonders geschulte Erzieherin in die Kita. Eine „Forscherwoche“ war das. Von der Grundschule her ist mir aktuell nichts in Erinnerung, auf dem Gymnasium gibt es natürlich AGs und Projekttage mit „Methodentraining“. Und es gibt einzelne thematische Projekte, die aber nicht im Block, sondern eher nebenbei laufen.

Ich muss sagen, ich finde es sehr schade, dass es anscheinend die geballte Ladung „Projektwoche“ nicht mehr so gibt. Die Gründe sind vielfältig: Unterrichtsverdichtung, immer stärkere Leistungsbetontheit der Schulen in den letzten Jahren, hohe Arbeitsbelastung beim Lehrpersonal, die kaum noch Platz für freiwilliges lässt… Trotzdem oder auch gerade deswegen bietet das Format aber so viel Zusatz“nutzen“: einen Gewinn an Gemeinsamkeit statt Gegeneinander, an gabenorientiertem Lernen statt Unterricht nach Vorschrift, an praxisrelevantem Anwendungswissen statt grauer Theorie, an Denkanregungen statt 08/15-Pauken. Und so edel und gut es ist, wenn sowohl Lehrer als auch Schüler in ihrer Freizeit bereit sind, sich mit ihrem Spezialgebiet einzubringen, so wichtig fände ich auch das Signal, das davon ausginge, wenn eine Woche im Jahr dieses kooperative Lernen Oberhand bekäme über dem Standard.

Aktuell bieten sich Themenkomplexe an, die aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können:

Wohin wollen wir als Gesellschaft? Was machen Medien mit uns? Welche Konsequenzen hat der Klimawandel? Projekt Weltfrieden – Utopie oder Illusion? Für alle diese Themen (und noch mehr) gibt es naturwissenschaftliche, gesellschaftswissenschaftliche, medizinische, ökonomische Ansätze, sich anzunähern. Für jeden ist etwas dabei und es gibt sogar einige prominente Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Journalisten, Mediziner…, die bereit sind, bei solchen Projekten mitzumachen.

Challenge 2.0

Diesen Beitrag schreibe ich im Rahmen der abc-etüden. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/04/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-17-18-20-wortspende-von-myriade/

Seit fast acht Wochen habe ich nichts mehr über die Challenge geschrieben. Sie ist aber keinesfalls unter den Teppich gekehrt, nein, keineswegs. Was das angeht, werde ich gläsern bleiben und berichten. Allerdings wurde sie, zumindest bei mir persönlich, von zwei anderen Herausforderungen überlagert:

Erstens: Beine schonen. Zuhause bleiben, damit die Sehnen wieder anwachsen können, Beine hochlegen, wenig Bewegung. Als wäre das nicht genug, kam dann

zweitens Corona dazu. Noch mehr zuhause bleiben, weil Risikogruppe. Nichts mit unbeschwert durch die Gegend flattern! Mit zunehmender Mobilität innerhalb der eigenen vier Wände erwachte auch die ursprüngliche Challenge wieder. In Form von Vernichtung: Vernichtung von bevorrateten Lebensmitteln, die seit Jahr und Tag in Vergessenheit geraten waren. Und zwar Vernichtung durch Aufessen.

Und jetzt durch das Transformieren von Stoffen aller Art: Alte Herrenhemden, Bettwäsche, Tischdecken und Patchworkstoffe werden zu Masken verarbeitet. Dazu die Reste von „Schlüpfergummi“ aus dem alten Nähkorb meiner Mutter. Was als Nachbarschaftshilfe für die Hausarztpraxis begann, hat sich (übrigens entgegen meiner ursprünglichen Absicht) verselbständigt. Es macht nämlich auch durchaus Spaß, Statementmasken für Hobbygärtner, Globetrotter, feine Damen oder Freizeitkapitäne zu nähen. Leider sind die Stoffe für Leseratten (mit Büchern drauf oder zumindest mit Schrift) momentan sehr schwierig zu bekommen (Oder es sind schwere Dekostoffe, durch die man nicht atmen kann). Aber das ist dann ja auch kein Verwenden von sowieso schon Vorhandenem mehr.

Größere Aktionen werden aber noch ein bisschen warten müssen. Weil ich zwar wieder gehen kann, aber die Kraft erst noch trainieren muss. Und weil die Annahmestellen für Sperr- und sonstigen Müll nach drei Wochen Schließung erstmal viel Zulauf haben. Offensichtlich ist Entrümpeln momentan Volkssport. Da warte ich lieber noch ab.

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzaday

Frauen und Männer, Bücher und Glaube

Witzig. Bis eben wusste ich nicht WIE VIEL diese beiden Karten miteinander zu tun haben…

Ich liebe Bücher. Als Buchhändlerin wäre es ausgesprochen dämlich, es nicht zu tun. Man wird ja auch nicht Koch, wenn man keinen Wert auf gutes Essen legt, oder?

Jedenfalls mag ich dieses Fenstermotiv sehr gern. Ich mag nur nicht die Vorstellung, jedes Mal die ganzen Bücher wegzuräumen, wenn das Fenster geputzt werden muss… Die Besitzer dieses Hauses zeigen schon ziemlich offensiv nach Außen, wofür ihre Herzen schlagen. Sogar auf eine Weise, dass auch die Buchtitel von außen lesbar sind. Cool.

Zeigen wir immer der Öffentlichkeit, was uns wichtig ist? Sei es die Beziehung zu Partner oder Partnerin, sei es die Liebe zu unseren Kindern oder Freunden. Oder auch das Vertrauen in Gott und Jesus?

Es gab eine Zeitlang immer wieder Bücher, die das Verhältnis von Frauen und Männern zum Thema hatten: „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ zum Beispiel. Oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Und viele andere. Schon an den Titeln ist es zu erkennen, es wird genussvoll mit Klischees gespielt. Dabei wissen wir alle ja eigentlich ganz genau, dass das Leben viel bunter ist als jedes Blau/Rosa-Klischee uns weismacht.

Ähnlich ist es auch mit der Textaussage auf der unteren Karte. Fällt Frauen das Glauben denn tatsächlich leichter? Oder gehen sie offener mit dem Thema um?

In der Jugendarbeit merke ich, dass es um die Zeit der Konfirmation herum anscheinend für Mädchen einfacher ist, ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen. Auch im Sonntagsgottesdienst sitzen häufig mehr Frauen als Männer. Andererseits kommt es mir so vor, als ob in den Leitungspositionen der Kirchen (nicht nur bei den Katholiken) immer noch mehr Männer als Frauen zu finden sind. Also, so ganz eindeutig kann man es einfach nicht sagen. Auch hier gilt wohl: Jeder Mensch hat seine eigenen Ausdrucksweise. Und die orientiert sich sicher eher an der persönlichen Prägung des Menschen als am Geschlecht.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)